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Full text of "Johann Carvers Reisen durch die innern Gegenden von Nord-Amerika in den Jahren 1766, 1767 und 1768, : mit einer Landkarte. Aus dem Englischen"

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Nord a, ka 


in den Jahren 1766, 1767 und 1768, 


mit einer Landkarte. 
Aus dem Englischen 


Vocbeucht 


Carver Reisen erſcheinen hier ohne die ver⸗ 

pprochenen Zufäße, weil unvermeidliche Ge⸗ 
ſchaͤfte mich daran hinderten / Sie auszuarbeiten; 

auch fand ich bey der Leſung des Buchs, daß ſie 
ſich beſſer an einem andern Orte anbringen ließen, 
und Car ver ohne ſie verſtaͤndlich und unterhaltend 
genug waͤre. Die Ueberſetzung iſt nicht von mir, 
allein ich kann für böre Richtigkeit einſtehen. 


C. D. Ebeling, 
Auſſeher der Handlungsakademie 
in Hamburg. . 


a: 


e e e 


kom ie 2 0 


5 1 den eden zu u Verſales 1763 ge⸗ 
5 endigt war, dachte ich darauf, wie 
ich meinem Vaterlande, dem ich waͤhrend des 
Krieges einige Dienſte geleiftet hatte, noch 
ferner nützlich ſeyn, und ihm den großen Strich 
Landes, den es in Nordamerika erlangt hatte, 
ſo eintraͤglich machen möchte, als in meinem 
Vermögen ſtand. Es ſchien mir durchaus 3 
nothwendig, zuerſt der Regierung eine hinrei⸗ 
ER Kenntniß von dem wahren Zuſtand der 
. Me Laͤn⸗ 


vn Vorrede. 
Laͤnder, die ihr eben abgetreten waren, zu 
verſchaffen. Ich entſchloß mich daher, als 
den beſten Beweis meines Eifers, die unbe⸗ 
| kannteſten Theile davon zu unterſuchen, und 
keine Mühe und Unkoſten zu fparen, um eine 
Einſicht zu erlangen, die meinen Landsleuten 
ſo vortheilhaft werden konnte. Ich ſah vor⸗ 
her, daß der Mangel von guten Karten meis 
nem Vorhaben große Hinderniſſe in den Weg 
legen wuͤrde; denn die Franzoſen hatten ſo 
: lange, als ſie die Obermacht in Nordamerika 
' behielten 1 fi. alle erfinnliche Mühe gegeben, 
| fremde Nationen, hauptſaͤchlich die Englaͤn⸗ 
| der, in einer völligen Unwiſſenheit von allem, 
1 5 was das i innere des Landes betraf, zu erhal⸗ 
. ten. Um ihre Abſicht deſto ſicherer zu erlan⸗ 5 
gen, gaben ſie fehlerhafte Karten und falſche 
N Nachrichten heraus; und benannten die ver⸗ 
ſchiednen indifchen Bölferfihaften nach Bey⸗ 5 


Vorrede. vir 
nahmen, die ſie ihnen gegeben hatten, und 
nicht nach ihren wuͤrklichen. | Ich weiß nicht, a 
ob die Franzoſen dieſe Beynahmen erfanden, 1 
um zu verhindern, daß dieſe Volkerſchaften . 
nicht entdeckt werden möchten. und um ſie von 

aller Handlung mit andern Europaͤern auszu⸗ 
g ſchlisſen, oder ob es blos geschah, um ſich 
nicht zu verrathen, wenn ſie mit einander uͤber 
undiſche Angelegenheiten in Gegenwart von . 


Indiern ſprachen. Aber die Urſache dieſer ey 


| Gewohnheit ſey auch, welche fie wolle, . 
1 45 u nr andre zu verwirren. | 


| die m 


su Beneik, wie ie ſehr ip dee Engländer | 
durch dieſe Nachrichten hintergehn fieffen ‚und 
wie eingeſchräͤnkt ihre Kenntniß von Canada 
war, fo hielten fie Crownpoint vor der Ero⸗ 
5 berung im Jahre 1759 für. eine unüͤberwind⸗ 
11 deu Und kaum war es übergegan⸗ 
er 4 nn, 


— — 


den e ee die feine * 1 Be⸗ u 
ſitzer davon ausgeſprengt hatten, beſtand, und in 
daß etliche Vierpfuͤnder es leicht hätten in den 
Grund ſchieſſen koͤnnen. Selbſt nicht in⸗ 
mahl die Vortheile 0 die man von ſeiner Lage 
erwartete waren gegruͤndet. Zwar ſind ei⸗ 
nige Landkarten von dieſen Gegenden von den 
Franzoſen mit einem Anſchein von Genauig⸗ 

keit herausgegeben; allein ſie ſind nach einem 
ſo verjüngten Maaßſtabe gemacht, daß man 5 
ſich faſt gar nicht daraus finde Die 
Quellen des M A iippi find, nach meiner eignen | 
Erfahrung, uſſerſt unrichtig angegeben; denn 
wie ich ſie unterſucht hatte, und ihre wahre 

= Lage mit den franzöfifchen Karten verglich, 

| ſeo ward ich überzeugt, daß dieſe nur nach ei⸗ 
ber rohen indiſchen Skitze gemacht waren. 


* 
Vi N 1 


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— . ER nee —— u — — DEE en 


— 


ii ———— 


* 
Noch als ſie Canada raͤumten, ſetzten ſie 


ihren Plan zu hintergehn fort, und lieſſen 1 


nicht die geringſten Spuren zuruͤck, woraus 

ihre Ueberwinder Unterricht Hätten ziehn koͤn⸗ 
nen; denn ungeachtet ſie alle Seen ſehr! sut 

1 kannten, und auf den Obere ſelbſt ein Fahr⸗ 
| zeug von beträchtlicher © roße beftändig hiel⸗ | 


„ f find doch ihre Karten davon ſehr un- \ 


ten, 


bi richtig Ich entdeckte viele Irrthümer in den w 


Def preißungen! der Inseln und Buchten deſſel⸗ 

ben auf e. einer Strecke von eiff hundert Meilen, N 
die ich in Kancen laͤngſt den Küften ſchi te. 
Sie ſorgten ferner dafür, die Pläse a welche 
denten Ms bre Heise in eben en | 


nS bel d. von 


0 einem sun — on das bis ae Waſſer 
Dam > u > — 


Vorrede. 


abgebrannt war, grade wo ſich die € 
von St. Marie in den See ofnet. 


traße 


Jedoch waren dieſe Schwierigkeiten nicht 
hinreichend, mich von meiner Reiſe abzu⸗ 
ſchrecken. Mein Hauptaugenmerk war, wenn 
ich die Olten, Gebräuche, Sprachen, den 8 
Boden und die natürlichen Produkte des Ge⸗ 
bietes der Volkerſchaften, die hinten am Miſſi⸗ 
ſippi wohnen, erlangt habe wuͤrde, die wahre f 
Brkeeite des ungeheuren feſten Landes, das fich 
von dem großen Weltmeere bis an die Suͤdſee 
erſtreckt, in ſeiner größten Ausdehnung zwi⸗ 
ſchen dem drey und vierzigſten und ſechs und 
vierzigſten Grade n Breite, zu beſtim⸗ 

0 men. V Waͤre ich im Stande geweſen, dies 
Wohiben auszuführen, fo wuͤrde ich der Re⸗ 
gierung vorgeſchlagen haben, irgendwo an der 
Straße Anian einen Poſten anlegen zu laſſen, | 

1 A | die 


xı 


die unſtreitig d den Englaͤndern geßte, da Sie 
1 Duale ſie zuerſt entdeckte. Dieſer 
Poſten wuͤrde die Entdeckung einer nordweſt⸗ 
“ lichen Durchfahrt, oder einer Gemeinſchaft zwi⸗ 0 
ſchen dem Hudſonsmeerbuſen und der Süͤdſee 
ſehr erleich tern; eine wuͤnſchenswehrte € Entdek⸗ 
kur g/ der man zwar ſchon oft, aber bisher noch 
immer ohne Erfolg nachgetrachtet hat. Noch 
auſſer dieſem wichtigen Endzwecke wuͤrde eine 


iederlaſſung an dem Ende von Amerika noch 


in ve ſchiednen andern Stuͤcken ſehr vortheil⸗ 
haft ſeyn, und alle Unkoſten, ie ſie verur⸗ 
ſachen koͤnnte, reichlich bezahlen. 4 
würden nicht allein viele neue Handlungszweige 
erwachſen, und viele nuͤtliche Entde ungen 
befördert werden, ſondern ſie wüͤrde auch dazu 
dienen, Nachrichten nach Sſina und den eng⸗ 5 
lischen Befisungen in Oſtindien mit weit größe⸗ | 
eſchw en ſchicke, als es a einer 
lang⸗ 


) 


Durch ſie - 


langwierigen Schiffahrt um das Vorgebuͤrge 
der guten Hofnung, oder en die bana 
ach. e gen kann. 


; ö 7 


9 Wie * as e * e, ſol⸗ 
chen Unternehmen erſtrecken konnen, koͤmmt 
blos auf die Verbindung guͤnſtiger Umſtaͤnde 
in der Zukunft an. Aber daran zweifle ich gar 
nicht, daß dies Projekt, das ich zuerſt vor⸗ 
zuſchlagen und zu verſuchen gewagt habe, ir⸗ 
gend einmal wird in Ausfuͤhrung gebracht wer⸗ | 
den. Zwar f werden die unglücklichen Uneinig⸗ 7 
keiten, die jetzt zwiſchen Grosbritannien und 
Amerika herrſchen, einen zweyten Verſuch 
| wohl noch etliche Jahre verzögern, aber wie 
ſpaͤt es auch geſchieht, fo werden doch dieje⸗ 
nigen, die ihn gehoͤrig durchſetzen, auſſer dem 
g allgemeinen Nutzen der ganzen Nation, ‚ für: 
ſich . Vortheile daraus ziehn, die 


ihre 


. N 


vefeurigftenErwartungen übertref en muͤſſen. 
Und bey ihrer Froͤhligkeit über dies ihr Glück 
5 we den ſie dann vielleicht auch Dank ur d Se⸗ 
gen uͤber den ausſchuͤtten, der ihnen zuerſt den b 
ue 150 bahnte „und ich werde nr mit dem 


; 1b Sufande Gesang en 0 0 Sede 
wird, kann blos die Zeit entdecken. Allein 1 
da der Sitz der Herrſchaft feit undenklichen gei⸗ 5 
ten ſich allmählig immer weiter nach Weſten 5 
errückt t hat, ; 8 iſt es ſehr wahrſcheinlich, 8 
irgend in einer kuͤnftigen Periode, maͤchtige | 4 | 
Reiche aus dieſen Wildniſſen entſtehn, und 
prächtige: e, nebſt fi — Tempeln, 5 
. an 


an die Stelle bier Hütten kommen n erden, 
N deren einziger Zierath jetzt in den barbariſchen 
| Ersayiän von e ee — 


2 1 . Leſer ſchon aus verſchiednen Stel⸗ 
len im Vorhergehenden geſehn haben, daß mein 
Entwurf, bis an die Suͤdſee durchzudringen, 
mislang „ ſo muß ich noch hinzuſetzen, daß 
daran nicht die Unmoͤglichkeit der Sache ſelbſt, 

0 ſondern undermuthete Hinderniſſe Schuld wa⸗ 
ren; denn je weiter ich kam, deſto mehr ward 
0 ich von der Möglichkeit überzeugt, meinen 
4 sunfeh erfüllt zu ſehn. Ich kam aber doch 
ſo weit, daß meine Entdeckungen zu einem kuͤnf⸗ 
tigen Verſuche ſehr nuͤtzlic ſeyn, und einem 
glücklicher Nachfolger zu einer guten G Grund⸗ 


lage dienen koͤnnen, ſein Unternehmen darauf 
| bauen. ee Entdeckungen werde ich jetzt 
dem 


75 weißen davon bisher an von keinen, der vo . 
den einlaͤndiſchen Voͤlkerſchaften der Indier ge⸗ 
| ſchrieben hat, ſind angefühet worden; vorzuͤg⸗ 

lich e 4 0 von den enen rn, 


EN) en, — elie l Meilen len v ander f 
N ittelpunkte des großen feften Landes ee t 
gen; dem Biufe an der ſch inden Hud⸗ | 
de m Fluſſe St. Lorenz; 


der — | 15 und a EM je Oregan, oder 


f dem Weſtfluſe, d „de bey der Straße Annan in 7 
“dee lt. 


| . Die Simemife, 15 die RR zwange , zuruͤck⸗ in 
ji zukehren, ohne meine Abſicht erreicht zu haben, 
waren folgende. Bey meiner Ankunft zu 
neues dem entfernteſten eiglifchen | 


05 | I Poſten, 


. 
U 


verſprach mir, die uͤbrigen nach dem 


nen Er 


kogers, 
der damahls Befehlshaber davon war, und 
erſuchte ihn, mir verſchiedne Arten von Waa⸗ 
ren zu Geſchenken fuͤr die Indier, welche ich 
zuf mein er Reiſerute antreffen wuͤrde, zu ver; ; 
Kaffe. Allein er that es nur zum Theil, und 
Dit aſſer⸗ | 
falle von St. Anton nachzuſchicken. Ich er⸗ 
fuhr nachher „daß er befohlen hatte mir die 
Waaren auszuliefern, allein d diejenigen, denen 


Poſten, wandte ich mich an Heren N 


fe anvertraut w waren, fanden es für gut, an⸗ 
| ſtatt ſeinen Befehlen zu schonen, ande des 
fügungen darüber zu treffen. 


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0 4 * 0 r SA 8 4 * 
9 vr a * N 
f * N 5 * & 8 — 2 


Ich ſah . daher von dieſer Seite in mei⸗ 
artungen betrogen, und gezwungen, 


nach la Prairie des chiens zuruck zu kehren, da 
es unmöglich war, ohne Geſchenke, wodurch 

* mir eine guͤnſtige Aufnahme verſchaffen 
konnte, 


1 


iR Vorrede. dnn 
nie, weite r zu gehn. 800 erreichte es im 
Aufa ige des Jahres 17675 und da ich meine 
R iſe auf dieſe Art gegen Weſten verzögert 
nr . n er wer meinen ee 


FF » 


z wiſchen aden dull d des Hehe ee und den 
, Düne m A und um die e ee 


ahr dem ech Kagepfähe Be an der N ordweſr 

5 ſeite dieſes Sees kommen, anzutreffen. Ich | 
| dachte von ihnen Waar ren einzukaufen, „ und 
dann mei le Reife auf dieſer Seite uͤber die 
| Seen la PI ute a Dubois und Uinipiek bis an 
die Quellen des 2 geſtfluſſes fortzuſetzen, 2 der, 
wie ich vorhin geſagt habe, in die Straße von 
St. Aunian fällt. Ich erteichte den erſten 
Theil meiner Abſicht, und kam beym Oberſee 
= sepbrigen Bun an, allein ich erfuhr zu 


. meinem 16 


iii! Borsee 


meinem großen Leidweſen von de 
leuten, daß ſie keine W̃ 1a re für mich uͤber 
hatten, da die, welche ſie mitgebracht hatten, | 
kaum hinreichend waren, ihre eignen Beduͤrf⸗ 
niſſe in dieſen entfernten Gegenden zu beſtrei⸗ 
ten. Ich ward alſo zum zweytenmahle in mei⸗ 
ner Hofnung betrogen, und genoͤthigt, nad 
dem Orte, wovon ich zuerſt ausreiſte, zurück 
zu kehren. Doch verweilte ich vorher "0 t | 
liche Monathe an der nordlichen und oſtlichen 
Seite des Oberſees 5 und PER die 5 
wogen und Fluͤſſe, / die LE in denselben — 


en. Handels⸗ 5 


1 et se  - 
15 Bellach wrd man von mir erwarten, 


. Por ich dem? hzublikum meine Gruͤnde vorlege, 
warum ich dieſe Entdeckungen, die einem jeden, 
der mit Amerika i in der geringſten Verbindung e 

ſteht, ſo wichtig u bisher noch nicht bekannt 1 
| gemacht 


nigfic hen Nathe eine B ittſcht 
um Erſetzung d der € Summen: 10 
im Dier an der Regieru ng aufge ge⸗ 


8 Si egen. an die Lords 


. t { enfür ſowichtg, d A do 60 
nen 10 er ur 


di dame Me. Beft 


An 
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DW 


1 XX Vorrede. 
1 
) waͤrtigen ſich endigte. Als ſie bc war, 


fragte ich, was ich mit meinen Papieren an⸗ 
fangen ſollte, und der erſte ord antwortete 
mir unverzüglich, ich ke 


oͤnnte fie bekannt ma⸗ 


chen, wenn es mir geſiele. 8 ieſer Erlaubniß 
zufolge verkaufte ich ſie an einen Buchhändler, 


aber wie fie beynahe zum Drucke fertig waren, 
0 erh pe eo. einen 2 Wan an die P 


W 


cher ah. bande g J apiere, die 1 — m in t 
EN Entdeeku ingen bezoͤgen, einzuliefern. Um die⸗ 
ſem Befehle zu gehorchen, m ißte ich ſie von 
25 ee mit großen Unfoften zuruͤck 
kauf be ſuchte ich den 
n b a . die e ich fen übe geben hatte, 
a anzuhaͤngen; allein meine Forderung ward 
mir abgeſchlagen, ungeachtet ich von der Hand⸗ 
N lungskammer Erlaubniß erhalten hatte, mit 


— — ee St ae — — —ũ— — — — 2 — — 
— — zu — . — — Zi a ex 


— nn ae nn 
— — 


meinen Papieren anzufangen, was mir ge⸗ 
Kup | file. 


i Bier 8 oh ich daher 
Soma eee. 00 die Großmuth des S Brain 
„ dem ich jet meine 2 Zach 


vie ich er ie Qriginale,an d die Planta 
amt ner überlieferte. Und dies thue ich 


um m ſo viel lieber, | da ich Bis 8 Pr nahe 


| a die mit den buen 
ol N 19 Rordamenia wegen ihrer nahen 
wegen ihrer Handlung irgend in 
Verbindu 19 ſtehn, werden fie auf erſt nuͤtzlich 
ſeyn und ihre A usgabe für mein Buch reich⸗ 
„ „% lich 


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* 


XXII 


lich bezahlen. Denen aber, die aus e fer o- 
benswürdigen? Aae „ mit den Sitten 
und Gebrluche Nen e ee e 


’ 955 5 


0 ah eine Sew, die bisher noch faſt 
+ ea ver . e 3 zum 


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..... — ...... —!. .. 
— — — a - — — — e = E — — N 
=: E - — 5 — * 
Se 5 
f: * 


Erwartun vic ſchmelce 
. mi, daß fe vom tem überhaupt ebe 1f0 
düuſig werden aufgenommen werden, als 
eſchreibungen von Inſeln, die durch nichts, 
sehe gefallen koͤnnen; und 
als e die unſerm Vaterlande we⸗ 
nig Vortheile zu verſprechen ſcheinen, N a 
tet ſie es ungeheure Summen koſten. ge 2 


2 


ich und 


= — AT TE 
= 8 —̃ ä — 
ee SET Tag —z 
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8 2 ; "ern 12 


um das folgende Werk ſo verſt 


aan zu kan) ; * es mir möglich 
Ä iſt, 


| Landes anführen. 2 


5 te Karte verweiſe/ und alsdenn, ſo wie ich 


geben „ wodurch fie 0 € St | 1 . 5 en, 
mir zu folgen, wenn ich fie ne eee “ 5 


we i er gehe, die Anzahl der Einwohner, * 
Lage der Flüſſe und Seen und? We des 
darauf w werde ) | ich K 


5 ſondern Kapitteln von den Sitten, Geseäucen 5 i 
und Sprachen der Indier handeln und um 


das Ganze vollſtaͤndig zu machen, ein Ver⸗ 


0 


| zeichniß von den unter ihnen am haufen ö 


vorkommenden I oͤrtern be 5 ut Jen. 
“ 925 a) 5 > 


* a, 
* 


er finde es mas, den n geehrten 
Theil meiner Leſer um Nachſicht gegen einen 


Mann zu erſuchen, dem es ſein Beruf nicht 
| erlaubt, ſich viele litteräͤriſche Kenntniſſe zu 
waben Ich bei ihn bitten, mein Werk 5 


nn DR | mit 


ne f 


mit keinem zu kritiſchen Auge atzuſchn, vor⸗ 
welch da ee auf ſah, eine genaue 


85 11 g ed Beſtze nerſck hopfliche Reich⸗ 


; Güte verſpricht, als mich einer guten Schreib⸗ 
art zu befleiſſigen; und mehr bemüht war, 
mich verſ aͤndlich und genau auszudrücken, 
als geblümt und ſchön zu schreiben. 


* 
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25 
* 


Ru etagebuch 
| nebſt | 
Beſchreib ung 0 
ider 7 
Seen, 2 u. ſ. w. 


\ 


1 Ju Junius 1766 reiſte ich von Boſton ab, ) 


und gieng über Albany und Niagara nach 


Miſchillimackinae, einem Fort, das zwiſchen den 
Seen Huron und Miſchigan liegt, und von Boſton 
etwa dreizehnhundert Meilen entfernt if. Da 
dies die aͤuſſerſte von unſern Faktoreien gegen 
NPiordweſten iſt, fo ſah ich es als den bequemſten 
Ort an, wovon ich mein Unternehmen anfangen, 
und auf einmahl in die Gegenden kommen We 
Oi ich unterſuchen wollte. N | 

Ich muß meine Leſer wegen der Theile von 
Nordamerika, die nahe an den aͤuſſern Pflanzun⸗ 
gen liegen, und daher bekannt genug ſind, auf 
‚ältere Beſchreibungen verweiſen, und werde mich | 
blos auf die Beſchreibung der innern Theile eins 
ſchraͤnken, die ſelten beſucht werden, und folglich 
auch nur wenig bekannt ſeyn koͤnnen Ich werde 
Carvers Reiſen. 1 dabey 


U 


| 8 die Ale 99 5 Wahrheit! nie überſchreiten, 
und alle unnuͤtzen und ausſchweifenden Vergröſſe⸗ 
rungen ſorgfaͤltig vermeiden, denen andre Reiſende 
nur zu oft ergeben ſind, um die Neugierde des 
Publikums deſto mehr zu erregen, oder ein groͤſſe⸗ 
res Anſehn von Wichtigkeit zu erlangen. Auch 
werde ich keine Beobachtungen anführen, als ſolche, 
die ich ſelbſt machte, oder die mir von glaubwuͤr⸗ 
digen Leuten mitgetheilt wurden, und fuͤr deren 
Wahrheit ich folglich ſtehn kann. a 

Miſchillimackinae, von wo aus ich meine Reiſe 
antrat, iſt ein Fort, das aus einem ſtarken Stack⸗ 
werk beſteht, und gewöhnlich eine Beſatzung von 
hundert Mann hat. Es ſind dreißig Haͤuſer darin, 
wovon eins dem Kommendanten „und eins dem 
Kommiſſaͤr gehoͤrt. Auſſerdem wohnen etliche Han⸗ 
delsleute innerhalb der Feſtungswerke, da die Lage 
zum Handel mit den benachbarten Voͤlkerſchaften 
ſehr bequem iſt. Miſchillimackinae bedeutet in der 
Sprache der Tſchipiwaͤer eine Schildkröte, und der 
Ort ſoll ſeinen Nahmen von einer Inſel erhalten 

haben, die ſechs bis ſieben Meilen nordoſtlich im 
15 Geſicht vom Fort liegt, und die Geſtalt dieſes 
Thieres Dali 

Waͤhrend des indiſchen Krieges, der auf die 


Eroberung von Ranakeı 1763 folgte, und von 
einem 


einem Here e enen Nationen, der Hu⸗ 
ronen, Miamier, Tſchipiwaͤer, Ottowaer, Pon⸗ 
towattimier, Miff iſager und etlicher andrer Staͤm⸗ 
me, unter der Anfuͤhrung des Pontiac / eines 
beruͤhmten indifchen Kriegers, und beſtaͤndigen 
Freundes der Franzoſen geführt ward, gieng es 
auf folgende Art durch einen Ueberfall uͤber. Als 
die Indier ihren Plan gemacht hatten ſo naͤher⸗ | 
ten fie ſich dem Forte, und fingen an Ball zu ſchla⸗ 
gen, ein Zeitvertreib, der bey ihnen ſehr gewoͤhn⸗ 
lich iſt. In der Hitze ihres Spiels, wobey etliche 
engliſche Offiziere ohne den geringſten Verdacht 
zuſahen, ſchlugen ſie den Ball, als von ungefaͤhr, 
verſchiednemahl uͤber das Stackwerk, bis ſie da⸗ 
durch der Schildwache am Suͤdchore allen Verdacht 
benommen hatten; worauf auf einmahl ein Trupp 
von ihnen bineindrang, dem die uͤbrigen bald folg⸗ 
Me und das Fort ohne Widerſtand in Beſitz nah⸗ 
| Da die Indier ihren Entwurf auf eine fo 
lache Art ausgeführt hatten, ſo waren ſie noch ſo 
menſchlich, dem größten Theile der Beſatzung und 
Handelsleute das Leben zu ſchenken, allein ſie fuͤhr⸗ N 
ten fie alle als Kriegsgefangne mit ſich weg. Doch 
bald nachher brachten ſie ſie nach Montreal, wo 
ſie zu einem hohen Preiſe losgekauft wurden. Auch 
| das Fort ward i im naͤchſten Jahre bey dem Friedens⸗ 
A 2 ſchluſſe 


\ | | N 
4 5 5 ee 
ſchluſſe zwiſchen Pontiae und dem Kommendanten 
von Detroit den Englaͤndern wieder eingeräumt. | 
Nachdem ich die nothwendigen Anſtalten zu 
meiner Reiſe gemacht, und verſchiedne Kreditbriefe 
vom Kommendanten, Herrn Rogers, auf etliche 
engliſche und kanadiſche Kaufleute erhalten hatte, 
die am Miſſiſippi handeln wollten, ſo reiſte ich den 
dritten September in Geſellſchaft dieſer Kaufleute 
ab. Auſſer den Kreditbriefen verſprach mir Herr 
Rogers noch, mir einen friſchen Vorrath von Waa⸗ 
ren nachzuſchicken, wenn ich an die Waſſerfaͤlle von | 
St. Anton kommen wuͤrde, und ſo lange ich mich 
bey den Kaufleuten aufhielt, ſollten ſie mich ſei⸗ 
nem Befehle zufolge mit ſoſchen Waaren verſehen, a 
als ich zu Geſchenken für d die indſ ſchen Dberhäupter 
brauchen würde. 
Wir kamen zuſammen den achtzehnten zu Fort 
la Bay an. Dies Fort liegt an dem ſuͤdlichen Ende 
einer Bucht im See Miſchigan, die die Franzoſen 
baye des puants (Bucht der Stinkenden) nannten; 
aber ſeitdem die Englaͤnder im Beſitz aller Nieder 
laſſungen in dieſem Theile des feſten Landes ſind, 
heißt ſie die gruͤne Bucht, und dieſen Nahmen hat 
ſie von dem Anblicke, den ſie macht. Denn wenn 
man im Fruͤhlinge von Miſchillimackinae abreiſt, 
| und dort die Bäume kaum anfangen Knoſpen zu 
treiben, 


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= 8 nn == an Sn Sn ee SE nn —— — — = I 
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3 


Be | e 
treiben, ſo ſieht man doch die Gegend um dieſe 
Bucht herum, ungeachtet die Fahrt nicht uͤber 
vierzehn Tage dauert, ſchon mit dem fihönften 
Gruͤn bedeckt, und das ganze Pflanzenreich uͤber⸗ 
haupt in einem ſo ee ; als wenn | 
es Sommer wäre. 
Auch dies Fort iſt nur mit einem Stackwerk 
umgeben, und ſo verfallen, daß es ſich kaum gegen 
kleines Gewehr halten kann. Die Franzoſen bauten 
es zur Bedeckung ihres Handels einige Zeit vor⸗ 
her, als ſie gendthiget wurden, es zu verlaſſen, 
und wie Kanada mit allem Zubehör an die Englaͤn⸗ | 
der übe rgeben ward, fo kam ein Offizier mit dreißig 
Mann zur Beſatzung hieher, die bald darauf von 
den Menomoniern, nach dem Ueberfalle von Mi⸗ 
ſchillimackinac, zu Gefangnen gemacht wurden. 
Seit der Zeit hat das Fort keine Beſatzung weiter 
1 gehabt, und verfaͤllt jetzt gänzlich. 

Die Bucht iſt ungefähr neunzig Meilen lang, 
aber ihre Breite iſt ſehr verſchieden, da ſie an ei⸗ 
nigen Stellen blos funfzehn und an andern zwan⸗ 
zig bis dreißig Meilen betraͤgt. Sie erſtreckt ſich | 
faſt völlig von Nordoſten nach Suͤdweſten. Bey 
dem Eingange vom See liegt eine Kette von In⸗ 
ſeln, die von Norden nach Suͤden laͤuft, und die 
Grand Traverfe (große Blende) heißt. Sie iſt un⸗ 
f | A 3 geſaͤhr 


ne 


/ 


gefaͤhr dreißig Meilen lang, und erleichtert die 
Fahrt mit Kanoen ſehr, da fie vor den Winden 
bedeckt iſt, die oft mit großer Heftigkeit uͤber den 
See her wehen. An der Seite, die nach Suͤdoſten 
liegt, iſt die Schiffahrt am naͤchſten und ſicherſten. 
Die Inſeln der Grand Traverſe ſind meiſten⸗ 
theils klein und felſicht. Die meiſten von den Fel⸗ 
ſen ſind von einer erſtaunlichen Hoͤhe, und haben 
das Anſehen, als wenn ſie von Kuͤnſtlerhaͤnden ge⸗ 
macht waͤren. Auf der größten und beften von 
dieſen Inſeln ſteht eine Stadt der Ottowaer, 
worinn ich einen von den vornehmſten Oberhaͤup⸗ 
tern dieſer Nation antraf, der mich mit allen Ehren⸗ 
bezeugungen, die er einem Fremden erzeigen konnte, 
aufnahm. Allein die Art, mit der man mich bey 
meiner Landung empſieng, kam mir damahls ſehr 
wunderbar vor, und ein jeder wird ſie dafuͤr halten, 
der mit den Gebraͤuchen der Indier nicht bekannt 
iſt. Wie unfte Kanoen ſich dem Ufer naͤherten, 
und wir noch ungefähr ſechzig Ruten 9 davon 
entfernt waren, ſo fiengen die Indier ein Freu⸗ 
denfeuer an, wobey ſie aber mit Kugeln geladene 
Gewehre abſchoſſen, aber doch fü „daß fie immer 
etliche Ellen hoch uͤber unſre Köpfe wegflogen. 
. Während dieſes Freudenfeuers liefen ſie von einem 
1 Baume 


) Eine Rute hat 16% englifche Fuß. 


Baume oder Stumpfe zum andern, und jauchzten 

und betrugen ſich überhaupt, als wenn fie in der 
Hitze des Treffens wären. Ich erſtaunte anfäng⸗ 
lich nicht wenig darüber, und befahl meinen Leuten, 
wieder auf ſie zu ſeuren, weil ich glaubte, daß fie, 
feindſelige Geſinnungen hegten; allein etliche von 
den Handelsleuten belehrten mich eines beſſern, 
und ſagten mir, daß ſie auf dieſe Art gewöhnlich 
die Haͤupter andrer Volkerſchaften empfiengen; 
und ſo ließ ich mir die Achtung, welche ſie mir be 


zeugten, recht gerne gefa lien. 


Ich blieb hier eine Nacht. Unter den Geſchen 
ken, die ich den Oberhaͤuptern machte, waren ei⸗ 
nige geiſtige Getraͤnke, die ſie ſo aufmunterten, 
daß ſie faſt die ganze Nacht mit einander durch⸗ 
tanzten. Am Morgen bey meiner Abfahrt beglei⸗ 
tete mich ihr Oberhaupt bis ans Ufer, und fieng, 
ſo bald ich mich eingeſchifft hatte, mit großer Feier⸗ 
lichkeit ein lautes Gebet fuͤr mich an. Er betete, 
daß der große Geiſt mir eine gluͤckliche Reiſe, 
und bey Tage einen unumwoͤlkten Himmel und ein 
15 ruhiges Waſſer verleihen wollte, daß ich mich des 
Nachts auf einer Decke von Bieberfellen niederle⸗ 
gen, eines ununterbrochenen Schlafs und fröͤhli⸗ 
cher Träume genießen, und endlich beſtaͤndigen 
a An unter der großen Pfeiffe des Friedens finden 

0 | a moͤch⸗ 


med * Auf dieſe Art fuhr er fort zu beten, bis ö 


ich ihn nicht weiter hoͤren konnte. 


So ſchreckliche Begriffe, als ſich die Europe 
von der Grauſamkeit der Wilden auch machen, ſo 
muß ich doch geſtehn, daß ich bey jedem Stamme 
von ihnen in dem i innern Theile des Landes die gaſt⸗ 
freieſte und höflichfte Begegnung angetroffen habe; 
und ich bin überzeugt, daß fie dieſe gute Auffuͤh⸗ 


rung gegen Fremde nicht verliehren, bis ſie durch 


das Beyſpiel und die geiſtigen Getraͤnke ihrer ver⸗ 


feinerten Nachbarn angeſteckt werden. Ihr ein⸗ 


gewurzelter Haß und ihre Grauſamkeit gegen ihre 
Feinde, ſchaden zwar der guten Meinung, die ich 


gern von ihnen hegen moͤchte, ſehr viel, allein die⸗ 


ſer Fehler iſt ihnen angeerbt, und da er durch un⸗ 
denkliche Gewohnheit gewiſſermaßen geheiligt iſt, 
ſo hat er in ihrer Seele zu tiefe Wurzel gefaßt, 
als daß man hoffen duͤrfte, 95 je ausrotten zu 
koͤnnen. 

Ich as bey dieſem Volke eine ganze beſondre Art 


Brodt. Die Indier halten überhaupt wenig auf 


dieſe nahrhafte Speiſe; allein hier ſchuͤtteln ſie die | 
Körner, wenn das Getreide, wie fie es nennen, 
in ſeiner Milch ſteht, das heißt, wenn es eben reif 
werden will, aus der Aehre, und kneten ſie in 
einen Teig, wozu der darinn enthaltene Saft, 

ohne 


mr wm̃à4 TT— ]%— X ̃ͤ˙ r nn tus ne teen At - 


; Kin irgend einen Zuſat v von einer andern flüffigen 
Materie, hinreichend iſt. Wenn dies geſchehen Be 
iſt, fo machen fie Kuchen daraus, ſchlagen ſie in 
Blaͤtter vom Baß oder weiſſem Holzbaume, und 

legen ſie in heiſſe Aſche, wo ſie bald backen. Was 

den Geſchmack dieſer Kuchen betrifft, ſo muß ich 
geſtehn, daß ich nie ſchoͤner Brodt gegeſſen habe. 

Der Ort beſteht blos aus einem Dorfe von uns 

gefahr fünf und zwanzig Haͤuſern und ſiebenzig 

Kriegern. Sonſt fand ich hier nichts Merkwuͤrdiges. 

Das Land auf der Suͤdoſtſeite der grünen Bucht 
iſt nur ſchlecht und dicht mit Schierlingstannen, 5 

Canadiſchen und gemeinen Fichten bewachſen. 
Man glaubte ſonſt, daß die Fahrt aus dem See 
Miſchigan in die gruͤne Bucht fuͤr keine größere 
Fahrzeuge als Boote und Kanoen wegen der ſeich⸗ 
ten Stellen zwiſchen den Inſeln der großen Tra⸗ 

verſe thunlich waͤre; allein wie ich die Tiefe mit 
dem Sothe unterſuchte, fo fand ich fie für Schiffe von 
ſechszig Tonnen hinreichend, und eine verbältnfß | 

| 2 ſige Breite der Durchfahrt. a 

Das Land, das an das Ende dieſer Bucht ftößt, 
1 19 5 * und uͤberhaupt ſo eben, daß man 
eine 

759 Hemlock fir. Abies e foliis Kadsritihs ob⸗ 


tuſiuſeulis bifariam verſis conis ſubrotundis. Mil- 
ler's Gardener’s dictionary Art. Abies Nro. 6. 


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10 er N or | 


eine eue mee und ner Ausſicht dar⸗ 


über hat. 

In dem Forte, das an der Weſtſeite des Fuchs⸗ 
fluſſes liegt, wohnen einige Familien, und gegen 
demſelben über auf der Oſtſeite des Einganges giebt 
es einige franzoͤſiſche Koloniſten, die das Land 
bauen, , und ziemlich ertraͤglich zu leben ſcheinen. 


Die gruͤne Bucht oder die Bucht der Stinken⸗ 


den, gehört zu den Stellen, denen die Franzoſen, 


wie ich in der Einleitung anfuͤhrte, Beynahmen 


gaben. Die Indier, die um ſie herum wohnen, 
nennen ſie Menomonierbucht, wovon aber der fran⸗ 


zoͤſiſche Nahme herruͤhre, kann ich nicht ausfuͤn⸗ 


dig machen. Sie ſagen, daß ſie dieſe Beynahmen 


den zu werden. Denn die erſten Handelsleute be; 
merkten, daß, wenn ſie mit einander von ihnen re⸗ 
deten, und ſie bey ihrem wahren Nahmen nannten, 


ſie gleich daruͤber Verdacht ſchoͤpften, und glaub⸗ 
ten, daß die Fremden entweder uͤbel von ihnen 


ſpraͤchen, oder ihren Untergang vorhaͤtten. Die⸗ 


ſem auszuweichen gaben ſie ihnen fremde Nahmen. . 


Allein es entſteht bieraus der Nachtheil, daß 
engiſche und Ramzöſſche Erdbeſchreiber auf ihren 
1 


I 


— 


| nicht einfuͤhrten, um Fremde zu bintergehen, ſon⸗ 
dern blos um mit einander i in Gegenwart von In⸗ 
diern ſprechen zu koͤnnen, ohne von ihnen verſtan⸗ 


Karten von den i innern Theilen von Amerika e einer: 
ley Völkerſchaften verſchiedne Nahmen geben, und 
dadurch diejenigen verwirren, die Sn Ya ſoche 
Karten beziehn muͤſſen. 4 | 


Der See Miſchigan, wovon die grüne Bucht 
ein Theil iſt, wird von dem See Huron durch die 
Straße von Miſchillimackinae auf der Nordoſtſeite 
getrennt; und liegt zwiſchen zwey und vierzig und 
ſechs und vierzig Graden Norderbreite, und zwi⸗ 
ſchen vier und achtzig und ſieben und achtzig Gra⸗ 
den weſtlicher Länge. Seine größte Lange beträgt 
zwey bundert und achtzig und ſeine Breite etwa 
| vierzig im Umfange aber beynahe ſechshundert 
Meilen. Es giebt darin eine merkwuͤrdige Kette 
von kleinen Inſeln, „die ſich gegen Askins Meier⸗ 
hofe über anfängt, und dreißig Meilen ſuͤdweſtwaͤrts 
in die See vorlaͤuft. Man nennt ſie die Bieber⸗ 
inſeln. Ihre Lage iſt ſehr anmuthig, allein der 
Boden iſt unfruchtbar. Doch geben fie einen asche 
| ſchonen Anblick. 

An der nordweſtichen Seite theilt ſich dieſer 
See i in zwey Arme oder? Buchten „wovon die nord⸗ 
liche die Bucht der Noketter genannt wird, und 1 
die andre, welche die göen Sefniekenegeine Bude 
u 


Das 


Das Waſſer in dieſem und den uͤbrigen großen 
Seen iſt rein und geſund, und ihre Tiefe iſt fuͤr 
große Schiffe hinreichend. Die Haͤlfte des Landes, 
das gegen Oſten liegt und ſich bis an den See Hu⸗ 
ron erſtreckt, gehört den Ottowaern; die Linie, 
welche ihr Gebiet von den Dſchipiwäernt trennt, läuft 
faſt von Norden nach Suͤden, und erſtreckt ſich bey⸗ 
nahe von dem füdfichen Ende dieſes Sees, uͤber N 
die Gebuͤrge, nach Miſchillimackinac, durch deſſen 
Mittelpunkt ſie geht. So daß, wenn diefe beyden 
Staͤmme auf der Faktorey zuſammen kommen, eine 
jede auf ihrem eignen Gebiete, in einer Entfernung 
von einigen Ellen vom Stackwerke, ihr Lager auf⸗ 
ſchlaͤgt; die Gegend an der oͤſtlichen und weſtlichen 
Seite dieſes Sees iſt nur von mittelmaͤſſiger Gute, 
ausgenommen wo kleine Baͤche oder Fluͤſſe in ihm 
fallen, an deren Ufer fie ungemein fruchtbar iſt. 
Nahe am Ufer des Sees giebt es eine Menge Sand⸗ 
kirſchen, ) die ſowohl wegen ihrer Art zu wachſen, 
als wegen ihres vorzuͤglichen Geruches merkwuͤrdig 
ſind. Sie wachſen auf einem niedrigen etwa vier 
Fuß hohen Strauche „deſſen Zweige ſo damit be⸗ 
en, 15 man e haufenweiſe auf dem Sande 
| antrifft. 


*) Eine Art vom Ceraſus Canadenſis foliis lanceolatis 
glabris, integerrimis, ſubtus caefiis, ramis patulir. 
Miller Art. Ceraſus Nro. 5. 


FR 13 
antrifft. Da fie blos im Sande wachſen, deſſen 
Waͤrme vermuthlich viel dazu beytraͤgt, ſie zu fol 
cher Vollkommenheit zu bringen, ſo werden ſie 
von den Franzoſen ceriſes de ſable, Sandkirſchen, 
genannt. Sie ſind nicht größer, als eine kleine 
Flintenkugel, aber man halt fie zum Einmachen i in 
Brandtewein beſſer, als andre Arten. Auſſerdem 
wachſen um den See Stachelbeeren, ſchwarze Jo⸗ 
hannisbeeren, und viele Wacholderbeerſtraͤuche, 
die eine Menge Beeren von der beſten Art tragen. 
Sumach waͤchſt hier ebenfalls haufig, und feine 
Blätter, die um Michael roth werden, werden 
alsdenn von den Einwohnern eingeſammlet, und 
ſehr geſchaͤtzt. Sie vermiſchen ſie mit Toback zu 
gleichen Theilen, der davon einen angenehmen Ge⸗ 
ſchmack erhäft. Nahe bey dieſem, und uͤberhaupt 
bey allen andern Een giebt es eine Art Weide, 
welche die Franzosen bois rouge, die Englaͤnder 
aber red wood, roth Holz nennen. Ihre Rinde | 
hat, wenn fie ein Jahr alt iſt, eine Scharlachfarbe, 
und ſieht ſehr fehon aus; aber wenn fie. ein Jahr 
aͤlter iſt, ſo wird ihre Farbe rothgrau. Viele 
Staͤmme von dieſem Strauche wachſen zuſammen, 
und erreichen eine Höhe von ſechs bis acht Fuß, 
doch hat der groͤßte davon felten über einen engli⸗ 
ſchen Soll im Durchmeſſer. Auch dieſe Rinde 
| ſcha⸗ 


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haben die Indier vom Boh ab, trocknen und 
pulvern fie, und vermiſchen fie mit ihrem Toback. 

Sie ſchaͤtzen ſie vorzuͤglich zum Rauchen waͤhrend 
des Winters. Des Sommers nehmen ſie eine 
Pflanze dazu, die in felſichten Gegenden um 
die großen Seen waͤchſt. Die Indier nennen ſie 
Degockimac; ſie ſchlaͤngelt ſich wie eine Wein⸗ 
ranke auf dem Boden oft zu einer Lnge von acht 


bis zehn Fuß fort, und traͤgt ein beynahe rundes 
Blatt, von der Groͤſſe eines ſilbernen Sechspfen⸗ 


ningſtuͤckes. Es hat die Subſtanz und die Farbe . 
von einem Lorbeerblatte, und bleibt immer gruͤn. 
Dieſe Blätter: mifchen fie ebenfalls getrocknet und 


gepulvert unter ihren Toback, den ſie aber blos 


des Sommers rauchen. Mit Huͤlfe dieſer drei Nes | 


bentobacke haben die Indier zu allen Jahrszeiten 


hinlaͤnglichen Vorrath fuͤr ihre Pfeiffen, und da 
ſie große Raucher ſind, ſo geben ſie ſich viele Muͤhe, 
fie gehörig einzuſamlen und zuzubereiten. 98 

Den zwanzigſten September verlieh ich die gruͤne 


Bucht, und gieng noch immer in Geſellſchaft von 
den Handelsleuten und etlichen Indiern den Fuchs⸗ 


fluß hinauf. Den fuͤnf und zwanzigſten kam ich nach 


der großen Ortſchaſt 9 der e „die auf 


einer 

0 Ich ale, daß dies immer der beſte Ausdruck fuͤr 
Arm town iſt, denn da in dieſer die Wohnungen 

| der 


15 


einer kleinen Inſel grade an der oſtlichen Einfahrt 
in den See Winnebago liegt. Hier empfieng mich 
die Koͤnigin, die uͤber dieſen Stamm anſtatt eines 
Sachems herrſchte, mit großer Hoͤflichkeit, und 
bezeugte mir, die vier Tage uͤber, die ich mich hier 
auf hielt, ungemein viel Achtung. . 
Den Tag nach meiner Ankunft biet ich einen 
5 Rath mit den Oberhaͤuptern, und bat ſie um Er⸗ 
laubniß, auf meiner Reiſe zu entferntern Voͤlker⸗ 
ſchaften, die ich wichtiger Geſchaͤfte wegen unter⸗ 
1 nahme, durch ihr Land zu gehen. Sie ſahn mein 
Anſuchen als ein großes Kompliment fuͤr ihren 
Stamm an, und willigten ſehr gern darein. Die 
Königin ſaß im Rathe, that aber nur einige we⸗ 
| nige Fragen, oder machte etliche unbedeutende 
Verfuͤgungen in Staatsſachen; denn Weiber duͤr⸗ 
fen nie in ihrem Rathe ſitzen, ausgenommen wenn 
fie mit dem höchften Anſehn bekleidet find, und ſelbſt 
alsdenn iſt es nicht gebräuchlich für fie, foͤrmliche 
\ Reden zu halten, wie die Haͤupter thun. Sie war 
eine ſehr alte Frau, klein von Statur, und unter⸗ 
ſchied ſich nicht ſehr durch ihre Kleidung von etli⸗ 
der Indier oft viele Meilen von einander liegen, 
ſo wuͤrde es eben ſo ungereimt ſeyn, es durch Stadt 


zu überſetzen, als die Pagos (Gauen) der mittlern 
Wi Zeiten für Dörfer zu erklären. 


chen jungen Frauensleuten, die ihr Gefolg aus⸗ 
machten. Dieſe ihre Begleiterinnen ſchienen im⸗ 
mer ſehr vergnuͤgt zu ſeyn, wenn ich einige Zei⸗ 
chen von Hochachtung gegen ihre Königin blicken 
ließ, hauptſaͤchlich wenn ich ſie kuͤßte, welches ich 
oft that, um mir ihre Gunſt zu erwerben. Die 
gute Alte ſuchte immer dabey ein jugendliches An⸗ 
ſehn anzunehmen und bezeigte durch ihr Lacheln, 
daß ſie nicht weniger Gefallen an der Achtung 
‚hätte, die ich ihr erwies. 

Die Zeit, die ich hier 1 wandte ich 
dazu an, die Gegend aufs beſte kennen zu lernen, | 
und die zuverläffigften Nachrichten von dem Ur; 
ſprunge, der Sprache und den Gebraͤuchen dieſes 
Volkes zu ſammlen. Urſpruͤnglich wohnten, mei⸗ 
nen Unterſuchungen zufolge, die Winnebager in 
irgend einer von den Provinzen von Neu⸗Mexico, 
und zogen ſich vor ungefaͤhr einem Jahrhundert in 
dieſe nordlichern Gegenden, da ſie entweder durch 
innerliche Unruhen, oder durch die Ausbreitung 
der Spanier aus ihren alten Sitzen vertrieben 
wurden. | 

Meine Gruͤnde für diese Meinung ſind erſlich 
ihre unveraͤnderliche Anhaͤnglichkeit an die Nado⸗ 
weſſier, die, wie ſie ſagen, ihnen zuerſt huͤlf⸗ 
sie Hand bey ihren Auswanderungen leiſteten, 


unge⸗ 


17 


geachtet ihr jetziger eig über ſechshundert Meilen 
von ihnen entfernt iſt. 


Zyveytens, ihre Mundart, die von der von allen 
bisher entdeckten indiſchen Voͤlkerſchaften gänzlich 
verſchieden iſt, und aus einer ſehr rauhen Schlund⸗ 
ſprache befteht, die keiner von ihren Nachbaren zu 
lernen wagt. Sie reden mit andern Voͤlkerſchaf⸗ 
ten in der Sprache der Tſchipiwaͤer, welches die 
100 herrſchende Sprache unter allen Staͤmmen iſt, 
von den Mohaken i in Kanada an, bis auf die Voͤl⸗ 
kerſchaften am Miſſtſippi, und von den Huronen 
und Illineſen bis an die Bewohner von Hudſons 
Meerbusen. 


Drittens ihr eingewurzelter Haß gegen die 
Spanier. Einige von ihnen ſagten mir, daß ſie 
viele Streifereyen gegen Suͤdweſten vorgenommen 
haͤtten, die etliche Monathe dauerten. Einer von 
ihren alten Oberhaͤuptern erzaͤhlte mir auſſerdem, 
daß er vor ſechs und vierzig Wintern an der Spitze 
von funfzig Kriegern, gegen Suͤdweſten drey Mo⸗ 
nathe lang marſchirt waͤre, daß ſie auf ihrem Zuge, 
wie fie über eine Ebene giengen, einen Trupp Leute 
zu Pferde geſehn haͤtten, die zu dem ſchwarzen 
Volke gehoͤrten; denn ſo nennen ſie die Spanier. | 
So bald, als fie fie erblickten, giengen ſie behut⸗ 

Cervers Reiſen. B ſam 


18 
ſam zu Werke, und verbergen ſch, bis die begeht 
einbrach, worauf ſie ſich ſo nahe an fie zogen daß 
ſie die Anzahl und Stellung ihrer Feinde entdecken 
konnten. Sie ſahen, daß ſie nicht im Stande 
waͤren, mit einer ſo uͤberlegenen Anzahl bey Tage 
zu fechten, und warteten daher bis ſie ſich zur Ruhe 
begeben hatten, worauf ſie ſie uͤberftelen, und 
nachdem ſie den groͤßten Theil der Leute niederge⸗ 
macht hatten, achtzig Pferde erbeuteten, die, 
wie ſie ſich ausdruͤckten, mit weiſſen Steinen bela⸗ 
den waren. Ich vermuthe, daß dies Silber war, 
da er mir ſagte, daß die Pferde damit be eſchlagen 
und die Geſchirre damit verziert geweſen waͤren. 
Wie ſie ihre Rache gefättige hatten, und fo weit 
gekommen waren, daß die Spanier, die ihrer 
Wuth entgiengen, ſie nicht weiter erreichen konnten, 
fo lieſſen fie die ſchwere und unnuͤtze daſt, womit 
ihre Pferde beladen waren, zurück, ſetzten ſich 
auf/ und kamen auf dieſe Art wieder zu ihren 
Freunden. Der Trupp, den ſie uͤberfielen, war 


vermuthlich die Karavane, die jaͤhrlich das Silber 
nach Mexico bringt, welches die Spanier in großer 

Menge auf den Gebirgen finden, die nahe bey der 

Quelle des Colorado liegen; und die Ebene, wo 

ſie ſie angriffen, lag wahrſcheinlich auf dem 
Wege zu den Quellen des ” St. non oder des 

' Nord⸗ i 


19 
Nordfluſſes, der weſtwärts vom Wifi in den 
een von Mexico faͤllt. ö 
Die Winnebagoer koͤnnen ungefähr: en; 
a. Krieger auf bringen. Ihre Ortſchaft enthaͤlt 
ungefahr funfzig Haͤuſer, die ſtark mit Palliſaden \ 
gebaut find, und die Inſel, worauf ſie liegt ‚it 
ungefähr funfzig engliſche Morgen groß. Sie 
liegt fünf und dreyßig Meilen von der gruͤnen 
Bucht, wenn man nach dem e des Fluſſes 
| . ER 
Der 9 Fluß hat 90 vier bis fünf Meilen; von 
ber er Bucht einen gelinden Lauf, weiter hinauf aber 
bis an den See Winnebago iſt er voller Felſen und 
läuft ſehr ſchnell. An verſchiedenen Stellen was 
ren wir ungen unſre Kanoen ans land zu ziehn, 
und eine beträchtliche Strecke zu tragen. Seine 
Breite von der gruͤnen Bucht bis an den See 
Winnebago betraͤgt überhaupt zwey bis dreyhundert 
Fuß. Das Land an feinen Ufern iſt gut, und 
dünn mit Eichen, Haſeln und weißen Wala 
bäumen ) bewachſen. e 
Der See Winnebago iſt ua eon | 
Meilen von Oſten nach Weſten lang, und ſechs 
Meilen breit. An ſeinem ſuͤdweſtlichen Ende 
ee B 8 | falle 
* Hiekery, Jug alba toliolis lanceolatis ſerratis, 
exterioribus latioribus. Miller Art. Juglans Nro. 4. 


fällt ein Fluß hinein, der nicht weit von einem 
von den noͤrdlichen Armen des Fluſſes Illinoa ent⸗ 
ſpringt. Ich nannte ihn den Crocodillenfluß wegen 
einer Geſchichte, die unter den Indiern von einem 
Thiere erzaͤhlt wird, das ſie darin fodteten, und 
daß nach ihrer Beſchreibung ein Erocobil oder Alli⸗ 
gator geweſen ſeyn muß. | 
Die € Gegend um den See iſt ſehr fruchtbar, und 
hat einen Ueberfluß an wild wachſenden Trauben, 
Pflaumen und andern Fruͤchten. Die Winne⸗ 
bagoer ziehn an demſelben eine Menge indiſches 
Korn, Bohnen, Kuͤrbiſſe, Melonenpfeben “) und 
| Waſſermelonen, und etwas Toback. Der See 
ſelbſt hat einen Ueberfluß an Fiſchen, und gegen 
das Ende des Jahrs findet man haͤufig il e Gaͤnſe, 
Endten und Kriechendten“) darauf. Die lezten 
kommen in großer Anzahl dahin, und ſind vorzuͤg⸗ 
lich gut und fett, und haben einen weit beſſern Ge⸗ 
ſchmack, als die, welche man an der See findet, 
da fie ihr ſtarkes Fett von dem wilden Reiſe feßen, 
der in dieſen Gegenden ſehr haͤufig waͤchſt. 
Ich verließ die Ortſchaft der Winnebagoer den 
neun und zwanzigſten September, nachdem ich der 
guten alten een etliche anne Geſchenke 
gemacht 


l 


10 > "Cüenrbita Melopepo, Sue, 5, 
dene) Anas ecrecta L. Teal. 


' 8 2 
gemacht und ihren Segen erhalten hatte, und kam 
zwölf Meilen davon, an die Stelle, wo der Fuchs⸗ 
6 fluß auf der Nordſeite in den See faͤllt. Wir gien⸗ 
gen dieſen Fluß hinauf und erreichten den ſiebten 
October den großen ages der ibn von Wein 
Uisconſin trennt. 

Der Fuchsfluß iſt von der grünen Bucht bis an 
den Trageplatz ungefähr hundert und achtzig Mei⸗ 
len lang. Von dem See Winnebago bis an den 
Trageplatz iſt fein Lauf ſanft, und feine Tiefe be⸗ 

traͤchtlich, dem ungeachtet koͤnnen Kanoen an ver⸗ 
ſchiedenen Stellen nur mit Muͤhe durchkommen, 
da ihnen die großen und dicken Reisſtengel, die 
hier häufig wachſen, im Wege ſtehn. Die Ge⸗ 
| gend hier herum iſt fehr fruchtbar, und zum Anbau 
ungemein geſchickt, etliche wenige Stellen nahe am 
Fluſſe ausgenommen, wo ſie zu niedrig liegt. Sie 
iſt nirgends zu ſehr mit Holz bewachſen, aber doch 
hinreichend, um jede Anzahl von Einwohnern zu 
ihren eignen Beduͤrfnißen reichlich damit zu verſe⸗ 
hen. Auf meiner ganzen Reiſe traf ich keine ſo große 
Schwaͤrme von wilden Voͤgeln an, als bier, wo ſie 
oft die Sonne etliche Minuten lang verdunkelten. 
| Ungefähr vierzig Meilen den Fluß hinauf von 
derf großen Ortſchaft der Winnebagoer, liegt eine 
kleinere, die ebenfalls dieſer Nation gehört. 

| | 3 Wild⸗ 


— und Bären find: in dieſen Gegen 
ſehr zahlreich, und es wird eine große Menge Bie⸗ 
ber und andre Rauchthiere an den . die 

in dieſen Fluß fallen, gefangen. 

Dieſer Fluß war vor achtzig Jahren wegen des 
Aufenthalts der vereinigten Voͤlkerſchaften der Ot⸗ 
tigamier und Sakier berühmt, denen die Franzo⸗ 

ſen ihrer oͤblichen Gewohnheit zufolge den Bey⸗ 
nahmen der Saͤcke und Fuͤchſe (des Saes & des Re- 

nards) gegeben hatten, und wovon mit N Indier 
folgende Anekdote erzaͤhlte. 

Vor ungefähr ſechszig a hren, da dee ſtanzöſſchen 
Miſſtonarien und Handelsleute wiederhohlten Be⸗ 
leidigungen von dieſem Volke waren ausgeſetzt ge⸗ 
weſen, ſo ward eine Parthei Franzoſen und Indier 

unter dem Hauptmann Morand abgeſchickt, um 
das ihnen wiederfahrne Unrecht zu raͤchen. Der 
Hauptmann brach im Winter von der gruͤnen 
Bucht auf, da die Indier ſich einen folchen Beſuch 
gar nicht vermuthen waren, marſchirte über den 
Schnee bis an ihre Dörfer, die ungefähr fünfzig 
Meilen den Fuchsfluß hinauf lagen, und uͤberſiel 
fie plötzlich. Er uͤberwand ſie leicht „da ſie ſich 
nicht zu ſeinem Empfange vorbereitet hatten, und 
ktoͤdtete oder nahm den größten Theil von ihnen 
| gefangen. Auf dem Nückmarfehe der Franzosen 
nach 


e 


aer 23 


ach der en Bucht ſtand einer von den indi⸗ 

ſchen Anfuͤhrern, der mit ihnen im Buͤndniſſe war, 

und einen betraͤchtlichen Haufen Gefangnen unter 

ſeiner Aufſicht hatte, ſtill, um aus einem Bache 

zu trinken, unterdeſſen aber giengen ſeine Gefaͤhr⸗ 

ten weiter. Eine von den gefangnen Weibern be⸗ 

merkte dies und ergriff ihn, wie er ſich eben nie⸗ 

derbuͤckte um zu trinken, bey einer aͤuſſerſt em⸗ 
pfindlichen Stelle, und bielt ihn daran feſt, bis er 

todt war. Da der Anführer wegen des ſchreckli⸗ g 
chen Schmerzens nicht im Stande war, ſeine Ge⸗ 

fahrten um Huͤlfe zu rufen „ oder ſonſt Laͤrm zu 

machen ſo giengen fie, ohne zu wiſſen was vor⸗ 
gieng, weiter. Die Frau ſchnitt darauf die Bande 
ihrer Mitgefangnen, „ die ſich im Hinterzuge be⸗ 
fanden, entzwey, und entfloh mit ihnen glücklich. 
Dieſe Heldin ward nachher von ihrer Nation im⸗ 
mer als ihre Befreierin angefehen, und zu einer An⸗ 
| führerin erwaͤhlt, mit dem Vorrechte, dieſe Ehre 
auf ihre Nachkommen zu vererben. Ein unge⸗ 
ohnlicher Vorzug, der nur bey ganz beſondern 
Gelegenheiten zugeſtanden wird. 
Ungefaͤhr zwoͤlf Meilen, ehe ich den Trageplaz 
erreichte, beobachtete ich einige kleine Huͤgel, die 
ſich bis an ihn erſtreckten. Ihre Größe war zwar 
0 Mi daß man fie in Vergleichung mit 
> 4 den 


’ 5 


* 


— 


den Bergen hinten an den Kolonien für Maul: 
wurfs haufen halten konnte, aber da es die erſten 
waren, die mir zu Geſichte kamen, nachdem ich 
Niagara verlaſſen hatte, eine Entfernung von un⸗ 
gefaͤhr eilfhundert Meilen, ſo konnte ich nicht um⸗ 


hin, ihrer zu erwaͤhnen. 0 Den 
Der Fuchsſluß iſt bey ſeinem Einfluſſe in den 
See Winnebago ungefaͤhr funfzig Ellen weit, aber 
er wird, etliche wenige Stellen ausgenommen, 
wo er ſich in kleine Seen ausdehnt, allmaͤhlig 
ſchmaler bis an den Trageplatz, wo ſeine 
Breite nur fünf Ellen betraͤgt, doch bleibt 
ſeine Tiefe noch immer betraͤchtlich. Sonſt finde 
ich weiter nichts Merkwuͤrdiges an dieſem Fluffe, 
als daß er fuͤnf Meilen lang ſo ſchlaͤngelnd fließt, 
daß er in ſeinem Laufe nur eine Viertelmeile da⸗ 
durch gewinnt. e ir e 
Der Trageplatz zwiſchen dem Fuchsfluſſe und | 
Uisconſin iſt nur ſieben viertel Meile breit, unge⸗ 
achtet auf verſchiednen Karten ſeine Weite zehn 
Meilen betraͤgt. Ueberhaupt ſind alle Karten, die 
ich von dieſen Gegenden geſehn habe, aͤuſſerſt feh⸗ ; 


lerhaft. Die Fluͤſſe haben darauf eine von ihrer 
wuͤrklichen ganz verſchiedne Richtung, und viele 
von ihren Armen, hauptſaͤchlich vom Miſſiſippi, find 
ganz ausgelaſſen. Auch die Entfernungen zwiſchen 
N | Oertern 


b 25 
Dertern ſind ſehr falſch angegeben. Ob die fran⸗ 

zöſiſchen Erdbeſchreiber, (denn die engliſchen Kar⸗ 
ten ſind alle nur Kopien von franzoͤſiſchen) aus 


Abſicht oder aus Mangel einer richtigen Kentniß 


der Gegend dieſe Fehler gemacht haben, kann ich 
nicht beftimmen; nur iſt ſo viel gewiß, daß Rei⸗ 
ſende, die ſich in den Gegenden, welche ich beſucht 
habe, auf ſie verlaſſen, oft in Verlegenheit gera⸗ 
then werden. Ich maaß die ganze Gegend, welche 
ich durchreiſte, aufs genauefte, und kann daher 


verſichern, daß der Abriß, den ich dieſem Werke 


bengefügt habe, weit richtiger gezeichnet iſt, als 
3 einer von den vorhergehenden. Ä 


= v = 


Ungefaͤhr auf dem halben Wege zwiſchen d den 


beben Fluͤſſen iſt ein mit einer langen Art von 
Gras uͤberwachſener Moraſt, der uͤbrige Theil iſt 
eben, und mit etlichen Eichen und Fichten bewach⸗ 
ſen. Ich fand hier eine Menge Klapperſchlangen. 
Herr Pinniſance, ein franzofifcher Kaufmann, ers 
zaͤhlte mir von einer eine merkwuͤrdige Geſchichte, 
wovon er Augenzeuge geweſen ſeyn wollte. Ein 
Indier, der zur Voͤlkerſchaft der Menomonier ge⸗ 
hoͤrte, ſieng eine, und fand Mittel ſie zahm zu ma⸗ 
chen. Er verehrte ſie, wie ſeinen Gott, nannte 


ſie immer ſeinen großen Vater, und trug ſie in 
einer Schachtel uberall bey ſich. Dies hatte der 


B 5 In⸗ 


=. 


2 


Indier verſchiedne W hindurch gethan, als 


Herr Pinniſanee ihn zufaͤlligerweiſe an dieſem Tra⸗ 


geplatze antraf, grade wie er auf die Winterjagd 
gehn wollte. Herr Pinniſance wunderte ſich un⸗ 
gemein, als er den Indier eines Tages die Schach⸗ 
tel, worinn er ſeinen Gott hatte, niederſetzen, 
und den Deckel aufmachen ſah, um ihm die Frei⸗ 
heit zu geben. Er befahl ihr dabey genau, um die 


Zeit, wenn er zuruͤck kommen wuͤrde, den folgenden 


May, ſich wieder einzufinden. Da es damahls 


erſt Oktober war, fo ſagte Herr Pinniſance zum 


Indier, uͤber deſſen Einfalt er ſich ſehr wunderte, 
daß er wahrſcheinlicherweiſe kuͤnftigen May lange 
genug auf die Ankunft ſeines großen Vaters wuͤrde 


warten muͤſſen. Allein der Indier hatte ein ſo gu⸗ 


tes Zutrauen zum Gehorſam dieſes Geſchoͤpfs, daß 
er ſich zu einer Wette von acht Quartier Rum er⸗ 
bot, daß die Klapperſchlange zur beſtimmten Zeit 


zuruͤck kommmen, und in ihre Schachtel kriechen 


wuͤrde. Die Wette ward angenommen, und die 


zweyte Woche im kuͤnftigen Monath May zur Ent⸗ 


ſcheidung feſtgeſetzt. Sie kamen beyde in dieſem 
Monathe wieder zuſammen, und der Indier ſetzte 


feine Schachtel hin, und rief ſeinen großen Vater. 
Die Schlange hoͤrte ihn nicht, und da die Zeit 
vorbey war, fo geſtand er ein, daß er verlohren 


hätte, N 


hätte, erbot ſich aber zugleich, „die Wette doppelt 
zu bezahlen „wenn fein großer Vater in zwey Tas 
gen nicht gurückfäme. Auch dies ward angenom⸗ 
men. Den zweyten Tag um ein Uhr kam die 


5 Schlange unvermuthet zuruͤck, und kroch von ſelbſt 


in die Se 
| Pinniſance verſicherte, fuͤr die Richtigkeit dieſer 
| Geſchic te einſtehn zu koͤnnen, und nach dem zu 
urtheilen, was ich oft von der Gelehrigkeit dieſer 
Thiere gehoͤrt habe, ſehe ich keine Urſache, ſeine 
Wahrheitsliebe i in Zweifel zu ziehn. 

Ich bemerkte, daß der Hauptarm des Fuchsfluſſes 
| n Suͤdweſten und der Uisconſin von Nordoſten 
kam; und daß etliche kleine Nebenarme von dieſen 
Fluͤſſen fi) einander etwas ſuͤdwaͤrts vom Trage⸗ 
platze bis auf etliche Fuß naͤherten. Es giebt auf 
dem großen feſten Lande von Amerika faſt kein aͤhn⸗ 
liches Beyſpiel, daß zwey ſolche Fluͤſſe, die ſo 
nahe bey einander entſpringen, einen ſo entgegen 
0 geſetzten Lauf nehmen, und i in einer ſo ungeheuren 
Entfernung von einander ins Meer fallen; denn 
der Fuchsfluß geht durch verſchiedne große Seen, 
. and fällt nach einem Laufe von mehr als zweytau⸗ 
ſend Meilen in den Meerbufen von St. Lorenz, und 
der Uisconſin vereinigt ſich mit dem Miſſtſippi, 
und ergießt ſich nach einem eben ſo weiten Laufe in 
2 er En den 


chachtel, die fuͤr ſie hingeſetzt war. Herr N 


rr N 22 - er te * . a 
2 . Are . rs A NR PT LE 2 —— 


28 


den Meerbuſen von Mexico. Ich hatte das fol⸗ 
gende Jahr Gelegenheit, eine ähnliche Bemerkung 


über die Nähe der Hauptarme des dorenzfluſſes und 
des Miſſiſippi zu machen, und fuͤhre ſie hier als 
einen Beweis an, daß die Meinung der Erdbe⸗ 


ſchreiber, daß Fluͤſſe, die ſo nahe bey einander 


entſpringen, aus einerley Quelle entſtehn muͤſſen, 
irrig iſt. Denn ich ſah deutlich eine voͤllige Ab⸗ 
ſonderung zwiſchen beyden, ungeachtet ſie ſich ſo 
nahe kamen, daß ich von einem 59 zum andern 
ſchreiten koͤnnen. | 

Den achten October brachten wir unte Kanoen 
in den Fluß Uisconſin, der hier uͤber dreyhundert 


u Fuß breit iſt, und kamen den Tag darauf nach der 


großen Ortſchaft der Sakier. Dies ft der größte 
und am ſchoͤnſten gebaute indiſche Ort, den ich je 


geſehn habe. Er beſteht aus neunzig Haͤuſern, 


wovon jedes fuͤr etliche Familien Raum hat. Sie 


ſind aus zugehauenen und huͤbſch an einander ge⸗ 


fügten Brettern gebaut, und fo dicht mit Rinde 
gedeckt, daß kein Regen durchdringen kann. Vor 


den Thuͤren ſtehn bequeme Schauer, worunter die 


Einwohner ſitzen, wenn es die Witterung erlaubt, 
und ihre Pfeiffe rauchen. Die Straßen ſind regel⸗ 
mäßig und geräumig, fo daß dieſer Ort überhaupt 


be 4 das Anſehn eines * geſitteter 


Ein⸗ 


2 29 
Einwohner als eines Wohuplatzes roher Wilden 
hat. Das Land um die Stadt herum iſt ſehr gut. | 
In ihren Pflanzungen, die bey ihren Haͤuſern lie⸗ 
gen, und recht artig angelegt ſind, bauen ſie eine 
Menge indiſch Korn, Bohnen, Melonen u. ſ. w. 
und dieſer Ort wird daher auf einer Strecke von 
achthundert Meilen für den beften Markt fuͤr die 
Kaufleute, ſich mit Lebensmitteln zu verihen, 
gehalten. 
Die Sakier konnen 8 3 Mann 
| aufbringen „die gewöhnlich alle Sommer Strei⸗ 
fereyen in die Gebiete der Alineſen und Panier 
vornehmen, von welchen ſie oft mit einer großen 

Anzahl S Sklaven zuruͤckkommen. Allein dieſe bey⸗ 
3 den Volkerſchaften brauchen oft das Recht der 
| Wiedervergeltung, und bringen manchen von den 
| safiern ums Leben; und dies iſt vermuthlich die 
Ief he, warum HA: u nicht ſchneller aus | 
nimmt. N 

Wie ich mich bier aufbieft, Me beſuchte ich die 
Gebirge, die etwa funfzehn Meilen gegen Suͤden 
liegen, und einen Ueberfluß an Bleyerzt haben. 
Ich beſtieg einen von den hoͤchſten Bergen, wo⸗ 
von ich eine weite Ausſicht hatte. Viele Meilen 
weit ſah man nichts, als niedrigere Berge, auf 
a denen gar keine Baͤume wuchſen, ‚ und die daher in 
einer 


2 wre EEE 2 ee) 2 T 
A 


einer Entfernung wie J 
etliche Waͤlder von Waben Walnußbaͤumen und 
verwitterten Eichen bedeckten etliche von den Thaͤ⸗ 
lern. Bley giebt es hier ſo haͤufig, daß ich eine 
i große Menge davon auf den Gaſſen in dem Ort 
der Sakier herumliegen ſah, und es ſchien dem 
Bley aus We Lndern n an Güre nach 
| geben. 

Den zehnten Oktober giengen. wir weiter ben | 
Fluß hinab, und kamen den naͤchſten Tag an die 
Ortſchaft der Ottigamier. Dieſer Ort enthaͤlt 

ungefaͤhr funfzig Haͤuſer, wovon wir aber die mei⸗ 
ſten wegen einer anſteckenden Krankheit verlaſſen 
fanden, die hier vor einiger Zeit gewuͤthet, und 
uͤber die Haͤlfte der Einwohner aufgerieben hatte. 
Der größte Theil von den übrigen war in die Waͤl⸗ 
15 geflohen, um der Anſteckung zu entgehen. - 
Den funfjehnten kamen wir auf den großen Fluß 
Dr ſippi. Der Uisconſin hat von dem Trageplatze | 
bis an feinen Einfluß in den Miſſeſippi einen ebenen 
aber ſtarken Lauf; ; fein Waſſer iſt auſſerordentlich 
klar, und man ſieht dadurch einen reinen ſandigten 
Boden, ohne viele Felſen. Es giebt nur wenige 
Inſeln darin, wovon der Boden gut zu ſeyn ſchien, 
doch waren ſie etwas mit Holz bewachſen. Auch 
11 ach nahe am Fluſſe hatte uͤberhaupt ein vor⸗ 

N 


Heuſchober ausſahen. Nur 


| 3¹ 
trefliches Anſehn, aber in einiger Entfernung da⸗ 
von iſt es voller Berge, die viele Dimaniben ent⸗ 
halten ſollen. | | 
Ungefehr fünf Meilen von der ee die⸗ 
fer beiden Fluͤſſe bemerkte ich die Ruinen eines 
großen Ortes, der eine ſehr ſchoͤne tage gehabt 
hatte. Ich erkundigte mich bey den e f 
Indiern, warum dieſer Ort verlaſſen waͤre, und 
erfuhr, daß vor ungefahr dreiſſ ig Jahren der große 
Geiſt ſich auf der Spitze einer Pyramide von Selen, 
die i in einer kleinen Entfernung weſtwo arts von dem 
Orte lag, gezeigt, und den Einwohnern angedeutet “ 
9 haͤtte, i re Wohnungen zu verlaſſen, weil das Land, 
worauf ſie gebaut waͤren, ihm gehörte, und er es jezt 
brauchen muͤßte. Zum Beweiſe, daß er, der ihnen 
dies beföhle, wirklich der große Geiſt waͤre, ſollte 
unverzuͤglich auf den Felſen, von denen er mit 
ihnen ſpraͤche, und die fie als vollig an 
kennten, Gras hervorwachſen. Die Indier ge⸗ 
horchten, und fanden bald nachher, daß dieſe wun⸗ 
derbare Veraͤnderung ſich wirklich zugetragen haͤtte. 
Sie zeigten mir die Stelle, und ich fand an dem 
Graswachſen hier gar nichts uͤbernatuͤrliches. Ver⸗ 
muthlich war dies eine Lift der Spanier oder Frans 
zoſen, die fie aus eigennuͤtzigen Abſichten ausübten, 
allein die Art, wie ſie ne ausfuͤhrten, iſt mir 
unbekannt. i N „Dieſe 


u a Ne EL r. u ene e - — * 1 rn 
2 25 2 PEN ccc 


Dieſe Indier bauten bald bad ihrem. * 
einen Ort am Miſſt ippi, nicht weit von der Muͤn⸗ 
dung des Uisconſin, auf einer Stelle, welche die 
Franzoſen la prairie des chiens, die Hundswieſe, 
nannten. Der Ort iſt groß, und enthaͤlt dreihun⸗ 
dert Familen. Die Haͤuſer ſind nach indiſcher 
Art gut gebaut, und haben eine anmuthige Lage 
auf einem fruchtbaren Boden, der alle Lebensbe⸗ 
duͤrfniſſe im großen Ueberfluſſe hervorbringt. Ich 
ſh hier viele Pferde von einer guten Groͤße und 
Bildung. Dieſer Ort iſt der große Markt, wo alle 
benachbarten Stämme, und ſelbſt die, welche an 
den entfernteſten Armen des Miſſtſippi wohnen, ſich 
alle Jahr gegen das Ende des Mays verſamlen, 
und ihr Pelzwerk an die Handelsleute verkaufen. 
Allein der Kauf wird nicht i immer hier geſchloſſen. . 
Dies koͤmmt auf den allgemeinen Rath ihrer Ober⸗ 
haͤupter an, die beſtimmen, ob es ihnen vortheil⸗ 
hafter iſt, ihre Waaren hier zu verkaufen, oder ſie 
nach fouifiana oder Miſchillimackinae zu bringen. 
Dem Schluſſe dieſes Rathes zufolge, gehn ſie ent⸗ 
weder weiter, oder kehren nach Kr DE | 
| en ru | 
Der Miſſtſippi iſt bey Sem influffe des Uisconfin, 
nahe bey welchem ein Berg von einer betraͤchtli⸗ 
chen Hoͤhe liegt, etwa eine halbe Meile breit. 
f Allein 


— ER — ͥͤ — — — 


Allein bey dem eben erwaͤhnten Orte ſcheint er uͤber 
eine Meile breit zu ſeyn, und iſt voller Inſeln, die 
einen ſehr reichen Boden haben, aber duͤnn mit 
Holz bewachſen ſind. | 
Auf der andern Seite, etwas weiter gegen We⸗ 
ſten, faͤllt ein kleiner Fluß i in den Miſſiſippi, wel: 
chen die Franzoſen la riviere jaune, den gelben 
Fluß nennen. Hier ſchlugen die Handelsleute, die 
mich bisher begleitet hatten, ihr Winterwohnung 
| auf. Ich kaufte mir daher einen Kanoe, und gieng 
mit zwey Bedienten, einem franzöſiſchen Kanadier, 
und einem Mohaak aus Kanada, den een 
den Miſſtſippi weiter hinauf. | 
Ungefähr zehn Tage, nachdem ich die Kaufleute 
verlaſſen hatte, ſtieg ich, wie ich gewohnlich alle 
Abende that, ans Land, und befahl meinen geuten, 
wie es dunkel ward, ſich niederzulegen, und zu 
ſchlafen. Ich ſetzte mich unterdeſſen bey einem 
lichte, das ich brennen hatte, hin, um die Bemer⸗ 
kungen, die ich den vorigen Tag gemacht hatte, 
abzuſchreiben. Gegen zehn uhr, wie ich eben 
damit fertig war ‚ trat id) vor mein Zeft, um zu 


ſehn, was für Wetter wir haͤtten. Als ich meine 


Augen gegen die Seite des Fluſſes zu richtete, ſah 
ich beym Scheine der Sterne, die einen hellen 
Lem von ſich warfen . etwas ei das einer. Heerde 

Carvers Reifen. € 4 Vieh 


34 | Bag 
Vieh aͤhnlich war, einen Abhang in einer Enfer . 
nung herunter kommen. Wie ich noch ungewiß 
war, was dies etwa ſeyn konnte „ ſo ſprang einer 
davon auf, und zeigte mir eine Menſchengeſtalt. 
In einem Augenblick waren ſie alle auf den Fuͤßen, d 
und ich zahlte zehn bis zwoͤlf, die auf mich zuliefen. 
Ich gieng ſchnell in mein Zelt zuruͤck, weckte meine 
Leute und befahl ihnen ihr Gewehr zu nehmen, 
und mir zu folgen. Da ich hauptſaͤchlich für meinen 
Kanoe beſorgt war, fo lief ich nach dem Waſſer h 
zu, und fand eine Parthey Indier, denn dafuͤr er⸗ 
kannte ich ſie jezt, eben im Begrif, ihn zu plünbern. 
Ehe ich an fie Fam, befahl ich meinen Leuten, nicht 
zu feuern, ehe ich ihnen zuriefe, da ich nicht gerne 
ohne die aͤuſſerſte Noth Feindſeligkeiten anfangen 
wollte. Ich gieng deswegen entſchloſſen auf ſie 
los, bis dicht an die Spitzen ihrer Spieße, die ihre 
einzigen Waffen waren, und fragte ſie, indem ich 
meinen Hirſchfaͤnger herum ſchwang, mit rauher 
Stimme, was ſie wollten? Sie erſtaunten nicht 
wenig daruͤber, und da ſie ein heiſſes Willkommen 
befuͤrchteten, ſo kehrten ſie um, und giengen ge⸗ 
ſchwinde fort. Wir verfolgten fie bis an ein nahlie⸗ 
gendes Holz, in welches ſie ſich begaben, und ſahen 
nichts weiter von ihnen. Jedoch wachten wir wech- 
ſelsweiſe die ganze Nacht, aus Furcht, ſie zuruͤck 
kom⸗ 


35 
kommen zu ſehen. Den Tag darauf aͤuſſerten meine 
Bedienten große Furcht, und baten mich inſtaͤndig, 
zu den Handelsleuten, die wir vor kurzem verlaſſen | 
hatten, zurück zu kehren. Allein ich ſagte ihnen, 
wenn man ſie nicht fuͤr alte Weiber halten ſollte, 
(der ſchimpflichſte Vorwurf, den man einem In⸗ 
dier RR kann) fo müßten fie mir folgen, denn 
ich waͤre entſchloſſen, meine Reiſe fortzuſetzen, da 
ein Englaͤnder, „wenn er ſich einmahl auf ein Uns 
ternehmen eingelaſſen haͤtte, nie zuruͤck zoge. Sie 
fliegen auf dieſe Erinnerung in den Kanoe, und 
ich gieng fängft dem Ufer hin, um ſie gegen fernere 
Angriffe zu bedecken. Ich erfuhr nachher, daß 
dieſe Parthey Indier, die uns berauben wollte, 
aus Sandftreichern beſtand, die verſchiedner Ver⸗ 
brechen wegen aus ihren Staͤmmen vertrieben 
waren. Sie lebten jezt vom Raube, und waren 
den Reiſenden, die in dieſe Gegenden kamen, 


ſehr beſchwerlich. Sie verſchonen ſelbſt Indier 


nicht. Die Handelsleute hatten mich vorher ge⸗ 
warnt, auf meiner Hut gegen ſie zu ſeyn 0 und ich 
muß allen, deren Geſchaͤfte fie in dieſe Gegenden 

fuͤhren konnte, dieſe Warnung wiederholen. 
Den erſten November kam ich beym See Pepin 
an, der eigentlich nur eine Erweiterung des Fluſſes 
eh hp iſt, welcher die Franzoſen dieſe Benen⸗ 
. nung 


| 36 e e, 


nung gegeben boben Er liegt ungefaͤhr zweyhun⸗ 
dert Meilen vom Uisconſin. Der Miſſt ſippi fließt 
unterhalb dieſes Sees ſehr gelinde, allein ſeine 
Breite iſt ſehr abwechſelnd, da ſie an einigen 
Stellen uͤber eine Meile, an andern hingegen kaum 
eine Viertelmeile betraͤgt. Dieſer Fluß hat in 
ſeiner ganzen Laͤnge auf beyden Seiten eine Reihe 
von Gebirgen, die an einigen Stellen dicht darauf 
ſtoßen, an andern aber in einer Entfernung von f 
ihm liegen. Das Land zwiſchen den Gebirgen und 
um ſie herum iſt mit Gras bed und man trift 
nur hin und wieder zerſtreute W daͤlder an, bey wel⸗ 
chen man oft große Heerden von Wild und Elend⸗ 
thieren weiden ſieht. An vielen Stellen zeigten ſich 
Felſenpyramiden, die wie alte verfallene Thuͤrme 
aus ſahen; an andern gab es fuͤrchterliche Abgründe; 
und was ſonderbar iſt, ſo iſt die andre Seite des 
Berges, der einen ſolchen Anblick macht, oft mit 
den ſchoͤnſten Kräutern bewachſen, die ſich ſtuffen⸗ 
weiſe bis an ſeinen Gipfel erſtrecken. Von dieſen 
Bergen hat man eine unbegraͤnzte und ſo ſchoͤne 
Ausſicht, als man ſich nur denken kann Gruͤne 
Ebenen, fruchtbare Wief ſen, zahlreiche Inſeln, und auf 
allen dieſen eine Menge von verſchiednen Baͤumen, 
die ohne Sorgfalt und Kultur einen Ueberfluß von 
Fruͤchten liefern, und worunter Nußbäͤume, 
ng | Zucker⸗ 


Er — 72 | 37 


Zuckeraborn“) mit Trauben beladene Weinſtöcke, 
und Pflaumenbaͤume, die ſich unter ihrer reizen⸗ 
den Laſt biegen, die vornehmſten ſind. Doch nichts 
macht einen fehonern Anblick als der ſilberne Strom, 
der unten ſanft vorbeyfließt, und ſo weit reicht, 
daß man ihm mit den Augen nicht folgen kann. 
. Ses iſt ungefahr zwanzig Meilen lang, und 
faſt ſechs breit; an verſchiednen Stellen iſt er ſehr 
tief, und hat einen Ueberfluß an allerley Ar⸗ 
ten von Fiſchen. Es beſuchen ihn und die benach⸗ 
\ barten Fluͤſſe ebenfalls eine Menge Voͤgel, als 
Stoͤrche, Schwaͤne, Gaͤnſe, und Enten; und 
in den Waͤldern trift man haͤufig Calekutſche Huͤh⸗ 
ner und Rebhuͤner an. Auf den Ebenen giebt es 
die groͤßten Buͤffelochſen in ganz Amerika. Ich 
ſäah hier noch die Ruinen von einer Frangöfifchen 
Faktoren, wo ſich Hauptmann St. Pierre, vor 
der Eroberung von Canada, aufgehalten, und 
einen anſehnlichen Handel mit den Nadoweſſtet ern 
getrieben haben ſoll. | 
Ungefähr ſechzig Meilen unterhalb des Sees 
ligt ein Berg grade in der Mitte des Fluſſes, und 


hat das Anſehn, als wenn er vom Ufer in den 


Strom berabgegliſcht waͤre. Man kann ihn keine 
| Nen nennen, da er gleich von der en | 
Ä C 595 | N Rn an 


5 Acer facharinum. L. 


5 
an zu einer beträchtlichen Höhe aufſteigt. Indier 
und Franzoſen nennen ihn den Berg im Fluſſe. 

Ich ſtieg eines Tages am Ufer des Miſſtſippi 
etliche Meilen unterhalb des Sees Pepin ans Land, 
und waͤhrend der Zeit, daß meine Gefaͤhrten mein 
Mittagseſſen zurechte machten, gieng ich herum, 
um die Gegend in Augenſchein zu nehmen. Ich 

war noch nicht weit gegangen, | als ich auf eine 
bübſche und ofne Ebene kam, auf der ich in einer 
Entfernung eine Erhöhung anſichtig ward, die wie 
eine Verſchanzung ausſah. Wie ich ſie genauer 
unterſuchte, ſo fand ich noch gröffere Urſache zu 
glauben, daß ſie wuͤrklich vor einigen Jahrhunder⸗ 
ten zu dieſem Endzweck gedient hatte. Sie war 
zwar jezt ganz mit Gras bewachſen, allein ich konn⸗ 
te deutlich unterſcheiden, daß ſie ehemals aus einer 
vier Fuß hohen Bruſtwehr beſtanden, die ſich faſt auf 
eine Meile erſtreckte, und Raum genug fuͤr fuͤnftau⸗ 
ſend Mann hatte. Jyre Figur war beynahe kreis⸗ 
formig, und ihre Flanken erſtreckten ſich bis an den 
Fluß. So ſehr dies Werk auch durch daͤnge der Zeit 
2 gelitten hatte, fo konnte man doch noch jeden Winkel 
daran unterſcheiden, und es ſchien fo regelmaͤßig 
und mit ſo vieler Kriegskenntniß aufgeworfen zu 
ſeyn, als ob Vauban es ſelbſt angelegt haͤtte. Der 
Graben war nicht mehr ſichtbar, allein es ſchien 
. | - mir 


1 
Il 


7 


3 


ee i 29 


mir doch bey genauer Untersuchung / als ob einer 
da geweſen waͤre. Auch ſeine Lage ſcheint zu be⸗ 
weiſen, daß es zur Veſtung diente. Die Vorder⸗ 
feite davon ſtieß auf die Ebene und die Hinterſeite 
auf den Fluß. Es gab in der Naͤhe keine Hoͤhe, 
von der man es hätte beſtreichen koͤnnen, und nur 
etliche Eichen ſtanden zerſtreut um daſſelbe herum. 
An verſchiednen Stellen fand ich ſchmahle Wege, die 
von den Fuͤßen der Elendthiere und Rehe, die 
daruͤber gelaufen, entſtanden waren. Die Tiefe 
des Bettes von Erde, womit es bedeckt war, be⸗ 
wies ſein hohes Alter. Ich unterſuchte alle Win⸗ 
kel und uͤbrigen Theile mit großer Genauigkeit, und 


habe es oft nachher bedauert, daß ich nicht auf der 


Stelle einen genauen Abriß davon nahm. Zum 
Beweiſe, daß dieſe Beſt 8 nicht von einer 
erhitzten Einbildungskraft t herruͤhrt, erfahre ich nach 
meiner Ruͤckkunft, daß Herr Pierre und verſchiedne 
Handelsleute ahnliche Verſchanzungen entdeckten, 
uͤber die ſie einerley Anmerkungen mit mir mach⸗ 
ten, ohne ſie doch ſo genau unterſucht zu haben, 0 
als ich es that. Wie ein Werk von dieſer Art in 
| einem Lande entſtehn konnte, daß nach unſrer Mey⸗ 
nung bisher bloß der Sitz des Krieges zwiſchen un⸗ 
0 wiſſenden Indiern war, deren ganze Kriegswiſſen⸗ 
N ſchaſ vor zweybundert Jahren noch blos im Bogen⸗ 
\ AN ſpannen 


ſpannen beſtand, und deren ganze Verſchanzung 
noch jetzt ein dicker Buſch iſt, wage ich nicht zu bes 
ſtimmen. Ich habe eine fo genaue Beſchreibung 
von dieſer ſonderbaren Erſcheinung gegeben, als 
mir moͤglich war, und uͤberlaſſe es kuͤnftigen Unter⸗ 
ſuchungen zu entſcheiden, ob ſie von Natur oder 
Kunſt herruͤhre. Vielleicht geben meine Muth⸗ 
maſſungen Anlaß, die Sache einer genauern Be⸗ 
trachtung zu wuͤrdigen, die uns vielleicht ganz ver⸗ 
ſchiedene Begriffe von dem alten Zuſtande von Rei⸗ 
chen machen wird, welche wir bisher blos für eine 
Wohnung der Wilden von den älteften Zeiten an 
gehalten haben. N e 
Der Fluß Miſſtſippi iſt bis an den Fluß St. 
Erbix, dreißig Meilen über den See Pepin, voller 
Inſeln, von denen einige eine beträchtliche Lange 
haben. Auf dieſen wachſen ebenfalls viele Zuk⸗ 
kerahorne, um die ſich mit Trauben belaſtete Wein⸗ 
reben bis an die Gipfel hinauf ſchlingen. Ueber⸗ 
halb des Sees ſieht man wenig Berge, und ſelbſt 
dieſe ſind nur niedrig. Nahe beym Fluſſe St. Croix 
halten ſich drey Stämme von Nadoweſſtern auf, 
welche die Flußſtaͤmme genannt werden. 

Die Nation beſteht jetzo aus eilf Stämmen. 
Urſpruͤnglich waren ihrer zwölf, allein die Aſſtni⸗ 
poilen empörten ſich vor etlichen Jahren, und 
e | trenne 


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trennten ſich von den übrigen. Die, welche ich 
hier antraf, werden die Flußſtaͤmme genannt, weil 
ſie vorzuͤglich am Ufer des Fluſſes wohnen; die 
übrigen acht werden überhaupt durch den Nahmen 
| der Nadoweſſter von den Ebenen, unterſchieden, 
und wohnen in einer Gegend, die weiter nach We⸗ 
ſten zu liegt. Die erſten heiſſen die Nehogata⸗ 
wonaher, die Matabäntowaher und die Schahswin⸗ 
towaher, und beſtehn aus A zuge 
Kriegern. 

Nicht lange vorher, ehe ich dieſe drey Sen 
antraf, ſtieß ich auf eine Parthey von Matabanto⸗ 
waher, die ſich auf vierzig Krieger mit ihren Fa⸗ 
milien belief. Bey dieſen hielt ich mich etliche 
Tage auf, während welcher Zeit fünf bis ſechs 
von ihnen, die auf eine Streiferey ausgeweſen 
waren, eiligſt zurück kamen, und ihre Gefährten 
benachrichtigten, daß eine große Parthey von Tſchi⸗ 
piwaͤern, nach ihrem Ausdrucke: “genug um fie 
zu verfihlingen,” ihnen dicht nachfolgten, und ihr 
kleines Lager gleich angreifen wuͤrden. Ihre Haͤup⸗ 
ter wandten ſich an mich, und verlangten, daß ich 

mich an ihre Spitze ſtellen, und fie gegen ihre Feinde 
aenfuͤhren ſollte. Da ich ein Fremder war, und keine 
von beyden Nationen gern beleidigen wollte, fü 
geriet ich dadurch in keine geringe Verlegenheit. 

x 5 Hätte 


42 
Haͤtte ich Nice geweigert, den Nadoweſſ ern beh⸗ 
zuſtehn, ſo wuͤrde ich ihren Unwillen auf mich ge⸗ 

zogen haben, und hätte ich Feindseligkeiten gegen 
die Tſchipiwaͤer veruͤbt, ſo wuͤrde ich ſie mir zu 
Feinden gemacht haben, und waͤre ich auch gluͤck⸗ 
lich genug geweſen, ihnen diesmahl zu entkommen, 
ſo wuͤrden ſie mich doch ihre Rache gewiß nachher 
haben fühlen laſſen. Ich ſchlug daher in dieſer 
Noth den Mittelweg ein, und bat die Nadoweſſter, 
den Tſchipiwaͤern entgegen zu gehn, und zu ſuchen ihre 
Wuth abzuwenden. Sie willigten ungern darein, 
da ſie glaubten, daß wegen des eingewurzelten 
Haſſes beyder Nationen gegen einander, meine 
0 Wonſtelhgen vergeblich feyn würden. | 
Ich nahm meinen Franzoſen mit mir, der die 
Sprache der Tſchipiwaͤer reden konnte, und gieng 
5 geſchwind nach der Seite, wo ſie herkommen ſollten. 
Die Nadoweſſter blieben unterdeſſen in einer Ent⸗ 
fernung zurück, Wie ich mich ihnen mit der Frie⸗ 
| denspfeiffe naͤherte, kam eine kleine Anzahl ihrer 
Anfuͤhrer auf eine freundſchaftliche Art auf mich 
zu, mit denen ich durch meinen Dollmetſcher eine 
lange Unterredung fuͤhrte. Der Erfolg davon war, 
daß ſie ſich durch mich uͤberreden ließen, diesmahl 
ihren Haß fahren zu laſſen, und ohne ihr grauſa⸗ 
mes Vorhaben auszufuͤhren, zuruͤck zu kehren. 
Waͤh⸗ 


3 — . — — —— — — — 


| Wahrend unſter Unterhandlung bemerkte ich, wie 
ſie zerſtreut herum lagen, daß die Parthey ſehr 
zahlreich war, und daß viele von 1 Flinten 
| Bau | 
Da ich meine Wemhantang gluͤcklich geendigt 
hatte, ſo kehrte ich zu den Nadoweſſtern zuruͤck, 
und rieth ihnen, ihr Lager unverzuͤglich in einer 
| andern Gegend aufzuſchlagen, aus Furcht, ihre 
Feinde möchten ihr gegebenes Verſprechen bereuen, 
und ihr Vorhaben noch ins Werk richten. Sie 
folgten mir willig, und fiengen ſo gleich an, ihre 
Zelte abzubrechen, wobey ſie mich mit Dankbezeu⸗ 
gungen uͤberhaͤuften. Ich begleitete ſie bis an ihre 
Kanoen, und ſetzte darauf meine Reiſe weiter fort. 

. Dieſer Friedensſtiftung hatte ich nachher vor⸗ 
zuͤglich meine gute Aufnahme bey den Nadoweſſtern 
der Ebenen zu danken, die mir waͤhrend meines 
Aufenthaltes bey ihnen viel Achtung und Ehren⸗ 
bezeugungen bewieſen; und wie ich viele Monathe 
nachher in dem Dorfe der Tſchipiwaͤer, nahe bey 
den Seen Ottowa ankam, ſo erfuhr ich, daß mein 
Ruhm ſchon vor meiner Ankunft bey ihnen erſchallt 
war. Die Haͤupter empfiengen mich mit vieler 
a Treuherzigkeit, und die aͤltern dankten mir dafür, 
daß ich ſo viel Unheil abgewandt haͤtte. Sie ſag⸗ 
ten mir, daß der Krieg zwiſchen ihrer Nation und 
den 


den Nadoweſſtern über vierzig Winter ununterbro⸗ 
chen fortgedauert haͤtte. Sie haͤtten zwar lange 
gewuͤnſcht, ihm ein Ende zu machen, allein die 
jungen Krieger von beyden Voͤlkerſchaften, die ihre 
Hitze, wenn ſie ſich einander begegneten, nicht 
mäßigen konnten, hätten es verhindert. Sie ver⸗ 
ſicherten mich, ſie wuͤrden ſich ſehr gluͤcklich fehägen, 
wenn irgend ein ſo friedfertiger Mann von Anſehn, 
wie ich, der dabey eine eben ſo große Entſchloſ⸗ 
ſenheit und Kaltbluͤtigkeit beſaͤße, ſich hier im Lande 
unter den beyden Nationen niederlaſſen wollte ‚da 
durch feine Vermittelung leicht ein Vergleich, den 
ſie ſehnlichſt wuͤnſchten, koͤnnte zu Stande gebracht 
werden. Da ich in der Folge keine Nadoweſſter 
weiter antraf, ſo hatte ich keine Gelegenheit ‚ein 

ſo gutes Werk zu befördern. ı 
Ungefähr dreißig Meilen unterhalb dem Waſſer⸗ 
falle von St. Anton, den ich zehn Tage nach 
meiner Abreiſe vom See Pepin erreichte, iſt eine 
merkwuͤrdige Hohle von einer erſtaunlichen Tiefe. 
Die Indier nennen ſie Waͤkon⸗tibe, die Wohnung 
des großen Geiſtes. Der Eingang iſt ungefähr zehn 
Fuß weit, und fuͤnf Fuß hoch. Die Hoͤhe des 
innern Gewoͤlbes betraͤgt funfzehn Fuß und ſeine 
Breite ungefaͤhr dreißig Fuß. Der Boden beſteht 
aus einem feinen klaren Sande. Ungefähr zwan⸗ 
zig 


| a | 45 


zig Fuß vom Eingange fängt ein See an, deſſen 

Waſſer vollig durchſichtig iſt, und der ſich ſo weit 

erſtreckt, daß man ſein Ende gar nicht hat ausſuͤn⸗ 
dig machen koͤnnen, da die Dunkelheit der Hoͤhle 

keine genaue Unterſuchung erlaubt. Ich warf einen 
kleinen Stein mit aller meiner S Staͤrke über denſel⸗ 
ben hin, der, ſo klein er auch war, wie er ins 
Waſſer fiel, ein erſtaunlich fuͤrchterliches Geraͤuſch 
machte, das durch dieſe ganze ſchauervolle Gegend 
wiederhallte. Ich fand in dieſer Hoͤhle viele indiſche 
Hieroglyphen, die ſehr alt zu ſeyn ſchienen, denn 
die Zeit hatte ſie faſt ſo ſehr mit Mooße bedeckt, 
| daß ich ihnen kaum nachſpuͤren konnte. Sie wa⸗ 
ren auf eine rauhe Art an der innern Seite der 
Waͤnde ausgehauen, die aus einem ſo weichem | 
Steine beftanden, daß man leicht mit einem Meſſer 
hineinſtechen konnte. Man trifft dieſe Steinart 
uͤberall am Miffippi an. Es giebt nur einen engen 
und ſteilen Zugang zu dieſer Hoͤhle ö der bas 
am Rande des Fluſſes fortlaͤuft. 

In einer kleinen Entfernung von dieſer ſlachter⸗ 
lichen Hohle iſt ein Begraͤbnißplatz von verſchied⸗ 
nen Staͤmmen der Nadoweſſtier. Dieſe Voͤlker⸗ 
ſchaften haben zwar keinen feſten Wohnplatz, ſon⸗ 
dern ſie wohnen in Zelten, und halten ſich nur we⸗ 
nige Aaunacche auf einer Stelle auf, allein dem un⸗ 
. „ geachtet 


geachtet bringen fie immer die Gebeine ihrer Ver⸗ 
ſtorbenen hieher, wenn ihre Oberhaͤupter zuſammen⸗ 
kommen, um ſich uͤber die öffentlichen Angelegen⸗ 
heiten fuͤr den kuͤnftigen Sommer zu berathſchlagen. 
Zehn Meilen unterhalb des Waſſerfalles St. An⸗ 
ton fälle der Fluß St. Peter, den die Einge⸗ 
bohrnen? Wadapameneſotor nennen, auf der Weſt⸗ 
ſeite in den Miſſtſippi. Pater Hennepin erwaͤhnt 
feiner nicht, da er doch ein großer ſchöͤner Fluß iſt. 
An dieſem Irthume war vermuthlich eine kleine In⸗ 
ſel ſchuld, die grade vor ſeiner Muͤndung liegt, 
und ihn verbirgt. Ich wuͤrde dieſen Fluß ſelbſt 
nicht entdeckt haben, wenn ich mich nicht von den 
gegenuͤberliegenden Anhoͤhen, die ſich ziemlich u 
erheben, darnach umgeſehen hätte. 

Faſt grade dieſem Fluſſe gegenuͤber zwang mich 
das Eis, meinen Kanoe zu verlaſſen, und zu Lande 
nach dem Waſſerfalle von St. Anton zu reiſen, wo 
ich den 17ten November ankam. Der Miſſiſippi 
iſt vom St. Petersfluſſe an bis hieher etwas reiſſen⸗ 
der, als ich ihn bisher angetroffen hatte, und man 
ſieht gar keine Inſeln von irgend engen en 
keit darin. 00 

Noch ehe ich meinen 9 verließ, Ko 10 
einen jungen Prinzen von den Winnebagoern an, 
der als Aan zu den Nadowefli . Wilen 

e | ſchaf⸗ 


fall beſehen wollte, ſo ließ er es ſich gefallen, mich 


dahin zu begleiten, weil ſeine Neugierde oft durch 
die Erzaͤhlungen davon, die er von einigen ſeiner 
Oberhaͤupter gehoͤrt hatte, war rege gemacht wor⸗ 

en. Er ließ daher ſeine Familie (denn die Indier 


ſchaften gieng. Da er hörte, daß ich den Waſſer⸗ 


reifen nie ohne ihre ganze Haushaltung) hier unter 


der Aufficht meines Mohaak Indiers zurück, und 
wir beyden giengen, blos in Begleitung meines 
franzoͤſiſchen Bedienten, zu Lande nach dieſem 8 


ruͤhmten Waſſerfalle. 


Wir konnten ſchon i in einer Entfernung von funf, | 
zehn engliſchen Meilen das Geraͤuſch des Waſſers 
deutlich hoͤren, und mein Vergnuͤgen und Erſtaunen 
wuchſen immer, je naͤher ich dieſem Wunderwerke 
der Natur kam. Allein ich konnte dieſen Regungen 


nicht lange nachhaͤngen, da das Betragen meines 


Gefaͤhrten meine ganze Aufmerkſamkeit an ſich zog. 
Der Prinz hatte kaum die Spitze erreicht, von 

welcher man dieſen bewundernswuͤrdigen Waſſerfall 

uͤberſehn kann, als er anfieng, mit vernehmlicher 


Stimme zu dem großen Geiſte zu beten, weil er 


glaubte, daß dieß einer von ſeinen Wohnplaͤtzen 
waͤre. Er fagte ihm vor, daß er einen weiten 
Weg gereiſt waͤre, um ihn bier anzubeten, und 
| daße er ihm jetzt das beſte Opfer, das er in feiner 


Macht 


48 BES 


Macht hätte, darbringen wollte. Er warf ar 
zuerſt feine Pfeiffe in den Strom, und das Futte⸗ 
ral, worinn er ſeinen Toback auf bewahrte; darauf 
folgten die Armbaͤnder, die er am Oberarme und 
am Handgelenke trug, ſein Halsband, das aus 
Draht und Roſenkraͤnzen beſtand, und zuletzt ſeine 
Ohrringe; kurz er ſchenkte ſeinem Gotte alles, 
was ſich nur von einigem Werthe in ſeinem Anzuge 
befand. Waͤhrend der Zeit ſchlug er ſich oft auf 
die Bruſt, ſchleuderte ſeine Arme umher, und 
ſchien überhaupt in heftiger Bewegung zu ſeyn. 
Er ſetzte zugleich fein Gebet immer fort, und 
endigte es damit, daß er den großen Geiſt um ſei⸗ 
nen Schutz auf unſrer Reiſe, um eine glaͤnzende 
Sonne, einen blauen Himmel, und helles heitres 
Wetter bat. Er gieng auch nicht von der Stelle 
weg, bis wir dem großen Geiſte zu Ehren eine 
Pfeiffe zuſammen geraucht hatten. 17 5 
Ich wunderte mich ungemein, ein Beyſpiel von 
ſo erhabener Andacht bey einem jungen Indier zu 
ſehn, und anſtatt mich uͤber ſeine Ceremonien daben 
aufzuhalten, wie mein katholiſcher Bediente heim⸗ 
lich that, ſo vermehrten vielmehr dieſe aufrichtigen 
Beweiſe von Froͤmmigkeit meine Hochachtung für 
ihn, und ich zweifle nicht, daß fein Opfer und Ge⸗ 
bet dem allgemeinen Vater der Menſchen eben fo 
ange⸗ 


angenehm waren, als wenn fie mit gebferm Ge⸗ 
praͤnge und an einem e Orte wären 0 


90 ea worden. KIN, nah | 
Ueberhaupt nahm mich das ganze Beg bie | 


ſes jungen Prinzen ſehr fuͤr ihn ein. In den we⸗ 
nigen Tagen, die wir bey einander waren, fü chien 
ſeine ganze Aufmerkſamkeit darauf gerichtet zu ſeyn, 
mir zu dienen, und ſelbſt in dieſer kurzen Zeit gab 
er mir ſo viele Beweiſe einer edeln und uneigen⸗ 
nuͤtzigen Freundſchaft, daß ich ihn bey unſrer Zu⸗ 
ruͤckkunft ſehr ungern verließ. Wenn ich uͤber un⸗ 
gekuͤnſtelten, die aber um ſo mehr einnehmenden 


Sitten dieſes jungen Wilden nachdachte, ſo konnte 


ich nicht umhin, einen Vergleich zwiſchen ihm und 
etlichen von den feinern Einwohnern geſitteter Laͤn⸗ 
e anzuſtellen, der wirklich nicht ſehe 85 Vor⸗ 
KL. n der leztern ausfiel. „ 

Der Waſſerfall von St. Anton ah ſeinen 


Rahmen vom Pater Ludwig Hennepin, einem fran⸗ 


2 


zöſiſchen Miſſtonaͤr, der dieſe Gegenden im Jahre 


1680 durchreiſte, und der erſte Europäer war / 


ber f ich vor den Wilden ſehn ließ. Der Fluß, der 
hier uber ſiebenhundert und funfzig Fuß breit iſt, 


A macht hier einen ungemein praͤchtigen Waſſerfall. 


Das Waſſer ſtuͤrzt ſich ſenkrecht über dreiffig Fuß 
wa und die vielen Wirbel, die man auf einer 


Carvers Reiſen. D Strecke 


1. 1 


0 Strecke von neunhundert Fuß antrift, . a. 
Fall noch) weit beträchtficher, und machen, daß man 
ihn in einiger Entfernung für weit höher anſieht, | 
als er wuͤrklich iſt. Pater Hennepin ſchaͤtzt ihn auf 
ſechszig Fuß, allein er machte einen eben ſo großen 
Fehler bey der Berechnung des Waſſerfalls zu Nia⸗ 
gara, deſſen Hoͤhe er auf ſechshundert Fuß angab; 
da ſie doch nach neuern und genauern Meſſungen 

nicht uͤber hundert und vierzig betraͤgt. Allein ich 

fuͤrchte, der gute Pater baute ſeine Rechnungen 

uͤberhaupt nur zu ſehr auf fache Sitzen er 

eine fluͤchtige Unterſuchung. 

In der Mitte des Waſſerſals ſtebt ei eine e kleine 
Aufl, die ungefähr vierzig Fuß breit und etwas 
laͤnger iſt. Es wachſen blos etliche ſchlechte ame⸗ 
rikaniſche und andre Tannen darauf. Ungefaͤhr auf 
der Haͤlfte der Weite zwiſchen dieſer Inſel und dem 
oſtlichen Ufer grade am Rande des Falles liegt ein 
Felſen i in einer ſchiefen Richtung, der ungefaͤhr ſechs 
Fuß breit, und dreiſſig bis vierzig Fuß lang zu ſeyn 
ſchien. Dieſer Waſſerfall iſt dadurch von allen uͤbri⸗ 
gen, die ich kenne, ſehr unterſchieden, daß man 
ohne die geringſte Hinderniß von Huͤgeln oder 
Klüften anzutreffen, dicht an ihn kommen kann. 
Die Gegend hier herum iſt ungemein ſchoͤn. 
| Sie, batch aus keiner animdthrachenen Ebene, 
nz f re Er 


“ar 


Ft 


\ wo en Auge gar keinen Rubevaultk finden kann, 
ſondern aus vielen ſanften Anhoͤben 10 die i im Som⸗ 
mer mit dem ſchönſten Grün bedeckt find, und hin 
und wieder durch kleine zerſtreute Waͤlder einen 
ſehr angenehmen und mannigfaltigen Anblick ver⸗ 
urſachen. Ueberhaupt „wenn man den Waſſerfall 
dazu nimmt, der ſich ſchon in einer Entfernung 
von vier engliſchen Meilen zu zeigen anfängt, fo 
laͤßt ſich kaum eine ſo ſchoͤne und mahleriſche Land⸗ 
ſchaft denken. Nur war es S Schade für mich, daß 
ich zu keiner beſſern Jahrszeit hier war, da jetzt 
Baͤume und Huͤgel ihr prächtigftes Gewand nicht 
mehr anhatten, und dadurch viel von ihrer Schoͤn⸗ 
beit verlohren; aber auch ohne dieſen Schmuck 
uͤbertraf die Gegend meine feurigſte Erwartung. 
Ich habe mich bemuͤht, meinen leſern eine fo. ges 
naue Vorſtellung von dieſem reitzenden Gegenſtande 
der Natur zu geben, als es mir moͤglich war; 
aber jede Beſchreibung, mit der Feder oder mit 
dem Pinſel, muß dem en Berl weit 
nachſtehn. Kane‘ e e 

In einer kleinen fenen rbb des 
A Waſſerfalles ſteht eine kleine Inſel, die ungefaͤhr 
f anderthalb engliſche Morgen betraͤgt. Es wuchs 
eine Menge Eichbaͤume darauf, und jeder Zweig, 
in u nur * genug war, das Gewicht zu tragen, 
e e war 


a 


32 
war voller Adlerneſte. Dieſe Vögel Sehn ſich 

in ſolcher Menge hieher, weil ihr Aufenthalt durch 
die vielen Wirbel, über die ſich kein Indier wagt, 
gegen alle Angriffe von Menſchen und Thieren in 
Sicherheit geſetzt wird. Auſſerdem finden ſie hier 
an den Fiſchen und Thieren die vom Waſſerfalle 
zerſchmettert und ans Ufer geworfen werden, - 
ſich und ihre Jungen hinreichende Nahrung. 
Wie ich meiner Neugierde, ſo weit, als ein 
menſchliches Auge befriedigt werden kann, ein Ge⸗ 
nuͤge gethan hatte, ſo gieng ich i in Begleitung mei⸗ 
nes jungen Freundes weiter, bis ich den Fluß St. 
Franziseus erreichte, der ſechszig Meilen uͤberhalb 
des Waſſerfalles liegt. Er erhielt feinen Rahmen 
| vom Pater Hennepin, deſſen Reifen er, ſo wie den 
meinigen, gegen N ordweſten, ihre Grenzen ſetzte. 
Da die Jahrszeit fo ſpaͤt, und das Wetter ſo kalt 
war, ſo war ich nicht im Stande, ſo viele Beobach⸗ 
tungen in dieſen dere eee 105 Br — 
gewuͤnſ ſcht haͤtte. | 

| Ich muß jedoch we lee J daß ich anf 10 
kleinen Reiſe , die ich oberhalb des Waſſerfalles 
that, vierzehn Meilen davon, einen ungefaͤhr ſechs⸗ 
zig Fuß breiten Fluß antraf, der von Nordoſten 
herkam und Rumfluß heißt. Am zwanzigſten No⸗ 
e kamen! wir an einen zweyten Fluß, der 

Gaaͤnſe⸗ 


Gaͤnſefluß genannt, der ungefähr ſechs und dreißig 
Fuß breit war. Hier fängt der Miſſiſippi an 
ſchmaͤler zu werden „und ſeine Breite betraͤgt ga 
ungefähr. zweyhundert und ſiebenzig Fuß. 
ſcheint groͤßtentheils aus kleinern Armen zu wi 
Das Eis hinderte mich „ die Tiefe von Auen drey 
Fluͤſſen zu unterſuchen. | 

Die Gegend iſt an einigen ( Stelle pole EL 
unter denen ſich aber keine hohe Berge befinden. 
Ich fand hier viele Rehe, und Rennthire und 
einige Elendthiere. Bieber, Ottern und and ere 
Pelzthiere waren ſehr häufig. Etwas weiter von 
hier gegen Nordoſten, giebt es eine Menge kleiner 
Seen, die tauſend Seen genannt, in deren Ge⸗ 
gend, die wenig beſucht wird „die beſte J Jagd auf 
viele Meilen umher angetroffen wird, da der Jaͤ⸗ 
ger verſichert ſeyn kann „ immer beladen daraus 
zuruͤck zu kehren. | 
| Niemand bat den Miffi ſippi höher bien, als bis 

| zum St. Petersfiufe unterſucht, und blos Pater 

Hennepin und ich kamen ſo weit. Alles, was wir von 

den noͤrdlichern Theilen wiſſen, haben wir daher 
blos den Indiern zu! danken. Dieſer Fluß iſt von 
dem Meere an nicht weiter als bis zum Ausfluſſe . 
des Ohio für Fahrzeuge von einiger Größe ſchiff bar, 
a fefof bis dahin konnen fie wegen des reiſſen⸗ 
0 . den 


54 
den Stromes und der vielen Kruͤmmungen nicht 
ohne viele Mühe kommen. Kolonien, die weiter 
landeinwaͤrts an ihm angelegt waͤren, „ würden das 
her gegen jeden Angriff von einer Seemacht völlig 
ſicher ſeyÿn. Dem ungeachtet koͤnnten die Einwoh⸗ 
ner ihre Produkte mit großer Bequemlichkeit von 
der Quelle des Stroms bis an den Meerbuſen von 
Mexiko hinunter bringen, da er kleine Fahrzeuge 
ſehr gut tragen kann. Vielleicht koͤnnte die Schif⸗ 
flahrt noch durch Kanäle und kuͤrzere Durchſchnitte 
erleichtert werden. Nach Neu⸗Pork und Kanada 
„ le ſich uͤber die Seen ebenfalls leicht eine Ge⸗ 
meinſchaft eröfnen. Der Einfluß des“ Ohio iſt nach 
dem Laufe des Fluſſes zu rechnen 5 ungefaͤhr neun⸗ 
hundert engliſche Meilen von der Muͤndung des 
Miſſiſippi entfernt; und der Meſſorie liegt ungefahr 
noch zweyhundert Meilen höher. Don diefem bis “ 
zum Fluſſe Illinoa ungefaͤhr zwanzig Meilen, und 
vom Illinoa bis zum Uisconſin, den ich ſchon be⸗ 
ſchrieben habe, ſind noch ungefähr ne Me 
len weiter. 5 | 
Den fünfund zwanzigſten kehrte ich macht meinem a 
Kanoe, den ich an der Muͤndung des St. Peters⸗ 
Fluſſes verlaſſen hatte, zuruͤck; und hier nahm ich 
ſehr ungern von meinem jungen Freunde, dem 
Prinzen der W Abſchied. Da dieſer 
Fluß 


Fluß wegen feiner ſüdlichen Lage vom Eife frey 
war, ſo fand ich nichts, das meine Fahrt haͤtte 
g hindern können. Den acht und zwanzigſten hatte 
ich ungefähr vierzig Meilen zuruͤck gelegt, und kam 
an einen kleinen Arm, der von Norden her ſich mit 

ihm vereinigte, und den ich, da er noch keinen 
Nahmen hatte, nach mir benannte. Meine tefer 
werden ihn auf meiner Reiſekarte unter dem Nah⸗ 
me en von Carversfluſſe finden. Ungefähr vierzig 
Meilen weiter hinauf kam ich an den Ausfluß der 
rothen und weiſſen Marmorfluͤſſe, die ſich kurz vor⸗ 
her mit einander vereinigen, ebe ve in den St 
Gr fallen. . | 
Der Fluß St. Peter iſt bey ſeinem Einſtuſſe i e in 
den Miſſtſippi etwa dreyhundert Fuß breit, und 
behält dieſe Breite ſo weit, a als ich ihn hinaufſegelte. 
| Er iſt ſehr tief und an verſchiednen Stellen unge⸗ 
mein reiſſend. Ungefähr funfzig Meilen von ſeiner 
Mündung giebt es einige Wirbel, t nd weit böher 
binauf trift man deren noch viele an. | 
Ei.) gieng dieſen Fluß ungefaͤhr dwerhundert 
Meilen bis an das Land der Nadoweſſier von der 
Ebene hinauf. Dies Land liegt etwas überhaf6 

der Landzunge, welche der eben erwähnte gruͤne und 
rothe Marmorfluß machen, und wo ein Arm von 
. ber ſi er beynahe mit dem Meſſorie verei⸗ 
* D 4 nigt. 


VVT ; 
EE EEE LTE NE As 


ae Ey > Kir Nr ge! rn. 
7 Be £ BIER Ale: 7 


nigt. Nach den Nachrichten zu urtheilen, die ich 
von den Indiern erhielt, fo muͤſſen die Fluͤſſe Dep 
ſorie und St. Peter, ungeachtet ſie zwoͤlf hundert 
Meilen von einander in den Mir iſippi fließen, nahe 
bey einander, und ſogar blos in der Entfernung 
won einer Meile, entſpringen. Der nordliche Arm 
des Fluſſes St. Peter entſteht aus einer Menge 
Seen, nahe bey den glaͤnzenden Bergen, und aus 
eben dieſen Seen kommt ein Hauptarm des Fluſſes 
Burbon her, der in Hudſons Meerbuſen fälle. 
Ich erfuhr von den Nadoweſſiern, bey denen 
ich den ſiebenten December ankam, und deren 
Sprache ich vollkommen in ſieben Monaten lernte, 
daß die vier Hauptſtroͤme von Nordamerika, nem⸗ | 
lich der St. Lorenz, der Miſſiſippi, der Burbon 
und der Oregan, oder weſtliche Fluß, wie ich 
ſchon in meiner Einleitung angefuͤhrt habe, nicht 
weit von einander entſpringen. Die Quellen der 
drey erſten Flͤſe find nicht über dreißig Meilen 
von einander entfernt, allein der Oregan liegt 
weiter nach Weſten zu. Dieſe Nachricht ward 
8 nachher durch die Erzaͤhlung der Aſſinipoilen be 
ſtaͤtigt, welche die Sprache der tadoweſſier reden, 
von denen ſie ſich durch Empörung getrennt haben. 
Auch die Killiniſtoer, die Nachbaren von den Aſſi⸗ 
nipoilen ſind, und mit den Tſchipiwaͤern einerley 
no. 8 Sprache 


„ JN. 
Sprache haben, und meine eignen Beobachtungen 

bekraͤftigten in der Folge dieſe Entdeckung, welche 
bedeiſt, aß dies die höchite Gegend in Mime 
rifa iſt. \ 

Es giebt ſonſt e in den dren ubrigen 

= Weitcheilen kein Beyſpiel, daß vier ſo große Fluͤſſe 
ſo nahe bey einander entſpringen, und dennoch jeder 
ſeinen verſchiednen Lauf nimmt, und ſich zwey tau⸗ | 
ſend Meilen von feiner Quelle in ein beſondres 


Meer ergießt. Denn von dieſer Gegend rechnet 


man oſtwaͤrts nach dem Meerbuſen von St. to 
renz, ſuͤdwaͤrts nach dem Meerbuſen von Mexiko, | 
nordwaͤrts nach Hudſonsbay, und weſtwaͤrts nach 
dem Meerbuſen bey der Straße von Anian uͤber 
zwey tauſend engliſche Meilen. | 
Ich will jetzt meinen Leſern die Gedanken vor⸗ 
a tragen, die bey mir entftanden, als ich dieſe wich, 
tige Nachricht erhielt, und mich durch unzaͤhlige 
Nachfragen von ihrer Wahrheit wenigſtens ſo weit 
uͤberzeugt batte, als man irgend von einer Sache 
ohne perſoͤnliche eee een werden 
kann. Ak 
Es iſt bekannt daß die Kolonien „ werielich 
| Ren, England und Kanada, wenn der Winter ein⸗ 
tritt, verſchiedne Monathe hindurch fehr von Nord⸗ 
I weſtwinden leiden, wodurch die Kälte größer wird, 
D . als 


fahrung beſtaͤtigen, denn ich fand den Winter, den 
ich auf der Weſtſeite des Miſſiſippi zubrachte, nichts 


58 


als man ſie in den i innern Theilen von Nordame 


rika findet. Ich kann dies mit meiner eignen Er⸗ 


weniger als hart, und die Rordweſtwinde, die in 
den dortigen Gegenden. weheten, weit gelinder, als 


Und daß dies nicht blos einem beſonders warmen 


Winter zuzuſchreiben war, ſondern ſich alle Jahre 


zutrug, konnte ich daraus ſchlieſſen, daß damahls 
nur ſehr wenig Schnee fiel, und daß die Indier 


überhaupt Schneeſchuhe gar nicht kannten, ohne 


zu herrſchen pflegen, nicht vielleicht dem Laufe des 
Miſſiſippi über das feſte Sand folgen, bis fie ie mit 
den Nordwinden zuſammen ſtoßen, die aus einer 
| ahnlichen Urſache vom Hudſonsmeerbuſen den 
Burbon hinauf wehen? Sollten alsdenn beyde 


welche bey den ra eee, ker e, 
fortzufommen ift. 

Naturkuͤndiger RN daß die luft dem 
Waſſer in vielen Stuͤcken ahnlich iſt vorzüglich 


| darinn, daß ſie oft in einem dichten Körper fließt, 
und daß dieſer Luftſtrom gewohnlich dem Laufe 
großer Stüffe folgt, und nur ſelten queer über ſie 
weggeht. Sollten daher die Stroͤme, die gegen 


das Ende des Jahrs im Meerbuſen von Mexico 


verei⸗ 


ich ſie oft naͤher gegen die Kuͤſte zu bemerkt hatte. 


— 


\ 


5 9 
0 


vereinigte Winde, die jetzt uͤber die großen Seen 


und laͤngſt den Strom St. dorenz hinuntergetrie⸗ 
ben werden, nicht die Verwuͤſtungen anrichten, 
und die harten Winter verurſachen, die in den 

n vorhin erwaͤhnten Gegenden ſo haͤufig ſind? Auf 
ihrem Wege uͤber die Seen dehnen ſie ſich weiter 


aus, und koͤnnen ſich daher uͤber einen groͤßern 


Landſtrich ausbreiten, als ſie ſonſt thun wuͤrden. 

Nach meiner geringen Einſicht in die Natur⸗ 
kunde iſt dies gar nicht unwahrſcheinlich, allein ich 
kann nicht beſtimmen, ob es den Geſetzen ange⸗ 


meſſen ift, welche die Naturkuͤndiger zur Erklaͤrung 
der Wuͤrkungen dieſes Elementes feſtgeſetzt haben. 


Doch wird vielleicht meine Beſchreibung des Laufs 


dieſer großen Waſſerſtröme, und ihr naher Urſprung 
5 einander, nebſt meinen rohen Theorien uͤber ihren 
Einfluß auf den Wind, in geſchickteren Haͤnden An⸗ 


f laß zu vielen nuͤtzlichen Entdeckungen geben können. 


Den ſiebenten December erreichte ich wie ich 
ſchon vorhin anführte, das Äufferfte Ende meiner 
Reiſe nach Weſten, und traf einen großen Haufen 


Nadoweſſier an, bey denen ich mich ſieben Mo⸗ 


| nathe aufhielt. Sie machten einen Theil von den 
acht Stämmen der Nadoweſſier der Ebenen aus, 
und wurden Wapintowaher, Tintoner, Arche 
N Nahaer und Schianer genannt. Die 


buten, 
drey 


N 
1 
IE 
ne, 
I 
1 

5 


drey lbrigen Stämme, die Schianiſer, die Tſchon⸗ 
guſcetoner und die Waddapädſcheſtiner wohnen 
hoͤher hinauf, und weſtwaͤrts vom Fluſſe St. Pe⸗ 


ter auf Ebenen, die ihrer Ausſage nach keine Gren⸗ 


zen haben, und ſich vermuthlich bis an die Kuͤſte 


des ſtillen Meeres erſtrecken. Die ganze Bolten 


ſthaft der Nadoweſſier beſteht zuſammen genom⸗ 


Aſſinipoilen, die ſich empoͤrten und von ihnen trenn⸗ 


ten, belaufen ſich auf dreyhundert, und leben ſo 
wie die Killiniſtoer in beftändiger deindſ haft mit 
0 den eilf übrigen Stämmen. 


men aus mehr als zweytauſend Kriegern. Die 


Wie ich den Fluß St. Peter inguß fube, 4 a | 


ſchon nahe an den Ort gekommen war, wo dieſe 
Voͤlkerſchaften ihr Lager hatten, fü bemerkte ich 
zwey bis drey Kanoen, die den Fluß herunter 


kamen. Allein kaum hatten die Indier, die darinn 
waren, uns bemerkt, ſo ruderten ſie gegen das 
Ufer, ſprangen mit der größten Beſtuͤrzung ans 


Land, und fieffen ihre Kanoen treiben. Etliche 
Minuten darauf ſah ich noch einige andre, die, ſo 
bald ſie uns anſichtig wurden, eben ſo ſchnell dem 
Beyſpiele ihrer Landsleute folgten. e 
Ich hielt es daher jezt für noͤthig, mit Behut 


ſamkeit weiter zu gehn, und bielt mich daher dicht 


am Ufer an der andern on des Fluſſes. Jedoch 
W 


3% 


ſeßte ich meine 1 fort, da ich glaubte, daß 


mich die F riedenspfeiffe, die vorn an meinem Kane. 
aufgeſteckt war, und die engliſche Flagge, die 
binten wehte, in Sicherheit ſetzen würden. Als ich 
ungefähr noch eine halbe Meile weiter gerudert war, 
und um eine Landſpitze herumkam, ſo erblickte ich 


eine große Menge von Zelten, und uͤber tauſend 
5 Indier i in einer kleinen Entfernung vom Ufer. Da 


ich nun ihnen faſt gegen über war, fo befahl ich 
meinen deuten, grade auf fie zuzurudern, um ih⸗ 


nen durch dieſen Schritt zu zeigen , poor ich au 


frauen in ſie ſetzte. 
So bald als ich ans Land geſtiegen war, 0 reich⸗ 


ten mir zwey von ihren Haͤuptern die Haͤnde, und 


‚führten mich mitten durch die erſtaunte Menge, 


von der die meiſten nie einen weiſſen Menſchen ge⸗ 
ſehn hatten, nach einem Zelte. Wir giengen hin⸗ 
ein, und ſingen, nach einer bey allen indiſchen Voͤl⸗ 


g kerſchaften eingeführten Gewohnheit, an, die Frie⸗ 


denspfeiffe zu rauchen, allein der Zulauf war bald 
ſo groß / daß wir Gefahr liefen, unter dem Zelte 


erdruͤckt zu werden. Wir gingen daher auf die 


Ebene zuruͤck, wo das gemeine Volk beſſere Gele⸗ 
genheit hatte, ſeine Neugierde zu befriedigen. Es 


| 5 waͤhrte nicht lange, ſo ſah es mich ſchon nichtmehr 


als ein Wunderthier an, und begegnete mir nachher 


immer mit vieler AR Bi, Die 


62 


| Die Oberhaͤupter empfingen mich auf die 
freundſchaftlichſte und gaſtfreyeſte Art, wodurch ich 
bewogen ward, da ohnehin die Jahrszeit ſchon fo 


weit verſtrichen war, den Winter uͤber mich bey 


ihnen aufzuhalten. Um mir die Zeit ſo angenehm 


zu machen, als es mir moͤglich war, fo ſuchte ich 


zuerſt, ihre Sprache zu lernen, womit ich bald ſo 
weit Fam, daß ich mich völlig verſtaͤndlich machen 
konnte, da ich ohnehin vorher ſchon eine geringe 
Kenntniß von der Sprache der Indier beſaß, die 
hinten an den Kolonien wohnen. Ich erwarb mir 


dadurch in der Folge alle Bequemlichkeiten, die ihre 


Lebensart mit ſich bringt. Auch fehlte es mir nicht 

an Zeitvertreibe, um eine lange Zeit vergnuͤgt zu⸗ 
7 Ä 2 7 5 7 . 8 
zubringen. Ich jagte oft mit ihnen, und ſah zu 
andern Zeiten gern ihren Beluſtigungen und Spie⸗ 


len zu, die ich nachher beſchreiben werde. 


Oft ſaß ich bey den Oberhaͤuptern, und rauchte 
eine freundſchaftliche Pfeiffe mit ihnen. Ich er⸗ 


zahlte ihnen daben zur Vergeltung fuͤr die Nachrich⸗ 


‚fen, die ſie mir von ihren Begebenheiten und 
Kriegszuͤgen mittheilten, meinen eignen Lebens⸗ 


lauf, und beſchrieb ihnen alle Schlachten, die in 


Amerika zwiſchen den Englaͤndern und Franzoſen 
vorgefallen waren, und bey denen ich groͤßtentheils 
geweſen war. Sie gaben auf jeden kleinen Um⸗ 
ie | Klier iu 


797 


ſtand Achtung „und thaten oft ſehr geſcheute gra 
gen über die europaͤiſche Art, Krieg zu führen. 


„Ich ließ mich mit ihnen in ſolche Uhterrebun, 
a größtentheils deswegen ein, um mir eine 


Kenntniß von der Lage und den Produkten ihres 


eignen Landes und der mehr nach Weſten zu ge⸗ 
legenen Länder; zu verſchaffen, worauf ich immer 
i mein Hauptaugenmerk gerichtet hatte. Ich fand 


auch in meiner Erwartung keinesweges ber 


een indem ich von ihnen viele nuͤtzliche Nach⸗ 
richten erhielt. Sie zeichneten mir Karten von 
allen Gegenden, die ſie kannten; allein da ich 
eben keine große Meinung von ihren geographi⸗ 
ſchen Kenntniſſen hatte, ſo baute ich nicht viel 
darauf, und halte es auch jetzt fuͤr uͤberfluͤſſig, fie 
| dem Publikum mitzutheilen. Doch machen die, 
welche ich nachher durch andre Nachrichten oder 
meine eignen Beobachtungen fuͤr richtig befand, 
einen Theil von der dieſem Werke beygefuͤgten 
darte aus. Sie zeichnen mit einer Kohle, die fie | 
vom Heerde nehmen, auf die innere Rinde einer 
Birke, die ſo glatt iſt, als Papier, und ſich vollig 
a ſo e gut brauchen laͤßt, ungeachtet ſie etwas gelblicht | 
iſt. Ibre Zeichnungen ſind ſehr raub, allein fie 
a geben einen recht guten Begriff von der Gegend, 
die aber nne IM: Karte nicht ſo genau 
a) iR . Vor⸗ 


vorgeſtelle ift, als mehr nen agnes es thun 
koͤnnten. 

Ich verließ die Wohnungen dieſer gaſtfteien 
Wilden gegen das Ende des Aprils 1767, allein 
beynahe dreyhundert von ihnen, unter denen ſich 
viele von ihren Oberhaͤuptern befanden, begleite⸗ 
ten mich bis an den Ausfluß des St. Petersfluſſes, 
und trennten ſich erſt nach etlichen Tagen von 
mir. Um dieſe Zeit gehn dieſe Staͤmme alle Jahr 
nach der großen Hoͤhle, deren ich ſchon vorhin 8 
waͤhnt habe, um mit allen uͤbrigen Staͤmmen einen 
großen Rath zu halten, worin ſie ihre Unterneh⸗ 
mungen für das kuͤnftige Jahr feſtſetzen. Zugleich 
nehmen fie ihre Todten, die in Birffelhäute genaͤht 
ſind, mit ſich, um ſie zu begraben. Auſſer denen, 
die mich begleiteten, waren ſchon etliche voraus⸗ 
gegangen, und die übrigen follten nachkommen. 
Ich bin nie mit einer ſo aufgeraͤumten und mun⸗ 
tern Geſellſchaft gereiſt, als meine jetzige war. 

Allein ihre Freude ward plötzlich durch ein heftiges 
N Gewitter, das uns auf unſrer Fahrt uͤberſiel, unters 
brochen. Wir waren eben ans Land geſtiegen, und 
im Begriffe, unſre Zelte zum Nachtlager aufzu⸗ 
ſchlagen, als eine dunkle Wolke den ganzen Him 
mel uͤberzog, und der fuͤrchterlichſte Donner, Blitz 
und Regen, den ich le erlebt babe, We an 
ſtuͤrmte. Die 


65 


Die Indier waren ungemein erſchrocken, und 
ſuchten uͤberall Schutz, wo ſie ihn nur finden konn⸗ 


ten, denn wir hatten erſt wenige Zelte aufgeſchla⸗ 


gen. Da ich die Gefahr kannte, die mir bevor 
ſtand, wenn ich mich bey einer Sache aufhielte, 
die zum Ableiter dienen konnte, und jezt deſto 
größer war, da die Wolken eine ſolche Menge von 
elektriſchen Weſen zu enthalten ſchienen, ſo ent⸗ 
ich mich ſo ſehr von jeder Bedeckung „als es 
mir moͤglich war, und wollte mich lieber der Wuth 
des Regens, als einem rödtlichen Strahle aus⸗ 
ſetzen. Die Indier wunderten ſich nicht wenig 

uͤber mein Betragen, und erhielten eine noch beſſere 
Meinung von meinem Muthe, als ſie ſchon vorhin 
zu haben ſchienen. Jedoch muß ich geſtehn, daß 
ich gar nicht gleichguͤltig dabey war, da ſich kein 
ſchrecklicher Auftritt in der Natur denken ließ. 
Die D Donnerſchlaͤge waren ſo heftig, daß die Erde 
davon erſchuͤtterte, und der Blitz fuhr uͤber dem 
Boden wie ein Schwefelſtrom hin, ſo daß die Ober⸗ 
haͤupter der Indier, die doch ſonſt gewoͤhnlich in ihren 
Kriegen einen unerſchuͤtterten Muth blicken laſſen, 
ihre Furcht nicht verbergen konnten. So bald, als 
das Gewitter vorbey war, verſammelten ſich die 
Indier um mich her, und ſagten mir, daß dies 
ein Beweis des Zornes der boͤſen Geiſter 

Carvers Reiſen. E waͤre, 


waͤre die fie wahrſcheiniich ſebr Geige Be 
müßten. 

Mie wir bey der großen Höhle ankamen, ſo be⸗ 
gruben die Indier ihre verſtorbenen Freunde, auf 
dem Begraͤbnißplatze, der dichte dabey lag, und 
fiengen Darauf ihren großen Rath an. Ich ward 
auch mit dazu gezogen, und hatte zugleich die Ehre, 
zum Anfuͤhrer ihrer Staͤmme ernannt zu werden. 
Bey dieſer Gelegenheit hielt ich folgende Rede, 
die ich hier einruͤcke, um meinen Leſern eine Probe 
zu geben, wie man die Aufmerkſamkeit der Indier 
zu erhalten, und ſich auf eine ihren Begriffen an⸗ 
gemeſſene Art auszudruͤcken ſuchen muß. Es war 
grade der erſte May c als ich meine Anrede 
an ſie hielt. 

Meine Bruͤder, 1 pet der zablteichen und 
“mächtigen Nadoweſſter! Ich freue mich, daß 
mich mein langer Aufenthalt bey euch in den Stand 
etzt, mit euch, wiewohl auf eine unvollkommne 
„Art, in eurer eignen Sprache, wie eines von 
“euren eignen Kindern zu reden. Ich freue mich 
‘ferner, daß ich Gelegenheit gehabt habe, euch die 
Macht und den Ruhm des großen Koͤnigs, der 
cuͤber die Engländer und andre Volker herrſcht, 
kund zu thun; der von einem ſehr alten Geſchlechte 
von Regenten herkoͤmmt, ſo alt als die Erde und 

“Se 


pie größer find, als ihr fie je geſehn habt, und 


mitten in dem größten Waſſer in der ganzen Welt 


liegen; deſſen Haupt bis an die Sonne reicht, und 
edeſſen Arme die ganze Erde umfaſſen; deſſen Krie⸗ 


“ger fo zahlreich find, wie die Bäume in den Thaͤ⸗ 
lern, die Reisſtengel in jenen Moraͤſten, oder 


Hunderte von eigenen Kanden hat, von ſolcher er⸗ 


% 


<ftaunfihen Größe, daß alles Waſſer in eurem 
„ande nicht hinreichend ſeyn wuͤrde, eins davon zu 


tragen; von welchen jeder Feuerröhre hat, die 


nicht fo klein find, als meines, das ich jezt vor 
emir habe, ſondern von einer ſolchen Größe, daß 
chundert von euren ſtaͤrkſten jungen Maͤnnern 
kaum im Stande ſeyn wuͤrden, eins davon zu 


“heben. Und es ift eben fo wunderbar, die Wir⸗ 
kungen zu ſehen, die ſie gegen des großen Königs 
S Feinde in der Schlacht thun; der Schrecken den 
*fie verbreiten, kann in eurer Sprache durch keine 
Worte ausgedruckt werden. Ihr werdet euch der 
eſchwarzen Wolken, des Sturms, des Feuers, 
ddes fuͤrchterlichen Geraͤuſches, des ſchrecklichen 
„Krachens, und des Erdbebens erinnern, das euch 
ein Schrecken ſetzte, wie wir uns bey dem Wada⸗ 


neee gelagert hatten, und die euch Anlas 


Ea Gaben, 


A: | 67 
Gewaͤſſer find; deſſen Fuͤße auf zwey Inſeln ſtehn, 


“pie Grashalmen auf euren großen Ebenen. Der 


8 * 


68 ; | 
“gaben, zu glauben, daß eure Götter über euch 
kerzuͤrnt wären. Dieſen ſind die Kriegswerkzeuge 


eder Englaͤnder ahnlich, wenn ſie die Schlachte hr 


“ihres großen Königs liefern. 
„Verſchiedne von euren Oberbäuptern er | 
“mir vor Seiten, „als ich in euren Zelten wohnte, 


“oft geſagt, daß fie wuͤnſchten, mit zu den Kindern 
und Bundsgenoſſen des großen Koͤnigs meines 


Herrn gerechnet zu werden. Ihr werdet euch 
“erinnern, wie oft ihr mich gebeten habt, wenn ich 
nach meinem eignen Lande zurückfehre, dem großen 
“Könige eure Neigung für ihn und feine Untertha⸗ 
“nen bekannt zu machen, und daß ihr wuͤnſchtet, 
da engliſche Handelsſeute zu euch kommen moͤch⸗ 
“ten. Da ich jezt im Begriff bin, euch zu ver⸗ 
“laffen, und nach meinem eignen Lande zuruͤck zu 


kehren, das weit gegen die aufgehende Sonne 


“entfernt liegt ſo frage ich euch wieder, ob ihr 
noch eben ſo denkt, als wie ich mit euch vorigen 


Winter im Rathe ſprach; und da es jezt ver 


ſchiedne von euren Haͤuptern hier giebt, die von 
den großen Ebenen gegen die untergehende Sonne 


zu herkamen, mit denen ich nie vorher im Rache 


geſprochen habe, fo bitte ich euch, mich wiſſen 
“zu laſſen, ob ihr alle willig ſeyd, euch fuͤr Kinder 


“meines ee Herrn, des Zu der Engländer 
“und 


ddobweſſter mit dir zu reden. Wir glauben, und 


und andrer Volker z zu erkennen, da ich die erſte Gele⸗ 
genheit wahrnehmen werde, ihn von eurem Verlan⸗ 
gen und euren guten Geſinnungen zu benachrichti⸗ 
“gen. Ich warne euch, böfen Nachrichten zu glau⸗ 
“ben, denn es giebt boshafte Voͤgel, die unter den be⸗ 
“nachbarten Voͤlkern herumfliegen, und die böſe Sa⸗ 
chen gegen die Engländer euch in die Obren raunen 
können, gegen das, was ich euch geſagt habe. 
Ihr muͤßt ihnen nicht glauben, denn ich 155 euch 
die Wahrheit gefagt.” | 
And was die Häupter betrifft, die nach M⸗ 
ſchillimackinac gehn wollen, ſo werde ich Sorge 
“tragen, für fie und ihr Gefolge einen graden 
Weg, ruhiges Waſſer, und einen hellen Himmel 
zu machen; daß fie dort hingehn konnen, die Frie⸗ 
denspfeiffe zu rauchen, und ſicher auf einer Bie⸗ 
berdecke unter dem Schatten des großen Baumes 
des Friedens zu liegen. Lebt wohl.“ 

Auf dieſe Rede erhielt ich fo! gende Antwort aus 
dern Munde ihres vornehmſten Oberhauptes. 
Guter Bruder! Ich bin jezt im Begriff, durch 

aden Mund dieſer meiner Brüder, der Oberhaͤupter 
der acht Staͤmme des maͤchtigen Volkes der Na⸗ 


find überzeugt von der Wahrheit alles deſſen, was 
06 uns! von deinem großen Volke, und dem großen 
e a 3 «Könige, 


Könige, auen. größten Vater, geſagt haſt; fuͤr 
«den wir dieſe Bieberdecke hinlegen, damit fein 
“yäterlicher Schutz immer ſicher und fanft unter 
“uns feinen Kindern ruhen möge. Deine Fahnen 
„und deine Waffen kommen mit den Beſchreibun⸗ 
“gen überein, die du uns von deinem großen Volke 
gemacht haſt. Wir wuͤnſchen, daß, wenn du 
e zuruͤckkehreſt, du deinem großen Koͤnige ſagen 
“molleft, wie ſehr wir wuͤnſchen, unter ſeine guten 
Kinder gerechnet zu werden. Du kanſt glauben, 
daß wir unſre Ohren keinem öfnen werden, der 

bes wagen würde, übel von unſerm großen Vater, 
dem Könige der Engländer und andrer Völker, | 
“zu fprechen.” | 
Mir danken dir für das „was du 1 haft, 
Friede zwiſchen den Nadoweſſt tern und Tſchipi⸗ 
waͤern zu ſtiften, und hoffen, daß du, wenn du 
zu uns zur uͤck kommſt, dies gute Werk vollenden, 
“und ganz die Wolken vertreiben wirft, die noch 
“über uns ſchweben, um den blauen Himmel des 


Friedens zu öfnen, und die blutige Art tief unter 


eden Wurzeln des en eee 8 > Friedens: 
zu begraben.“ 

Gi Wir wuͤnſchen, j daß du dich e erinnern e 

“unferm großen Vater vorzuſtellen, wie ſehr wir 

en daß Handelsleute geſandt werden 

“mögen, | 


71 
mögen, i fi unter uns aufzuhalten mit ſolchen 
„Sachen, als wir brauchen, damit, die Herzen 
tunſrer jungen Männer, unſter Weiber und unſrer 
Kinder fröhlich gemacht werden. Und moͤge der 
„Friede dauren zwiſchen uns fo lange, als bie 
“Sonne, der Mond, die Erde und die Gewoͤſſer 
ene Lebe wohl? 5 

Ich hielt es für nothwendig die Indier zu war⸗ 
nen, irgend ſchlimme Nachreden gegen die Eng⸗ 
länder, die fie von den benachbarten Voͤlkerſchaf⸗ 


* 


ten hören könnten, Glauben beyzumeſſen, da ich 


an verſchiednen Orten, wo ich durchkam, erfuhr, 
daß die Franzoſen noch jezt Abgeſchickte unterhiel⸗ 
ten, um die Volkerſchaften, die mit den Englaͤn⸗ 
dern verbunden waren, gegen ſie aufzubringen. 
Ich ſah ſelbſt verſchiedne Schnuͤre Wampum, die 
zu dem Ende an verſchiedne Staͤmme ausgerbeift 
waren, bey welchen ich mich aufhielt. Bey ihrer 


LAuuloeberreichung hielten fie Reden, worinn ſie den 


Indiern ſagten, daß die Englaͤnder, ein armſeliges f 
Volk, dies Land ihrem großen Vater, dem Koͤnige | 
von Frankreich, geſtohlen hätten, als er ſchlief, 
allein daß er bald aufwachen, und ſie wieder unter 
ſeinen Schutz nehmen wuͤrde. Und dieſe Abgeord⸗ 
neten waren von Leuten in Kanada ausgeſchickt, 
| wan der nn. ſebr zugethan zu ſeyn ſchienen. 
N Waͤh⸗ 


7 | 
' Während der Zeit, daß ich mich bey dieſen freund⸗ 
ſchaftlichen Indiern an der Muͤndung des Fluſſes 
St. Peter auf hielt, ſo ſuchte ich Erkundigung ein⸗ 
zuziehn, ob einige Waaren zu meinem Gebrauche 
nach dem Waſſerfalle von St. Anton waͤren geſchickt 
worden, wie mir der Kommendant von Miſchilli⸗ 
mackinae bey meiner Abreiſe verſprochen hatte. 
Allein ich erfuhr von einigen Indiern, die auf ihrer 
Ruͤckreiſe aus den dortigen Gegenden hier vorbey 
kamen „daß dies Verſprechen nicht erfüllt wäre, 
und ſah mich daher genbthigt, alle Gedanken, auf 
dieſem Wege weiter nordweſtwaͤrts zu gehn, wie 
ich mir anfaͤnglich vorgeſetzt hatte, aufzugeben. 
Ich kehrte daher nach la Prairie des chiens zuruͤck, 
wo ich von den Handelsleuten, die ich dort das 
vorige Jahr zuruͤck ließ, ſo viel Waaren erhielt, 
als ſie zntbehren konnten. 

Da dieſe aber nicht hinreichend waren, mein 
erſtes Vorhaben wieder zu verfolgen, fü entſchloß 
ich mich, meine Reiſe durch das Land der Tſchipi⸗ 
waͤer nach dem Obernſee zu nehmen, in der Hof⸗ 
nung, am großen Trageplatze an der Nordſeite 
deſſelben die Handelsleute anzutreffen, die alle 
Jahr von Miſchillimackinac nordweſtwaͤrts gehn, 
und von denen ich gar nicht zweifelte, ſo viele 
| ka zu e als ich zu meinem Endzwecke 
Prag 


| 73 
brauchte, um von dort aus durch die nordlichen 
Gegenden bis an die Meerenge von Anian zu ge⸗ 
. 
Ich kehrte mit deſto groͤßerm Vergnügen nach 
la Prairie des chiens zurück, da ich dort mein 
Verfprechen, das ich einem Theile der Nadoweſſter 
am Ende meiner Rede gethan hatte, beſſer erfüllen 
konnte. Während meines Aufenthalts bey dieſer 
Voölkerſchaft hatte ich einigen ihrer Oberhaͤupter 
gerathen, um ſie deſto beſſer in guten Geſinnun⸗ 
gen fuͤr die Englaͤnder zu erhalten, nach Miſchil⸗ 
limackinae zu gehn, wo fie Gelegenheit zum Han⸗ 
del und die Nachrichten beſtaͤtigt finden würden, 
die ich ihnen von meinen Landsleuten gegeben hätte. 
Zugleich hatte ich ſie mit Empfehlungsbriefen an 
den dortigen Kommendanten verſehn, und ihnen 
gehoͤrige Vorſchriften zur een ihrer Reiſe 
e - 

Es entſchloß ſich daher einer von ihren vor⸗ 
nehmſten Anfuͤhrern, nebſt fuͤnf und zwanzig von 
einem geringern Range, den naͤchſten Sommer 
dahin zu gehn. Sie nahmen dazu die Gelegenheit 
wahr, als fie an den St. Petersfluß kamen, um 
mit ihren uͤbrigen Staͤmmen großen Rath zu halten. 
Da mich die Nachricht, daß meine Hofnung fehl- 
geſchlagen hätte, zwang, den Miſſtſippi wieder ſo 
| E 5 weit 


74 


1 


weit herunter zu gehn, ſo konnte ich ſie von dort 
aus deſto leichter auf den rechten Weg bringen. 


Da die untern Gegenden dieſes Fluſſes haͤu ufg 
von den Tſchipiwaͤern beſucht werden, mit denen 
die Nadoweſſter beſtaͤndig Krieg führen, ſo hielten 
| fie es, weil ohnehin ihr Haufen nur klein war, fuͤr 
rathſamer, bey Nacht, als mit mir bey Tage zu 
reiſen. Sobald daher der große Rath aufgebrochen 
war, nahm ich freundſchaftlichen Abſchied von die⸗ 
ſen leuten, die mir unzaͤhlige Hoͤflichkeiten erzeigt 
hatten, und ſetzte meine Reiſe weiter fort. 1 
Ich kam noch dem naͤhmlichen Abend an die 
Oſtſeite des Sees Pepin, wo ich wie gewoͤhnlich 
ans Land ſtieg, und mein Lager aufſchlug. Den 
folgenden Morgen, als ich einige Meilen weiter 
gegangen war, bemerkte ich Rauch in einiger Ent⸗ 
fernung, ein Zeichen, daß Indier nahe waren; 
und entdeckte bald darauf zehn bis zwoͤlf Zelte nicht 
weit vom Ufer des Fluſſes. Da ich fuͤrchtete, 
daß dieß eine Rotte von den Raͤubern ſeyn 
möchte, die ich vorhin angetroffen hatte, ſo wußte 
ich nicht, wie ich meine Fahrt anſtellen ſollte. 
Meine Begleiter riethen mir, an der gegenuͤber⸗ 
liegenden Seite des Fluſſes vorbey zu kommen zu 
ſuchen; allein da mich bisher die Erfahrung gelehrt 
ws daß man ſich n. am leichteſten eine 
gute 


— 
U 


| 75. 


gute Aufnahme a Indiern verſchaffen kann, 
wenn man ihnen dreiſt, und ohne alle Furcht ent 
gegen geht, ſo wollte ich keinesweges in ihren Vor⸗ 
ſchlag einwilligen. Ich gieng daher grade über 
den Fluß, und ſtieg mitten unter ihnen ans Land, 
da jetzt der groͤßte Theil von ihnen am Ufer ſtand; 
die erſtern, welche ich antraf, waren Tiehipiwäer, 
die an den Ottowaher Seen wohnten. Sie em⸗ 
pfiengen mich ſehr freundſchaftlich, und druͤckten 
mir die Haͤnde zum Beweiſe ihres Wohlwollens. 
In einer kleinen Entfernung hinter ihnen ſtand 
einer von den Anfuͤhrern, der ſehr groß und wohl 
gebildet war, aber dabey ein ſo finſtres Anfehniharte, 
daß ſelbſt der herzhafteſte Menſch ihn nicht ohne 
Furcht wuͤrde haben anſehn koͤnnen. Er ſchien uͤber 
ſeine beſten Jahre hin zu ſeyn, und aus der Art wie 
er punktirt, (tatowed) und bemahlt war, ſchloß ich, 
daß er einen ſehr hohen Rang haben müßte. Je, 
doch näherte ich mich ihm auf eine ſehr hoͤfliche Art, 
und erwartete, von ihm auf die naͤhmliche Weiſe 
empfangen zu werden, als die übrigen es gethan 
hatten; allein zu meinem großen Erſtaunen zog 
er feine Hand zuruͤck, und ſagte auf Tſchipiwaͤiſch: 
ain niſchiſchin ſagänoſch, die Englaͤnder taugen 
nichts. Da er eben ſeine S treitart in der Hand 
hatte, ſo erwartete ich, daß dieſe lakoniſche Anrede 
W | von 


von einem Schlage begleitet werden wuͤrde; und 
um dieß zu verhindern zog ich eine Piſtole aus mei⸗ 
nem Gürtel; und gieng mit einer ruhigen Miene, 
dicht bey ihm vorbey, um n zu zeigen, daß ich 
mich nicht vor ihm fuͤrchtete. 
Ich erfuhr nachher von den andern een 
aß dies ein Anfuͤhrer waͤre, den die Franzoſen den 
großen Springer (Sauteur) oder den großen An⸗ 
fuͤhrer nannten, denn die Tſchipiwaͤer heiſſen bey 
ihnen Sauteurs. Sie ſagten mir ferner, daß er die⸗ 
ſer Nation immer ſtandhaft zugethan geweſen waͤre, 
und geſchworen hätte, als fie Miſchillimackinac, 
nebſt dem Reſte von Kanada, an die Englaͤnder 
uͤbergeben mußten, daß er ewig ein Feind von ſei⸗ 
nen neuen Beſitzern bleiben wollte, weil die Grund⸗ 
ſtücke, worauf das Fort gebaut wäre, ihm gehörten. 
Da ich dieſe Geſinnungen bey ihm verſpuͤrte, ſo 
blieb ich immer auf meiner Hut, ſo lange, als ich 
mich hier aufhielt; doch ſchlug ich mein Nachtlager 
bier auf, damit er nicht glauben möchte, ſeine 
Drohungen hätten mich weggetrieben. Ich hatte 
mein Zelt in einiger Entfernung von den indiſchen 
Hütten, und ward darin, wie ich mich kaum zur 
Ruhe niedergelegt hatte, von meinem franzoͤſiſchen 
Bedienten aufgeweckt. Er ward durch das Laͤrmen 
von einer indiſchen Muſik in * geſetzt, und 


wie 


15 | =; 
wie er aus dem Zelte hinausgieng, ſo fah er einen 
Trupp. von jungen Wilden, die auf eine ſonderbare 
Art auf uns zutanzten, und von denen ein jeder eine 
Fackel auf einer langen Stange trug. Doch ich 
will die umſtaͤndliche Beſchreibung von dieſer ſelt⸗ 
ſamen Luſtbarkeit, die mir keine geringe Unruhe 
verurſachte, verſparen, bis ich von den indiſchen | 
Taͤnzen reden werde. \ / 
Den folgenden Tag ſetzte ich meine Reiſe fort, | 
und kam noch vor Abend nach la Prairie des chiens, 
wo der Trupp von Nadoweſſtern mich bald einholte. 
Bald nachher kam auch der große Springer da— 
hin, und brachte es in Vereinigung mit etlichen 
franzoͤſiſchen Handelsleuten von Kuiſiana dahin, 
daß mich etwa zehn von den Oberhaͤuptern der Na⸗ 
doweſſier verlieſſen, ehe fie ihre Reiſe nach Miſchilli⸗ 
mackinac fortſetzten, an mit ne nach ae 
giengen. 1 . 
Die uͤbrigen giongen meiner Anwetſung zu⸗ 
foge nach dem engliſchen Forte, und ich erfuhr 
nachher, daß ſie gluͤcklich und ſehr zufrieden mit 
der Aufnahme, die man ihnen hatte wiederfahren 
laſſen, in ihrem Vaterlande wieder angekommen 
waͤren. Von den uͤbrigen, die nach Suͤden zu gien⸗ 
gen, ſtarben uͤber die Haͤlfte durch die große Ver⸗ 
ſchiedenheit des ſuͤdlichen Klima's. Erſt nach 
u. i meiner 


# 


meiner Ankunft in Engfand erfuhr ich, daß der große 
Springer ſich den Englaͤndern immer mehr und 
mehr durch ſeine eingewurzelte Feindſchaft verhaßt 
gemacht habe, und endlich in feinem Zelte bey 
Miſchillimackinac von einem Kaufmanne ermordet 
worden ſey, welchem ich die A 1 
ſchichte erzaͤhlt hatte. 

Ich hätte ſchon vorhin anführen ſolen, daß * 
Indier, die zu la Prairie des chiens, dem großen 
Marktplatze für die umliegenden Gegenden zuſam⸗ 
men kommen, ſich ſchlechterdings aller Feindſelig⸗ 
keiten enthalten muͤſſen, ſo lange als ſie hier ſind, 
wenn ſie auch in offenbarem Kriege mit einander 
begriffen waͤren. Dieſe Einrichtung ward ſchon vor 
vielen Jahren unter ihnen feſtgeſetzt „da ohne ſie 
alle Handlung aufhören muͤßte. Eben dieſe Re⸗ 
gel gilt auch auf dem rothen Berge, den ich nach⸗ 
her beſchreiben werde, wo die Indier die Steine, 
woraus ſie ihre Pfeiffen machen, herholen. Da 
dies eine Waare iſt, die zur Bequemlichkeit aller 
benachbarten Staͤmme unumgaͤnglich gehöre, fü 
wird dadurch eine aͤhnliche Einſchraͤnkung voch⸗ 
wendig, und allen gleich vortheilhaft. 

Dieer Fluß St. Peter, der durch das Gebiet der 

Nadoweſſt er laͤuft, fließt durch eine ungemein 
reizende Gegend, die an allem, was die Natur 


frey⸗ 


freywillig hervorbringt, einen en Ueberfluß bat, und 
| die bey weniger Kultur auch die meiſten Beduͤrf⸗ 
niſſe des Luxus liefern wuͤrde. Wilder Reiß waͤchſt 
hier im Ueberfluſſe, und uͤberall erblickt man eine 
Menge Baͤume, die ſich unter der daſt ihrer Fruͤchte 5 
biegen, worunter Pflaumen, Trauben und Apfel 
die vornehmſten ſind. Auf den Wieſen findet man 
häufig Hopfen und andre nüßfiche Kräuter; und 
das Erdreich ift mit eßbaren Wurzeln, als Anger 
liken, Narden und Erdnuͤſſen angefuͤllt, wovon 
die letztern ſo groß wie ein Huͤhnerey ſind. In 
einer kleinen Entfernung von den Ufern des Fluſſes 
giebt es Anhoͤhen, von denen man die ſchoͤnſten 
Ausſichten hat, und zwiſchen dieſen Huͤgeln trift 
man anmuthige Waͤlder an, in denen eine ſolche 
Menge Ahornbaͤume waͤchſt, daß ſie faſt die größte 
Anzahl von Einwohnern men mit e 
verſebn koͤnnten. 5 
Nicht weit von der Mündung dieses Stufe in 
den Miſſi ſippi ſteht an der Nordſeite deſſelben 
ein Huͤgel, davon der Theil, der gegen den 
Miſſiſippi zu gerichtet iſt, ganz aus einem 
Steine beſteht, der eben ſo weich iſt, als die 
Art, welche ich ſchon eben beſchrieben habe, 
und zu dieſer Art gehoͤrt faſt alles Geſtein in 
dieſer Gegend. Das * dabey iſt 
. 5 ſeine 


80 | | 
feine Farbe, die wie der weiſſeſte Schnee ausſieht. 
Die aͤuſſere Rinde war durch Wind und Regen 
abgeſpuͤhlt, und in einen Haufen von Sand ver⸗ 
wandelt, aus dem ſich eine ſchoͤne Zuſammenſetzung 
machen laſſen wuͤrde; oder vielleicht könnte der 
Stein durch gehoͤrige Behandlung mit der Zeit 
haͤrter werden, und zu einer großen inen in der 
Baukunſt gereichen. 

Nah an dem Arme, der der Marmorſſeß; ge⸗ 
nannt wird, giebt es einen Berg, aus dem die 
Indier eine Art von rothem Steine ziehn, woraus 
fie ihre Pfeiffenkoͤpfe machen. Auſſerdem findet 

man in den hieſigen Gegenden einen ſchwarzen 

harten Thon, oder vielmehr Stein, der den Na⸗ 5 

doweſſtern zur Verfertigung ihrer Haushaltungsge⸗ 

ſchirre dient. Sonſt findet man hier auch noch 
einen Ueberfluß von einem milchweiſſen Thone, 
aus dem ſich vollig fo gutes Porzellaͤn, als das 
oſtindiſche iſt, wuͤrde machen laſſen; und einen 
blauen Thon, womit die Indier ſich bemahlen. 
Dieſen letzten vermiſchen ſie mit dem Pulver von 
dem rothen Steine, und machen verſchiedne Far⸗ 
benabaͤnderungen daraus. Die Indier, die dieſes 
blauen Thones habhaft werden können, bemahlen 
fich vorzüglich ſtark damit, wenn ihre Luſtbarkeiten 
N und Tanze anfangen. Sie ſehn ihn auch als ein 


Frie⸗ 


* 


- 


A 


, 81 


Btudenszehen an, da er die Farbe des blauen 


Himmels hat, der bey ihnen fuͤr ein Bild des Frie⸗ 
dens angeſehen „und oft in ihren Reden feyerlich 
dafuͤr genommen wird. Wenn ſie zeigen wollen, 


daß ſie friedlich gegen andre Staͤmme geſinnt find, | 


u; ſchmuͤcken fi fi e ſich und ihre Gürtel ſtark damit. 
Als ich meine Geſchaͤfte zu la Prairie des chiens 
zu Stande gebracht hatte ſo gieng ich den Miſſt⸗ 


ſippi zum zweytenmale bis an die Stelle hinauf, wo 


der Fluß Tſchipiwaͤ etwas unterhalb des Sees Pe⸗ 
pin in ihm fälle. Hier miethete ich einen indiſchen 
Hootſen, und befahl ihm nach den Ottowa aber Seen 
zuzuſteuren, die um die Quellen dieſes Fluſſes her⸗ 
umliegen. Er brachte mich im Anfange des Julius 


dahin. Der Fluß Tſchipiwaͤ iſt bey ſeiner Muͤn⸗ 
dung in den Miſſt ſippi etwa zweyhundert und viers 


Bi; Fuß breit, allein er wird immer breiter, je 
weiter man ihn binauf fährt. Ungefaͤhr dreißig 
Meilen von ſeinem Ausfluſſe theilt er ſich in zwey 
Arme, von denen ich den oſtlichen Arm hinauffuhr. 
Die Gegend um den Fluß herum auf einer 
Strecke von ſechszig Meilen iſt ſehr eben, und an 
ſeinen Ufern liegen fihone Wieſen, auf denen ich 


gröffere Heerden von Buͤffeln und Elendthieren 


weiden ſah, als ich ſonſt irgend auf meinen Reiſen 
e hatte. Der Strich zwiſchen den beyden 
no il 6 . Armen 


k 


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3 


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7 


24 AL 


8 = N — * 
RT — et 27 re . —— . 2 Fe 2 — r dr * 


en dieſes Fuſes ward der Weg des Se 
zwiſchen den ee fern und Afchibmme ge⸗ 
nannt. 1 


Die Gegend bis an die Waſerſöle, die Be der i 


Karte gezeichnet iſt, fo weit als ſich die Reiſen der 
Danbefsfeure erſtrecken, hat einen völligen Manz 
gel an Bauholz, und auſſerdem iſt fie ſehr rauh und 
uneben, und dicht mit Fichten, Buͤchen, Ahorn⸗ 
baͤumen und Birken bewachſen. Hier ſtellte ſich 
ein merkwuͤrdiges und wunderbares Schauſpiel 
meinen Augen dar. In einem Walde, der auf 
der Oſtſeite des Fluſſes lag, und ungefahr drey 
engliſche Meilen lang war, bemerkte ich, daß alle 
Baͤume, ſo weit als mein Auge reichen konnte, 
ungeachtet viele davon mehr als ſechs Fuß im Um⸗ 
fange hatten, mit den Wurzeln ausgeriſſen waren, 
und auf dem Boden lagen. Dies war vermuthlich 


die Wirkung von einem Orkane, der vor etlichen 


Jahren aus Weſten her geſtuͤrmt haben mußte, 


doch kann ich das Jahr eigentlich nicht beſtimmen, | 
da ich hier herum keinen Menſchen antraf, der mir 
Nachricht davon haͤtte geben konnen. Die Gegend 
an der Weſtſeite des Fluſſes war, da ſie nicht ſo ſtark 


ebolzt iſt, dieſer Verwuͤſtung gröͤßtentheils ent⸗ 


gangen, und ich ſah nur einige wenige Bäume, 


die der Sturm umgeriſſen hatte. 


Nahe 


> 


— 


Nahe be der Quelle dieſes Er liegt N 
Ortſchaſt der Tſchipiwaͤer, von der er feinen Nahe 
men hat. Sie liegt auf beyden Seiten des Fluſſes, 
der bier keine beträchtliche Breite bat, und nahe 
an dem Ufer eines kleinen Sees. Sie enthaͤlt 


ungefaͤhr vierzig Haͤuſer und kann ungefähr bun⸗ 
rt Krieger aufbringen, worunter fich viele ae 
junge Leute befinden. Die Haͤuſer ſind auf indiſch 

Art gebaut „ und dicht hinter ihnen liegen Pan, 
zungen. Die Einwohner ſchienen mir das ſchmu⸗ 
zigſte Volk zu ſeyn, das ich je geſehn hatte. Ich 
bemerkte, daß die Weiber und Kinder ſich eine 
Gewohnheit erlaubten, die zwar gewiſſ ermaaßen bey 
allen indiſchen Boͤlkerſchaften uͤblich, aber nach un⸗ 


fern Begriffen aͤuſſerſt eckelhaft und widrig ſeyn wuͤr⸗ 


de, namlich ſich einander die Haare durchzuſuchen, 
und das darinn gefangene Wildprett zu verzehren. 
Im Julius verließ ich dieſen Ort, und kam 
aber eine Menge kleiner Seen und dazwiſchen fies 
| gender Trageplaͤtze an einen Hauptarm. des Fluſſes 
St. Croix. Ich folgte dieſem Arm, bis er ſich mit 
einem andern Arme vereinigte, und gieng alsdann 
dieſen zweyten Arm bis an ſeine Quelle hinauf. | 
An beyden Fi üffen entdeckte ich verſchiedne Adern 
von gediegenem Kupfer, das völlig fo. rein war, 
als man es ſonſt irgend in andern Ländern antrift. 


„„ 


84 2 | 
Ich kam hier an einen kleinen Bach, von dem 
mein Führer glaubte, daß er ſich in einiger Ent 
fernung mit andern Waſſern vereinigen, und da⸗ 
durch ſchiffbar werden wuͤrde. Er hatte anfaͤnglich 
ſo wenig Waſſer, daß ich meinen Kanoe ſchlech⸗ 
terdings darinn nicht zum Schwimmen bringen 
konnte, aber nachdem ich etliche alte Bieberdaͤmme, 


die von Jaͤgern niedergeriſſen waren, wieder her⸗ 


geſtellt hatte, fo fahe ich mich im Stande, etliche 


Meilen fortzufahren, bis endlich der Jufluß von 


verſchiednen andern Baͤchen dies Huͤlfsmittel un⸗ 
noͤthig machte. Bald darauf ward dies Gewaͤſſer 
zu einem reiſſenden Strome, dem wir hinab gien⸗ 
: gen, ‚bis er in den Obernſee (lac ſuperior) fiel. 
Dieſen Fluß nannte ich Goddardsfluß nach einem 
Herrn, der mich von der Ortſchaft der Ottoga⸗ 
mier bis an den Tragepfag des Obernßes eng 
ten wollte. 
Weſtwaͤrts von dieſem giebt es Ra einen kleinen 
Fluß, der ebenfalls i in dieſen Seefällt. Ich nannte 8 
| ihn den Erdbeerenfluß, (ſtrawberry river) von der 
Menge großer und wohlſchmeckender Erdbeeren, 
die an feinen Ufern wuchfen. 
Die Gegend von den Seen Ottowa bis an den 
Obernſee iſt durchgehends ſehr uneben und ganz vol⸗ 
ler Waͤlder. Der Erdboden 0 an einigen Stellen 
recht 


| 1 8 = y | 85 
recht gut, an andern aber nur r schr mittelmäßig. 
Bey den Quellen der Fluͤſſe St. Croix und Tſchi⸗ 


piwaͤ giebt es vortrefliche Störe. Die ganze Wild⸗ 
niß zwiſchen dem Miſſtſippi und dem Obernſee wird 


von den Indiern das Muͤckenland (Muſchettoe 


country) genannt, und ich glaube es verdient ſeinen 


Nahmen völlig; denn ich ſah und fuͤhlte „da es 


ohnehin die Jahrszeit davon war, nie 1 i 


viele von diefen Inſekten. 


Gegen Ende des Julius erreichte ich den geben 


Trageplatz, der an dem nordweſtlichen Ufer des 
Obernſees liegt. Ich nahm meinen Weg dahin 
laͤngſt dem Ufer der weſtlichen Bucht. Bey dieſem 

Trageplatze bringen die Kaufleute, die nordweſt⸗ 
waͤrts gegen die Seen la Pluie, Dubois u. ſ. w. 


handeln, ihre Kanoen und ihr Gepaͤcke etwa neun 1 9 
engliſche Meilen über Sand, bis fie an einen Haus 


fen kleiner Seen kommen, wovon einige in den 


Obereſee, andre aber in den Fluß Burbon fallen. 
Der Obereſee hat von der weſtlichen Bucht bis 


an dieſen Trageplatz einen ſehr felſichten Boden, 


den ſuͤdweſtlichen Theil der Bucht eee | 


wo er ziemlich eben war. 


Bey dem großen e iſt eine kleine | 


Bucht, an deren Einfahrt eine Inſel liegt, welche 
Ne wilde ad grenzenloſe Ausſicht über den See 
ä ws unters 


7 
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— ́⁵ĩoꝓpß 2. - - 


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86. 


unterbricht, und die Buch 100 und . 
macht. Ich traf hier einen großen Haufen von 
Killiſtinern und Aſſt inipoilen an, die ihre beyder⸗ 

ſeitigen Koͤnige und ihre Familien bey ſich hatten. 

Sie waren hieher gekommen, um den Kaufleuten 

von Miſchillimackinac zu begegnen, die hier auf 

ihrer nordweſtlichen Reiſe vorbeygehn. Von ihnen 
erhielt ich folgende Nachricht von den Seen, die 
nordweſtwaͤrts vom Obernſee liegen. 
Der See Burbon, der nordlichſte von den bis⸗ 
0 ber entdeckten, erhielt feinen Nahmen von etlichen 
franzöſiſchen Kaufleuten, die einen Trupp Indier 
vor etlichen Jahren bis an Hudſons Meerbuſen 
begleiteten. Er erhaͤlt ſein Waſſer aus dem Fluſſe 

Burbon, der, wie ich ſchon vorhin angefuͤhrt habe, 
weit gegen Suͤden hin und nahe bey den nordlichen 

Quellen. des Miſſeſt tjippi entſpringt. \ | 

Dieſer See iſt ungefähr achtzig Meilen lang, er. 
von Norden nach Suͤden, und hat überhaupt faft 
die Geſtalt einer Kreiefläche Es giebt Feine große 
Inſeln darinn. Das band auf der oſtlichen Seite 
iſt ſehr gut, und gegen Suͤdweſten findet man ei⸗ 
nige Berge. An verſchiednen andern Theilen deſſel⸗ 
ben giebt es unfruchtbare Ebenen, Suͤmpfe und 

Meraͤſte. Er liegt faſt ganz ſuͤdweſtwaͤrts von Hud⸗ 

ſons Bay, . n iwen und funfzigſten und 

vier 


vier und funfzigſten Grade nordlicher Breite. Man 
finder i in den Gegenden um ihn herum nur wenige 


Thiere, da die Witterung feiner nordlichen age 


wegen ungemein kalt iſt, und ich erhielt von den 
Indiern nur ſehr unzulaͤngliche Nachrichten von 
den dortigen Landthieren, Voͤgeln und Fiſchen. 
Man trifft zwar nur einige kleine Buͤffel, die ge⸗ 


gen Ende des Sommers gut und fett werden, 


einige wenige Muſethiere und Rennthiere an, allein 
die Menge von Pelzthieren von jeder Art erſetzt 
dieſen Mangel hinreichend. Das hiefige Bauholz 
beſteht groͤßtentheils in Tannen, salat und eis 
nigen Ahornbaͤumen. f | = * 
Der Winnepiek, oder wie die Franzoſen es 
ſchreiben Ouinipique, liegt am naͤchſten bey dem 
vorhergehenden, und erhaͤlt ſein Waſſer aus der 
naͤhmlichen Quelle. Seine Lange von Norden 
nach Suͤden beträgt etwa zweybhundert Meilen. 
Seine Breite hat bisher noch niemand genau be⸗ 
ſtimmt, doch wird ſie in der groͤßten Weite auf 
ungefaͤhr hundert Meilen geſchaͤtzt. Dieſer See iſt 
voller Inſeln, unter denen ſich jedoch keine von 
betraͤchtlicher Groͤße beſinden. Er nimmt viele 
beträchtliche Fluͤſſe auf, wovon jedoch noch keine 
Nahmen erhalten haben. Sein Waſſer iſt mit 
. vorzüglich Forellen und Storen angefuͤllt, 
4 und 


4 


und aufferdem trifft man noch etliche kleinere Arten 
darinn an, die dieſen Seen beſonders eigen ſind. 
Das Land auf der Suͤdweſtſeite if gut, vorzuͤg⸗ 


lich bey dem Ausfluſſe eines großen Arms des 
Fluſſes Burbon, der von Suͤdweſten herkommt. 


An dieſem Fluſſe liegt eine Faktorey, die von den 
Franzoſen gebaut und la Reine genannt ward, 
wohin die Kaufleute von Miſchillimackinae reifen, . 


am mit den Affinipoifen-und Killiſtinoern zu han⸗ 
deln. Die Mahaer, welche ein Land zweyhundert 
und funfzig Meilen weit nach Suͤdweſten zu be; 
wohnen, kommen ebenfalls des Handels wegen 


hieher, und bringen einen großen Vorrath von 
indiſchem Korn mit, wogegen ſie Meſſer, Beile 
und andre Stücke eintauſchen. Dieſe Vöekerſchaft 


ſoll an einem Arme des weſtlichen Fluſſes wohnen. 


Der See Winnepief hat gegen Nordoſten einige 
Berge, und gegen Dften viele unfruchtbare Ebe⸗ 
nen. Der Ahorn oder Zuckerbaum waͤchſt hier ſehr | 


haͤufig, und es wird eine ungeheure Menge Reis 
eingeſammlet, ein Beweis, daß dieſe Getreideart 


eben ſo gut in nordlichen, als in füdfichen Gegen⸗ | 


den fortkommt. Büffel, Muſethiere und Renn⸗ 


tbiere find hier herum fer zahlreich. Die Büffel 


aus dieſen Gegenden unterſcheiden ſich von den füd- 


lichen blos durch ihre weit geringere Größe, fo wie 
1 das 


7% 


das PAAR in den nördlichen Theilen von Groß⸗ 
britannien ebenfalls viel kleiner iſt, als on a 
Ochſen. 
An den Gewaͤſſern, die f in dieſen Seefallen, fans 5 
gen die benachbarten Voͤlkerſchaften viele vortref⸗ 
liche Pelzthiere. Einige davon bringen ſie nach 0 
den Faktoreyen und Beſitzungen der Geſellſchaft von 

Hudſonsmeerbuſen, die nicht weit vom Ausfluſſe 
des Burbon liegen, doch thun ſie dies äuffer t un⸗ 
gern. Denn einige Aſſtnipoilen und Killiſtinoer, 
die gewöhnlich mit den Bedienten der Geſellſchaft 
handelten, verſicherten mich, daß wenn ſie beſtaͤndig 
fo viele Waaren, als ſie brauchten, von Miſchilli⸗ 


mackinac haben koͤnnten, fo würden fie nirgends 


anders hinhandeln. Sie zeigten mir Tuch und 
andre Stuͤcke, die ſie am Hudſonsmeerbuſen ge⸗ 
kauft hatten, und womit ſie ſich enen im en 
beugen zu ſeyn glaubten. | 5 
Wenn ihre Angabe richtig war, ſo kantich acht 5 

anti, ihre Unzufriedenheit zu billigen. Allein 5 
vielleicht waren die Kanadiſchen Kaufleute die 


5 Haupturſache dieſes Misvergnügens. Diefe Kauf⸗ 


leute hatten ſich, ſo lange die Franzoſen noch im | 
Beſitz von Miſchillimackinae waren, eine vollkom⸗ 

mene Kenntniß des H 
de Gegenden erworben 


„und wurden daher nach 
der 


F 5 


indels nach den nordweſtll? 


EN — 
er 24 


90 


der Eroberung von Kanada von den dortigen engl 


von denen dieſe nichts verſtanden, gebraucht. E 
Hauptmittel, deſſen fi e ſich bedienten, a 
ihre Anhänglichkeit an die Hudſonsgeſellſchaft zu 
benehmen, beſtand darin, daß ſie alle Waaren 
der Geſellſchaft bey jeder Gelegenheit verachteten, 
und die Vortheile ihnen ſehr wichtig vorſtellten, 
die ſie dadurch erlangen wuͤrden, daß ſie blos mit 
den Kanadiſchen Kaufleuten handelten. Der Er⸗ 
folg von dieſem Verfahren war fuͤr ſie nur gar zu 
günftig, und vermuthlich ruͤhrte die Unzufrieden⸗ 
heit, welche die Aſſinipoilen und Killiſtinoer gegen 
mich aͤuſſerten, zum Theil davon her. Auſſerdem 
ward ihnen die lange Reiſe bis zu den Saftoreyen 
der Geſellſchaft, die ihnen den Sommer uͤber faſt 
drey Monathe wegnahm, Hin⸗ und Zuruͤckreiſe 
zuſammengerechnet, ungemein beſchwerlich, und | 
ſie konnten noch dazu kaum ein Drittel von ihren 
Bieberfellen in ihren kleinen Kanoen fortbringen. 
Es iſt daher kein Wunder „daß dieſe Indier wuͤn⸗ 
ſchen, es möchten ſich Kaufleute bey ihnen auf hal⸗ 
ten. Zwar gehoͤrt die Gegend, welche ſie bewoh⸗ 
nen, zu dem Bezirke der Geſellſchaft, allein ſie 
wuͤrde ſich gezwungen ſehn, Eingriffe von dieſer 
Art z rü da die Indier wahrſcheinlicher⸗ 
weiſe 


* 


ſchen Kaufleuten zur Einrichtung dieſes 5 ie 6 


weile ihre Kaufleute 8 BETEN Yufferbem 
erlauben ihnen die Paͤſſe, welche den Kaufleuten 
von Miſchillimackinac gegeben werden, nordweſt⸗ 
waͤrts vom Obernſee zu handeln, worunter Fort 
la Reine, der See Winnepiek und die ganze andre 
Gegend am Burbon begriffen ſind, in denen ſich 
die Holzlaͤufer (eouriers de bois) oder Kaufleute nie⸗ 
derlaſſen duͤrfen, wo es ihnen am bequemſten ſcheint. 
Der Holzſee (lac du bois) wie ihn die Franzo⸗ 
ſen gemeiniglich auf ihren Karten nennen, oder auf 
engliſch lake of the wood, hat ſeinen Namen von 
der Menge Holz, die an ſeinen Ufern waͤchſt, und 
welches größtentheils aus Eichen, Fichten, Tan⸗ 
nen u. ſ. w. beſteht. Dieſer See fiegt noch höher 
| binauf an einem Arme des Fluſſes Burbon, faſt 
vollig oſtwaͤrts von dem füdfichen Ende des Sees 
Winnepiek. Seine Länge von Oſten nach Weſten 
betraͤgt etwa ſiebenzig „ und feine größte Breite bey⸗ 
nahe vierzig Meilen. Es giebt nur einige kleine 
Inſeln darin. Die Fiſche, „Vogel und Landthiere 
die man hier antrifft, find von denen bey den an⸗ 
dern beyden Seen nur wenig unterſchieden. Einige 
von den Killiſtinoern ſchlagen bier zuweilen der i 
Jagd und des Fiſchfangs wegen ihr Lager auf. 
Dieſer See liegt an dem natuͤrlichen Ranale, 
vn der n mit den Seen ii 
und 


8 


92 1 0 8 05 
Burbon ſeine Gemeinſchaft hat. Sein Waſſer oll 
nicht vollig d rein ſeyn, als das von den übrigen 
Seen, weiler an verſchiedenen Stellen einen ſebr b 
ö ſchlammigten Boden hat. 0 | 
| Der See, welchen die Franzoſen la Pluie e | 
nen, heißt bey den Englaͤndern the rainy lake (der 
| regnichte See) und ſoll ſeinen Nahmen von denen 
erhalten haben, die ihn zuerſt bereiſten, und bey | 
einer ungemein regnichten Witterung binuͤber fuh⸗ 
ren; oder wie andere wollen? von einem regenar⸗ 
tigen Nebel ; der von einem ſenkrechten Waſſerfalle 
in einem Fluſſe auf der Suͤdweſtſeite verurſacht wird. 
Dieſer See ſcheint in der Mitte von einer Erd⸗ 
zunge in zwey Theile getheilt zu werden; der weſt⸗ 
liche Theil heißt der große regnichte See, und der 
| oftfiche, welcher der Fleinfte iſt, der kleine reg⸗ 
nichte See. Der ganze See liegt einige Meiſen 
weiter oſtwaͤrts, als der Holzſee, an dem naͤmlichen 
Arme des Burbon. Er iſt faſt durchgehends ſehr 
ſeicht. Seine größte Breite beträgt nicht über. 
zwanzig Meilen, und feine Lange, beyde Abthei⸗ 
lungen zuſammen genommen, ungefaͤhr dreyhun⸗ 
dert Meilen. das Waſſer in der weſtlichen Ab⸗ 
theilung iſt ſehr rein, und man findet einige vor⸗ 
trefliche Fiſcharten darin. Gegen das Ende des 
| Rn kommen eine Menge wilder Voͤgel hieher. 
* Muſe⸗ 


99 8 
Muſethiere und ee werden häufig ange⸗ 
troffen, und ihre Haͤute ſchicken ſich zu Hoſen und 

Handſchuhen weit beſſer, als alle uͤbrigen in ganz 
Nordamerika. Das Land um dieſen See herum 
wird an einigen Stellen fuͤr ſehr gut gehalten, doch 
iſt es etwas zu ſtark beholzt. Hier haͤlt ſic ein 
beträchtlicher Haufen Tſchipiwoͤer auf. | 

Hſtwaͤrts von dieſem See liegen verſchiedne klei⸗ 
nere, die ſich in einer Kette bis an den großen | 
Trageplatz, u „und von dort aus bis an den Obern 
See erſtrecken. Zwiſchen dieſen kleinen Seen giebt 
es verſchiedne Trageplaͤtze, die den Handel nach 
| Nordweſten ſehr beſchwerlich und langwierig 

machen, da zwey Jahre zu einer Reiſe von Michill⸗ 
mackinae nach dieſen Gegenden erfordert werden. 

Der rothe See (red Lake) iſt vergleichungsweiſe 


5 ein ſehr kleiner See bey der Quelle eines Armes 


vom Fluſſe Burbon , der von einigen der rothe 
Fluß (red river) genannt wird. Er iſt faſt vollig 
rund und hat ſechszig Meilen im Umkreiſe. un 
einer Seite deſſelben giebt es eine ziemlich große 

Inſel, bey welcher ein kleiner Fluß in den See 
fälle. Er liegt faſt gegen Suͤdoſten von dem See 
Winnepiek und dem Holzſee. Die umherliegende 
Gegend iſt wenig bekannt, und wird bst von 990 
Wilden nur ſelten beſt cht. We 


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Etwas gegen Süͤdweſten nicht weit ö dieſen 


ö See liegt der ſogenannte Weiſſebaͤren S See (white 


bear lake), der ungefaͤhr eben ſo groß iſt, als der 


ger, als irgend eine im ganzen ubrigen Nordamerika. 
Die Indier, welche hier jagen, kommen ſelten 
zurück ohne ihre Kanoen fo voll geladen zu haben, 


als es irgend moͤglich iſt, ohne ſie zu verſenken. 


Da ich eben angefuͤhrt habe, daß dieſer See die 


13 auſſerſte Quelle des Miſſiſippi nach Norden zu if, 


fo muß ich hier noch hinzuſetzen, daß dieſer Strom, 


ehe er in den Meerbuſen von Mexico fallt, alle 


ſeine Kruͤmmungen mit eingerechnet, vollig eine 


Weite von dreytauſend Meilen durchlaufen muß. 


In einer graden Linie beträgt feine länge ungefähr 


zwanzig Grade, welche beynahe vierzehnhundert 
engliſche Meilen ausmachen. | 


Eben diefe Indier ſagten mir j daß owe, 


waͤrts vom See Winnepiek noch ein See läge, der 
einen weit gröfferen Umkreis hätte, als irgend einer 


von den eben beſchriebenen. 0 Sie gaben ihn gar 
noch größer an, als den Obernſee. Allein da 
feine sage ſo weit gegen Rordweſten iſt, ſo fölle 


| vorige. Er gehört zu den nordlichſten Gewäffern, 
woraus der Miffifippi entſteht, und koͤnnte fuͤglich 
5 feine aͤuſſerſte Quelle genannt werden. Die Jagd von 
Pelzthieren iſt in der benachbarten Gegend ergiebi⸗ 


— 


f 95 
is faſt glauben, daß ie kein See, ſondern der Ar⸗ 
chipelagus oder ein Bußen des Meeres iſt, wodurch 
Hudſonsmeerbuſen, und die noͤrdlichen ne des 0 
ſtillen Meeres zuſammenhbängen. | 
Es giebt ſonſt noch eine große Menge von kleinen 5 
Seen, an den weſtlichen Hauptarmen des Miſſiſippi, 
und zwiſchen dieſen und dem See Winnepiek, 
g allein keiner davon iſt ſo groß, daß man ihn für 
den See oder das Gewaͤſſer, deſſen die Ster m 
| wähntert, halten hinter: ? | 
Ich erfuhr ferner von ihnen, daß einige von nden 
nordlichen Armen des Meſſorie und die füdfichen 
Arme des St. Petersfluſſe es ſich einander bis auf 
eine Meile naͤhern, und daß ſie ihre Kanoen uͤber 
g dieſe Landenge tragen. So viel, als ich von ihnen 
verſtand/ ſo nehmen ſie auf ihren Kriegszuͤgen 
gegen die Panier und Pananier, die we“ Arme 
des Meſſorie bewohnen, dieſen Weg. In dem 
Lande, das dieſen Völkerſchaſten gehoͤrt, ſoll haͤufig 
Allraun *) gefunden werden, eine Art Wurzel, die 
Menfihenfiguren von beyderley Geſchlecht ahnlich, en 
und hier vollkommner ſeyn foll, als der, welchen 
man am Nil in Unteräthiopien entdeckt hat. 
A Etwas gegen Nordweſten von den Quellen des 
Mefrie u und A Petersfluſſes 9000 wie An Indier 
BA mir 
a Munde, Atropa Mandagnie L. | 


N 
Mr 


RR 


mir erzäßften, eine Bölferfihaft WER, die etwas 
kleiner und weiſſer ift, als die benachbarten Staͤmme. 
Sie treibt den Ackerbau, und legt ſich auch, wenn 
ich anders ihre Ausdruͤcke recht verſtand, gewiſſer⸗ 
| maaßen auf Kuͤnſte. Sie fuͤgten noch hinzu, daß 
einige von den Nationen, welche die Gegenden 
bewohnen, die weſtwaͤrts von den glaͤnzenden Ber⸗ 
gen liegen, einen ſolchen Ueberfluß an Golde haben, 
daß ſie ihren geringſten Hausrath daraus machen. 
Dieſe Berge, die ich weiter unten genauer beſchrei⸗ 
ben werde, theilen die Gewaͤſſer, die in die Suͤdſee 
fließen, von denen, die ins atlantiſche Meer fallen. 
Die Voͤlkerſchaften, die nahe bey ihnen wohnen, 
ſollen von den verſchiednen Staͤmmen herkommen, 
welche den merifanifchen Koͤnigen zinsbar waren, 
und die aus ihrem Vaterlande fücherteg wie 
die Spanier Mexiko eroberten. | 
Dieſe Muthmaaßung wird dadurch noch 2 
ſcheinlicher „daß ſie grade die innerſte Gegend des 
feſten Landes zu ihrem Aufenthalte gewaͤhlt haben, 
und noch die Meinung hegen, daß die Seekuͤſte 
von der damaligen Zeit an bis jetzt beſtaͤndig von 
Ungeheuern verwuͤſtet werden, die d Feuer ſpruͤheten, 
und Donner und Blitz umher ſpien; aus deren 
Bauche Menſchen hervor kaͤmen, die mit unſicht⸗ 
baren allge oder durch Zauberen „die uns 
\ Ä ſchul⸗ 


en N 97 
ſhunigen Aubier in einer erſtaunlichen Weite 
| födteten. Vor folchen Ungeheuern flohen ihre Vor⸗ 
vaͤter (einer Ueberlieferung zufolge, die ſich noch 
unverſehrt bey ihnen erhaͤlt) nach den entfernten 
Gegenden, welche ſie noch jetzt bebohnen. Denn 
da ſie fanden, daß die ſchwimmenden Ungeheuer, 
die fie in ſo großes Schrecken geſetzt hatten, ſich 


dem Ufer nicht ganz naͤhern konnten, und daß die 


Menſchen, die daraus hervor kamen, „es nicht der 
Muͤhe werth hielten, Streifereyen tief ins Land 
vorzunehmen, fo faßten fie den Entſchluß, in eine 
Gegend zu ziehn, die weit vom Meere entfernt 


waͤre, und wo fie vor ſolchen teufliſchen Feinden 


ſicher ſeyn koͤnnten. Sie machten ſich daher mit 
ihren Familien auf den Weg, und ließen ſich nach 
einer langen Wanderſchaft bey dieſen Bergen 
nieder wo ſie glaubten, ihre völlige Sicherheit ge 

funden zu haben. i 8 
Die Winnebagoer, die am Zuchefufe wohnen, 
| und von denen ich ſchon vorhin gehandelt habe, 
ſollen ebenfalls eine irrende Nation aus den meri⸗ 
kaniſchen Laͤndern ſeyn. Allein ſie koͤnnen nur eine 
unvollkommene Nachricht von ihrem urſpruͤng⸗ 
lichen Aufenthalte geben. Sie erzaͤhlen, ſie waͤren 
vor Zeiten weit von Weſten hergekommen, und 
durch Kriege gezwungen worden, zu den Nado⸗ 
Carvers Reifen. G Ae ern 


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weſſtern ihre Zuflucht zu nehmen. Allein da ſie 
nichts von Kuͤnſten oder von dem Werthe des 
Goldes wiſſen, ſo iſt eher zu vermuthen „daß fie 
von den eben erwaͤhnten Fluͤchtlingen aus ihren 
Befigungen vertrieben wurden, als dieſe bis zu 
ihren jetzigen Wohnplaͤtzen vordrangen. | 

Doch bedürfen diefe Muthmaaßungen noch einer 
weitern Beſtaͤtigung; denn die kleinern Stämme 
der Indier verändern ihre Wohnplaͤtze der befläns 
digen Kriege wegen, in welche fie verwickelt find, fo 

oft, daß es faſt unmoglich wird, nach einem halben 
Jahrhunderte ihre ene he Lage zu be⸗ 
ſtimmen. 

Die Kette von Gebirgen, wovon die glänzenden 
Berge einen Theil ausmachen, faͤngt bey Mexiko 
an, und geht nordwaͤrts bis an die Oſtſeite von 
Kalifornien, und trennt die Quellen der zahlreichen 
Fluͤſſe von einander, die entweder in den Meerbu⸗ 
ſen von Mexiko oder von Kalifornien fallen. Von 
Kalifornien erſtreckt ſie ſich noch weiter nordwaͤrts, 
zwiſchen die Quellen des Miſſt ſippi und der Fluͤſſe, 
die in die Suͤdſee fallen, hindurch, und ſcheint un⸗ 
gefaͤhr ſich im ſieben und vierzigſten oder acht und 
vierzigſten Grade nordlicher Breite zu endigen, 

unter welcher Breite eine Menge Fluͤſſe entſpringen, 
die entweder in die Süͤͤdſee, in Hudſons Meer⸗ 
buſen 


\ 


99 
buſen nen in bie G Wale Semi ſſer 
Ben A 

Von dieſen Gebirgen heißt der Theil, der weſt⸗ 0 
waͤrts vom Fluſſe St. Peter liegt, die ‚glänzenden. 
Berge, und hat von einer unbeſchreiblichen Menge 
erſtaunlich großer Kryſtallen, womit ſie bedeckt 
ſind, den Nahmen. Dieſe Kryſtallen werfen, wenn 
die Sonne darauf ſcheint, einen ſolchen Glanz von 
ſich, daß man ſie in einer großen e 
ſehn kann. | 
Die Länge dieſer auſſerordentlichen Kette von 
Gebirgen wird auf mehr als dreytauſend Meilen 
geſchaͤtzt, ohne daß betraͤchtliche Zwiſchenraͤume ſie 
unterbrechen, und ich glaube daher, daß ſie alle 
andre Gebirge in den uͤbrigen Welttheilen uͤber⸗ 
trifft. Vielleicht wird man in kuͤnftigen Jahrhun⸗ 
derten entdecken, daß ſie mehr Reichthüͤmer in ihrem 
Innern enthalten, als die Berge von Indoſtan 
und Malabar, ie Goldkuͤſte von Guinea, oder 
ſelbſt die peruaniſchen Erzgruben. Vielleicht wer⸗ 
den weſtwaͤrts von ihnen kuͤnftige Kolone oder Ras 
leighe neue Seen, neue Ströme und Laͤnder ent: 

decken, die mit allem, was zu den Beduͤrfniſſen und 


e 
ee 


Vergnuͤgungen des Lebens gehören, angefüllt find; 


und wo vielleicht fünftige Geſchlechter eine Zuflucht 


finden konnen, wenn ſie durch Erpreſſungen raub⸗ 
. ſuͤchtiger 


ſüchtiger Tyrannen, durch Sreigtonenerf, 
oder durch den gar zu großen Anwachs ihrer 
Miteinwohner aus ihrem Vaterlande vertrieben 
werden. Doch es ſey nun aus Zwang „oder aus 
Hofnung ſich zu bereichern, fo iſt nicht zu zweifeln, 
daß ſie ihre Erwartungen in dieſen reichen und un⸗ 
erſchoͤpften Gegenden vollig befriedigen werden. 
Abobbe es iſt Zeit, daß ich zu den Aſſinipoilen und | 
Killiſtinoern zuruͤckkehre, die ich am großen Tra⸗ 
geplatze verließ, und von denen ich die vorherge⸗ 
benden Nachrichten von den Seen erhielt, die gegen 
Nordweſten liegen. Pr 
Da die Handelsleute, welche wir erwarteten, 
b diesmahl laͤnger ausblieben, als gewoͤhnlich ge⸗ 
| ſchieht, und unſre Anzahl ſich auf dreyhundert be⸗ 
lief, ſo gerieth es ſehr mit unſerm Vorrathe von 
Lebensmitteln, die wir mitgebracht hatten, auf 
die Neige, und wir erwarteten ihre Ankunft mit 
Ungedult. | 
Eines Tages 1 da wir alle unſte Wöünſche des⸗ 
wegen aͤuſſerten, und von einer Anhöhe Acht gaben, 
um ſie uͤber den See herkommen zu ſehn, ſo ſagte 
uns der Oberprieſter der Killiſtinoer, daß er vers 
ſuchen wollte, eine Unterredung mit dem großen 
Geiſte zu halten, um von ihm zu erfahren, wenn 
die Kaufleute ankommen wuͤrden. Ich achtete 
wenig 


101 


wenig ‚auf dies . da c glaubte, daß es 
nichts, als ein bloßes Taſchenſpielerſtuͤck ſeyn wuͤrde, 
dadurch ſich nur unwiſſende Indier hintergehn 
laſſen koͤnnten. Allein der Koͤnig dieſes Stammes 
verſicherte mich, daß der Prieſter es vorzuͤglich 
unternehme, um meine Beſorgniß zu vertreiben, 
und um mich zugleich von dem Anſehn zu uͤber⸗ 
zeugen, in welchem er bey dem großen Geiſte ſtaͤnde. 
Ich hielt es daher fuͤr meine Pflicht, meine Geda, 
en, daruͤber noch nicht zu aͤuſſern. | 

Der nächfte Abend ward zu dieſer geiſtlichen 
„ eee feſtgeſetzt. Wie alles dazu vorberei⸗ 
| tet war, ſo kam der Koͤnig und führte mich i in ein 
geraͤumiges Zelt, wovon die Gehaͤnge aufgezogen 
waren, damit die Auſſenſtehenden alles beobachten 
könnten, was darinn vorgienge. Wir fanden das 
Zelt von einer großen Menge Indier umringt, 
allein wir wurden willig durchgelaſſen, und ſetzten 
uns auf Felle, die für uns al dem Boden en | 
breitet waren. 

In der Mitte bemerkte ich einen u ländlichen 
Platz, der aus Stangen beſtand, die in die Erde 
geſteckt waren, doch ſo, daß Zwiſchenraͤume offen 
blieben, welche die Geſtalt von einem Kaſten oder 
Sarge hatten, der groß genug war, einen menſch⸗ 
ichen Körper zu faſſen. Die Stangen waren von 

G 3 mittler 


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>62) 4 
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* 


mittler Größe, und ſo weit von einander geftreckt, 
daß man bequem alles fehen konnte, was ſich zwi⸗ 
ſchen ihnen befand. Das Zelt ward von einer 
großen Menge Fackeln erleuchtet, die aus Splits 


tern von Birken⸗ oder Tannenholze gemacht waren, 


und von den Indiern gehalten wurden. 
Nach einigen Minuten kam der Prieſter herein. 
Es ward eine ſehr große Elendshaut grade zu mei⸗ 
no Füßen ausgebreitet, worauf er ſich niederlegte, 
nachdem er alle Kleidungsſtuͤcke, ausgenommen 
das, was er mitten um den Leib trug, ausgezogen 


hatte. Er lag fetzt geſtreckt auf dem Ruͤcken, und 


nahm eine Seite von der Haut, und legte fie 
über ſich. Eben dies that er mit der andern Seite, 
ſo daß blos ſein Kopf unbedeckt blieb. So bald dies 
geſchehn war, ſo nahmen zwey junge Leute, die bey 
ihm ſtanden, ungefaͤhr ſechszig Ellen von einem 
ſtarken Seile, das ebenfalls aus einer Elendshaut 
gemacht war, und banden es ihm feſt um den Leib, 
ſo daß er vollig in der Haut „ wie ein Kind in ſei⸗ 
nen Windeln, lag. In dieſer Mumien ähnlichen. 
Geſtalt ward er von einem bey den Fuͤßen, und 


von dem andern bey dem Kopfe ergriffen, und über: 
die Stangen in die Einfaſſung gehoben. Ich konnte 


ihn noch jetzt voͤllig ſo genau beobachten, als ich 


es sher gethan hatte, und ich nahm mich ſehr in 


N 


108 
Acht r meine dugennurenen Kugenbfit von ihm zu 
verruͤcken, damit ich das Kunſtſtuͤck deſto eher ent: 
decken koͤnnte, denn ich zweifelte keinesweges, daß 
| es doch endlich darauf hinauslaufen würde. 
Kaum hatte der Prieſter in dieſer Stellung ei⸗ 
nige wenige Secunden gelegen, als er anfieng zu 
murmeln. Er fuhr damit einige Zeit fort, und 
ward allmaͤhlig lauter und lauter, bis er endlich 
| anfteng deutlich zu fprechen; doch war das, was 
er murmelte, ein ſolches Gemiſch aus der Sprache 
der Tſchipiwaͤer/ der Ottowaer und Killiſtinoer, 
daß ich nur ſehr wenig davon verſtehn konnte. Er 
fuhr in dieſem Tone eine betraͤchtliche Zeit fort, 
und erhob endlich feine Stimme aufs aͤuſſerſte, 
bald betend, bald raſend, bis er ſich in ſolche be 
tige Bewegung gebracht hatte, daße er am Munde 
ſchaͤnmte. m | 
Nachdem er faft breyviertel Eben anf dieſer 
Stelle gelegen, und fein Schreyen mit unermuͤde⸗ 
ter Heftigkeit fortgeſetzt hatte, ſo ſchien er ganz ab⸗ 
gemattet zu ſeyn, und ward völlig ſprachlos. Allein 
plötzlich ſprang er auf, ungeachtet es unmoͤglich 
ſchien, wie er eingeſchnuͤrt ward, daß er Arme oder 
Beine bewegen könnte, und warf ſeine Decke ſo 
behende ab, als wenn die Seile, die darum gebun⸗ 
den waren / verbrannt wären, worauf er die, welche 
Br G 4 re 


f 
| 


14 dee, 
um ihn herum ſtanden, mit einer geſeßten 1 
vernaͤhmlichen Stimme folgendermaßen anredete: 


ö Meine Brüder, der große Geiſt hat ſich herabge⸗ 


laſſen, eine Unterredung mit ſeinem Knechte auf 
meine ernſtliche Bitte zu halten. Er hat mir zwar 


nicht geſagt, „wenn die Kaufleute, welche! wir er⸗ 
warten, ankommen werden, allein Morgen, wenn 


die Sonne den hoͤchſten Gipfel am Himmel erreicht 


hat, wird ein Kanoe kommen, und die deute darinn 


werden uns Nachricht geben, wann wir auf die 
Ankunft der Kaufleute ſicher rechnen koͤnnen. Wie 


er dies geſagt hatte, ‚fo gieng er aus der Einfaſſung 
heraus, zog ſeine Kleider an, und ließ die Ver⸗ 


ſammlung aus einander gehn. Ich muß geſtehn, 
ich ward durch das, was ich geſehn hatte, nicht 


wenig in Erſtaunen geſetzt; allein da ich ſah, daß 
jedermann ſeine Augen auf mich geheftet hatte, 


um meine Gedanken zu errathen, ſo gab ich mir 
alle Muͤhe, meine Empfindungen zu verbergen. 
Den folgenden Tag hatten wir hellen Sonnens 


ſchein, und ſchon lange vor Mittage hatten ſich alle 


Indier auf der Anhöhe verſammlet, von welcher 
man den See uͤberſehn kann. Der alte Koͤnig 
kam zu mir, und fragte mich, ob ich der Prophe⸗ 
zeihung des Prieſters ſo vielen Glauben beymaͤße, 
daß ich mit ihm zu ſeinen Leuten auf dem Huͤgel 
gehn, 


\ 


105 


1 und * ihre Erfüllung wotkeh könnte. Ich 
ſagte ihm, daß ich nicht wuͤßte, was ich von ſeiner 
Weiſſagung denken ſollte, allein ich wuͤrde ihn gern 
begleiten. Wir giengen hierauf zuſammen an den 
Ort, wo ſich die ubrigen verſammlet hatten. Jeder 
heſtete feine Augen bald auf mich, bald auf den 
See, und wie grade die Sonne ihren hoͤchſten 
Stand erreicht hatte, ſo kam, wie der Prieſter 
vorher geſagt hatte, ein Kanoe um eine Landſpitze 
herum, die ungefähr eine Seemeile von uns lag. 
So bald die Indier ihn erblickten, fo fiengen fie 
ein allgemeines Freudengeſchrey an, und thaten 
auf das Anſehn, in welchem ihr Prieſter bey dem 
großen Geiſte ſo deutlich zu ſtehn ſchien, recht ſtolz. 
Der Kanoe kam in weniger als einer Stunde 
ans Ufer, wohin ich dem Koͤnige und den Ober⸗ 
haͤuptern folgte, um die Leute, die darin waren, 
zu bewillkommen. So bald ſie ans Land geſtiegen 
waren, giengen wir alle zuſammen nach dem Zelte 
des Königs, wo wir, nach ihrer beſtaͤndigen Gewohn⸗ 
heit, anſiengen, zu rauchen, und ſelbſt ohne irgend 
einige Fragen zu thun, ungeachtet wir aͤuſſerſt unge⸗ 
vr duldig waren, die Neuigkeiten, die ſie mit gebracht 
hatten „zu hoͤren; denn überhaupt find die Indier 
ſehr geſetzte Leute. Jedoch fragte der König nach 
* Zeit, ob ſie icht von den Handelsleuten 
| W geſebn 


geſehn hätten? Sie antworteten „daß ſie dieſelben 


vor einigen Tagen verlaſſen haͤtten, und daß ſie 
entſchloſſen wären, uͤbermorgen hier einzutreffen, 
und wuͤrklich kamen ſie auch zu unſrer groſſen Zu⸗ 


friedenheit an, doch ſchienen die Indier ſich am 


meiſten daruͤber zu freuen, da ſie ſo wohl das An⸗ 

ſehn von ihrem Prieſter, als von ihrer Nation ſo 

ſehr in Gegenwart eines Fremden erhoͤht ſahen. 
Ich geſtehe gern, daß dieſe Geſchichte, den, 


der ſie erzaͤhlt, ſehr in den Verdacht von Leichtglaͤu⸗ 1 


bigkeit bringen muß. Allein ich bin uͤberzeugt, daß 


niemand weniger von dieſer Schwachheit angeſteckt 


N 


ſeyn kann, als ich es bin. Die Umſtaͤnde dabey 


ſind gewiß ſehr auſſerordentlich, allein da ich als 
ein kalter und gleichguͤltiger Beobachter des ganzen 
Vorfalls dafür ſtehn kann, daß fie nicht uͤbertrie⸗ 
ben oder unrichtig vorgeſtellt ſind, ſo konnte ich 
dieſe Geſchichte meinen Leſern nicht vorenthalten, 


die ihre eigenen Folgerungen daraus ziehn moͤgen. 
Ich habe ſchon vorher angefuͤhrt „daß die Aſſini⸗ 
poilen ein von den Nadoweſſtern abgefallner Stamm 
ſind. Sie trenneten ſich von ihren Landsleuten, 
wegen wuͤrklicher oder eingebildeter Beſchwerden, 
denn uͤberhaupt ſind die Indier ſehr eifrig fuͤr ihre 
Rechte, und opferten ihre Bequemlichkeit ihrer 
m: 0 Freiheit . Denn die Gegend um den 
See 


1 


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See Winnepiek, welche ſe jest bersohnen, iſt, da 
ſie viel weiter gegen Norden liegt, lange nicht ſo 
fruchtbar und angenehm, als die, welche ſie ver⸗ 
lieſſen. Sie haben noch einerley Sprache und 50 
ten mit ihren alten Landsleuten. 

Die Killiſtinoer ſind jetzt Nachbarn! und Bundes 
genoffen der Aſſinipoilen, denn ſie wohnen eben 
falls an den naͤhmlichen See und dem Fluſſe Bur⸗ 
bon, und ſcheinen urſpruͤnglich von den Tſchipi⸗ 
waͤern abzuſtammen, deren Sprache fie noch jezt, 
aber mit einer veraͤnderten Mundart, reden. Ihre 
Voölkerſchaft beſteht aus drey bis vierhundert Krie⸗ 
gern, die ſtarke muthige Leute zu ſeyn ſcheinen. 
Ich habe ſchon vorhin ihres Landes in meiner Be⸗ 
ſchreibung vom See Winnepiek erwaͤhnt. Da ſie 
ſich innerhalb den Grenzen von der Geſellſchaft vom 
Hudſonsmeerbuſen aufhalten „ ſo handeln fie ges 
wohnlich nach den Faktoreyen der Geſellſchaft, doch 
kommen ſie aus den vorhin angefuͤhrten Urſachen 
nach dem Orte, wo ich ſie antraf, um den Kauf; 
leuten von Miſchillimackinac zu begegnen. 

Meine Unruhe uͤber den Verzug dieſer Kaufleute | 
ward durch ihre Ankunft eben nicht gehoben. Ich 
konnte von keinen die Waaren erhalten, welche ich 
5 brauchte, und ſah mich alfo zum zweytenmahle i in 
meiner Hofnung „ Mein ganzes Vorhaben 
. | war 


8 


108 Be 
war jetzt vernichtet, und mir blieb nichts übrig, , _ 
als nach dem Orte zuruͤckzukehren, von welchen ich 
meine weitlaͤuftige Reiſe anfieng. Ich nahm daher | 
von dem alten Könige der Killiſtinoer und den Ober⸗ 
haͤuptern beyder Voͤlkerſchaften Abſchied. Der 
Koͤnig war ungefaͤhr ſechszig Jahr alt, und groß 
und ſchlank, und trug ſich ſehr grade. Er war 
uͤberhaupt ſehr artig und geſpraͤchig, und begegnete 
mir mit großer Höflichkeit, welches mir ſonſt auch 
von allen übrigen Oberhaͤuptern wiederſuhr. 
Ich bemerkte, daß dieſe Voͤlkerſchaften noch eine 
Gewohnheit beybehalten hatten, die allgemein ge⸗ 
weſen zu ſeyn ſcheint, ehe ſie mit den Sitten der 
Europaͤer bekannt wurden; ich meine die Gewohn⸗ 
heit, Fremden ihre Weiber anzubieten. Und dies 
thun nicht allein Leute von niedrigem Range, ſon⸗ 
dern die Oberhaͤupter ſelbſt, die es als den größten 
Beweis ihrer Hoͤflichkeit gegen Fremde anſehen. 
Inm Anfang des Octobers kam ich nach einer 
Reiſe laͤngſt den nordlichen und oſtlichen Ufern des 
Obernſees zu Cadots Fort an, welches bey dem 
Waſſerfall von St. Maria und nahe bey ſeinem 
ſuͤdweſtlichen Winkel liegt. | 
Lake Superior, (der größte See) 115 ſonſt der 
Oberſee von feiner nordlichen Lage genannt; aber 
ſeinen n ſeßigen Nahmen hat er von feiner Größe, 
der 


\ 


109 


der keiner von den ubrigen Seen gleich kommt. 
Man konnte ihn mit Recht das Caſpiſche Meer von 
Amerika nennen, da er wahrſcheinlicher Weiſe der 
größte Landſee auf der ganzen Erdkugel iſt. Sein 
Umkreis betragt nach den franzöſiſchen Karten etwa 
funfzehnhundert Meilen; allein ich glaube, daß 
über ſechshundert Meilen mehr herauskommen 
wuͤrden, wenn man laͤngſt den Kuͤſten führe, und die 
bbllige Weite jeder Bucht mäffe. ee 
Tch kam aus dem Fluſſe Goddard an der weſt⸗ 
lichen Bucht zuerſt auf den See, und fuhr uͤber 
zwölfhundert Meilen laͤngſt ſeinen nordlichen und 
weſtlichen Ufern fort, und bemerkte, daß der 
groͤßte Theil von dieſem weitlaͤuftigen Reiche von 
Felſen und Anhoͤhen eingefaßt war. Der Grund 
ſchien groͤßtentheils aus einem Felſenbette zu be⸗ 
ſtehn. Wenn es ruhiges Wetter und heller Son⸗ 
nenſchein war, ſo konnte ich in meinem Kanoe ſitzen, 
| und in einer Tiefe von mehr, als ſechs Klaftern, 
deutlich auf dem Grunde große Pfeiler von Stein, 
von unterſchiedlichen Figuren unterſcheiden, davon 
einige ordentlich das Anſehn hatten, als wenn ſie 
behauen wären. Das Waſſer war alsdann ſo 
rein und durchſichtig als zuft, und mein Kanoe 
ſchien blos darin zu ſchweben. Es war unmöglich, 
länger als einige Minuten durch dieſen bellen 
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110 


| Zwiſchenraum die Felſen zu betrachten, ohne 
ſchwindlicht und gezwungen zu werden, ſeine Augen 
von dieſer glänzenden Scene wegzuziehn. 
Ich entdeckte durch einen Zufall noch eine zweyte 
| auſſerordentliche Eigenſchaft des Waſſers in die⸗ 
ſem See. Es war im Julius, als ich daruͤber 
fuhr, und die Oberflaͤche des Waſſers hatte von 
drr daruͤber ſchwebenden duft einen beträchtlichen 
Grad vom Waͤrme erhalten, allein dem ungeach⸗ 
tet hatte das Waſſer, das man mit einer Schale 
ungefaͤhr eine Klafter tief hervorholte, eine ſolche 
Kälte „daß es mir im 9 kunde wie Eis vorkam. 
Die Lage dieſes Sees wird verſchiedentlich ange⸗ 
geben, allein nach den genaueſten Beobachtungen, 
die ich anſtellen konnte, liegt er zwiſchen dem ſechs 
und vierzigſten und funzigſten Grade nordlicher 
Breite, und zwiſchen dem vier und achtzigſten und 
drey und neunzigſten Grade weſtlicher Lange, von 
der Londoner Mittagslinie angerechnet. | 
Es giebt viele Inſeln in dieſem See, wovon 
zwey ſehr groß find; und wenn ihr Boden ſich gut 
zum Ackerbau ſchickt, ſo koͤnnte auf jeder eine be⸗ 
trächtliche Pflanzſtadt angelegt werden; vorzuͤglich 
auf der Koͤnigsinſel (Isle royale) die wenigſtens 
hundert Meilen lang, und an vielen Stellen vier, 
zig Meilen breit ſeyn muß. Doch laͤßt ſich von 
e N keiner 


111 


keiner von beyden Lange oder Breite genau an⸗ 
geben. Selbſt die Franzoſen, die immer einen 
Schoner auf dieſem See hielten, ſo lange ſie noch 
im Beſitz von Kanada waren, womit ſie leicht 
eine ſolche Unterſuchung haͤtten anſtellen koͤnnen, 
harten nur elne geringe Kenntniß von den Ufern 
dieſer Inſeln. Wenigſtens haben ſie, ſo viel als 
mir bekannt iſt, nie etwas von ihren innern Ge⸗ 
genden bekannt gemacht. i 5 
Auch konnte ich in meinen Unterredungen mit 
den benachbarten Indiern nie erfahren, ob ſie 
Pflanzſtädte je darauf angelegt gehabt hätten, oder 
auf ihren Jagdzuͤgen darauf ans Land geſtiegen 
waͤren. So viel ich aus ihren Reden ſchließen 
konnte, ſo ſcheinen die Indier zu glauben, daß 
der große Geiſt ſeine Wohnung darauf habe, und 


fie erzählen viele ſeltſame Geſchichte von Bezau. 


berungen und Hexereyen, die armen Indiern 
wiederfahren waren, wenn ſie ein Sturm zwang, 
auf dieſen Inſeln Schutz zu ſuchen. ee 
Einer von den Anfuͤhrern der Tſchipiwaͤer erzählte 
mit, daß einige von feiner Bölkerfchaft einmal an 
die Inſel Maurepas wären geworfen worden, die 
auf der Nordoſtſeite des Sees liegt, und darauf 
große Haufen von einem ſchweren glaͤnzenden gelben 
ne gefunden hätten, der nach ihrer Beſchreibung 
Soli | 


Sofeftauß geweſen feyn muß. Sein glänzender 

Anblick bewog ſie den folgenden Morgen, wie ſie 

wieder in ihren Kanoe ſteigen wollten, etwas davon 
mitzunehmen; allein ein großer Geiſt, der nach 

ihrer Beſchreibung uͤber ſechszig Fuß hoch war, 
gieng ihnen ins Waſſer nach, und befahl ihnen, 
alles was ſie mitgenommen hatten, wieder heraus 

zu geben. Sie ließen ſich durch ſeine Rieſengröͤße 
in Schrecken ſetzen, und da er fie ohnehin beynahe 
eingeholt hatte, ſo gaben ſie ihren glänzenden 
Schatz wieder hin, worauf ſie auch ruhig ihre 
Fahrt fortſetzen konnten. Seit der Zeit wagt ſich 
kein Indier, der dieſe Geſchichte gehört hat, 
weiter an dieſe Spuͤkkuͤſte. Sie erzaͤhlten mir noch 
außer dieſer verſchiedne aͤhnliche Mährchen von 

dieſen Inſeln. 5 / 

Die Gegend auf der nordlichen und oſtlichen 

Seite des Oberſees iſt ſehr gebirgicht und un⸗ 

fruchtbar. Das Wachsthum der Pflanzen iſt hier 
ſehr kuͤmmerlich, da die Kaͤlte im Winter ſehr 1 

ſcharf iſt, und die Sonne im Sommer keine 1 55 
Kraft hat. Man findet daher nur wenige Früchte 
auf feinen Ufern. Doch giebt es einige Arten in 

großer Menge. Auf den Bergen nahe beym See 
wachſen Heidelbeeren von einer ungemeinen Größe 
und fer ch ent Geſchmack in erſtaunlichem Ueber⸗ 
| fluſſe, 


| oe 113 
fluſſe, und eben ſo gut kommen daſelbſt ſchwarze 
Johannisbeeren und Stachelbeeren fort. 
Allein die beſte von allen Fruͤchten iſt eine Beere, 
die Hinbeeren ahnlich ift, aber eine hellrothe Farbe 
und anfehnfichere Größe hat. Ihr Geſchmack iſt 
ebenfalls weit angenehmer, als der von Hinbeeren, 
die doch in Eukopa ſehr geſchaͤtzt werden. Sie 
waͤchſt auf einem Strauche, der einer Weinrebe 
ahnlich iſt, und auch eben ſolche Blaͤtter hat. 
Es wuͤrde ohne Zweifel eine ſehr koſtbare und 
ſchmacchaſte Feucht daraus werden, wenn man ſie 
in eine waͤrmere Gegend verpflanzte. | 
Es fallen auf der Nord⸗ und Oſtſeite zwey ſehr 
große Fluͤſſe in dieſen See. Der eine davon heißt 
der Nipegon Fluß, oder wie ihn die Franzoſen 
ausſprechen, der Allanipegon, der von einem 
Stamm der Tſchipiwaͤer herkommt, welcher in 
der Gegend um einen See gleiches Namens wohnt; 
der andre heißt der Mitſchipicuton, deſſen Quelle 
nicht weit von Jamesbay liegt. Bey ſeiner Quelle 
giebt es nur einen kurzen Trageplatz bis zu einem 
andern Fluſſe, der bey einem Forte, das der 
Geſellſchaft gehört, in den eben erwaͤhnten Meer⸗ 
buſen faͤllt. Dieſen Weg nahm eine Parthey Fran⸗ 
zoſen von Miſchillimackinac, wie fie die Beſitzun⸗ 
gen der Geſellſchaft unter der Regierung der 
Carvers Reiſen. 5 Koni 


— / 
+ 


114 e | 
Königin Anna angriffen. Sie eroberten und 
ſchleiften die Forte, und nahmen die Kanonen, die 
ſie darin fanden, mit nach der Feſtung, von wel⸗ 
cher ſie ausmarſchirt waren. Es waren kleine me⸗ 
tallene Stuͤcke, die ſich noch dort befinden, da ſie 
durch den gewöhnlichen Wechſel des Gluͤcks wieder 
an ihre alten Herrn gekommen ſind. 
Nicht weit vom Nipegon giebt es einen kleinen 
Fluß, der grade ehe er in den See fällt, ſenkrecht a 
von dem Gipfel eines Berges mehr als ſechshun⸗ 
dert Fuß herabſtuͤrzt. Da er ſehr ſchmahl iſt, fo 
laͤßt er in der Ferne wie ein weiſſes FOR das in 
der Luft ſchwebt. f 
Gngſt dem oſtlichen Ufer wohnen e e 
* noch von den Algonkinen uͤbergeblieben ſeyn 
ſollen, die ehemals im Beſitz dieſer Gegend waren, 
aber faſt ganz von den Srofefen aus Kanada aus; 
gerottet wurden. Es giebt uͤberhaupt beynahe 
vierzig Fluͤſſe, die in den Obernſee fallen, von wel— 
chen einige eine betraͤchtliche Groͤße haben. An 
der Suͤdſeite liegt ein merkwuͤrdiges Vorgebuͤrge, 0 
das ungefähr ſechszig Meilen lang iſt, und Kap 
Schagomegan genannt wird. Man konnte es eben 
ſo gut eine Halbinſel nennen, da es faſt ganz vom 
feſten Lande auf der Oſtſeite durch eine enge Bucht, 
0 le ſich ven Oſten a Weſten erſtreckt, getrennt 
I wird. 


115 


wird. Man braucht die Kanoes nur eine kurze 
Strecke über Sand zu tragen, da hingegen die Reiſe 
zu Waſſer um daſſelbe über hundert Meilen betraͤgt. 
Ungefaͤhr hundert Meilen weſtwaͤrts von dem 
eben beſchriebenen Vorgebuͤrge faͤllt in den See 
ein betraͤchtlicher Fluß, der aus einem Zuſam⸗ 
menfluſſe von vielen kleinen Gewaͤſſern entſteht. 
Dieſer Fluß iſt wegen der Menge gediegen Kupfer 
merkwuͤrdig, die man an ſeinen Ufern findet. Man 
trift ſonſt dies Metall auch noch an verſchiednen 
andern Stellen auf dieſer Kuͤſte an. Ich bemerkte, 
daß viele von den kleinen Inſeln, hauptſaͤchlich auf 
der oſtlichen Küfte, mit Kupfererzt bedeckt waren. 
Sie ſahen wie Betten von Vitriol aus, von welchem 
viele. Tonnen in einem kleinen Raume anne 5 
lagen. 
ei Geſelſchaft aus England fieng bald nach 
der Eroberung von Kanada an, etwas von dieſem 
Metall wegzufuͤhren; allein der verworrene Zuſtand 
der Sachen in Amerika hat fie genoͤthigt, ihr Vor⸗ 
haben aufzugeben. Es könnte in Fünftigen Zeiten 
eine vortheilhafte Handlung daraus entſtehn, da 
das Metall nichts auf der Kuͤſte koſtet, und auch 
ohne große Unkoſten eingeſchifft werden könnte. ü 
Man muͤßte es erſt in Booten oder Kanoen uͤber 
den Waſſerfall von St. Maria nach der Inſeſ 
| ne Joleph 


116 u. 


Joſepb bringen, die am Ende der Meerenge nahe bey 
ihrem Einfluß in den See Huron liegt; von dort 
koͤnnte es auf größern Fahrzeugen uͤber dieſen See 


bis an den Waſſerfall von Niagara geführt werden; 3 | 
hier wuͤrde es zu Lande über den großen Trageplatz, ö 


und alsdenn weiter ohne große Schwierigkeit nach 
Quebec gebracht. Die leichtigkeit und die wenigen 
Unkoſten, womit eine ſehr große Menge davon zu⸗ 


ſammen gebracht werden kann, erſetzt die Weite 
des Weges völlig, und macht, daß die Eigner es 
zu eben ſo guten Preiſen, als das Kupfer aus an⸗ 


dern Lͤndern, auf fremde Maͤrkte fuͤhren koͤnnen. 
Der Oberſee hat einen Ueberfluß an Fiſchen, 
worunter Forellen und Stoͤre die vornehmſten ſind, 


welche man faſt zu jeder Jahrszeit im größten 


Ueberfluſſe fangen kann. Die Forellen wiegen ge⸗ 
| meiniglich zwölf Pfund, und zuweilen ſogar uͤber 

funfzig. Auſſer dieſen wird noch eine Art von Weiß⸗ 
fich ſehr häufig gefangen, die einer Elfe *) ähnlich, 
aber etwas dicker iſt, und nicht ſo ſtarke Graͤten 
hat. Sie wiegen ungefaͤhr vier Pfund, und ſchmek⸗ 


ken ſehr angenehm. Man faͤngt ſie am beſten mit 


einem Netze, doch kann man Forellen i immer mit 
Angeln fangen. Es giebt bier ebenfalls kleine 
Rien von Wegen im großen Ueberfluſſe; und unter 
l 4 dieſen 
5 =) . Au, Shad 0. Aloſe fr. 


117 


dieſen eine, die einem Heringe ahnlich iſt, und 
zum Köder fuͤr die Forellen gebraucht wird. So 
wohl i in dieſem See, als in Miſchigan, findet man 
noch eine kleine Art Taſchenkrebſe, bir nicht größer 0 
ſind, als ein Gulden. 


Dieſer See iſt Stärmen vollig ſo ſehr unterwor⸗ 
fen, als das atlantiſche Meer. Seine Wellen ſteigen 
eben ſo hoch, und ſind den Schiffen eben fo gefaͤhrlich. 
Sein Waſſer hat an dem ſüͤdoſtlichen Winkel durch 
die Straße von St. Maria einen Ausfluß. An 
dem obern Ende dieſer Straße ſteht ein Fort, das 
ſeinen Nahmen von ihr hat, und vom Herrn Cadot, 
einem franzöſiſchen Kanadier befehligt wird, der 
als Eigenthuͤmer des Bodens in dem Beſitz davon 
geblieben it. Nahe bey dieſem Forte iſt ein ſtar⸗ | 
fer Strom, gegen den zwar keine Kanoes angehn 
können „aber man kann ihn, wenn man einen ge⸗ 
| ſchickten wotſen bat, ohne e berabfahren. 


Ungeachtet der Oberſee ; wie ich vorhin ange⸗ 
fuͤhrt habe, von beynahe vierzig Fluͤſſen fein 
Waſſer erhaͤlt, unter welchen einige ſehr betracht 
lich ſind, ſo ſcheint doch kaum der zehnte Theil 
von dem Waſſer, das er aus dieſen Fluͤſſen er⸗ 
hält, durch dieſe Oefnung herauszufließen. Ich 
ſehe nicht ein, wie ſch ein ſolcher Ueberfluß von 
% Waſeer 


3 2 5 SE . h 22 2 BZ RR 
118 * 
Waſſer verliehren Wan welches doch auf irgend 


eine Art geſchehn muß, weil ſonſt die Oberflaͤche 


des Sees beſtaͤndig zunehmen wuͤrde. So viel iſt 
gewiß, daß er ſein Waſſer durch ei 
ſtrom verliehrt, wie das mittellaͤndiſche Meer thun 


einen Untern⸗ 


ſoll, wo dieſer untere Strom dem auf der Ober⸗ | 
fläche beſtaͤndig entgegen arbeitet; denn der Strom, 


5 der uͤber den Felſen faͤllt, iſt nicht uͤber fuͤnf bis 
ſechs Fuß tief, und fließt ganz durch die Straße 


in den naͤchſten See. Es iſt auch nicht wahrſchein⸗ 


lich, daß eine ſo große Menge durch Ausduͤnſtun⸗ 
gen verlohren gehn koͤnnte; und folglich muß es 
irgendwo einen Ausfluß durch tiefe unterirrdiſche 
Gaͤnge darinn geben. 


Der Waſſerfall von St. Maria ſärzt sche ſenk⸗ 


recht herunter, wie die Waſſerfaͤlle von St. Anton 


und Niagara, ſondern er beſteht aus einem reiſſen⸗ 


den Strome / der ſich dreyviertel Meile weit er⸗ 


ſtreckt, und über den Kanoe mit Vorficht geführt: 


werden koͤnnen. | 

Unten an dieſem Waſſerfalle ſchicken fich die Fel⸗ 
en fehr bequem zum Fiſchfang. Wenn man im 
September und October feine Netze auswirft, fo 
iſt man ſicher, fie immer voller Weißfiſche heraus 


zu ziehn, die in dieſer Jahrszeit nebſt verſchiednen 
em Fiſcharten in ſolchen Schwaͤrmen hieher 


kom⸗ 


119 


ü daß, wenn fe gehörig zubereitet würden, 10 
Tauſende davon das Jahr hindurch leben koͤnnten. 
Die Straße von St. Maria iſt ungefaͤhr vierzig 
Meilen lang, und laͤuft ſuͤdoſtlich. Ihre Breite 
iſt ſehr verſchieden. Der Strom zwiſchen dem 
Waſſerfalle und dem See Huron iſt nicht fo reiffend, 
als man erwarten koͤnnte, und Laſtſchiffe koͤnnen 
er bis an die Inſel St. Joſeph hinauf fahren. h 
Verſchiedene Reiſende haben angemerkt, daß 
die Ausſicht, wenn man aus dieſer Straße in den 
HOberſee koͤmmt, eine der ſchoͤnſten iſt, die man 
ſich denken kann. Die Stelle, wo ſie ſich am vortheil⸗ 
hafteſten zeigt, iſt grade bey der Oefnung des 
Sees, wo man zur linken Hand viele ſchoͤne kleine 
Inſeln erblickt, die eine betraͤchtliche Kette aus⸗ 
machen. Zur rechten Hand ſieht man eine Menge 
kleiner auf einander folgender Landſpitzen, die etwas 
ins Waſſer vorlaufen, und dies reitzende Becken, 
wenn man es fo nennen koͤnnte, gegen die Wuth 
der ſtuͤrmiſchen Winde fichern, welchen der no 
En See oft ausgeſetzt iſt. 
Der See Huron, in welchen man aus 1 
Straße St. Maria koͤmmt, iſt der größte nach dem 
Oberſee. Er liegt zwiſchen dem zwey und vier⸗ 
zigſten und ſechs und vierzigſten Grade nord⸗ 


e Breite, und zwiſchen dem neun und ſieben⸗ 
8 * 4 en 


sioften und fünf und achtzigſten Grade weſtlicher 
| Lange. Seine Figur iſt dreyeckigt, und ſein Um⸗ 
kreis betraͤgt tauſend Meilen. 

An der Nordſeite davon liegt eine Insel, die | 
ihrer Laͤnge wegen merkwuͤrdig iſt, welche hundert 
Meilen beträgt, da fie doch nur acht Meilen breit 
iſt. Dieſe Inſel iſt unter dem Namen Manatalin, 
Ort der Geiſter „bekannt, und wird von den In⸗ 
diern eben ſo heilig geſchaͤtzt, als die oben wle ̃ 
ten Inſeln im Oberſee. 

Ungefaͤhr in der Mitte auf der Suͤdweſtſeite die⸗ 
ſes Sees liegt der Buſen Saganaum. Die Vor⸗ 
gebuͤrge, welche dieſen Buſen von dem See tren⸗ 
nen, liegen ungefaͤhr achtzehn Meilen von einander, 
und in der Mitte dazwiſchen liegen zwey Inſeln, 
welche den Kanoen und kleinern Fahrzeugen ſehr zu 
ſtatten kommen, da man ohne einen folchen Sichers 
heitsort ſich nicht gut uͤber einen fo. großen See 
wagen koͤnnte. Laͤngſt der Kuͤſte hinzufahren wuͤrde 
die Reiſe aͤuſſerſt langwierig und unangenehm 
machen. Dieſer Buſen iſt ungefaͤhr achtzig Mei⸗ 
len lang, und im Durchſchnitt ungefaͤhr achtzebn 
bis zwanzig Meilen breit. \ 

Beynahe auf der Haͤlfte der Weite zwischen na 
Buſen Saganaum und dem nordweſtlichen Winkel 
des rent / liegt ein n Buſen, der Donner⸗ | 

bufen 


121 


buſen wn genannt. Die Indier, die 
dieſe Gegenden ſeit undenklichen Zeiten beſucht ha⸗ 
ben, und alle Europaͤer, die daruͤber gekommen 
ſind, geben ihm einmuͤthig dieſen Namen, weil 
fie beſtaͤndig Donnerwetter darauf antrafen. Die 
Bucht iſt ungefähr neun Meilen breit, und eben ſo 
lang. Wie ich daruͤber fuhr, wozu ich faſt vier 
und zwanzig Stunden brauchte, ſo donnerte und 
blitzte es den groͤßten Theil dieſer Zeit auſſerordent⸗ 
lich ſtark. Ich konnte keine ſichtbare Urſache da⸗ 
von ausfündig machen, da überhaupt dieſe Gegend 
| Gewittern nicht ſehr unterworfen iſt. Die Berge 
umher waren von keiner beträchtlichen Höhe, und 
ſchienen auf ihrer Oberflaͤche auch mit keiner ſchwe⸗ | 
felartigen Materie bedeckt zu ſeyn. Da aber dieſe 
Erſcheinung doch eine natuͤrliche Urſache haben 
muß, ſo ſchließe ich, daß die Ufer des Buſens oder 
die benachbarten Berge entweder eine große Menge 
von ſchwefelartiger Materie oder irgend ein Mi⸗ 
neral enthalten, das in einem ſtarken Grade die 
elektriſchen Theilchen an ſich ziehn kann, womit 
die voruͤberziehenden Wolken angefuͤllt find. Doch 
ich uͤberlaſſe die Auflöſung dieſer und aller übrigen 
philoſophiſchen Probleme, die zufälliger Weiſe in 
dieſem Werke vorkommen ſollten, deuten von gr 

ſerer ne als ich beſitze. . 
N 9 5 Die 


19 


Die her im See Huron ſind faſt die namlichen ; 
wie im Oberſee. Das Land auf ſeinen Ufern iſt 
an einigen Stellen fruchtbar „und ſchickt ſich fehe 
gut zum Ackerbau, an andern hingegen iſt es ſan⸗ 
digt und unfruchtbar. Das Vorgebuͤrge, „ wel 
ches dieſen See vom See Miſchigan trennt, beſteht 
aus einer großen Ebene, die uͤber hundert Meilen 
lang iſt, und eine abwechſelnde Breite hat, welche 
zehn bis funfzehn Meilen betraͤgt. Dieſer Strich 
iſt, wie ich ſchon oben angefuͤhrt habe, faſt zu glei⸗ 
chen Theilen zwiſchen den Ottowaern und Tſchipi⸗ 
waͤern getheilt. Am nordoſtlichen Winkel hat die⸗ 
ſer See eine Gemeinſchaft mit dem See Miſchigan 
durch die ſchon beſchriebene Stroke von Miſchilli⸗ 
mackinac. 

Ich haͤtte beynahe einen met Umſtand 


vergeſſen, der dieſe Straße betrifft. Nach den 


Beobachtungen, welche die Franzoſen machten, 
da ſie noch im Beſitz des Fortes waren, giebt es 
zwar keine taͤgliche Ebbe und Fluth darin, allein 
durch eine genaue Aufmerkſamkeit entdeckt man 
doch eine gewiſſe periodiſche Veranderung darin. 
Man bemerkte, daß das Waſſer ſtuffenweiſe und 
faſt unmerklich bis zu einer Hoͤhe von ungefaͤhr dre 
Fuß ſtieg. Dies ereignete ſich in achtehalb Jahren, 
und in eben dem Seitkaume nahm es wieder ab, 

bis 


. BIS 123 
bis es ſeinen vorigen Stand erreicht hatte; ſo daß 
dieſe unerklaͤrliche Revolution in funfzehn Jahre zu 
Stande kam. Wie ich dort war, ſo konnte die 
Richtigkeit dieſer Beobachtung noch von den Eng⸗ 


laͤndern nicht beftätigt werden, da fie blos einige 8 
Jahre das Fort im Beſitz gehabt hatten; aber alle 
ſtimmten darin überein, daß eine Veraͤnderung in 


dem Waſſer der Straße zu ſpuͤren waͤre. Alle dieſe 


Seen ſind den Winden fo ausgeſetzt, daß es zus 


weilen ſcheint, als wenn eine Fluth ſtatt fände, 


doch waͤhrt dies nur eine kurze Zeit, und ae 


ſich nur über einen Theil der Seen. 


Um dieſen See, vorzuͤglich nahe bey dem Buſen 
Saganaum, wohnt eine große Anzahl von Tſchipi⸗ 


waͤern zerſtreut herum. An feinenlifern wachſen eine 
erſtaunliche Menge von Sandkirſchen, und in der 


berumliegenden Gegend findet man faſt eben ſolche 


Früchte, als man bey den andern Seen antrifft. 


„Bon dem Waſſerfall von St. Maria gieng ich 


gemaͤchlich nach Miſchillimackinac zuruͤck, und kam 
daſelbſt im Anfange des Novembers 1767 an, 
nachdem ich vierzehn Monathe auf dieſer Reife, die 


ſich beynahe auf viertauſend Meilen erſtreckte, zu⸗ 
gebracht hatte. Ich beſuchte darauf zwölf indiſche 


Volkerſchaften, die gegen Weſten und Norden von 
5 wohnen. Der inen el bald 


nach 


124 


nach meiner Ankunſt ein, und ich ab mich daher 
genoͤthigt, bis zum naͤchſten Junius zu verweilen, 
da die Schiffahrt auf dem See Huron fuͤr große 
Fahrzeuge wegen des Eiſes nicht eher wieder an⸗ 
fieng. Ich fand hier eine ſehr umgaͤngliche Geſell⸗ 
ſchaft, und brachte dieſe Monathe ſehr een 
nnd ohne alle Langeweile zu. 

Einer meiner vornehmſten Zeitvertreibe war 9206 . 
Forellenfang. Die Straße war zwar mit Eife 
bedeckt, worin wir aber Oeffnungen machten, durch 
welche wir ſtarke und zwey und zwanzig Ellen lange 
Linien hinunter ließen, an denen drey bis vier 
Angel mit kleinen Fiſchen befeſtigt waren, und auf 
dieſe Art fingen wir oft zwey zugleich, von welchen 
ein jeder vierzig Pfund wog. Sonſt betraͤgt ihre 
gewoͤhnliche Größe zehn bis zwanzig Pfund. Sie 
geben ein ungemein ſchmackhaftes Eſſen ab. Man 
krocknet fie in der Luft, ſo lange als der Winter 
waͤhret „ welches gewohnlich drey Monate ſind, 
und in einer einzigen Nacht frieren fie ſo hart, daß 


fie ſich völlig ſo gut Kaan als wenn is rg ki 


Salzen wären. | 
IH habe auf meiner Reiſekarte th Weg be⸗ | 
zeichnet, den ich nahm, als ich von Miſchillima⸗ 
ckinge ausreiſte, und wieder dahin zuruͤckkehrte. 
Die duden welche nahe an den Kolonien liegen, 
ſind 


125 
FR 160 oft und N unftänbtic beschrieben worden, 
daß man keiner weitern Beſchreibung davon be⸗ 
darf. Ich will daher den uͤbrigen Theil meines 
Tagebuchs blos der Beſchreibung von den uͤbrigen 
großen Seen in Kanada widmen, da ich viele da⸗ 
von beſchifft habe, und zugleich einige beſondere 
Vorfaͤlle erzehlen, die man hoffentlich nicht 95 | 
eee und zweckwidrig halten wird. 

Im Junius 1768 verließ ich Miſchilimakkinae, 
Be gieng in dem Schoner Gladwyn, einem Fahr⸗ 
zeuge von ungefaͤhr achtzig Tonnen, uͤber den See 
Huron nach dem See St. Klara zuruͤck, wo wir 
das Schiff verließen „und in Booten weiter nach 
Detroit giengen. Dieſer See hat ungefähr neun⸗ 
zig Meilen im Umkreiſe, und empfaͤngt durch den 
Fluß Huron, der aus dem ſuͤdlichen Winkel des 

Sees Huron kommt, das Waſſer aus den drey 
großen Seen, dem Oberſee und den Seen Miſchi⸗ 
gan und Huron. Seine Figur iſt faſt rund, und 
an einigen Stellen iſt er fuͤr große Schiffe tief 
genug, aber gegen die Mitte zu giebt es eine 
Sandbank, über die keine beladene Schiffe gehen 
konnen. Schiffe, die blos Ballaſt fuͤhren, finden 
Waſſer genug darauf, von andern aber muß die 
Ladung auf Booten uͤber die Sandbank gebracht, 
| und alabann wieder eingeladen werden. 


Der 


126 5 5 

Der Fluß, der aus dem See St. Klara in den 
See Erie fließt, heißt Derroit, welches im Fran⸗ 
zoͤſiſchen eine Meerenge bedeutet. Er laͤuft faſt 
völlig ſuͤdwaͤrts, und hat einen gelinden Strom 
und gehörige Tiefe für ziemlich große Laſtſchiffe. 
Die Stadt Detroit liegt auf dem weſtlichen ufer 
des Fluſſes, ungefähr neun Meilen unterhalb des 
Sees St. Klara. 

Faſt gegen dieſer Stadt uͤber liegt auf der Oft 
ſeite des Fluſſes ein Dorf der alten Huronen; eines 
Stammes von Indiern, „deren ſchon fo viele 
Schriftſteller erwaͤhnt haben, daß ich ſie hier uͤber⸗ 
gehn muß, da ich mich blos auf die Beſchreibung 
von wenig bekannten Oertern und Voͤlkern ein⸗ 
geſchraͤnkt habe. Ein Kartheuſer haͤlt ſich mit 
Erlaubniß des Biſchofs von Kanada als Riff ionär 
bey ihnen auf. 1 

An den Ufern des Fluſſes Detroit, fo wohl ober⸗ 
halb als unterhalb der Stadt, liegen eine Menge 
Meyereyen, die ſich auf eine Weite von zwanzig 
Meilen erſtrecken. Die Gegend iſt ungemein 
fruchtbar, und ſchickt ſich ſehr gut zum Anbau von 
Waizen, indiſchem Korn, Hafer und Erbſen. 
Auch giebt es an verſchiednen Stellen ſehr ſchöne 
Weide. Da aber die Einwohner, die groͤßtentheils 
aus Franzoſen befichn, welche ſich der engliſchen 

* 


| chen etliche ſchlechte kleine Stuͤcke aufgefuͤhrt ſind, 


dieſe Gegenden vordrang, ſich mehr auf die Hand⸗ 


127 
Regierung unterwarfen „als General Amherſt in 


lung mit den Indiern legen, ſo wird der Ackerbau 
nur mit wenigem Fleiße betrieben. 8 
65 Die Stadt Detroit enthaͤlt uͤber hundert Sänfen | 
Die Gaſſen find ziemlich regelmäßig, und an der 
Suͤdſeite liegt eine Reihe von ſchoͤnen und beque⸗ 
men Barracken, nebſt einem geraͤumigen Waffen⸗ | 
platze. Auf der Weſtſeite liegt der königliche 
Garten, welcher dem Statthalter gehört, und 
ſehr gut angelegt iſt. Die Veſtungswerke der 
Stadt beſtehn aus einem ſtarken Stackwerk von 
runden Pfaͤhlen, das außen mit vorſtehenden 
Palliſaden beſetzt iſt. Dies Stackwerk wird von 
etlichen kleinen Bollwerken vertheidigt, auf wel⸗ 


die blos gegen Indier, oder gegen einen Feind 
ohne Artillerie von Nutzen ſeyn koͤnnen. | 
Die Beſatzung beſteht in Friedenszeiten aus 
zweyhundert Mann, die ein Staabsoffieier be⸗ 
fehligt, welcher zugleich hier die hoͤchſte Obrigkeit 
unter dem Statthalter von Kanada iſt. Herr 
Turnbull, Hauptmann vom ſechszigſten oder für 
niglich amerikaniſchem Regiment, war eben Kom⸗ 
mandant, als ich mich hier anfhielt. Kaufleute 


und > Einbohner haften * große Urſache, mit ſei⸗ 
nem 


BEE vu 5. rk 
1 * — YA 


1 28 
| nem Saane zufrieden zu ah „und ich chte 
mich gluͤcklich, hier Gelegenheit zu haben, ihm 
oͤffentlich meinen Dank für die vielen Gefaͤlligkeiten, 
welche er mir erwieſen bat, zu bezeugen. 

In Julius 1762 regnete es in der Stadt und 
der umliegenden Gegend ein ſchwefelhaftiges 
Waſſer von einer Farbe und Dicke wie Dinte. 
Man ſammlete etwas davon in Flaſchen, und wie 
man es verſuchte damit zu ſchreiben, fo fand man, 
daß es die voͤlligen Dienſte von Dinte that. Bald 
nachher brach der indiſche Krieg aus, wovon ſchon 
viel war geſprochen worden. Ich will hiemit nicht 

N behaupten, daß dieſer Zufall eine Vorbedeutung 

davon war, ungeachtet man faſt aus jedem Zeit⸗ 

alter glaubwuͤrdige Schriftſteller hat, Die ähnliche 

Beyſpiele von außerordentlichen Erſcheinungen vor 

beſondern Begebenheiten anfuͤhren; ich erzehle den 

Umſtand blos als eine geſchehene Sache, die mir von 

verſchiednen glaubwuͤrdigen Leuten erzehlt wurde, 

und uͤberlaſſe es meinen deſern, wie ich bisher gethan 

babe, ihre eignen Folgerungen daraus zu ziehn. 
Pontiac, unter dem die Indier den Angriff auf 
das Fort Miſchillimackinae wagten, wie ich vorhin 
erzaͤhlt habe, war ein unternehmender Anführer 
oder Hauptkrieger der Miamier. Waͤhrend des 
legen Krieges zwiſchen den Englaͤndern und Fran⸗ 
en 


129 


Fl fe en war er ein hanbafter Freund von den en | 
und hegte feinen eingewurzelten Haß gegen jene 
noch immer fort, ſelbſt wie ſchon der Friede zwiſchen 
beyden Nationen geſchloſſen war. Da er den Raͤu⸗ 
bereyen die er ſo lange getrieben hatte, nicht gern 
entſagen wollte ‚fo zog er ein Heer von verbunde⸗ 
nen Indiern zuſammen, die aus den oben anger 
| führten Bölferiihaften beftanden, um den Krieg 
foͤrmlich wieder anzufangen. Doch anſtatt die eng⸗ 
liſchen Beſitzungen öffentlich) anzugreifen, machte 
er einen Entwurf alle Forte an den Grenzen, wel⸗ 
che ſie vor kurzem durch den Frieden erhalten are 
ten, unvermuthet zu uͤberfallen. | 
Meine gefer wiſſen ſchon, wie gut es der Par- | 
they gluͤckte, welche er nach Miſchillimackinac abe 
geſchickt hatte. Allein es erforderte mehr Ent⸗ 
ſchloſſenheit und tiefer ausgeſonnene diſt, um Der 
troit, einen Ort von groͤſſerer Wichtigkeit, und 
der weit beſſer beſetzt war, in ſeine Haͤnde zu be⸗ 
5 kommen. Er nahm daher dies Unternehmen ſelbſt 
über ſich, und naͤherte ſich dem Platze mit demHaupt⸗ 
chor ſeiner Truppen. er ward jedoch an der Ausfuͤh⸗ 
rung ſeines Vorhabens durch einen dem Anſchein 
Aach geringen und unvermutheten Zufall verhindert. 
In der Stadt Detroit logen, als Pontiac ſeinen 
Entwurf darauf machte, ungefähr. dreyhundert 
Carvers Reifen 2 Mann 


130 
Mann in Beſatzung, unter den Befehlen des Ma⸗ 
jors Gladwyn, eines tapfern Officiers. Eben da⸗ 
mals ſchien der Krieg ein völliges Ende zu haben, 
und die Indier betrugen ſich ungemein freundſchaft⸗ 
lich. Pontiac naͤherte ſich dem Forte, ohne irgend 
Verdacht bey dem Befehlshaber oder den Einwoh⸗ 
nern zu erregen. Er ſchlug ſein Lager in einer llei⸗ 
nen Entfernung davon auf, und ließ dem Befehls, 
haber ſagen, daß er gekommen waͤre, um zu han⸗ 

deln; und da er wuͤnſchte, die Kette des Friedens | 
zwiſchen den Engländern und feiner Nation gläns 
zend zu machen, fo möchte er ihm undſeinen Ober⸗ 
haͤuptern erlauben, einen Rath mit ihnen zu bal⸗ 
ten. Da der Statthalter noch nicht den gering⸗ 


ſten Argwohn i in die Aufrichtigkeit der Indier ge⸗ 


ſetzt hatte, fo gewaͤhrte er ihrem Anführer ſein Ge⸗ 
ſuch, und beſtimmte den folgenden — zur 
Haltung des Raths. 

Den naͤhmlichen Abend brachte eine indifche 
Frau, die für Major Gladwyn ein Paar indiſche 
Schuh aus einer vorzuͤglich guten Elendshaut ge⸗ 
macht hatte, fie nach feinem Hauſe. Sie gefielen 
dem Major ſo ſehr, daß er ihr befahl, das übrige 
von der Haut zu nehmen, und ihm noch ein Paar 
daraus zu machen, da er dieſe zu einem Geſchenke 
für einen guten — beſtimmt hatte. Er befahl 

ER darauf 5 


10 $ 


131 


Ae en Bedienten, „ihr das erſte Paar zu 
bezahlen, und ließ ſie gehn. Die Frau ging bis 
an die Hausthuͤr, aber nicht weiter, und zoͤgerte 
da noch, als wenn ſie ihr Geſchaͤft noch nicht aus⸗ 
gerichtet haͤtte. Endlich beobachtete ſie ein Bedien⸗ 
ter, und fragte ſie, warum ſie noch da waͤre, 
allein ſie antwortete ihm nicht darauf. | 

Bald darauf fah fie der Statthalter felöft, 1 
| ce ſich bey ſeinem Bedienten, nach der Ur⸗ 
ſache ihres Zuruͤckbleibens „ und da er keine hinrei⸗ 
chende Antwort von ihm erhielt, ſo ließ er die Frau 
wieder bereinrufen. Wie ſie vor ihm kam, ſo fragte 
er ſie, warum ſie noch zauderte, und nicht aus 
dem Forte gienge, ehe die Thore zugeſchloſſen 
wuͤrden „damit ſie die Arbeit fuͤr ihn zur beſtimm⸗ 
Zeit fertig machen koͤnnte. Sie antwortete ihm 
nach vieler Verwirrung, fie möchte das übrige von: 
der Haut nicht mit nehmen, da er einen ſo großen 
Wehrt darauf ſetzte, und ſich immer ſo guͤtig gegen 
fie betragen hätte, und doch hätte fie ſich nicht übers 
winden koͤnnen, es ihm gleich zu ſagen. Er fragte 
fie,- warum fie denn jetzt es nicht ſo gern thun wollte, 
als da ſie ihm das erſte Paar gemacht h hätte, und 
fie antwortete mit noch größerer Verwirrung, daß 
ſie nie im Stande ſeyn würde ‚sie sd zu 
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J 2 | Da 


N * r , 


SR 225 
Da jetzt des Statthalters Neugierde erregt ward 


ſo beſtand er darauf, das Geheimniß zu erfahren, 
das ihr ſo viel Unruhe zu machen ſchien. Endlich, 
wie er ihr verſprach, daß ihr die Nachricht, die 
ſie ihm geben wuͤrde, icht zu ihrem Nachtheil ger 
veichen „und daß ſie dafuͤr belohnt werden ſollte, 
wenn man ſie wichtig ſinden wuͤrde, ſo erzaͤhlte 
ſie ihm, daß bey dem Rathe, der Morgen gehal⸗ 
ten werden ſollte, Pontiac und die andern Ober⸗ 
haͤupter beſchloſſen haͤtten, ihn, die Beſatzung und 
Einwohner zu ermorden, und darauf die Stadt zu 
pluͤndern. Alle Oberhaͤupter/ die zum Rathe ge⸗ 
laſſen werden ſollten, haͤtten daher ihre Flinten 
kuͤrzer gemacht „damit ſie ſie unter ihren Decken 
verbergen konnten, und daß ſie, ſo bald ihr Anfuͤh⸗ 
rer ein Zeichen bey Ueberlieferung des Gehaͤnges ge⸗ 
macht haͤtte, auf ihn und ſein Gefolge Feuer geben 
wuͤrden. Hierauf wollten ſie ſich gleich in die Gaſſen 
ſtuͤrzen, wo fie von einer groſſen Anzahl ihrer Krie⸗ 
ger unterſtuͤtzt werden wuͤrden, die waͤhrend des 
Raths, unter dem Vorwande zu handeln, in die 
Stadt kommen, und auf die naͤhmliche Art bewaf⸗ 
net ſeyn ſollten. Da er von dieſer Frau alle Neben⸗ 
umftände dieſer Verſchwoͤrung, und auch die Art, 
wie ſie dahinter gekommen war, erfahren hatte, 
ſo befahl er ihr, ja nichts davon zu entdecken, und 
a ver⸗ 


. 


133 
Pe. „ alles genun zu halten, was 92 von zn 
Wee de Er 

Die Nach richt, die der Statthalter eben erſb⸗ 
ren hatte, machte ihm viele Unruhe, und er fragte 
gleich den Off teier, der zunaͤchſt das Kommando 
unter ihm hatte, daruͤber um Rath, allein die ſer 
glaubte daß die ganze Geſchichte ausgeſonnen 
wäre, um vielleicht ſich ein Verdienſt dadurch zu 
erwerben „und rieth ihm, nicht darauf zu achten. 


Doch zum Gluͤck machte er auf den Major keinen 


Eindruck. Er glaubte, er muͤßte die Nachricht 
für wahr halten, bis er vom Gegentheil überzeugt 
wäre; und nahm daher alle zu ſeiner Sicherheit noͤ⸗ 
thigen Maaßregeln, welche ihm die Kuͤrze der Zeit 
erlaubte, ohne ſeinen Argwohn irgend jemand weiter 
zu entdecken. Er machte die Nacht ſelbſt die Runde 
im Fort, und ſah dahin, daß jede Schildwache auf 
en Poſten blieb, und alle ie in gehöriger 
Hudnung waren. | 

Wie er über den Wall gieng, der dem diſhen 
109 am naͤchſten war, fo hörte er, daß fie im 
vollen Schmauſe waren, und ſich vielleicht ſchon 
im Voraus auf ihren gluͤcklichen Erfolg freuten, 
da ſie nicht leicht vermuthen konnten, daß ihr Vor⸗ 
haben ſchon entdeckt waͤre. So bald der Tag an⸗ 


brach, ließ er die Beſatzung ins Gewehr treten, 1 


3 3 und 


und machte einigen von den vornehmſten offenen 
feinen? Verdacht bekannt, und gab ihnen die nöthi⸗ | 
‚gen Verhaltungsbefehle. Zugleich ſchickte er an alle 
Kaufleute, und ließ ihnen ſagen, daß fieihre 2 
in Bereitſchaft halten moͤchten, da heute eine 
Menge Indier in die Stadt kommen würben. die 
ſich vielleicht einfallen laſſen koͤnnten, zu pluͤndern. 
Ungefaͤhr um zehn Uhr kamen Pontiac und die 
| übrigen Oberhaͤupter/ und wurden in das Raths⸗ 
zimmer geführt, wo der Statthalter und die uͤbri⸗ 
gen Offiziere mit Piſtolen i in ihren Guͤrteln ſie er⸗ 
warteten. Die Indier bemerkten, daß mehr Trup⸗ 
pen, als gewoͤhnlich, auf dem Waffenplatz waren, 
und ſo bald ſie ins Zimmer gekommen waren, und 
ſich geſetzt hatten, ſo fragte Pontiac den Statthal⸗ 
ter, warum ſeine jungen deute alle auf den Gaſſen 
paradirten? Er erhielt zur Antwort, daß es bloß 
geſchaͤhe, um ſie in ihren Vebungen vollkommen 
a“ machen. | 
Der Hauptkrieger der Indier ſteng jezt ſeine 
Rede an, welche die ſtaͤrkſten Ausdruͤcke von Freund⸗ 
ſthaft und Zuneigung gegen die Engländer enthielt, 
und wie er an die Ueberlieferung des Guͤrtels kam, 
davon die beſondre Art, nach der Ausſage der Frau, 
das Zeichen fuͤr die andern ſeyn ſollte, ſo zogen 
der Statthalter und Em Off iziere ihre Degen zur 
Halfte 


135 


N Halfte aus der bebe, und o zugleich TERN die 
Soldaten vor der Thür, die mit Fleiß offen gelaſſen 
war u ve Gerstl mit ihren. Mae ne 


LI HR 


aber anftac dem großen ee für die 3 
| ſchaftsverſicherungen zu danken, die er ihm eben 
gegeben hatte, beſchuldigte er ihn der Berrätheren. 
| Die Engländer wuͤßten alles, und waͤren von ſei⸗ 

nen ſchaͤndlichen und verrätheriſchen Abſi chten 
überzeugt. Und zum Beweiſe, wie genau ſi ſie ihr 
geheimes Vorhaben kannten, gieng er auf den in⸗ 
diſchen Anfuͤhrer zu, der am naͤchſten bey ihm ff aß, 
und zog feine Decke weg, ſo daß man das abge⸗ 

kürzte Gewehr ſehn konnte. Dies machte die Ver⸗ 
wirrung der Indier vollkommen, und buten 
ihre Abſichten. 
Er deutete ihnen pe an, ro er fein Wort 
gegeben hätte, daß ihre Perſonen ſicher ſeyn follten, 
ſo wollte er ſein Verſprechen unverletzt halten, un⸗ 
Naar. gabe 


> 
; { 4 . 
z 1 5 ne 
136 MS 


geachtet fe es ſo wenig verdienten. Allein er rieth 
ihnen, ſech geſchwind aus dem Forte wegzumachen, 
damit ſeine jungen Leute, wenn fie ihr verraͤthe⸗ 
riſches Vorhaben erfuͤhren, ſie nicht in Stuͤcken 
bieben. Pontiac ſuchte dieſer Beſchuldigung zu 
| widerſprechen, und ſein verdaͤchtiges Betragen zu 
entſchuldigen; allein der Statthalter, der die Falſch⸗ 
beit feiner Betheurungen kannte, wollte ihn nicht 
anhoͤren. Die Indier verließen daher das Fort 
ungefaumt, allein anſtatt das großmuͤthige Ver⸗ 
fahren des Statthalters dankbar zu erkennen, ſo 
warfen ſie jezt die? Maſke ab, und thaten den Tag 
darauf einen regelmäßigen Angriff. ö 
Viele haben Major Gladwyn wegen dieſer uͤbel⸗ 
verſtandenen Gelindigkeit getadelt; denn wenn er 
einige von den vornehmſten Anfuͤhrern als Gefangne 
behalten hätte, ſo würde er dadurch alle verbundne 
Volkerſchafteni in Furcht erhalten, und einem Kriege 
vorgebeugt haben. Allein er machte dies Verſehn 
durch die tapfere Vertheidigung des Forts vollig . 
wieder gut, die unter vielen eee 
A'ber ein Jahr waͤhrte. 
Waͤhrend dieſer Belagerung ereigneten ſich ver⸗ 
ſchiedne hitzige S Scharmuͤtzel, worunter das folgende 
das vornehmſte und blutigſte war. Hauptmann 
1 ‚ein Wert Oft izier, * den Statthal⸗ 
f | ter, 


— 


137 
| ter, ihm das Kommando Ader ungefüht bwenhun, . 
dert Mann anzuvertrauen, um damit das fei liche 
Lager anzugreifen. Er that den Ausfall aus der 
Stadt vor Tages Anbruch; allein Pontiac, der 
von einigen von feinen ſchnell laufenden Kriegern, 
die beftändig die Bewegungen der Garniſon beob⸗ 
achteten, zeitige Nachricht von ſeinem Vorhaben 
erhielt, nahm ſeine auserleſenſten Truppen, und 
begegnete dem Detaſchementi in einiger Entfernung 
von ſeinem Lager nahe bey einer Stelle, die ſeitdem 
die blutige Bruͤcke (bloody bridge) heißt. Die 
Indier waren weit zahlreicher „ als Hauptmann | 
Delzels Parthey, und er ward daher bald uͤber⸗ 
mannt und zuruͤck getrieben. Da er ſchon faſt 
i umringt war, ſo machte er noch einen tapfern Ver⸗ 
füch, wieder an die Bruͤcke zu kommen, uͤber welche 
er eben! gegangen war, und wodurch er allein ſeinen 
Ruͤckzug bewerkſtelligen konnte; allein er verlohr 
mit vielen feiner Leute fein eben dabey. Doch fan⸗ 
den Major Rogers, der zweyte im Kommando, und 
Lieutnant Breham Mittel, den Ueberreſt ihrer klei⸗ 
nen Armee su retten, e e m wieder ins 
| Fort zuruͤck. ö | 
Da durch dieſen Unfall die Beſatzung ſehr ge⸗ 
ſchmolzen war, ſo ward es dem Major ſehr ſchwer, 
die Stadt länger zu vertheidigen. Doch hielt er 
. ſich 


138 


ſich noch ſo lange, bis Ent tag kam „weil ohnehin 
die Indier nur wenig Angriffe auf den Ort thaten, 
| ſondern bloß fortfuhren, ihn eingeſchloſſen zu halten. 
Der Schooner Gladwyn, das naͤhmliche Fahr⸗ 
zeug, in dem ich nachher meine Reiſe von Miſchil⸗ 
limackinac nach Detroit that, und das nachher mit 
ſeiner ganzen Mannſchaft auf dem See Erie ver⸗ 
lohren gieng, weil der Befehlshaber darauf nicht 
Ballaſt genug einnehmen wollte, kam gerade mit 
einer Verſtaͤrkung und nothwendigen Kriegs» und 
Mundvorrath nahe an die Stadt. Doch ward 
dies Fahrzeug, noch ehe es den Ort feiner Be⸗ 
ſtimmung vollig erreichen konnte, von einer Par⸗ 
they von Pontiaes Indiern hartnaͤckig angegriffen. 
Die Indier umringten es in ihren Kanoen und 
toͤdteten viele von feiner Mannſchaft. Als endlich 
der Kapitain geblieben war, und die Indier an⸗ 
ſiengen, auf allen Ecken hinauf zu klettern, ſo be⸗ 
fahl der Lieutenant Jacobs „der es nachher fuͤhrte 
als es verungluͤckte, dem Konſtabel, die Pulver⸗ 
kammer anzuſtecken und das Schiff in die Luft zu 
ſprengen. Das einzige Mittel, wodurch er noch 
verhindern konnte „daß der Kriegsvorrath dem 
Feinde nicht in die Haͤnde ſiel. Dieſer B 


7 


ſollte eben vollzogen werden, als ein Anfuͤhrer der 
en. der Engliſch verſtand, ſeinen Lands⸗ 
leuten 


139 


Pan das Vorhaben des engen Befehlshabers 
bekannt machte. So wie dieſe davon ‚hörten; 
kletterten fie mit der größten Eilfertigkeit vom 
Schiffe herunter „ und ſuchten bald fo weit davon 
zu kommen, als ihnen moͤglich war. Lieutnant 
Jacobs machte ſich ihre Beſtuͤrzung zu Nutze, und 
kam ohne weitere Hinderniſſe gluͤcklich an die Stadt. 

Dieſe zeitige Huͤlfe machte der Beſatzung neuen 
| Much, und da Pontiac jetzt überzeugt war, daß 
es nicht in ſeiner Macht ſtehn wuͤrde, den Platz zu 
erobern, ſo bot er einen Vergleich an. Der Statt⸗ 
halter, der ebenfalls wuͤnſchte, von ſolchen be⸗ 
ſchwerlichen Feinden los zu kommen, die allen 
Handel mit den benachbarten Nationen ſtoͤrten, 
a hoͤrte ſeine Vorſchlaͤge an, und ſchloß auf vortheil⸗ 
hafte Bedingungen einen Frieden mit ihnen. 

Bald darauf trennten ſich die Indier, und giengen 
nach ihren verſchiednen Provinzen zuruͤck. Seit 
der Zeit fanden ſie es auch nie wieder fuͤr gut, die 
| Ruhe i in dieſen Gegenden zu ſtoͤren. 

Pontiac ſchien in der Folge allen Widerwillen 
gegen die Englaͤnder bey Seite geſetzt zu haben, 
und ihr eifriger Freund geworden zu ſeyn. Um 

ſeine Anhaͤnglichkeit zu belohnen und dauerhaft zu 
machen, bewilligte ihm die Regierung einen an⸗ 
en Gehalt. Allein fein unruhiger und hin⸗ 
ters 


terliſtiger Karakter erlaubte ihm nicht, dankbar 

dafuͤr zu ſeyn, und ſein Betragen ward endlich von 
neuem verdaͤchtig. Es begleitete ihn daher im 
Jahr 1767, wie er im Lande der Illineſen einen 
Rath halten wollte, ein beben entweder 


auf Veranlaſſung eines engliſchen Befehlshabers, 


oder aus eignem Triebe, als Kundſchafter, und 
da dieſer Indier, durch eine Rede, die Pontiac 
in dem Rathe hielt, uͤberzeugt ward, daß er noch 
ſeine alten Vorurtheile gegen ſeine neuen vorgebs 
lichen Freunde hegte, fo ſtieß er ihm fein Meſſer 
durchs Herz, daß er auf der Stelle todt niederſiel. 

Doch es iſt Zeit, von e nen zu⸗ 
ruͤckzukehren. 

Der See Erie erhaͤlt das Waser aus den deen 
großen Seen, durch die Straße Detroit, die in 
ſeinem nordweſtlichen Winkel faͤllt. Dieſer See 
liegt zwiſchen dem ein und vierzigſten und drey 
und vierzigſten Grade nordlicher Breite, und zwi⸗ 
ſchen dem acht und ſiebenzigſten und drey und acht⸗ 
zigſten Grade weſtlicher Lange. Er iſt faſt drey⸗ 
hundert Meilen lang von Oſten nach Weſten, und 
feine größte Weite beträgt ungefähr vierzig Meilen. 
Auf feiner Nordſeite liegt eine ſehr lange ſchmale 
Landſpitze, die ſuͤdoſtwaͤrts verſchiedne Meilen in 
m verläuft, | | 


An 7 


\ 
er; ee AL 
DD 141 


An ſeinem weſtlichen Ende giebt es verſchiedne 
Inſeln, die fo voller Klapperſchlangen ſind, daß 
es ſehr gefährlich iſt, darauf ans Land zu ſteigen. 
Man findet gewiß keine Gegend, die eine groͤßere 
Anzahl von allen Arten dieſes Ungeziefers hervor⸗ 
brächte, als dieſe, doch ſind die Waſſerſchlangen 
darunter vorzüglich häufig. Der See iſt nahe ben 
den Ufern der Inſeln mit großen Seeroſen (Nym- 
phaea) gleichſam bedeckt, und ihre Blaͤtter liegen 
ſo dicht an einander, daß man auf eine große 
Strecke faſt nichts vom Waſſer ſehn kann, und 

doch lagen auf jedem Blatte, wie ich uͤber den 
See fuhr, Waſſerſchlangen, die ſich ſonnten. 


Pr Die merkwuͤrdigſte Art von den Schlangen die⸗ 
ſes Sees iſt die ziſchende Schlange. Sie iſt ge⸗ 
fleckt und ungefähr achtzehn Zoll lang. Wenn ſich 


ihr irgend etwas naht, ſo macht ſie ſich ganz platt, 


) 


und ihre Flecken werden durch ihre Wuth ſichtbar⸗ 
lich glaͤnzender. Zugleich läßt fie aus ihrem Ra⸗ 
chen mit vieler Stärke einen feinen Wind, der 
ſehr unangenehm riechen, und wenn man ihn un⸗ 
Ei vorſichtiger Weiſe einathmet, unfehlbar eine Aus⸗ 
zehrung verurfachen foll, die in wenigen Monaten 
toͤdlich werden muß, da man bisher noch kein Ger 


7 


h Die 


142 


Die Steinarten an den Ufern dieſes Sees haben 
groͤßtentheils mehr oder weniger Flecken, die wie 


Meſſing ausſehn, aber eine Schwefelartige Natur 


haben. Man findet kleine Stuͤcke von dem nehm⸗ 
lichen Mineral, von der Größe einer Haſelnuß, 


W dem Sande am Ufer und unter dem Waſſer. 


Die Schiffahrt auf dieſem See ſoll gefährlicher 


Pe als auf den übrigen, weil viele fteife Anhoͤhen 


an ſeinen Ufern liegen, und ſich viele Meilen weit 


in einer ſenkrechten Lage ins Waſſer erſtrecken. 


Wenn daher ein plötzlicher Sturm entſteht, ſo gehn 


Teiche Kande und Boote verloren „da fie keine 
Stelle finden können, wo ſie vor dem Winde fi cher 


wären. | 
Dieſer See verliert ſein Waſſer ok der Nord⸗ 


oſtſeite durch den Fluß Niagara, der nord- und 


ſuͤdwaͤrts fließt, und ungefaͤhr ſechs und dreißig 
Meilen lang iſt, und in den See Ontario fälle. 
Beym Eingange in dieſen Fluß und auf ſeinem 
oſtlichen Ufer liegt das Fort Niagara. Ungefaͤhr 
achtzehn Meilen weiter hinauf findet man den 
merkwuͤrdigen Waſſerfall, der unter allen bekann⸗ 
ten Werken der Natur für das 8 ge⸗ 
| fchägt Bien. 9,0 
Da ſo viele Reiſende dien Waſſerfall beſucht 
N ri 3 haben, ſo will ich blos davon an⸗ 
| führen, 


143 
führen, daß ſein Waſſer, das ſeine erſte Quelle 
in einer Entfernung von zwey tauſend Meilen gegen 
Nordweſten hat, und durch den Oberſee, die Seen 
| Miſchigan, Huron und Erie laͤuft, u und beſtaͤndig 
einen neuen Zufluß erhaͤlt, endlich ſich eine fen 
rechte Hoͤhe von hundert und vierzig Fuß herunter 
flürze, und in einem aͤußerſt ſchnellen Strome, 
der ſich bis auf neun Meilen erſtreckt 5 noch wei 
f eben ſo viel Fuß tiefer fällt. | 
. Man kann das Geraͤuſch dieſes Falles in einer 
erſtaunlichen Entfernung hoͤren. Ich ſelbſt hoͤrte 
es an einem hellen Morgen deutlich in einer Weite 


| von swanıig 9 Meilen. Andre behaupten , 5 es 


5 wm Fünf 110 vierzig Meilen erſtrecke. | 
Die © Gegend bey dem Waſſerfall iſt ungemein 
betgicht und uneben, allein der größte Theil am 
Fluſſe Niagara ſchickt ſich ſehr gut zur Weide. 
Das Fort Niagara ward den Franzoſen im Jahr 
1759 durch die Truppen unter Sir Wilhelm John⸗ 
ſon abgenommen, / und, bat jest eine were 5 
Beſatzung. 1 
Der See Ontario iſt der nöchfte ii efeinfte von 
den fuͤnf großen Seen in Kanada. Er liegt zwi⸗ 
ſchen dem drey und vierzigſten⸗ und fuͤnf und vier⸗ 
ngſten Grade nordlicher B . und zwiſchen dem 
* 4 KR 


ſechs und fiebenzigften und neun und ſiebenzigſten 
Grade weſtlicher länge. Seine Figur iſt faſt ganz 
eyfoͤrmig, feine größte Lange erſtreckt ſich von 
Nordoſten nach Suͤdweſten, und ſein Umkreis be⸗ 
trägt ungefähr ſechs hundert Meilen. Auf der 
Suͤdoſtſeite nimmt er den Fluß Oswego auf, und 
auf der Nordoſtſeite ergießt er ſich in den Fluß 
Cataraqui. Nicht weit von feinem Ausfluſſe ſtand 
ehemals das Fort Frontenae, welches den Fran⸗ 
zoſen im letzen Kriege 1758 durch ein kleines Heer 
von Provinzialtruppen unter dem Oberſten Brad⸗ 
ſtreet abgenommen ward. RN 
Bey der Muͤndung des Fluſſes Oswego ſteht 
ein Fort gleiches Namens, worin jetzt nur ein 
kleines Kommando zur Beſatzung liegt. Dies 
Fort ward im Jahre 1756 von den Franzoſen 
erobert, und ein großer Theil der Beſatzung, die 
aus den ehemaligen Regimentern von Shirley und 
Pepperil beſtand, von den Wilden mit kaltem 
Blute ermordet. . \ 
Es werden viele Arten von Fischen im See ni 
Ontario gefangen, worunter ſich eine dieſem See 
eigene Art Barſche *) befindet, die einen vortreff⸗ 
lichen — hat, ungefähr drey bis vier Pfund 
| wiegt. 


”) 0 0 bass. v. Pennant; 8 bitifh Zoology C. 
App. XXIII. 


145 
wiegt. es geb ach nuch eine andere Art, der 
! Katerwels genannt, (Catfifh or Pour): der ge⸗ 
wöhnlich ſehr groß iſt, und zuweilen acht bis zehn 
Pfund wiegt. Wenn er gehörig zubereitet wird, 
pd macht er ein ſehr ſchmackhaftes Gericht. 


In der Gegend, die an dem nordweſtlichen Thel 
dieſes Sees und dem ſuͤdweſtlichen vom See Huron i 
liegt , wohnt ein nicht ſehr zahlreicher Stamm von 
Indiern, die Miſſtſagier genannt, deren Ortſchaft 
von dem See, woran fie liegt, Toronto heißt. 
Die Gegend um den See Ontario, hauptfächlich auf 
feiner oſtlichen und nordlichen Seite, iſt ſehr gut, 
und wird vielleicht in kuͤnftigen Zeiten blühende 
Pflanzftäbte aufzeigen konnen. 


Der Ses Oniada, der bey der Quelle des Fluſſes | 
Oswego liegt, empfaͤngt ſein Waſſer aus dem Holz⸗ 
f fluſſe (Woodereck), | der nicht weit vom Fluſſe Mo⸗ 
bak entſpringt. Sie kommen einander ſo nahe, 
daß bey dem Forte Stanwir eine Vereinigung durch 
Schleuſen, ungefähr zwölf Meilen von dem Aus⸗ 
fluſſe des Holzfluſſes zu Stande gebracht worden iſt. 
Dieſer See iſt ungefaͤhr dreißig Meilen lang, von 
HOſten nach Weſten, und beynahe funfzehn Meilen 
breit. Die Gegend abe ge süße den Oniada 


es. Smbien. 


Carvers Reifen, n K ren DW 


Der See Schamplaͤn, der in Größe auf den 
See Ontario folgt, und faſt voͤllig oſtwaͤrts von 
ihm liegt, iſt ungefaͤhr achtzig Meilen lang von 
Norden nach Suͤden, und ſeine groͤßte Breite be⸗ 
laͤuft ſich auf vierzehn Meilen. Er iſt ſehr gut mit 
Fiſchen verſehn, und die Gegend an ſeinen Ufern, 
oder den Fluͤſſen, die i in ihn mir ‚it ſehr gut. 


Der See Georg, der ſonſt von den Frame 

der See St. Sarrament genannt ward, liegt ſuͤd⸗ 
weſtwaͤrts von dem eben erwaͤhnten See, und iſt 
ungefähr fünf und dreißig Meilen lang von Mord» 
often nach Suͤdweſten, allein ſeine Breite iſt unbe⸗ 
traͤchtlich. Die Gegend umher iſt ſehr bergicht, 
950 iſt das Land in den Thaͤlern ſehr gut. 


Wie dieſe beyden Seen zuerſt entdeckt wurden, 
ſo kannte man ſie blos unter dem Nahmen der 
| Srofefen Seen, und mir deucht, daß ſie auch auf 
den erſten Karten ſo genannt werden. Auch die 
Indier, die damals Irokeſen genannt wurden, 
heißen jetzt die fünf Mohakiſchen Nationen, und 
die Mohakier von Kanada. In demletzten Kriege 
waren die erſten, welche aus den Onondagiern, 
den Oniaden, den Senekern, den Tuſearoriern 
und Irundocks beſtanden, Bundsgenoſſen der 
Englaͤnder, die letztern hingegen, welche die Coh⸗ 

I I i na⸗ 


e und St. Franzſſtus Indier ausmahen, 


en es mit den Franzoſen. 


Eine ungeheure Strecke Sandes, die zwichen 


den beyden letzterwaͤhnten Seen und dem See On⸗ 


tario liegt, ward im Jahre 1629 von der Geſell⸗ 
ſchaft zu Plymouth, vermoͤge eines Freyheitsbrie⸗ 


fes, den fie vom Koͤnige Jacob dem Erſten erhal⸗ 


ten hatte, an Sir. Ferdinand Gorges, und Haupt⸗ 
| mann Johann Maſon „dem Haupte der Familie, 
die ſich nachher von den uͤbrigen durch den Nahmen | 


der Maſons von Connecticut unterſchied, abgetre⸗ 
ten. Das in dieſem Schenkungsbriefe angefuͤhr⸗ 
te Land, ſoll zehn Meilen von den Quellen der Fluͤſſe 


anfangen, die von Oſten und Suͤden her in die 
Seen Schamplaͤn und Georg fallen, und von dort 


in einer graden Linie weſtwaͤrts bis an die Mitte 


des Sees Ontario fortgehn. Von dort aus ſollte 


ſie laͤngſt dem Cataracki oder Irokeſenfluſſe ſich! über 


Richelieu liegt, und von dort aus ſolltebieſer letzte 


Fluß bis an die beyden em ihre en, aus⸗ 


machen. 


men der Provinz Lakonia den eben erwähnten Herrn 


unter fen Bedingungen und Strafen, wovon 
K ſich 


nn 


Montreal bis an das Fort Sorell erſtrecken, wel⸗ 
| ches bey der Vereinigung dieſes Fluſſes mit dem 


Diefer ungeheure Kaum ward unter PER Nah⸗ N 


fich aber Feine, im Fall jene nicht erfülle wuͤrden, auß 
eine völlige Verwuͤrkung, ſondern nur aufe eine 
Geldſ trafe belief, , abgetreten. 9 


Wegen der beſtaͤndigen Kriege, 9 dieſe Ge⸗ 
genden wegen ihrer Lage zwiſchen den Indiern, den 
franzoſiſchen und engliſchen Beſitzungen unterwor⸗ 
fen waren, konnten ſich die wahren Eigenthuͤmer 
dieſes Schenkungsbriefes noch bisher nicht zu Nutze 

machen. Dem ungeachtet ſind ſeit dem ſetzten 
Kriege verſchiedne Herter am See Schamplaͤn an⸗ 
gelegt, und Sluͤcke von dieſem Gebiet an verſchiedne 
deute vom Statthalter von Neu⸗Pork verwilligt 
worden, zu deſſen Provinz es jetzt gehoͤrt. 


e giebt im Norden von Kanada eine große 
Menge Seen zwiſchen Labrador, dem Obernſee, 
und dem Meerbuſen Hudſon, aber ſie ſind in Ver⸗ 
haͤltniß der andern nur klein, und da ſie auſſerhalb 
dem Reiche meiner Reiſe liegen, ſo will ich ihrer 
nur obenhin erwaͤhnen. Am weiteſten gegen Weſten 
5 liegen die Seen Nipiſing und Tamiſcaming. Der 

erſte liegt bey der Quelle des Franzoſenfluſſes, und 
ergießt ſich in den See Huron; ; der andre liegt am 
Fluſſe Ottowa, der ſich zu Montreal mit dem Ca⸗ 
taraki vereinigt. Jeder von dieſen Seen hat un⸗ 
sähe hundert Meilen im Umkreiſe. 


N ah 1 


= 


1 49 


EIN 


Der nächfte 0 it der See Miſtaſſi 14 an " 


fa ber Quelle des Fluſſes Rupert, der in Jamesbay 


fälle. Dieſer See hat eine ſo unregelmäßige Figur, 


durch die großen Landſpitzen, die von jeder Seite 


| durchſchneiden, daß es ſehr ſchwer wird, ſie genau 


1 8 beſchreiben „oder feine. Groͤße anzugeben. Er | 
sent doch im Ganzen uͤber eee Meilen 


im Umkreiſe zu haben. 
Der St. Johannis See 0 


von Quebec „und ergießt ſich in den Fluß St. dorenz, 


etwas nordweſtlich von der eben genannten Stadt. 
Der See Manikuagone liegt nahe bey der Quelle 
des ſchwarzes Fluſſes (black river), der oſtwaͤrts 


von dem oben erwaͤhnten Fluſſe „nahe bey der Kuͤſte 
8 Labrador in den St. Lorenz fälle, und hat ungefaͤhr 


verſchiedne andre kleine Seen liegen nahe bey den 


Quellen des Fluſſes Buſtard, n nordwaͤrts vom St. Lo⸗ 
renz. Noch viele andre, die es nicht verdienen, 
1 beſonders angefuͤhrt zu werden, findet man : 


er den Seen Huron und Ontario. 


Alle, 1 die ich hier bergerechnet habe, und ch | 


‚au ſch. über, sea: ‚beläuft, liegen innerhalb 
ö 


— 


der ungefähr acht | 
Meilen i im Umfange, und I kreisförmige Figur 
hat, liegt am Fluſſe Sag à, grade nordwaͤrts 


ſechszig Meilen im Umkreiſe. Die Seen Pertibi, | 
| Winktagan, Etſchelagon, und Papenuagane und 


150 


ſchreibung davon Fönnte bewieſen werden, daß die 
nordlichen Theile von Nordamerika vermöge dieſer 
inlaͤndiſchen Seen mehr Waſſer enthalten, als 
irgend ein andres Viertel der Erde. | 
Im October 1768 kam ich zu Boſton an, da 
ich zwey Jahr und fünf Monate davon abweſend 
geweſen war, und in der Zeit ſieben tauſend Meilen . 
durchreiſt hatte. So bald ich hier mein Tagebuch 
und meine Karten in Ordnung gebracht hatte, ſo 
machte ich mich auf die Reiſe nach England, um 
meine Entdeckung zum Vortheile der Nation be⸗ 
kannt zu machen. Allein die Ausfuͤhrung meines 
Entwurfes, den ich zur Erlangung dieſer vortheil⸗ 
haften Ausſichten gemacht hatte, hat bisher noch 
wegen die ungluͤcklichen Zwiſtigkeiten zwiſchen 
Großbritannien und ſeinen Kolonien, die von ihren 
beyderſeitigen Feinden erregt und unterhalten wur⸗ 
den, nicht zu Stande gebracht werden koͤnnen. 
Sollte der Friede einmah! wieder hergeſtellt wer⸗ 
den, fo zweifle ich nicht, daß die Lander, welche 
ich beſchrieben habe, eine ergiebigere Quelle von 
Reichthuͤmern fuͤr die Nation abgeben werden, als 
lyre oſtindiſchen und weſtindiſchen Beſitzungen; und 
ich werde es mir zur Ehre und zum Gluͤcke rechnen, 
ein Werkzeug geweſen zu ſeyn, ihr eine ſoſchäßbare 9 5 
Ausſi icht zu Nad Ich 


der Grenzen von Kanada; und aus meiner Br 


u e 7. 


er kann nicht umhin, die Beschreibung meiner 
weitlaͤuftigen Reiſe damit zu beſchließen, daß ich 
der Güte des höchiten Weſens, die mich unſicht⸗ 
barer Weiſe vor den vielen Gefahren beſchuͤtzt hat, 
die mit einem ſo langen Aufenthalte unter rauhen 
und unbaͤndigen Wilden nothwendig verknuͤpft ſeyn 
muͤſſen, meinen ungeheuchelten Dank darbringe. 
Zugleich hoffe ich, daß man mich nicht der Ei⸗ 
telkeit beſchuldigen werde, wenn ich verſichere, daß 
die Bewegungsgruͤnde, die ich in der Einleitung 
zu dieſem Werke angegeben habe, nicht die einzigen 
waren, die mich zu dieſem ſchweren Unternehmen 
bewogen. Meine Ausſichten waren nicht bloß auf 
den Vortheil eingeſchraͤnkt, der mir oder meinem 
Vaterlande daraus erwachſen konnte, ſondern ich 
ward dazu von noch edlern Bewegungegründen 
angetrieben. | 
%% Der eingeſchränkte Zustand, ſowohl in Abſicht 
auf buͤrgerliche als geiſtliche Kenntniſſe, in dem 
ſo viele meiner Nebenmenſchen leben, erregten 
in meiner Bruſt eine unwiderſtehliche Begierde, 
die faſt völlig unbekannten Gegenden, welche ſie 
bewohnen, zu unterfüchen, und ihre Sprache, Ge⸗ 
| braͤuche und Grundſaͤtze kennen zu lernen, um da⸗ 
durch den Weg zur Einführung feiner Sitten und 
wenſhücher Geſinnungen unter ihnen zu bahnen. 


\ „„ 


7 
— 5 


152 Ba | 
Ich muß geſtehn, daß der geringe Nutzen, den 


die Indier bisher aus ihrem Umgange mit denen, 


die ſich Ehriſten nennen, geſchöpft haben, mir eben 


keinen großen Muth zu meinem liebreichen Vor⸗ 
haben einfloͤßen konnte; allein da zu hoffen ſtand, 


daß viele doch einigen Vortheil davon ziehn wuͤrden, 


daß man die Sitten und Religion der Europäer 
bey ihnen einfuͤhrte, ohne die Irrthuͤmer und 
Laſter beyzubehalten, die ihre Bekenner nur leider 
zu häufig damit verbinden, fü entſchloß ich MM 


ſtandhaft dabey zu beharren. 


Auch durfte ich mir nicht ſchmeicheln 75 dieſen 


großen Entwurf allein auszuführen, allein ich war 


bereitwillig, alles, was in meinem Vermoͤgen ſtand, 


dazu beyzutragen. Und was fuͤr große Dinge 


wuͤrden nicht zu Stande gebracht werden koͤnnen, 
wenn jedermann dies bey allen öffentlichen 0 
nehmungen thun wollte? 

Die Indier find zwar nicht ohne alles Gefühl 
von Religion, und einige verehren den großen 
Schoͤpfer ſelbſt mit einem Grade von Lauterkeit, den 


man bey Völkern oft vermißt, die beſſere Gelegen⸗ 


heiten hatten, zur Erkenntniß zu kommen. Allein 


ihre Religionsgrundſaͤtze ſind lange nicht ſo fehler⸗ 
frey, als fie ein berühmter Schriftſteller beſchreibt, 


oder ſo leer von ane und Gebräuchen, daß 


ibr 


1 0 \ a N 9985 . Ey 
ihr Vorzug dadurch nicht ſehr verringert werden 
ſollte. Wenn daher die dehren des wahren und le⸗ 
bendigen Chriſtenthums ſo rein und unverfäfftht, | 
als fie aus dem Munde ihres göttlichen Stifters 


Famen, bey ihnen eingeführt werden könnten, ſo 


wuͤrde durch ſie gewiß der aberglaͤubiſche und ab⸗ 
göttiſche Wuſt weggeräumt werden, wodurch das 
Vernuͤnftige in ihren Religionſaͤtzen itzt verdunkelt x 
wird. Seine milden und wohlthaͤtigen Vorſchrif⸗ 
ten würden ihre unverſ öhnliche Denkungsart ers 
weichen, und ihre wilden Sitten verfeinern. Wie 
5 gluͤcklich wuͤrde ich mich ſchaͤtzen, wenn dies Werk 
die Wege, worauf man ihnen ſolchen heilſamen 
Unterricht mittheilen kann zeigen, und auch nur 


an der Welchrung 1 050 ae e, fen“ | 


; | ir 25 5 


K 5 Rn 


154 


Von 
dem Urfprunge, den Citten;; 
den ee „ der Religion und 
ie 9 
der Indie 7. 


———— 


; Erſtes Kapitel, | a 
Von dem Urſprunge der Indier. 


| D. At, auf e Amerika feine erſten Bes 
wohner erhalten habe, iſt ſeit ſeiner Ent⸗ 
deckung durch die Europaͤer die Quelle von unzaͤh⸗ 
ligen Unterſuchungen geweſen. Wenn ich alle ver⸗ 
ſchiednen Meynungen und Gruͤnde der vielen 
Schriftſteller, die ſich die Vertheidigung ihrer 
Muthmaßungen eifrig haben angelegen ſeyn laſſen, 
hier ſammlen wollte, ſo wuͤrde ich dadurch die 
Grenzen, die ich mir bey dieſem Werke vorgeſetzt 
habe, weit uͤberſchreiten, und wichtige Stücke 
nur obenhin behandeln koͤnnen. 

Die Dunkelheit, worin dieſe Materie eingehülfe 
iſt, da bey allen indiſchen Voͤlkern viefes großen 
eie die Kunſt zu ſchreiben völlig unbekannt 

\ u war, 


war, und mündliche Ueberlieferungen, die einen 
fo entfernten Zeitpunft betreffen, nothwendiger⸗ 
weiſe ſehr ungewiß ſeyn muͤſſen, laͤßt befuͤrchten, 
daß auch durch die genaueſten Unterſuchungen ſich 
nichts mit Gewißheit darin wird beſtimmen laſſen. 
und dieſe Vermuthung wird durch die Verſchie⸗ 
denheit der Sprache, die faſt bey allen Indiern ehe 
auffallend iſt, noch gewiſſer gemacht, da man dar⸗ 
aus ſchlieſſen kann, daß die Bevoͤlkerung von 
Amerika nicht einem Lande, ſondern verſchiednen 
benachbarten Nationen und verſchiednen Jahrhun⸗ 
derten zugeſchrieben werden muͤſſe. 
Die meiſten Geſchichtſchreiber und Reiſenden, | 
die von den urſpruͤnglichen Bewohnern von Amerika 
gehandelt haben, ſind ſich in ihren Meynungen nicht 
einig. Man behauptet, „daß viele von den Alten 
nicht allein gewußt hätten, daß dieſer Welttheil da 
fey, fondern auch daß er Einwohner habe. Plato 
behauptet in ſeinen Timaͤus, daß jenſeits der Inſel, 
die er Atlantis nennt, und die nach ſeiner Beſchrei⸗ b 
bung im weſtlichen Meere liegen ſollte, noch eine i 
große Anzahl andrer Inſeln, und hinter dieſen ein 
großes feſtes Lali angetroffen werde. en, 
a Oviedo, ein beruͤhmter ſpaniſcher Schriſtſteller, 
r in einem weit ſpaͤtern Zeitalter lebte, zweifelt 


} var nicht. „ * die ee Inſeln die beruͤhm⸗ 
ten 


2 


ad u Fe Ei. J 
7% 1. e 
e 
1 1 . 
* % 


156 


ten Hoſperiden der alten Dichter waͤren; die ihre 

| rechtmäßigen Herren, die Könige von Spanien, 
als Abkoͤmmlinge des Koͤnigs Heſperus, der vor 
ungefähr dreytauſend Jahren lebte, und von dem 

ſie den Nahmen führten, endlich wieder in Bi 
| genommen. hätten. 


Zwen andre Spanier, der Vater en, Sara, 


ein Dominikaner, und Vater Joſeph de Acofta 
ein Jeſuit, ſchrieben ebenfalls uͤber den Hering a 
der Amerikaner. Der erſte, der bey den M ionen 5 

von Mexiko und Peru gebraucht ward, ſuchte aus 


den Ueberlieferungen der M erifaner, der. Peruaner "iM 
und andrer, und aus der Verſchi edenheit der Ka⸗ 
rackter, Gebräuche, Sprachen und Religion, in 


den verſchiedenen Landern der! neuen Welt, zu be⸗ u. 
weiſen, daß fie von verſchiednen Volkern ihre Ein, 55 


wohner erhalten haͤtte. . 
Vater de Acoſta hingegen unterſucht die Art, | 
wie die erſten Indier ihren Weg nach Amerika köͤnn⸗ 
ten gefunden haben, und verwirft die Meynung, 
daß ſie zur See dahin gekommen waͤren, weil kein 
alter Schriftſteller der Magnetnadel erwaͤhnte. 
Er behauptet, daß es entweder durch den Norden 


von Aſia und Europa, die an einander ſtoßen, oder 


durch die Gegenden, die fuͤdwaͤrts von der magella⸗ 


ui RR Straße liegen, geſchehn ſeyn muͤſſe. Er 


ver⸗ 


a den Juden fen bevölkert worden. 


der Zerſtreuung von Noahs Groß⸗Söhnen zuge⸗ 
5 . habe. Er zeigt daß die Nordamerikaner 
in ihren Geſichtszuͤgen, in ihrer Farbe und Lebens⸗ 


andern Völkerſchaft haben. 


| 0 einige Norweger uͤber Grönland nach Amerika ge⸗ 


. 


| Jahre 964 waͤre entdeckt worden, und daß Gomera 


105 lieferungen der Mexikaner, die ſie vertrieben, aus 
einem Lande, das ſeit der Zeit Neu⸗Mexiko ge⸗ 
nannt wird, und aus der Nachbarſchaft von Kali⸗ 
fornien. Folglich muͤßte Nordamerika viele Jahr⸗ 

ag vorher ſchon bewohnt geweſen ſeyn, ehe 


von Mexiko ſchon im Jahre 721 gewohnt haͤtten. 


* 57 N 
verwirft auch die Wehen daß Re von | 


Johann de Laet, ein niederländiſcher Schrift 0 


ſteller, widerlegt die Meynungen dieſer beyden 
ſpaniſchen, und vieler andern Schriſtſteller. Er 


glaubt vielmehr, daß Amerika gewiß von den 
Seythen oder Tatarn ſeine Einwohner erhalten, 
und daß die Wanderung dieſer Völker ſich bald nach 


yon eine größere Aehnlichkeit mit den Seythen, | 
Tatarn und Samojeden, als mit en einer 


Er widerlegt Grotius, der behauptet batte, daß 
kommen wären, damit, daß Grönland erſt im 
und Herrera zeigten, daß die Tſchitſchimiker am See 


Dieſe Wilden kamen nach den einſtimmigen Ueber⸗ 


es 


158 


es ſeine Einwohnern aus ade über Gtöntand 


erhalten konnte. 


Er beweiſt, daß es 96 gewiß ſey daß die waß⸗ 


ren Mexikaner i im Jahre 902 nach der Ueberwin⸗ 
dung der Tſchitſchimicker, der Ottomier und andrer 


wilden Volker, die die Gegend um den See von 


Mexico beſaſſen, und wovon jedes eine beſondre 
Sprache redete, ihr Reich geſtiftet haͤtten. Auch 
dieſe eigentlichen Mexikaner ſollen aus einem Lande 
nicht weit von Kalifornien herkommen, und ihren 


Weg groͤßtentheils zu Lande genommen haben. 


Folglich konnten ſie nicht aus Norwegen kommen. 
De daet ſetzt noch hinzu, daß zwar einige Eins 


wohner von Nordamerika vielleicht aus Nordweſten 


dahin gekommen ſeyn konnten, allein daß es zugleich 
hoͤchſtwahrſcheinlich ſey, daß die Einwohner der 


Inſeln auf der Weſtkuͤſte von Afrika, und vorzuͤg⸗ 


lich der kanariſchen Inſeln, nach Amerika uͤberge⸗ 
gangen waͤren, da Plinius und verſchiedne andre 


Schriftſteller alter Gebaͤude erwähnen, die man 
auf dieſen Inſeln geſehn habe, und die nachher 


vollig unbewohnt gefunden wurden. Die Kuͤrze 


und die Leichtigkeit der Ueberfahrt nach Amerika 


macht dieſe Muthmaßung noch wahrſcheinlicher. 


Dieſe Auswanderung muß ſich nach der Rechnung 
jener Schriftſteller vor mehr als zweytauſend Jah⸗ 


ren 


0 0 „ 
ren zugetragen haben, grade wie die Spanier von 
den Karthaginenſern ſehr gedruͤckt wurden. Viel⸗ 
leicht lernten dieſe von ihren Siegern die Schiffahrt 
und den Schifbau, und giengen uͤber die weſtlichen | 
azoriſchen Inſeln, die grade auf der Halfte 50 N 
Weges liegen, nach den Antillen. 
Er glaubt auch, daß ſich Großbritanien, Fre; N 
land und die Orkadiſchen Inſeln ſehr gut zu einer 
hnlichen Muthmaßung ſchickten, und fuͤhrt zum 
Beweiſe folgende Stelle aus der Geſchichte von 
Wales an, die David 10 88500 im Jabre 1170 
ſchrieb. . 0 
Madoe, einer von den Söhnen des Owen Sah. 
nith, ruͤſtete aus Unwillen uͤber die buͤrgerlichen 
Kriege, die zwiſchen ſeinen Bruͤdern nach ſeines 
Paters Tode ausbrachen, etliche Schiffe aus, und 
da er ſie mit allem, was zu einer langen Seereiſe 
nöthig war, verſehn hatte, fo gieng er aus, um 
neue daͤnder weſtwaͤrts von Ireland zu ſuchen. Er 


entdeckte auch wirklich ſehr fruchtbare Gegenden, 


die aber unbewohnt waren. Er ſetzte einige von 
| feinen Leuten ans Land, und kam nach Wales zu⸗ 
ruͤck, wo er neue Mannſchaft anwarb, und nach 
| feiner Kolonie hinüber führte. | = 
De $aet koͤmmt darauf zu den Scythen sth 


und stellt einen Vergleich n jhnen und den 


Se 


Amerikanern an. Er bemerkt, daß verſchiedne 
Staͤmme von ihnen nordwaͤrts vom kaſpiſchen Meere 
eine herumwandernde Lebensart führten, welche 
die Indier in Amerika, wie viele andere von ihren 
Gewohnheiten und Sitten, mit ihnen gemein hätten. 
Die Aehnlichkeit zwiſchen beyden waͤre zwar nicht 
ganz vollkommen, aber ſelbſt die Auswandrer 
waͤren noch, ehe fie ihr Vaterland verließen, von 
einander unterſchieden geweſen, und hätten ver; 
| ſchiedne Namen gefuͤhrt. Die Veraͤnderung ihres 
Wohnplatzes mußte natuͤrlich auch viel zu einer 
Veraͤnderung in ihrer Lebensart beytragen. 
Außerdem behauptet er, daß eine eben ſolche 
Aehnlichkeit zwiſchen verſchiednen amerikaniſchen 
| Bölferfchaften und den Samojeden flatt fände, die 
nach den Berichten der Ruſſen am großen Fluſſe | 
Oby wohnen füllen. Und es wäre natürlicher zu 
glauben, daß Pflanzvölker von dieſen Nationen 
nach Amerika uͤber das Eismeer auf ihren Schlitten 
gegangen waͤren, als daß die Norweger den Weg 
baͤtcen nehmen ſollen, ; den ihnen Grotius vor⸗ 
| Far | 1 
Dieſer Schriftſteller ace a berſchiedne | 
in andre eben ſo richtige Bemerkungen, allein er 
miſcht wieder viele mit unter, wovon man Teig | 
den Under . kann. | 
| \ N Emanuel 


— 


Emanuel de Mori ein Portugiese bobo 
DR feiner Geſchichte von Braſilien, daß Amerika 
ganz von den Karthaginenſern und Iſraeliten fen 
bevölkert worden. Zum Beweiſe fuͤhrt er die Ent⸗ 


161 


Kr 


deckungen an, die jene bekanntermaaßen weit uͤber 


die Kuͤſte von Afrika binaus ſollen gemacht haben, 
und da ihr Fortgang durch den Rath von Karthago 
‚as ward, ſo wurden diejenigen, die ſich eben 


damals in den neuentdeckten Ländern befanden, 


von aller Gemeinſt 0 aft mit ihren Landsleuten ge⸗ 


trennt, und ſielen, aus Mangel vieler eebens⸗ 


beduͤrfniſſe, in einen Stand der Wildheit zuruͤck. 
Was die Iſraeliten betrifft, fo glaubt der Verfaſſer, 
daß nichts als die Beſchneidung bey den Braſiliern 


fehle, um eine völlige ANDERE zwischen We 


Völkern z zu beweiſen. i eee een 


Georg van Horn, ein gelehrter Holländer, ſchrieb 1 


ebenfals über: dieſen Gegenſtand. Er glaubt, daß 


Amerika unmöglich vor der Suͤndfluth habe be⸗ 


völkert werden koͤnnen, da zwiſchen ihr und der 
Erſchaffung der Welt nur eine fo: kurze Zeit ver⸗ 
floſſen ſey. Er nimmt darauf an, daß nach der 
Suͤndfluth Menſchen und andre Landthiere zu 
Waſſer und zu Lande, einige mit Vorſatz, andre 


aber durch ein bloßes Ungefähr, dahin gekommen 


waͤren. Voͤgel konnten leicht hinuͤber fliegen, da 
7 Carver Reifen, 1 ſie 


162 e 


ſie auf den Felſen und Inſeln, die im Weltmeere 
zerſtreut umher liegen, Ruheplaͤtze fanden. Wilde 
Thiere konnten leicht zu Lande hinkommen, und an 


dem Mangel von Pferden und Hornvieh (er haͤtte 


Elephanten, Kamele und mehrere Thiere hinzu⸗ 


fuͤgen koͤnnen,) ſey wahrſcheinlich die Unwiſſenheit 
der Voͤlker, die hinuͤber giengen, oder die Unmoͤg⸗ 


lichkeit ſie fortzuſchaffen, Schuld geweſen. 5 
Er ſchließt viele Voͤlker, welche andere mi: zu 
den erſten Bevoͤlkerern von Amerika rechnen, ganz 

von dieſer Ehre nicht ohne triftige Gruͤnde aus, und 


5 nimmt an, daß es aus dem Norden ſeine erſten 


Einwohner erhalten habe, die ſich durch die fand» 


enge von Panama über das ganze feſte Land ads 


breiteten. 

Die erſten Stifter ber Judiſchen lanzoäifer 
waren nach ſeiner Meynung unſtreitig Seythen. 
Nachher erhielten auch die Phoͤnizier und Kartha⸗ 
ginenſer uͤber das atlantiſche Meer, und die Chi⸗ 


neſer uͤber die Suͤdſee/ feften Fuß in Amerika. 5 


Vielleicht kamen auch noch andre Volker durch 


Stuͤrme und andre Zufaͤlle dahin, da man auf dem 
ganzen feſten Lande ſo wohl in dem nordlichen als 


ſuͤdlichen Theile unwiderſprechliche Beweiſe einer 
Vermiſchung der nordlichen Volker mit ſolchen, die 
aus andern Gegenden kamen, antrifft. Vielleicht 
990 ; | konnten 


- 163 0 


konnten auch etliche Juden und ebriſten durch aͤhn⸗ 
liche Aufälle dahin kommen, doch konnte dies nicht 
eher geſchehn, als bis die ganze neue Welt N 
ber voͤlkert war. | 

Ueberhaupt ae geſteht er, * die Wehnen 
si Frage mit großen Schwierigkeiten verknuͤpft fen, 
woran theils die geringe Kenntniß, die wir von den 
Enden der Erdrugel am Nord⸗ und Suͤdpole haben, 
theils auch die Verwuͤſtungen Schuld ſind, welche 
die Spanier unter den alten Denkmaͤhlern in 
Amerika anrichteten, und worunter der große 
pete Weg zwiſchen Quito und Cuzeo, ein ſo un⸗ 
geheuves Werk, daß ſelbſt die praͤchtigſten Werke 
der Roͤmer damit aan ... werden een | 
das vornehmſte wär. f | 3 

Er nimmt noch eine zweyte Wales der 1 
Phönizier an, die fi) während der dreyjaͤhrigen 
Seereiſe ereignete, welche die tyriſche Flotte im 
Dienſte des Koͤnigs Salomo that. Er beruft ſich 
auf den Joſephus, nach welchem dieſe Flotte aus 
einem Hafen am mittellaͤndiſchen Meere auslief. 
Sie holte Elephantenzaͤhne und Pfauen von der 
weſtlichen Kuͤſte von Afrika, welche Tarſiſch iſt, 
und Gold aus Ophir, dem Haite der Indier, und 
jetzigem Hiſpaniola. In dieſer letzten Meynung 
8 RE Ra beſtaͤrkt, der Spuren von Schmelz⸗ 
f 0 e den, 


ar 


N 
— * 


oͤfen, worin das Gold war gelaͤutert w 1 
f * glaubte, als er Hiſpaniola entdeckte. 
Dieſen Auswanderungen, die vor der chriſlichen 
Zeitrechtlüng hergiengen, fuͤgt er noch verſchiedne 
ſpaͤtere von unterſchiedlichen Voͤlkern bey, die ich 
hier nicht alle anführen kann. Eben ſo wenig er⸗ 
laubt es mir der Raum, mich bey unzaͤhlich andern 
Schriftſtellern uͤber dieſen Gegenſtand aufzuhalten, 
und ich will daher nur noch der Meynungen von 
e andern Schriftſtellern erwaͤhne. 
Der erſte davon iſt Peter Charlevoix, ein Funn 
| we: der in dem Tagebuche ſeiner Reiſe nach 
Nord⸗Amerika, die er erſt im Jahre 1720 unter⸗ 
nahm, die Muthmaaßungen vieler andern Schrift⸗ 
ſteller anführt, und endlich feine eignen hinzufuͤgt, 
die aber nicht ohne Muͤhe eines Auszugs faͤhig ſind, 
da man ſie ſo ſehr unter die angefuͤhrten Stellen 
gemiſcht antrifft, daß es viele eee er⸗ 
kanten ſie hervor zu ſuchen. 1.9 9 
Er ſcheint zuzugeben, daß Amerika feine 490 
Einwohner aus der Tatarey und Hircanien erhalten 
habe. Es ſcheint ihm dies dadurch noch wahr⸗ 
ſcheinlicher zu werden, daß die dwen und Tiger, 
die man in Amerika antrifft, aus keinen andern, 
als dieſen beyden Ländern, dahin haben kommen 


Tonnen, und daß e die beyden Halokugeln 


9 . gegen 


165 


gegen 1 Norden von Aſia amen len muͤſſen. 

Und zum noch größern Beweiſe dieſes Satzes führe 

er eine Geſchichte an, die ihm Vater Grollon, ein 
franzk ſiſcher Jeſuit/ N als eine Rn ar 
heit erzehlt hätte. | 

Dieſer Seiffihe gieng nach China, je en 

er einige Zeit in den Miſſtonen von Neufrankreich 


gearbeitet hatte. Eines Tages, als er in der Ta⸗ 


tarey herumreiſte, traf er eine buroniſche Frau 
an, die er vorher in Kanada gekannt hatte. Er 
fragte fie, durch was fuͤr einen Zufall ſie in eine 
Gegend ſo weit von ihrem Vaterlande gerathen 
waͤre. Sie antwortete, ſie wäre in einem Kriege 
9 gefangen, und von einem Volke zum andern gefuhrt 
worden, bis ſie an den Ort, wo er wu 800 
erreicht haͤtte. 

Ein zweyter Jeſuit 
durch Nantes, als er aus China zuruͤck kam, eine 
ahnliche Begebenheit mit einer ſpaniſchen Frau 
aus Florida erzehlt haben. Sie ward ebenfalls von 


Indiern gefangen, und an andre Andier uͤberlaſſen, 0 


die in einem entfernten Lande wohnten. Von die⸗ 


ſen gerieth ſie wieder unter eine andre Völker⸗ 
ſchaft, bis ſie endlich von einem Lande ins andre, 
und zuletzt durch ſehr kalte Gegenden nach der 


ne Hier v schenrathete fie ſich an einen 
93 Tatar, 


ſoll auß ſeiner Durchreise g 


\ 


8 * 


l 


166 Pe 


Tatar, „der mit feinen ſiegreichen! Landsleuten RN 
China kam, und fich daſelbſt niedergelaſſen hatte. 

Er geſteht zwar, daß die Glaubwuͤrdigkeit beyder 
Geſchichten dadurch etwas zweifelhaft wuͤrde, daß 
die Seefahrer, die am weiteſten oſtwaͤrts von Aſia 
binausgiengen, und laͤngſt den Kuͤſten von Jeſſo 

90 oder Kamſchatka hinfuͤhren, das aͤußerſte Ende 
dieſes Welttheiles entdeckt haben wollen, und daher 
geſchloſſen haben, daß gar keine Gemeinſchaft zu 
Lande mit Amerika moͤglich waͤre. Allein er fuͤgt 
hinzu, daß Franz Guella, ein Spanier, behauptet 
habe, daß beyde Welttheile blos durch eine Meer: 
enge von etwa hundert Meilen getrennt wuͤrden, 
und daß einige neuere Seereiſen der Japaneſer 
Anlaß geben, zu glauben, daß dieſe Meerenge blos 
ein Meerbuſen fey, und daß weiter oben hinauf 

wirklich beyde Theile zuſammenhiengen. 

Es gaͤbe zwar nur wenig Arten von wilden Thie⸗ 
ren in Nordamerika, eine Tigerart ohne Flecken 
ausgenommen, die man im Lande der Srofefen an - 
trifft, allein gegen die Wendekreiſe zu faͤnde man 
Swen und wuͤrkliche Tiger, die demungeachtet 
aus der Tatarey und Hirkanien gekommen ſeyn 
koͤnnten, denn wie ſie weiter gegen Suͤden ein 
Klima antrafen, daß ihrer Natur een 
war, ® n * die nn Gegenden. 75 


a WR 


— 


167 


Er beruſt ſich auf den Solinus und Plinius, um | 
teile; daß die ſeythiſchen Menſchenfreſſer einſt⸗ 
malen einen großen Strich Landes bis an das Vor⸗ 
gebürge Tabin verwuͤſtet hätten. Auch füllte es 
nach dem Mareus Polo, einem Schriftſteller aus 
einem ſpaͤtern Zeitalter, gegen Nordoſten von 0 
China und der . tarey große unbewohnte Sander 

geben, wodurch die Muthmaßung wegen einer | 
1 Auswanderung der Seythen nach Amerika ſehr be⸗ 
ſtaͤtigt wuͤrde. Man faͤnde bey den Alten Namen 
von verſchiednen dieſer Voͤlkerſchaften; fo erwähnte 
Plinius der Tabianer, Solinus der Apuleer, welche 
die Maſſageten zu Nachbarn hatten, die, wie Pli⸗ 
nius erzaͤhlt, nachher völlig verſchwanden. Ammi⸗ 
anus Marcellinus ſagte ausdrücklich, daß die Furcht 
vor den Menſchenfreſſern verſchiedne von den Ein⸗ 
wohnern dieſer zander gezwungen hätte, ihre Zuflucht 
anderswohin zu nehmen. Und aus allen dieſen 
1 Zeugniſſen ſchließt Herr Charlevoix, 70 daß man we⸗ 
nigſtens Grund habe, zu vermuthen , daß mehr 
als eine amerikaniſche Nation ihren Urſprung von | 
ww Scythen oder Tatarn herleiten muͤſe. 
Er ſchließt ſeine Anmerkungen uͤber die ange⸗ 
führten Schriftſteller damit, daß dieſer Streit auf 
olgende zwey Punkte i werden koͤnnte; erſt⸗ 
id, wie die neue Welt hätte bevoͤlkert werden 
‘a koͤnnen, 


168 


können, und von welchen Völkern und af vage 
ſe wuͤrklich waͤre bevölkert worden. 0 
Nichts kann, nach ſeiner Meynung, ſo leicht 
beantwortet werden, als der erſte Punkt. Amerika 
konnte auf die naͤhmliche Art ſeine Einwohner er⸗ 
halten, als die uͤbrigen drey Welttheile. Man hat 
ſich zwar viele Schwierigkeiten dabey vorgeſtellt, | 
die einige für unuͤberwindlich halten, ob ſie es gleich 
im geringſten nicht ſind. Die Bewohner beyder 
Erdkugeln ſtammen unſtreitig von einem gemein⸗ 
schaftlichen Vater ab. Der erſte Menſch erhielt 
einen ausdrücklichen Befehl, die ganze Welt zu bes 
volkern, und folglich muß er ſie bevoͤlkert haben. 
Urum dies moglich zu machen, mußten alle Schwie⸗ 


rigkeiten aus dem Wege geraͤumt werden, und ſie 


wurden daher aus dem Wege geräumt. Waren 
dieſe Schwierigkeiten größer bey der Bevölkerung 
von Aſia, Afrika und Europa, oder war es ſchwe⸗ 
rer, Menſchen nach Inſeln zu bringen, die eine 
beträchtliche Strecke vom feſten Lande liegen, als 
nach Amerika hinüber zu gehn? Die Schiffahrt, 
die in den drey oder vier letzten Jahrhunderten zu 
einer ſo großen Vollkommenheit gebracht worden 
iſt, konnte vielleicht in jenen frühen Zeiten eben ſo 
vollkommen ſeyn, als ſie es jetzt iſt. Wer kann 1 
ſich einbilden, daß 10 5 und ſeine naͤchſten Ab⸗ 

ni koͤmm⸗ 


tkömmiinge weniger dan wußten, ale! wie? und 
daß der Erbauer und Steuermann des größten 
3 das je geſehn ward, eines. Schiffes, das 

azu beſtimmt war, ein unbegrenztes Meer u be⸗ 
. und wo ſo viele Gefahr von Felſen und 
Sandbaͤnken zu befuͤrchten war, die Schiffahrt nicht | 


follte verſtanden, und ſeine Nachkommen gelehrt 
haben, durch welche er die Befehle ſeines großen 
Schoͤpfers ausrichten mußte. Und dieſe Schiffahrt 
0 it eee ee einem am won rn oo. 


da es e gehen Erdboden bedeckte. 

ö Wie leicht iſt es nicht, „wenn man dies ei | 
| 40 ohne den obenangefuͤhrten Weg zu Lande, daß 
Menſchen von der Kuͤſte von Afrika nach Brafilien, 


von den kanariſchen Inſeln nach den azoriſchen, 
und von dort nach den Antillen hinuͤbergehn konn⸗ 
ten? Die Ueberfahrt von den brittiſchen Inſeln 
oder der Kuͤſte von Frankreich nach Newfoundland, | 
iſt weder lang, noch gefaͤhrlich; eben das gilt von 
der Ueberfahrt von China nach Japan, von dort 
f nach den philippiniſchen Inſeln, von dieſen nach 
den 3 Diebesinſeln, und endlich nach Mexiko. ee 
Es giebt Inſeln in einer beträchtlichen Entfer⸗ 
| EN ſten Lande von Aſia, wo wir uns nicht 
a V 


kommt es uns denn mit den Einwohnern von Ame⸗ 


nnn 1 Einwohner anzutreffen, und warum 


rika ſo wunderbar vor? Eben ſo wenig als es durch⸗ 
aus unmöglich, daß N oahs Enkel, als ſie ſich zur 
Erfüllung der göttlichen Abſichten von einander 


trennen, und über die ganze Erde ausbreiten muß⸗ 


Pele, weitlaͤuftiger geweſen, als ich willen: 


ten, faſt die eine Haͤlfte davon bäh ſollen bene 
kern koͤnnen. 

Ich bin in meinem Auszuge aus dieſem Schl, 
war, 


da ſeine Gruͤnde wichtig, und viele von ſeinen Be⸗ 
merkungen wahr zu ſeyn ſcheinen. Doch muß ich 


hiervon die Geſchichten von ſeinen huroniſchen und 

ſpaniſchen Frauen ausſchließen, die ich vermuth⸗ 

lich mit Grunde fuͤr fabelhaft erklaͤren amm, Hin 
Ich will blos noch die Methode hinzufuͤgen, der 


Herr Charlevoix folgt, um die Wahrheit, nach der 
wir trachten, zu erforſchen, damit meine Leſer eine 
deutlichere Einſicht von ſeiner u. erhals 


die Sprachen der Amerikaner mit dei 


ten mögen. REN 


Das einzige Mittel, wodurch man wis en ſagt, | 


hier zum Zweck kommen kann, beſteht dar 


der verſchiedenen Volker, wovon ſie abſtamm N 
ſollen, vergleicht. Wenn wir die Wörter. aus je⸗ 
nen mit den ſogenannten Stammwoͤrtern aus die⸗ 

ce N ſer 


t daß man 1 


171 
fer nnen „ ſo duͤrfte man vielleicht dadurch 
auf irgend eine gluͤckliche Entdeckung gerathen. Und 
dieſer Weg auf den Urſprung eines Volkes zu kom⸗ 
men, iſt dem wenigſten Zweifel unterworfen, und 
lange nicht ſo ſchwer, als man vielleicht glauben 
könnte. Wir haben Miffionarien gehabt und has b 
ben ſie noch, welche die Sprachen lernten, die in 
allen Theilen der neuen Welt geredet werden. Es 
wuͤrde nichts weiter erfordert werden, als eine 
N Sammlung aus ihren Sprachlehren und Woͤrter⸗ 
buͤchern zu machen, und ſie mit den todten und | 
lebendigen Sprachen der alten Welt, die füͤr Grund⸗ 
ſprachen gehalten werden, zu vergleichen, und ſo 
wuͤrde es leicht ſeyn, die Aehnlichkeit heraus zu 
bringen. Selbſt die verſchiednen Mandarten ha⸗ 
ben ungeachtet der Veränderungen, „denen fie uns 
terworfen waren, noch genug von ihrer Stamm 
sprache beybehalten, um m hinteichenbee echt dadurch 
zu erhalten. e i 1 
Eine 1 der Sitten, Gebräuche, Her 

figion und Ueberlieferungen der Amerikaner, würde, 
wie er glaubt, wenig gruͤndliches zur Entdeckung 
ihres Urſprunges beytragen. Eine Unterſuchung 
von der Art giebt nur ein falſches Licht, daß uns 
eher vom rechten Wege abführt „als uns mit 
Sheen zum Ziele bringt. = 


Alle 


Alle Usterfieferungen verliehren ſich aus dem 

Gedechtniße, da wo man die noͤthigen Mittel, ſie 
zu erhalten, nicht kennt, oder ſeit einigen Jahr⸗ 
hunderten nicht gehabt hat. Und in dieſem Zuſtande 


befindet ſich wenigſtens die Halfte der Welt Neue 


Begebenheiten, neue Einrichtungen der Dinge, 


geben Anlaß zu neuen Ueberlieferungen, welche die 
alten ausloͤſchen, und zu ihrer Zeit wieder ausge⸗ 
löſcht werden. Nach zwey bis drey Jahrhunder⸗ 


ten ſind von den erſten Ueberfieferungen feine Spu⸗ 
ren mehr übrig, und ſo ur wir uns von neuem 


0 in eden eingehuͤllt. 


Per 


Er ſchließt darauf mit ber folgenden Na 
Unvermuthete Zufälle, Stürme und Schiffbruͤche 
haben unftreitig dazu beygetragen, jeden wohnba⸗ 
ren Theil der neuen Welt zu bevölkern. Sollten 


| wir uns daher wundern ; gewiſſe Aehnlich keiten f in a 
der Bildung und den Sitten zwiſchen Völkern wahr⸗ 


zunehmen, die weit von einander entfernt find, da 
wir doch einen fo großen Unterſchied gwiſchen un⸗ 
mittelbaren Nachbarn beobachten? Da uns biſto⸗ | 
riſche Beweiſe fehlen, ſo können uns, ich ſage es 
noch einmahl „ blos eine Kenntniß der Stamm⸗ 
ſprachen, einiges dicht in dieß a 
Finſterniß geben, ee aaa 


EN wi 


Wir wuͤrden bey dieſer Untersuchung n we⸗ 
nigstens ſo viel erfahren koͤnnen, was fuͤr welche 
aus der ungeheuren Anzahl von Voͤlkern, in ihren 
Sprachen ſchlechterdings keine Woͤrter aus den 
Sprachen der alten Welt haben, und folglich in 
den fruͤheſten Zeiten nach Amerika gekommen ſeyn 
muͤſſen, und was fuͤr welche hingegen durch irgend 
eine Aehnlichkeit ihrer Sprache mit einer Sprache 


aus den drey Theilen der alten Welt, Anlaß geben nn. 


zu ſchlieſſen daß ihre Auswanderung in neuern 
Zeiten geſchehn/ und Schiff n oder e | 
Zufällen zuzuſchreiben ſey. e 0 
Ich will blos noch die Meinung eines einzigen 5 
Schriftſtellers anführen, ehe ich meine eignen Ge⸗ 
danken über dieſen Gegenſtand eröfne, naͤhmlich 
die Meynung vom Herrn Jakob Adair, welcher ſich 
vierzig Jahr unter den Indiern aufhielt, und ſeine 
Geſchichte von ihnen im Jahre 1772 herausgab. 
In dieſer ſyſtematiſchen Geſchichte der Nationen, 
die weſtwaͤrts von den of ichften Kolonien der Eng⸗ 
länder in Amerika ihre Wohnplaͤtze haben, behaups 
tet er grade zu, daß die Vorvaͤter der Amerikaner 
von den Iſraeliten herſtammen, und daß ſie ent⸗ 
weder zu der Zeit, da dieſe Nation noch eine See⸗ 
macht war, oder auch bald nach ihrer allgemeinen 
Gefangenſchaft nach Amerika gekommen waͤren. 
Er 


* 
Mie ar 


Er ANAL 
. „ 
n 
N 0 9 


Er ſucht dieſen Satz durch ihre Neligionsfeyer⸗ 
lichkeiten, durch ihre buͤrgerlichen und kriegriſchen 
Gebräuche, durch ihre Heirathen, ihre Leichenbe⸗ 

0 gaͤngniſſe / ihre Sitten, Sprache, Ueberlieferun⸗ 
gen und eine Menge andrer Umſtaͤnde zu beweiſen. 
Er ſcheint ſo vollkommen davon uͤberzeugt zu ſeyn, 
daß er eine vollkommene und unleugbare Aehnlich⸗ 
keit zwiſchen allen findet. Es erlauben mir nicht 
die Umſtaͤnde, hier alle feine Beweiſe herzuſetzen, 
und ich werde daher nur einen kurzen Auszug von 
einigen geben, um zu zeigen, auf was fuͤr einem | 

Grunde feine Muthmaßungen beruhen, und in wie | 
fern er in dieſem Stücke Beyfall verdient. 

Er bemerkt zuerſt, daß zwar einige geglaubt 
haͤtten, die Amerikaner ſtammten von den Chine⸗ 
ſern her, allein dies wuͤrde hinlaͤnglich dadurch wi⸗ 
derlegt, daß ſo wenig ihre Religion, als ihre Ge⸗ 
ſetze und Gebraͤuche, die geringſte Aehnlichkeit mit 
den chineſiſchen haͤtten. Auſſerdem braͤchten unſre 
beſten Schiffe auf der Reiſe nach China, oder der 

. Prise nach e 05 ein een Jahr ) zu, 

A und 

5 Herr Adar denkt hier nich daran, daß di be Fahrt 
in einer hohen nordlichen Breite anfaͤngt, durch die 
Linie und dann wieder nordwaͤrts hinauf geht, und 
nicht blos grade über die Suͤdſee geſchieht, welches 


nur eine Weite von hundert und eilf Graden aus: 
| machen wuͤrde. 


— 


» 175 
es wäre daher fehr unwahrſcheinlich, daß ſie 
es gewagt haben wuͤrden, mit ihren kleinen Schif⸗ 
fen auf ſolche gefährliche Entdeckungen gegen veiß 
fende ‚Ströme und ee n e 
auszugehnn. 
Und dieſe Vermuthung indie ach desto un⸗ 
b wahrſtheinlicher 1 da man keine Spuren haͤtte, daß 
die Chineſer mit dem Gebrauche der Magnetnadel | 
wären bekannt geweſen. China laͤge ungefähr acht 
ufend Meilen vom feften Sande von America, eine 
doppelt ſo große Entfernung, „als die Breite des 
| atlantiſchen Meeres. Kein alter Schriftſteller gaͤbe 
is Nachricht von ihrer Schiffahrtkunde oder ihrer 
Neigung zu Seereiſen, kleine Reifen laͤngſt den 
Kuͤſten ausgenommen. Außerdem wehen die 
Winde groͤßtentheils von Oſten nach Weſten, zwi⸗ 
ſchen dem dreißigſten Grade nordlicher und ſuͤdli⸗ 
cher Breite, und folglich ihnen gerade entgegen, 
ſo daß ein em ſie . leicht a0 een 
treiben konnte. l 
Eben ſo wenig An man . von de 
Tatarey und dem alten Scythien aus nach Amerika 
ſegeln, da dies Land ſeiner Lage wegen nie eine 
Seemacht ſeyn konnte, und es ohnehin unmöglich 
war, uͤber das dortige Meer zu gehn. Außerdem 
ſind i een ihre buͤrgerlichen und 
er krie⸗ 


8 


176 


kriegeriſchen Gewohnheiten: „den ſtythiſchen ſo 
viel man dieſen nachſpuͤren kann, vollig entgegen 
geſetzt. Selbſt in den gemaͤßigten nordiſchen Ge⸗ 
genden findet man nicht die geringſten Spuren von 
anſehnlichen Gebaͤuden, oder nahe an einander 
liegenden Oertern, als noch in den weniger geſun⸗ 
den Gegenden von Mexiko und Peru uͤbrig ſeyn 
ſollen. Und verſchiedne indiſche Nationen verſi⸗ 
chern, ji daß ſie uͤber den Miſſiſippi giengen, ehe ſie 
| ſich i in ihren jetzigen nordlichen Beſitzungen nieder⸗ 
lieſſen. Alles Beweiſe, welche die ungegruͤndete 
Meynung, daß die erſten Einwohner von Amerika 
von den Tatarn oder alten N ener, 
leicht widerlegen können. 
Herrn Adairs Gruͤnde, daß die unertaer e von 
den Juden abſtammen, ſind folgende. 6 
Erſtlich ſind ſie in Staͤmme Weben A die ihre 
eigene Oberhaͤupter haben, wie bey den Juden. 
Zweytens waren die Juden verbunden, den wah⸗ 
ren und lebendigen Gott zu Jeruſalem unter dem 
Namen Jehovah zu verehren. Auch die Indier nen⸗ 
nen das höchfte Weſen Pohewah. Die alten Heiden 
verehrten bekanntermaaßen mehrere Götter, allein 
die Indier bezeigen blos dem großen guͤtigen, heili⸗ 
gen und hoͤchſten Geiſte des Feuers, der ſich uͤber 
den Wolken und zuweilen auch bey a 
ER. auf 


auf der E Erde auf halten ſoll, göttliche Ehre. Sie 
beten keine Bilder, Todte, bimmliſche Körper, boͤſe 
Re oder irgend ſonſt ein Geſchoͤpf an. 
Drittens halten die Indier, nach den Grund⸗ 
fäßen der jüdifchen Theokratie, die Gottheit ie das j 
unmittelbare Oberhaupt ihres Stammes. \ 
Viertens, die Juden glaubten, daß Gott ſich der 
Engel zur Ausrichtung ſeiner Befehle bediene, und 
die Judier glauben, daß die hoͤhern een von 
enn, Geiſtern bewohnt werden. 
Fuͤnftens, die indiſche Sprache und ihre Mund, 
Ma ſcheinen vollig den Ton und die Wendungen 
der hebraͤiſchen Sprache zu haben. Ihre Woͤrter 
und Redensarten ſind kurz, nachdruͤcklich, wohl⸗ 
klingend und kuͤhn, und baben oft die naͤhmlichen 
Buchſtaben und Bedeutungen, wie die hebraͤiſchen. 
11 Sechſtens en ſie bie MR Saiten 
er die Juden. | 
as Siebentens, haben ſie ch 5 Beyſpiele ve . 
Ju en ihre Propheten, Hoheprieſter und en f 
tesdi ienſtlichen Ordnungen. eee 
Achtens, find ihre Feſte, Faſten, u gottes⸗ 
Fienſtlichen Feierlichkeiten den juͤdiſchen ſehr ahnlich. 
Neuntens haben die Indier, ehe ſie einen Krieg 
anfangen, Ceremonien, zur Reinigung und Faſten⸗ 
e ſo, als es die Juden thaten. eg 
Carvers Reiſen. MM Zehn. 


178- 
ara nden ſie einen Geschmack n den 

Gchmlichen Zierathen, und machen auch noch wirk⸗ 
lich Gebrauch von A die 105 den Wenden 9 
fall fanden. 

Dieſe und viele ahnliche e führt Pe 
Adair zur Behauptung feiner Meinung an, allein. 
ich ſollte doch denken, daß die Indier, wenn ſie 
wirklich von den Juden abſtammten, unter ihren 
gottesdienſtlichen Ceremonien, auf deren Aehnlich⸗ 
keit er doch hauptſaͤchlich zu bauen ſcheint, gewiß die 
Beſchneidung wuͤrden beybehalten haben, von der 
man nicht die geringſte Spur bey ihnen antrifft. 

Ss zahlreich und fo verſchieden find die Meynun⸗ 
gen der bisherigen Schriftſteller über dieſen Cegens 
ſtand. Ich werde mich aber nicht dabey autumn 
ſie mit einander zu vereinigen, oder zu zeigen worin 
ein jeder irre, ſondern jetzt meine eigne Meyn ung 

uͤber den Urſprung der Amerikaner vortragen. 
Sie beruhet auf Folgerungen, die ich aus den vor⸗ 
nehmſten Gruͤnden der angeführten Schriftſteller 
und meinen eignen Beobachtungen hergeleitet habe, 
und meine Leſer moͤgen ſelbſt beurtheilen, in wie 
ferne ſie richtig oder ungegruͤndet ſind. 

Um meine Muthmaßungen in dieſemStuͤcke deſto 
deutlicher verſtellen zu koͤnnen, ſo halte ich es erſt 
fuͤr , „ bis eue zwiſchen Amerika 
riet | 9 0 Ad 


0 


und den Theilen der bewohnten Erdku gel, die in 
ren liegen, zu beſtimmen. 
Das feſte Land von Amerika ſcheint, allen Unter⸗ 
Parse zufolge, die man bey den Polen ange⸗ 
ſtellt hat, völlig von den andern Theilen der Welt 0 
getrennt zu ſeyn. Der Theil von Europa, der 
ihm am nächften koͤmmt, iſt die Kuͤſte von Groͤn⸗ 
land, die ungefähr unter ſiebenzig Graden Norder⸗ 
breiteliegt, und ſich bis auf zwölf Grad von der Kuͤſte 
von Labrador erſtreckt, die auf der nordoſtlichen 
Grenze dieſes Welttheiles ſich befindet. Die Kuͤſte 
von Guinea iſt der naͤchſte Theil von Afrika, und 
liegt ungefähr acht hundert und ſechszig Meilen 
nordweſtwaͤrts von Braſilien. Die oſtlichſte Kuͤſte 
von Aſia, die ſich bis an das Meer von Korca ge⸗ 
gen Norden von China erſtreckt, laͤuft nordoſtwaͤrts 
vor der oſtlichen Tatarey und Kamſchatka vorbey, 
bis an Siberien, in einer nordlichen Breite von 


ungefaͤhr ſechszig Graden. Gegen ſie erſtreckt ſich 5 


die weſtliche Kuͤſte von Amerika, von Kalifornien 
bis an die Straße von Annian, faſt nordweſtwaͤrts, 
und liegt ungefaͤhr unter dem chen un Woiaugfen 5 
nde der naͤhmlichen Breite. e 
Oh: fich das feſte fand von Amerika. welter nach 

Norden ausdehne, als dieſe Straße, und ſich mit 
0 den ache Theilen von Aſia vereiniger wie einige ö 
. von 


180 


von den vorhin angeführten Schriſtſtellern behaur⸗ 
ten, oder ob das Land, das dazwiſchen entdeckt 
worden iſt, blos ein Haufen von Inſeln ſey, die 
ſich gegen das gegen uͤberliegende Land zu — 
iR bisher. noch nicht vollig ausgemacht. ind | 

Da aber ſo viel gewiß iſt, daß viele geoße Juſeln 

zwischen den aͤuſſerſten Theilen von Aſia und Ame⸗ 
rika liegen, z. E. Japan, Yefooder Pedſo, Gama's 
Land, Behrings Inſel, und viele andre Inſeln, 
die Tſchirikow entdeckte; und da auſſer dieſen vom 
funfzigſten Grade Norderbreite noch ein Haufen von 
Inſeln vorhanden zu ſeyn ſcheint, der bis nach Si⸗ 
berien hinauf reicht, ſo iſt es wahrſcheinlich, daß 
Amerika, dem ſie ſo nahe liegen, ſeine erſten Ein⸗ 
wohner daraus erhielt. Dieſer S Schluß ſcheint mie 
der vernuͤnftigſte zu ſeyn, den ich daraus folgern 
kann, wenn man annehmen darf, daß dieſer Theil 
der Welt, ſeit der Zeit, daß ſeine erſten Bewoh⸗ 

| ner ſich darin feſtſetzten, keinen auſſerordentlichen 
unnd plötzlichen Veränderungen, in ſeiner Lage und 
Oberflache, durch Ueberſchwemmungen „Erdbe⸗ 
ben, oder andre Zufaͤlle, von denen wir jetzt nichts 
wiſſen, iſt unterworfen geweſen. 

Mir koͤmmt es hoͤchſt unwahrſcheinlich vor / daß 
es aus verſchiednen Welttheilen uͤber das Meer her 
ſollce bevölkert worden 4 wie einige behauptet 
| baben. 


90 


= 


181 


haben. Da die bangen Schiffe ſo klein waren, 
und da man den Gebrauch der Magnetnadel noch 
gar nicht kannte, ſo laͤßt es ſich nicht denken, daß 
irgend ein Volk ſich uͤber den unergruͤndlichen \ 
Ocean gewagt haben follte, um entfernte Lander 
zu entdecken. Haͤtten ſie aber wirklich einen ſol⸗ 
chen Verſuch gemacht, oder waͤre Amerika durch 
Schiffe, auf denen ſich deute von beyderley Geſchlecht 
befanden, und die von ſtarken Oſtwinden uͤber das 
atlantiſche Meer getrieben wurden, zuerſt bevoͤlkert 
worden, iD müßten diefe: Koloniſten doch wenigſtens 
noch einige Spuren von der Sprache des Landes, 
aus welchem ſie kamen, beybehalten haben; und 
dieſe Spuren wuͤrde man doch ſeit der Ankunft der 
‚Europäer wohl ausfuͤndig gemacht haben. Auſſer⸗ 
dem ſcheint es ſonderbar, daß ſolche zufällige Aus⸗ 
wanderungen, wie einige zugeben, aus ber ſchied⸗ 
nen Gegenden ſich ſollten eraͤugnet haben. 
Ueberhaupt bin ich nach den genaueſten Unter⸗ 
e und der reiflichſten Ueberlegung gewiß 
verſichert, daß Amerika ſeine erſten Bewohner aus 
Nordoſten uͤber den großen eben erwähnten Inſel⸗ 
baufen „und blos von dieſer Seite her erhalten habe. | 
Allein dies konnte zu verſchiednen Zeiten und s 
verſchiednen Gegenden geſchehn; aus der Tatarey, 
us 8 „Japan oder Kamſchatka, da die Ein⸗ 
4 | 9 3 wohner 


| wohner dieſer Sänder einander an Bildung, Ge⸗ 
ſichtsfarbe und Geſtalt ſehr aͤhnlich find; und viel, 


leicht auch, ehe ſie einige Kenntniß von Kuͤnſten 


und Wiſſenſchaften erlangten, ähnliche, Sitten, 


Gebraͤuche, Religion und Sprache haben konnten. 


Der einzige Unterſchied zwiſchen den Chineſern 
und Tatarn beruht darauf, daß dieſe ein völlig 
rohes, jene aber ein verfeinertes Volk ſind. Jene 
legen ſich ſtark auf die Handlung, und wohnen in 


Haͤuſern, die regelmäßige Dörfer und Staͤdte aus⸗ 


| machen; dieſe leben groͤßtentheils unter Zelten, 
und ſchwaͤrmen hordenweiſe herum, ohne einen feſten 


Wohnplatz zu haben. Selbſt die langen und blu⸗ 


tigen Kriege, die dieſe beyden Volker mit einander 
fuͤhrten, haben dieſe angeerbte Aehnlichkeit nicht 


auslöſchen koͤnnen. Die jetzige Familie der chine⸗ 


ſiſ ſchen Kaiſer iſt tatariſcher Abkunft, und wenn fie 
nicht noch andre Rechte, als das Recht der Erobe⸗ 
rung haͤtten, ſo wuͤrde ein ſo zahlreiches Volk ſich 


nicht leicht unter der Regierung von Auslaͤndern 
ae verhalten . 


Es iſt augenſcheinlich, daß eiuige von Ai Sit 
ten und Gebraͤuchen der Amerikaner tatariſchen 
ähnlich find, und ich zweiffe nicht, daß man in einem 
kuͤnftigen Zeitalter, und vielelht bald, noch mit 


| ien werde beſtimmen können, daß wahrend 
eines 


1 a 


eines a ul den Tatarn in ebineſern | 
ein Theil der Einwohner aus den nordliche 


und ſich nach den vorerwaͤhnten Inſeln, und aus 


ten fliehen. Hieraus entſtand vermuthlich die Aehn⸗ 
lichkeit der Indier mit allen dieſen Voͤlkern „und 


gegen einander hegen. 


und blos einen kleinen Zopf oben auf dem Wirbel 
ſtehn laſſen. Die tatariſchen Kaiſer ſollen dieſen 
70 Gebrauch den Chineſern auferlegt haben, als ſie 
ſich dieſelben unterwarfen, und folglich iſt dies ein 
Beweis „daß die Tatarn dieſe Gewohnheit hatten, 


0 an Ton und Bedeutung, den chineſiſchen ähnlich 
ſind. Die Chineſer nennen Sklaven Sbungo, und 


“4 ie, wenigen Umgangs mit den Europäern am 


n Pro⸗ 
vinzen aus ihrem Vaterlande getrieben worden; ey, 


dieſen nach Amerika begeben habe. Jede von den 
beyden Nationen erhielt vielleicht wechſelsweiſe die 
Oberhand, und die Sieger mußten vor den Beſieg⸗ 


die Feindſchaft N die ſo een ihren Staͤmmen 

Mir ſcheint es ein deutlicher Beweis von 4 
Aehnlichkeit der Indier mit den Chineſern zu ſeyn, 
daß ſie ſich das Haar abſcheeren oder ausreiſſen, 


von d denen die Amerikaner fie, bb: wie die FE 


annahmen. | 
Auſſerdem haben bie Onbier viele Wörter, N die 


die Nadoweſſtſchen Indiern, deren Sprache wegen 


N Mi wenige. 


184 | f 
wenigſten verdorben iſt, heißen einen Hund Schan⸗ 
guſch. Jene nennen eine Art von ihrem Thee 
Schauſong und dieſe ihren Toback Schauſaſſa. 
Sonſt haben noch viele andre indiſche Woͤrter die 
Silben eſche, tſchau und tſchu, die der chineſiſchen 
Sprache eigen ſind. cee 
Vielleicht würde man auch eine Aehnlichkeit in 
den Sprachen der Tatarn und eigentlichen Ameri⸗ 
kaner entdecken, wenn wir fie fo gut kennten, als 
wir die chineſiſche durch den Handel mit dieſer 
Nation haben kennen lerntn : 
Ich werde in dieſen Muthmaßungen durch die 
Nachrichten von Kamſchatka, die auf Beſehl dern 
Kaiſerinn ven Rußland vor einigen Jahren bekannt | 
gemacht wurden, noch beſtaͤrkt. Der Verfaſſer 
davon ſagt, daß das Meer zwiſchen dieſer Halbinſel 
und Amerika voller Inſeln ſey, und daß die Ent⸗ 
fernung zwiſchen Tſchukotſtoi⸗Noſs, einem Vor⸗ 
gebürge, das am aͤußerſten Ende dieſes Landes 
liegt, und der Kuͤſte von Amerika nicht mehr 
als drittehalb Grade eines großen Kreiſes betrage; 
und daß es ſehr wahrſcheinlich ſey, daß Aſia und 
Amerika hier einmal zuſammengehaͤngt haben, da hr 
beyde Kuͤſten Buchten und Vorgebuͤrge haben, 
die in einander zu paſſen ſcheinen. Außerdem ſind N 
die Einwohner beyder Theile einander an Geſtalt, „ 
5 | 0 e,, 


185 
Kle Wei „Sitten und Nahrung vollig gleich. 
Ihre Sprache ſcheint zwar nicht die naͤhmliche zu 
ſeyn, aber die Einwohner eines jeden Diſtrikts von 
Kamſchatka reden eine Sprache, die von einander 


eben ſo unterſchieden iſt, als von der, die auf der 


gegenuͤber liegenden Kuͤſte geſprochen wird. Hiezu 
kommt noch, daß die Boote der Einwohner jauf 
beyden Kuͤſten einander vollig ähnlich find, und daß 
die Bewohner dieſes Theils von Amerika Wein 
und Toback gar nicht kennen, welches er als einen Be⸗ | 
weis anſieht, daß ſie bisher mit den Europäern noch 


keine Gemeinſchaft gehabt haben. Alle dieſe Gruͤnde 


ſollen ſeiner Meynung nach faſt ganz gewiß bewei⸗ 
ſen, daß Amerika von dieſem mu von Pe. aus 75 
ii bevoͤlkert worden. 8 
Die Grenzen dieſes Buches erlauben mir 115 | 
mich länger bey dieſem Gegenſtande aufzuhalten, 
oder noch andre Beweiſe fuͤr meinen Satz anzu⸗ 


führen. Ich bin jedoch fo ſehr von der Gewißheit 


deſſelben überzeugt, und ich habe mir fo viele Muͤhe 
gegeben, alle Gruͤnde zu ſeiner Unterſtuͤtzung zu 
ſammlen, daß ich einſt gegen eine Geſellſchaft von 
Pr vatperſonen, die aufmerkſam auf ſolche Unter⸗ 
ſuchungen waren, und denen ich meine Gedanken 
uͤber dieſen Punkt mitgetheilt hatte, mich erbot, 
mit sehbeiger Unterſtuͤtzung eine Reiſe durch die 

u Ä | M . nord⸗ 


Be 
** 9 
we SR nf 


nn a 


nordoſtlchen Theile von Europa und Aſia nach 
den innern Theilen von Nordamerika, und von 
dort zuruͤck nach England zu thun. Meine Abſicht f 
war, ſo wie ich weiter reiſte, uͤber die Sprache und 
Sitten eines jeden Volkes, das mir auf ſtoßen 
würde, ſolche Beobachtungen anzuftellen, als zur 
Erlaͤuterung meines Satzes, und zur Befriedigung 
wißbegieriger! Leute dienen koͤnnten. Allein da man 

— glaubte, daß ein ſolches Unternehmen mehr eine 
Unterſtuͤtzung von der Nation, als von Privat⸗ 
perſonen bedürfte, ‚ fo kam es ache damit zur Aus⸗ 
fuͤhrung. 

Ich freue Mich, daß diese Schlüſſe, wor 
ich ſie entworfen hatte, mit der Meynung des 
großen und beruͤhmten Geſchichtſchreibers, Dr. 
Robertſon, uͤbereinſtimmen, und ob ich gleich mit 

ihm einraͤumen muß, daß die Unterſuchung ihrer 
Beſchaffenheit noch ſo dunkel und verwickelt iſt, 
daß meine Muthmaßungen nichts als Muthmaßun⸗ 
gen und keine ſichere Schluͤſſe find, fo haben ſie 
doch ſo mehr Wahrſcheinliches, als die Meynung 
derer, die glauben, daß Amerika ſeine r ge 
von einer andern Seite her erhalten habe. a | 

Eine Stelle, die Dr. Robertſon aus den Tage⸗ 
Kir von Bering und Tfehirifom, die ungefähr 
Tat von Kamſchatka e ene 2 u 

h ein 


N: 5 187 
ein großes Gewicht zu haben, und meinen Grün | 
den neue Feſtigkeit zu geben. Dieſe, Befehlshaber 
richteten ihren Lauf nach Oſten, und entdeckten 
Land, das ſie fuͤr einen Theil des feſten Landes von 
Amerika hielten, und daß nach ihren Beobachtun⸗ 
gen einige Grade von der nordweſtlichen Kuͤſte von 
Kalifornien gelegen zu haben ſcheint. Sie hatten 
etwas Umgang wit den Einwohnern, die ihnen 
Nordamerikanern ähnlich zu feyn ſchienen. Sie 
boten den Ruſſen den Kalumet oder die Friedens⸗ 
pfeife an, die bey allen Nordamerikaniſchen Bols 
kern ein Sinnbild des Friedens, und eine ihnen 
eigne willküͤhrlich eingeführte Gewohnheit it... 
Einer von den Gründen, welche dieſer unvers 
N gleichfiche Schriftſteller für feine Meynung anfuͤhrt, 
zeugt ebenfalls von großer Beurtheilungskraft und 
iſt beynahe ganz uͤberzeugend. Er ſagt: wir koͤn⸗ 
nen es als einen gewiſſen Grundſatz bey dieſer Unter⸗ 
ſuchung annehmen, daß Amerika von keinem Volke 
aus der alten Welt, das ſchon einen betraͤchtlichen 
Fortgang in ſeiner Verfeinerung gemacht hatte, 
9 erſten Bewohner erhalten habe. Die Ein⸗ 
e ah ne: der neuen Welt en ch in einem * 


Selbſt d den 
geſit⸗ 


. . e zur 3 een 


- 


\ 


188 re 
geſitteſten Voͤlkern von Amerika fehlten viele von 
den einfachen Erfindungen „die in andern em 
faſt zugleich mit der menſchlichen Geſellſchaft ent⸗ 


ſtanden, und die ſchon in den erſten Zeitpunkten 


des bürgerlichen Lebens bekannt waren. Dies be⸗ 
weiſt offenbar, daß die Stämme, die zuerſt nach 
Amerika kamen, zu Voͤlkern gehörten, die eben fo 
roh und unwiſſend waren, als ihre Nachkommen⸗ 


ſchaft, wie die Europaͤer zuerſt mit ihnen bekannt 


wurden. Hätten die Wilden in Amerika, oder 


ihre Vorfahren, je den Gebrauch des Eiſens ge⸗ 


kannt, hätten fie ſich je eines Pfluges, eines Wer 
berſtuhles oder einer Schmiede bedient, ſo wuͤrde 


der Nutzen dieſer Erfindungen ſie erhalten haben, 


und es wuͤrde unmöglich für fie geweſen feyn, fie 
ganz zu vage 0 BR zu vernachlaͤßigen. 555 


x J 0 4 a 1 7 N 
ERTEILT * > 
* — — 
N „ 


1 Zbweytes Kapitel. 
Von ben „dien ſelbſt, n Kleidung u. 0 w. 


we... 
\ \ 


on der geit an, da ſch die Franzoſen in Ka⸗ | 


nada zuerſt n iederließen, bis zum Jahre 1760, 


da es die Engfänder eroberten, haben verſchiedne 
von dieſer Nation, die in die innern Theile von 


de reiſten, um mit den Indiern zu han⸗ 


deln, 


deln, oder fie zu ü Nachrichten v 
Lebensart, den Sitten und eee der In 
bier befannt gemacht. non 0 
Die vornehmſten davon ost nd Vater budwig Bu N 
a Her Charlevoix und der Baron la Hontan. 
Der erſte gab vor vielen Jahren einige gruͤndliche 
Betrachtungen heraus, wozu er von den Karten 
und Tagebuͤchern des ungluͤcklichen Herrn de la 
Salle, der auf ſeinen Reiſen von ſeinen eignen 
Leuten ermordet ward, viel neuen Stoff erhielt. 
Viele, die Indier betreffenden wichtigen Umſtaͤnde 
hat Vater Hennepin aus dieſen Tagebuͤchern ge⸗ | 
nommen; doch beſaß er ſonſt in vielen Stuͤcken 
lange nicht die Kenntniſſe, welche er durch ſeinen 
N langen A ufenthalt bey den Indiern haͤtte erlangen 
koͤnnen, auch ſind ſeine Berechnungen und ſelbſt 
* Nachrichten nicht ümimer richtig 
Die Beſchreibungen der beyden andern, vor⸗ 
züglich die vom Herrn Charlevoix, find in der Erd⸗ 
beſchreibung ſehr unrichtig, und viele von den Ge⸗ 
nn des Barons la Hontan vollig fabelhaft. 
Einige von den Jeſuiten, die bisher dieſe Ge⸗ 
Jaden bereiſten, haben ebenfalls uͤber dieſen Ge⸗ 
genſtand geſchrieben. Allein da wenige oder gar 
keine von ihren Schriften ins Engliſche uͤberſetzt 
1 fad, er können nur wenige bey uns einigen Nutzen 
| 1 daraus 


5 


daraus ſchoͤpfen. Ueberhaupt enthalten fie auch 
nicht viel Wichtiges, da ſie ihre Beobachtungen 
groͤßtentheils auf die Religionsgrundſaͤtze der Wil⸗ 
den, und die Art einſchraͤnkten, auf we ſie ine 
Bekehrung zu bewuͤrken füchren. N 

Seit der Eroberung von Kanada haben uns * 

; einige: von unfern Landsleuten, die unter den J In⸗ 
diern lebten, und ihre Sprache lernten, ihre Be⸗ 
merkungen mitgetheilt; allein da ihre Reiſen ſich | 

| nicht bis in die innern Gegenden erſtreckten, von 
denen ich handle, ſondern ſich bloß auf die Voͤlker⸗ 
ſchaften einfchränften, die nahe bey unſern Pflan⸗ 
zungen wohnen, ſo kann man keine Kenntniß von 
den wahren und unverfaͤlſchten Sitten und Ge 
braͤuchen der Indier bey ihnen erwarten. 
Die füdfichen und übrigen Staͤmme, die einen 
3 beftändigen Umgang mit den Franzoſen oder Enge 
laͤndern hatten, koͤnnen ihre Sitten und Gewohn⸗ 
heiten unmöglich in ihrer völligen Reinheit erhal⸗ 
ten haben. Sie konnten es nicht vermeiden, die 
Laſter und ſelbſt die Sprache derer, mit welchen 
ſie umgiengen, anzunehmen, und der Hang zur 
Trunkenheit „wozu fie durch die vielen ſchaͤdlichen 
Getraͤnke, welche die Europäer unter ihnen eins 
führten, hauptſäͤchlich angereizt wurden, verurſach⸗ 
ten eine gaͤnzliche Veraͤnderung in nähen Karakter. 
Bey 


191 
Ben dieſen trift man folglich bloß ein verwirrtes BR 
Gemisch von Gebraͤuchen und Grundſätzen an. 
Ihre wahren und unverſtellten Sitten kann man 
bloß bey denen kennen lernen, die wenig Gemein⸗ 
ſchaft mit den Provinzen hatten. Ich fand ſolche 

Indier vorzuͤglich in den nordweſtlichen Gegenden, 

und ſchmeichle mir daher / im Stande zu ſeyn, eine 

richtigere Nachricht von dem unverfaͤlſchten Zu⸗ 
ſtande ihrer Sitten und Lebensart geben zu koͤnnen, 
als man in den bisherigen Schriften antreffen wird. 

Meine Beobachtungen erſtrecken ſich uͤber dreißig 

Voͤlkerſthaften, wovon ſich zwar die meiſten durch 

ihre Sprache unterſcheiden, aber doch einander an 

Sitten ſehr aͤhnlich ſind. | 
Da es meine Abſicht nicht ift, ein oöliges bei 4 

regelmäßiges Syſtem von der gebensart der Indier 

zu geben, ſondern bloß ſolche Umſtaͤnde davon an⸗ 

zuführen, ‚ die ich für beſonders merkwuͤrdig halte, 

und die man eben bey andern Schriftſtellern nicht 
en ſo muß ich meine Leſer um Verzeihung 
bitten, daß ich nicht in gehbriger erh 8270 
weitlaͤuftiger davon handle. 

Mir ſcheint es nicht, daß die indischen Völker 
ſchaften an Geſtalt, Farbe oder Leibesbeſchaffen⸗ 
heit von einander ſo ſehr unterſchieden ſind, als 
Ne * behaupten. Sie ſind größten 

theils 


N aus * 2 r 8 
2 a) r . 7 


eheit ſchlank, etwas groß und gut gewachſen. 
Man trifft ſelten Verwachſene unter ihnen an. 
Ihre Haut hat eine roͤthliche Kupferfarbe. Ihre 
Augen ſind groß und ſchwarz, und ihr Haar hat 
dieſelbe Farbe, doch iſt es nur ſelten kraus. Sie 
haben gute Zaͤhne ‚und ihr Athen riecht ſo gut, 
als die Luft die fie einarhmen. Ihre Wangen⸗ 
knochen ſtehn etwas hervor, doch mehr bey den 
Frauensleuten, als bey den Männern. Die 
Frauensleute ſind nicht völlig ſo groß, als die 
europaͤiſchen, aber man trifft häufig gute Geſichter 
und einen huͤbſchen Wuchs bey ihnen an, un⸗ 
geachtet ſie leichter fett werden; als das 0 
Geſchlecht. | Ä 8 
Ich werde mich auf keine — 8 
gung einlaſſen, ob die Indier die Farbe ihrer 
Haut der Natur, der Kunſt oder dem Himmels⸗ 
| ſtriche, unter welchem fie leben, zu danken haben. 
Mir ſcheint es zwar glaublich, daß ſie dieſe Farbe 
N urſpruͤnglich von der Natur erhalten haben, allein 
ich wage es nicht, zu entſcheiden, zu welcher Zeit 
ſich die Veranderung ereignete, die man jetzt in 
der Farbe und den Zuͤgen ſo vieler Nationen an⸗ 
trifft, wenn der Europaͤer ſeine Weiſſe, der Afri⸗ 
kaner feine Agathſchwaͤrze, und der Amerikaner 
n HAfuse Pre, oder welche die erſte | 
. Ä 


„ | „ 
Farbe der Menſchen war, und welche den hoͤchſten 
Grad der Vollkommenheit beſitze. . 
Viele Schriftſteller behaupten, daß die Iudier 
Er in ihren reifſten Jahren blos Haare auf dem 


Kopfe haben, und daß ungeachtet der Menge, 0 


womit dieſer Theil bedeckt iſt, alle übrigen Theile, 
wo man ſie bey den Europäern antrift, voͤllig das 
von frey bleiben. Selbſt Doktor Robertſon hat 

ſich durch ihre falſchen Vorſtellungen verleiten 
laſſen, „ dieſen Irrthum weiter zu verbreiten, und 
da er von der Richtigkeit der Beobachtung uͤber⸗ 

zeugt zu ſeyn glaubte, verſchiedne Folgerungen in 
Abſicht auf ihre körperliche Stoͤrke und Geſundheit | 
daraus hergeleitet „deren Ungrund ſich aber jezt 
von ſelbſt zeigt. Denn ich kann ſicher behaupten, 
da ich mich durch genaue Unterſuchungen und meine 
eignen Augen davon uͤberzeugt habe, daß alle Be⸗ 


hauptungen dieſer Schriftſteller i in dieſem E Stuͤcke 5 8 
falſch ſind, und von dem Mangel einer völligen 


Kenntniß der Gebräuche der Indier herruͤhren. 
In dem männlichen Alter werden die Körper der 


Indier, wenn man ſie der Natur uͤberlaͤßt/ eben 5 


ſo gut mit Haaren bedeckt, als bey den Europäern. 0 
Die Maͤnner glauben, daß ein Bart ſehr verun⸗ 
ſtalte, und wenden daher viele Muͤhe an, ſich da⸗ 
von zu befreyen, und man wird nicht leicht Spu⸗ 

Carver Reifen. N en 


en * 17 
1 18 * 2 R * 
n 


ren davon bey ihnen antreffen, ausgenommen bey 
alten Leuten, die ſich um ihren Putz nicht ſehr 
mehr bekuͤmmern. Eben ſo halten ſie jeden andern 
Auswuchs von Haar auf ihrem Koͤrper fuͤr haͤß⸗ 
lich, und beyde Geſchlechter wenden viele Zeit auf 
die Ausrottung deffelben. 
Die Nadoweſſter und die übrigen entfernten Nas 
| tionen reiffen es mit krumgebogenen Stuͤcken von 
hartem Holze aus. Die Indier hingegen, die Ge⸗ 
meinſchaft mit den Europaͤern haben, ſchaffen ſich 
Drath von ihnen an, und machen daraus eine Art 
von Schraubengang oder Wurm, den ſie irgend⸗ 
wo an den Leib ſetzen. Sie druͤcken die Ringe darauf 
zuſammen, und reiſſen mit einem ploͤtzlichen Zuge 
alles Haar aus, was ſie dazwiſchen gefaßt hatten. 
Die Mannsperſonen bey allen Volkerſchaften 
unterſcheiden ſich durch ihren Anzug nur wenig von 
h einander, diejenigen ausgenommen, die mit den 
1 0 Europaͤern handeln, und ihr Pelzwerk gegen Decken, 
Hemde und andre Zeuge vertauſchen „deren ſie 
ſich ſowohl zum Putz, als zur nothwendigen Klei⸗ 
dung bedienen. Sie binden ungefaͤhr dreyviertel 
Ellen breites Tuch mit einem Guͤrtel um die Mitte 
des Koͤrpers, und die, welche Hemden tragen, 
binden ſie ſo wenig um das Handgelenke, als um 
den e zu, weil ihnen dies eine unertraͤgliche 
Ein 


ſcheidet verſchiedne Nationen von einander. 


„ i195 


Einſchränkung ſeyn wuͤrde. Sie werfen ihre Decke 
los uͤber die Schultern, und halten die obere ite 
davon bey den beyden Zipfeln, dabey tragen ſie ein 
Meſſer in einer Hand, und eine Pfeiffe, einen To⸗ 
backsbeutel, u. d. m. in der andern, und fo gehn 
fie in ihren Dörfern oder Lagern herum. Bey 
ihrem Tanze tragen ſie ſelten Decken. 

Diejenigen unter den Mannsperſonen, die fich Ä | 
‚ein jugendlicheres Anſehn geben wollen, reiſſen ſich 
alles Haar aus dem Kopfe, einen Zopf oben 
auf dem Scheitel ausgenommen, der ungefaͤhr eine 
Stelle wie ein Gulden groß, bedeckt, und den ſie 
ziemlich lang auswachſen laſſen. An dieſen Zopf 
"hängen fie Federn von verſchiednen Farben, und 
kleine Staͤbe von Elfenbein und Silber. Dieſe 
Art, das Haar zu ſchneiden und zu verzieren, unter⸗ 


Sie bemahlen ihr Geſicht ſchwarz und roth, und 
glauben, daß ihnen dies ſehr ſchoͤn ſteht. Sie be⸗ 
mahlen ſich auch ſonſt noch, wenn ſie in den Krieg 
ziehn, doch bemahlen ſie ſich alsdenn auf eine andre 
Art, als wenn ſie es bloß zur Zierde thun. 4 
Die jungen Indier ſpalten ſich den aͤuſſern Rand 
von beyden Ohren, wenn ſie ihre Gefaͤhrten an Putz 
uͤbertreffen wollen, doch nehmen ſie ſich ſehr in Acht, 
* nicht ganz e e ſondern laſſen das 
N 2 e Fleiſch 


! N 


Fſeiſch an benden Enden feſtſtzen, und durchſchnei⸗ 


den nur die dazwiſchen liegenden Theile. Um dieſen 
abgeſteckten Knorpel wickeln ſie von oben bis unten 
Meſſt ingdrath, bis das Gewicht davon den getrenn, 


ten Rand i in einen Bogen zieht, der fuͤnf bis ſechs 


Zoll i im Durchmeſſer hat, und bis auf die Schul⸗ 


tern herabhängt. Dieſe Zierde wird fuͤr ſebr abe) 


und anſtaͤndig gehalten. 
Es iſt ebenfalls eine ziemlich gemeine e Gettobn⸗ 


beit bey ihnen, fich die Naſe zu durchbohren, und 


haͤngen; und dieſer Theil, der an der Auſſenſeite 


verſchiedne Arten Gehaͤnge darinn zu tragen. Ich. 


bemerkte, daß Seemuſcheln in den infändifchen 
Gegenden häufig getragen, und für eine große 


Zierde gehalten wurden, allein ich konnte nicht er; 


fahren, wo ſie ſie herbekamen. Vielleicht erhielten | 
fie diefelben durch den Handel mit e die 
naͤher bey der See wohnten. e 
Sie bedecken ihre Schenkel gar nicht, wenn man 
das Tuch um den Mittelleib ausnimmt, das bis 
auf die Hälfte der Schenkel herab haͤngt. Fuͤr die 
Beine machen ſie eine Art Struͤmpfe aus Fellen 
oder Tuch. Man naͤhet ſie ſo eng, daß ſie ſich 


’ 


nur eben an- und abziehn laſſen. Sie laſſen den 
Rand des Zeuges, woraus ſie gemacht ſind, an 


der Math ſitzen, und ungefähr eine Hand breit los 


des 


. | 197 
Pe Beins fi befindet, wird 1 den Ser, die 
mit den Europäern handeln, gewöhnlich mit Band 

oder Spitzen, wenn die Strümpfe von Tuch find, 

und wenn fie von leder ſind, mit Stickerey und 
bunt gefärbten Stacheln von Stachelſchweinen aus⸗ 
| geziert. Fremde, die unter den Indiern in Ge⸗ 
| genden auf die Jagd gehn, wo es viel Schnee giebt, 5 
| finden dieſe Strümpfe weit been als andre 
Struͤmpfe. win, 

Ihre Schuhe machen ſie aus Reh⸗ Elendifiers 
| oder Buͤßfelhaͤuten. Zuweilen ſind ſie auf euro⸗ 
i paͤiſche Art zubereitet, und zuweilen laſſen ſie das 
Haar darauf ſitzen, wenn ſie Schuh daraus zu⸗ 
| ſchneiden, die leicht ſitzen und ſehr bequem zum Gehn ö 
| ſind. Der Rand um die Knochel iſt mit Stuͤcken 
von Meſßſi ing oder Zinn ausgeziert, die an ledernen 
ungefähr. einen Zoll langen Schnuͤren haͤngen, und 
die, wenn ſie dicht an einander ſitzen, eben kein 
4 unangenehmes Geräufi 05 machen 1 wenn u: gehn 
oder tanzen. i 1 

Die Frauensleute tragen eine Art von Bedek⸗ 
kung, die vom Halſe bis auf die Knie heruntergeht. g 
Bey den Indiern, die mit Europaͤern handeln, 
25 tragen ſie eine Art von leinenen Hemden, fo wie 
die Männer, und wovon die Enden über den Rock 
ö een Sonſt machen ſie fh, wenn fie ſich 
„ noch 


N 
„ 


ö * N. 2 
2 Ne ech 


198 
noch nach der alten Mode tragen, eine Art von 
ledernen Hemde, das bloß den Koͤrper, aber nicht | 
die Arme bedeckr. Ihre Roͤcke find entweder von 
$eder oder von Tuch, und reichen von den Huͤften 
bis an die Knie. An ihren Fuͤßen tragen ſie Struͤmpfe 
und Schuh, die eben ſo gemacht und dus gezſeßt 
fi nd, als bey den Mannsperſonen. 
ee unterſcheiden ſich von einander in der Art 
ihren Kopf aufzuputzen, da eine jede der Gewohn⸗ 
heit folgt „die bey der Nation oder dem Stamme, 
wozu ſie gehoͤrt . uͤblich iſt, und ſie haben noch die | 
naͤmliche Mode, die bey ihren Vorfahren vor un⸗ 
denklichen Zeiten herrſchte. 
Ich bemerkte, daß die meiſten von den Frauens⸗ 
leuten auf der Oſtſeite des Miſſtſippi ihre Haare 
entweder in Baͤnder einflechten, oder zwiſchen 
Platten von Silber binden; doch thun dies letztere, 
da es ſehr koſtbar iſt, nur Frauensperſonen vom 
Stande. Das Silber, das ſi e dazu gebrauchen, 
wird in duͤnne Platten geſchlagen, die ungefähr 
vier Zoll breit ſind, und wovon ſie verſchiedne brau⸗ 
chen, ihr Haar einzuwickeln. Die Platte, die zunaͤchſt 
am Kopfe ſitzt, hat eine beträchtliche Größe, die 
zweyte iſt etwas ſchmahler, und geht zum Theil unter 
die erſte hinunter; und auf dieſe Art befeſtigen ſie 
ſie in en und N ſie immer enger, bis tief 
auf 


auf den Ruͤcken herab. Da das Haar der Indier 
immer gewohnlich ſehr lang iſt, ſo 1 dieſe Node 
dadurch ſehr koſtbar. | # 

Die Frauensleute auf der Weſtſeite des Mit 3 
sept theilen ihr Haar auf der Mitte des Kopfs in | 
zwey Zöpfe, die gegen die Ohren zu berabpaͤngen. 8 
Dieſe Zoͤpfe find ungefähr drey Zoll lang und wie 
ein Arm dick. Sie haͤngen ſenkrecht vor beyden 
Obren herunter, und reichen bis an wa 3 
En davon. 

Die Frauensperſonen von allen een 
machen gewoͤhnlich einen Fleck von Schminke, wie 
ein Speciesthaler groß, unten ans Ohr; einige 
färben ihr Haar, und zuweilen auch eine Stelle 
auf der Stirn. | 

Ueberbaupt wenden die FRE mehr Aufmerk⸗ 
ſamkeit auf ihre Kleidung und ihren perſ ſönlichen 
Putz, als auf die Bequemlichkeit in ihren Hütten 
oder Zelten, die ſie auf e . und leichte 
Art anlegen. | 

Sie wählen ſich Pfaͤhle abe: Etangen von ges 
böriger Länge, „und binden zwey davon immer an 
ihren Enden ins Kreuz mit Baſt an einander. 
Wenn ſie damit fertig find, ſo richten ſie ſie in die Hoͤ⸗ 
he, und ziehn ſie unten ſo weit auseinander, als es der 

Aae Raum des Zeltes erfordert. Hierauf richten 
e e 


R j Nee en 9 5 
200 ? N ITS 
* Nr > R . 


ſie mehrere von gleicher Länge auf, pn beſtſt⸗ 
gen ſie Pr: daß ſie den beyden Hauptpfaͤhlen zur 
Stuͤtze dienen. Das Dach beſteht aus Reh⸗ oder 
Elendshaͤuten, die zuſammen genaͤht werden, und 
von denen ſie eine hinreichende Menge nehmen, 
um die Pfaͤhle zu bedecken. Die Thuͤr beſteht in 
einer Oefnung, uͤber die man ebenfalls ein Fell 
ziehn kann. Es wird hiezu oft eine große Menge 
Felle erfordert, da ihre Zelte ſehr geräumig find. 
Das Zell des Hauptkriegers der Nadoweſſter hatte 
wenigſtens vierzig Fuß im anke und war * | 
lich bequem. 

Sie ſchlagen ihr 1 obne ri geringe Ord- 
nung auf, und ſtellen ihre Zelte grade auf die 
Stelle hin, die ſie für, die bequemſte halten. 

Auch die Hütten, welche ſie errichten, wenn ſie 

auf ihren Reiſen keine Zelte brauchen, denn es 
giebe überhaupt nur wenig Staͤmme, die einen 
feſten Wohnplatz oder regelmaͤßige Doͤrfer und 
Staͤdte hätten, find eben ſo einfach, und Ian 
bald aufbauen. | | 

Sie ſtecken kleine biegſame ee. in die Erde, | 
und biegen fie, bis fie oben an einander ſtoßen, 
und einen halbkreisförmige Bogen machen, und 
binden fie zuſammen. Dieſe Stangen bedecken 
ba mit Matten, die aus Schilf gelochten werden, 

oder 


>. 


um 


| oder mit Birkenrinde/ die ha in al Kanom zu 
dieſem Gebrauche mit ſich Aren 
Dieſe ‚Hütten haben weder Schornsteine ii 
i genfter Sie faffen bloß eine kleine Oefnung mit⸗ 
ten im Dache „durch welche der Rauch hinaus 
geht, die aber zugeſtopft werden muß, wenn es 
ſtark regnet oder ſchneyet/ und Wan Ben Rauch | 
Wer beſchwerlich macht. 

Sie ſchlafen überhaupt auf Fellen, und . | 
Bärenhäuten, die Reihenweiſe auf dem Boden aus⸗ 
gebreitet ſind. Wenn der Fußboden nicht groß 
genug fuͤr Betten für die ganze Familie iſt, fo wird 
ein Geruͤſte vier bis fünf Fuß hoch vom Boden er⸗ 
richtet, worauf die juͤngern Kinder liegen. | 

Da die Wohnungen der Indier ſo ſchlecht find, 
ſo baben ſie auch nur wenigen und einfachen Haus⸗ 
rath. Die Werkzeuge, die ſie zu ſeiner Verfer⸗ 
| tigung brauchen, find ſo ungeſchickt und ſchlecht, 
daß es unmöglich iſt, fie. auch nur etwas huͤbſch 
auszuarbeiten, und es wird dadurch eine ſo große 5 
Zeit dazu erfodert, daß ſie von aller Handarbeit 
x abgeſchreckt werden muͤſſen, wenn ſie abe Rupert 
nothwendig i 
Die Nadoweſſ er machen die Töpfe, worin A 
| the Speiſe kochen, aus der ſchwarzen Thon: oder 
i Steinatt, deren ich i in meinem Tagebuche erwahnt 

i N 5 habe, 5 


205 2 


| bee) und die 0 bert if, daß weder Feuer 120 
Eiſen daraufwuͤrken koͤnnen. Wenn fie einen Bra⸗ 
ten machen, es ſey nun ein großes Stuͤck oder gar 
ein ganzes Thier, zum Beyſpiel ein Bieber, fo 
befeſtigen fie ihn auf europäifihe Art an einem 
Spieße von hartem Holze, und legen die Enden auf 
gabelfoͤrmigen Stangen, und drehen ihn zuweilen 

um. Wenn das Stuͤck kleiner iſt, ſo ſpießen ſie 

es an auf die naͤhmliche Art, und befeſtigen den 
Spieß in einer vertikalen Richtung, doch ſo, daß 
das Fleiſch nach dem Feuer zuhaͤngt, und veraͤndern 

oft die age, bis alles gehoͤrig gebraten iſt. 


Sie machen ihre Schuͤſſeln und Schaalen, worin 
ſie die Speiſen auftragen, aus den aſtigen Aus⸗ 
wuͤchſen des Ahornbaums und andre Bäume. Ihre 
Löffel find ziemlich gut gearbeitet, da weit weniger 
Arbeit dazu gehoͤrt, als zu größern Sachen. Sie 
nehmen dazu eine beſondere Art Holz, die in Ame⸗ 
rika Löffelholz genannt wird, und Buchsbaumholze 
ſehr ahnlich iſt. 


Jeder Stamm iſt jetzt mit Meſſern und Feuer⸗ 
ſtahlen verſehen. Da dieſe Stuͤcke zu den gemein⸗ 
ſten Beduͤrfniſſen des Lebens fo nothwendig ſind, 
ſo kaufen die Indier, welche keine unmittelbare Ge⸗ 
meinſchaft mit europaͤiſchen Handelsleuten haben, 


203 
ſie von ihren Nachbarn, die näher an den Kolonien 
eee, und 3 eee men e 


Drittes Kapitel. 


Von Aan eee und en ene eee Indier. N 


Wen die diſhen Frauensperſonen ſitzen, ſo 
nehmen ſie eine anſtaͤndige Stellung an, und 
halten ihre Knie dicht zuſammen, aber eben dieſe 
| Stellung, an die fie ſehr gewöhnt find, macht, daß 
fie ſchlecht gehn, und lahm zu ſeyn ſcheinen. * 
Es giebt keine Hebammen bey ihnen, da der 
Himmelsſtrich, unter dem ſie leben, oder eine beſon⸗ 
ders gluͤckliche keibesbeſchaffenheit ihren Beyſtand 
unnoͤthig macht. Ihre Niederkunft haͤlt ſie nur 
einige Stunden von ihren gewohnlichen Beſchaͤfti⸗ 
gungen ab, die gewohnlich ſehr ſchwer find, da die 
Maͤnner, die einen ungewoͤhnlichen Grad von Traͤg⸗ 
heit beſttzen, ihnen alle harten Arbeiten uͤberlaſſen. 
Selbſt auf der Jagd bringen die Maͤnner nie dass 
Wildprett nach Hauſe, ſondern laſſen es durch ihre 

Weiber holen, wenn es auch gleich e eine beträcht⸗ = 

liche Strecke entfernt iſt. 

Die Weiber legen ihre Kinder Hark 1c ibrer 
Geburt auf Bretter, die mit weichem Moos, fo 
| wie 


204 Ä 
wie man es in Suͤmpfen oder auf Wieſen antrifft, 
bedeckt ſind. Das Kind liegt auf dem Ruͤcken, in 
dieſer Art von Wiege, und wird in Felle oder Tuch 
eingewickelt, um es warm zu halten. Damit es 
nicht herunter fallen kann, fo find an beyden Seiten 
da krummgebogene Stuͤcke Holz angebracht. 
Dieſe Maſchinen werden mit Riemen an Baum⸗ 
zweigen aufgehängt, „oder wenn es feine Bäume 
in der Naͤhe giebt, ſo binden ſie ſie an einen Klotz 
oder Stein, wenn es ihre Geſchaͤfte erfordern. 
In dieſer Lage werden die Kinder einige Monathe 
lang erhalten. Wenn ſie heraus genommen wer⸗ 
den, ſo laͤßt man die J Jungen nackend lauſen, aber 
die Maͤdchen werden vom Halſe bis an die Knie mit 
einem Hemde und einem kurzen Rocke bedeckt. 

Die indiſchen Frauensleute ſind waͤhrend lbrer 

monachfichen Reinigung ungemein beſcheiden. Bey 

| den Voͤlkerſchaſten, die von den europaͤiſchen Nies 

derlaſſungen am weiteſten entfernt wohnen, find - 

fie in dieſem Stuͤcke vorzüglich forgfältig. Doch 

folgen ſie alle ohne Ausnahme einerley Serpofabeit 
nur in verſchiednem Grade. 

In jedem Lager oder Dorfe giebt es ein Simmer, 
Soc ſich Verheyrathete und Unverheyrathete zu 
dieſer Zeit begeben, und ſich mit der groͤßten Strenge 
alles Umgangs, ſo lange als ſie dauert, enthalten. 

8 en Nach⸗ 


205 
Nachher reinigen ſie schl im flegenben Waſſer, und 
8 kehren zu ihren verſchiednen Beſchaͤſtigungen zuruͤck. 
Die Mannsperſonen vermeiden bey dieſen Gele⸗ f 
genheiten allen U. ngang mit ihnen aufs ſorgfaͤltigſte, 


und die Nadoweſſter ſind hierin ſo ſtrenge, daß ſie 


nicht einmal erlauben, die nothwendigſten Dinge, 
ſelbſt Feuer, von den Frauensleuten waͤhrend ihrer 
monathlichen Entfernung zu hohlen, und wenn auch 
der Mangel derſelben mit den größten Unbequem⸗ 
lichkeiten verbunden ſeyn ſollte. Sie haben ſo gar 
den Aberglauben, wenn eine Pfeiffenröhre, die bey 
ihnen von Holze ſind „ zerbricht F daß der Eigen⸗ 
thuͤmer davon fie entweder bey einem unreinen 
Feuer angezündet, oder gar mit einer Frauens⸗ 
perſon waͤhrend ihrer Entfernung Gemeinſchaft ge⸗ 
pflogen habe, welches ſie für de e und 
e haften. 

Die Indier ſind ſehr berichtig und een 
ee“ Wort und jede Handlung ſehr genau. Nichts 
bringt ſie leicht in übermäßige Hitze, als der eins 
gewurzelte Haß gegen ihre Feinde, der einmahl ſo 
tief in ihrem Herzen liegt, daß es aͤuſſerſt ſchwer | 
iſt, ihn völlig auszurotten. In jedem andern Falle 
ſind ſie kalt und ſo behutſam, daß ſie nicht leicht 
ihre eidenſchaften aͤuſſern. Wenn ein Indier ent⸗ 
b daß ein Freund in Geſahr . von einem, 

den 


206 | 
den er beleidigt hat, umgebracht zu werden, ſo 
ſagt er ihm nicht in deutlichen Ausdrucken, wie ge⸗ 

faͤhrlich es fuͤr ihn ſeyn wuͤrde, den Weg zu nehmen, 
auf welchem ſein Feind ihm auf laurt, ſondern er 
fragt ihn erſt kaltblütig, wohin er heute gehn wuͤrde; 3 
und wenn er es erfaͤhrt, ſo ſagt er ihm mit der 
naͤhmlichen Gleichguͤltigkeit, daß ein Hund nahe 
bey dem Platze laͤge, der ihm ſchaden könnte. Die⸗ 
ſer Wink iſt hinreichend; und ſein Freund vermei⸗ 
det die Gefahr eben ſo ſorgfaͤltig, als wenn ihm 
jede Abſicht und Bewegung feines Fein wäre 
angezeigt worden. | 
Dieſe naͤhmliche Kaltbluͤtigkeit Sufert ſich oft bey f 
Gelegenheiten, welche ein fuͤhlbares Herz in die 
groͤßte Waͤrme verſetzen wuͤrde. Wenn ein Indier 
von ſeiner Familie und ſeinen Freunden viele Mo⸗ 
nathe auf einem Kriegs» oder Jagdzuge abweſend 
geweſen iſt, und ſeine Frau und Kinder ihm eine 
Strecke von ſeiner Wohnung entgegen kommen, 
ſo geht er, anſtatt zaͤrtliche Empfindungen zu aͤuſ⸗ 
ſern, die in der Bruſt eines fuͤhlbaren Weſens ges 
wiß entſtehn wuͤrden, feinen graden Gang fort, 
0 ohne ſich um alle, die ihn umgeben, zu bekuͤmmern, 
1 bis er nach Haufe kommt. a 
| Hier ſetzt er ſich hin, und raucht feine Pfeiffe 1 
mit der naͤhmſichen Gleichgüligkelt; als 0 er 
| | inen 


— 


/ 


207 


feinen Tag abweſend geweſen waͤre. Seine Be⸗ 
kannten, die ihn begleitet hatten, thun das nehm⸗ 
liche, und es waͤhret vielleicht etliche Stunden, ehe 
er ihnen die Zufaͤlle erzählt, die ihn waͤhrend ſeiner 
Abweſenheit begegneten, ſelbſt wenn er einen Vater, 
einen Bruder oder Sohn auf dem Schlachtfelde 
verlohr, über deſſen Tod er trauren ſollte, oder 
wenn ihm das ganze Unternehmen fehlſchlug, das 
ſeine Abweſenheit verurſacht hatte. 

Wenn ein Indier etliche Tage auf der Jagd oder 
bey einem andern muͤhſamen Geſchaͤfte zugebracht 
hat, ohne ſeinen Hunger dabey ſtillen zu koͤnnen, 
ſo nimmt er ſich doch ſehr in Acht, ſich etwas da⸗ 
von merken zu laſſen, wenn er in die Huͤtte oder 
das Zelt ſeines Freundes kömmt „wo er feine Bes 
duͤrfniſſe gleich befriedigen koͤnnte; ſondern ſetzt ſich 
geruhig nieder, und raucht feine Pfeiffe mit fo vie⸗ 
ler Zufriedenheit, als wenn ihm nichts weiter 
fehlte. Eben dies thut er bey Fremden. Dieſe 
e Gewohnheit wird bey alten Staͤmmen genau be⸗ 
obachtet, da ſie fie für einen Beweis von Stand⸗ 
baftigkeit halten, und glauben, daß ſie den Nahmen 
eines alten Weibes verdienen ah wenn fie 
| das Gegentheil thaͤten. | 
Wenn man einem Indier erzaͤblt, daß ſeine Kin⸗ 
der u 0. Ya gegen bie Omen bervorgethan, ſo viele 
| getöbe 


getodtet und ſo viele als Gefangene mitgebracht 15 
haben, ſo ſcheint er eben keine ſehr große Freude 
daruͤber zu empfinden. Seine Antwort beſteht ge⸗ \ 
woͤhnlich darin, “es iſt gut“, ohne ſich genauer nach 
beſondern Umſtaͤnden zu erkundigen. Wenn man 
ihm im Gegentheil ſagt, daß ſeine Kinder geblie⸗ 
ben oder gefangen ſind, ſo ruͤhrt ihn auch dies nicht, 
ſondern er antwortet blos; ves thut nichts”, und 


Fragt wahrſcheinlich, werigfiens imeinigerSeitgar 2 


ö 2 wie es zugieng. 
Dieſe ſcheinbare Gleichgültigkeit e jedoch 0 
nicht von einer gaͤnzlichen Unterdruͤckung alles na⸗ 
tuͤrlichen Gefuͤhls her; denn ungeachtet man ſie 
Wilde nennt, fo ſah ich bey keiner geſitteten Na» 
tion größere Beweiſe von Kindes⸗ oder Vaterliebe; 
und ungeachtet fie ihren Weibern nach einer langen 
Abweſenheit mit einer folchen ſtoiſchen Unempfind⸗ 
lichkeit begegnen, ſo fehlt ihnen * en ganz 
alle eheliche Zaͤrtlichkeit. x 
Bey ihren Beſuchen betragen ſie ſch gleichels 
auf eine ſonderbare Art. Wenn ein Indier eine 
beſondre Perſon aus einer Familie beſuchen will, 
ſo ſagt er gleich, wem er ſeinen Beſuch zugedacht 
hat, und der uͤbrige Theil der Familie begiebt ſich 
an das andere Ende des Zeltes oder der Hütte, 
und nimmt ſich ſehr f in When ihnen Vicht ſo nahe 
299 | u zu 


| er 209 
zu kommen, daß fie dadurch in ihrem Gefpräche 
könnten unterbrochen werden. Eben fü machen ſie 
es, wenn ein Mann eine Frauensperſon beſucht, nur 
muß er ſich alsdann huͤten ‚ nicht Liebe zum Gegen⸗ 5 
ſtande ſeines eee z machen, ſo lange es d 
helle iſt. H 

Die Indier koͤnnen eine Sache ungemein leich 
begreifen, und lernen alles, wozu eine genaue Auf⸗ 
merkſamkeit gehört, ſehr bald. Sie erlangen durch 
Uebung und ſcharfe Beobachtung viele Vollkom⸗ 
menheiten, die Europaͤern fehlen. So gehn ſie 
zum Beyſpiele durch einen Wald oder eine Ebene 
von zweyhundert Meilen Breite, und kommen ges 
nau an den Punkt, den ſie ſich vorgeſetzt hatten, 
ohne irgend einen betraͤchtlichen Umweg zu machen, 
und es iſt ihnen vollig gleichguͤltig dabey, ob OHR 
| Wetter heiter oder dunkel iſt. 95 

Eben ſo genau konnen fie die Stelle 8 
wo die Sonne am Himmel iſt, wenn ſie auch vollig 
von Wolken und Nebel verſteckt wird. Sie füns 
nen mit eben ſo großer Fertigkeit die Sp: uren von 
Menſchen oder Thieren „auf Laub oder auf Graſe 
ausſuͤndig machen, und daher entgeht ihnen auch 
ein fli ehender Feind nicht leicht. | 
Sie haben dieſe Eigenſchaften nicht bloß der Nas 
ſondern einer auſſerordentlichen Schaͤrfe ihrer 
Carvere Reifen, „„ Sim 


we wi 


SEAN 


210 REST 
Sinne zu danken, die ſich bloß durch eine unauf⸗ 
hoͤrliche dann und ee e erlan⸗ 
on. tape © i ne t 9) 
Ihr Gedächtniß iſt ebenfals ſehn glücklich im 
Behalten Sie koͤnnen jeden kleinen Umſtand an⸗ 
fuͤhren, der im Rathe vorgieng, und wiſſen genau 
zu beſtimmen, wenn ein ſolcher Rath gehalten ward. 
Ihre Wampumguͤrtel dienen dazu, ſich an das We⸗ 
ſentlichſte der Vertrage zu erinnern, die ſie mit 
den benachbarten Staͤmmen vor vielen Jahren 
ſchloſſen „und ſie beziehn ſich darauf mit eben ſo viel 
Genauigkeit und Deutlichkeit, als es die n 
auf ihre ſchriftlichen Urkunden thun koͤnnen. 
Das Alter wird bey jeder Nation ſehr⸗ geht | 
Der junge Indier port zwar den Rath feines Va⸗ 
ters mit vieler Gleichguͤltigkeit an; aber den Be⸗ 
fehlen ſeines Großvaters gehorcht er mit der groͤßben 
Bereitwilligkeit. Die jungen hören auf den Rath 
der aͤltern Mitglieder ihrer Verſammlung, als wenn 
es Orakelſpruͤche waͤren⸗ Wenn ihnen auf der Jagd 
ein ungewöhnlich gutes Wildpret aufſtoͤßt, ſo wird 
es gleich den Alten zum Geſchenke dargebracht. 
Sie haͤngen nie ihren Sorgen nach, ſondern 
eben in einer ſteten Ruhe und Zufriedenheit. Da 
ſie von Natur traͤgs find, ſo geben fie dic) keine bes 
1 Mühe, " beffern oder reichlichern Unter⸗ 
Wee f 1118 5: sn halt | 


halt zu verſchaffen, wenn fie ohne Mühe in der 
Re gerade ſo viel finden koͤnnen, als ſie brauchen. 
Ihre muͤßige Zeit bringen ſie mit Eſſen, Trin⸗ 
iin Schlafen oder Herumgehen in ihren Dörfern 
| und Laͤgern zu. Zwingt ſie aber die Noth, gegen 
einen Feind ins Feld zu ziehn, oder ſich Nahrung 
zu verſchaffen, ſo ſind ſie thaͤtig und unermuͤdet. 
Ich werde kuͤnftig bey der Nachricht von ihren Krie⸗ 
9 gen viele Beyſpiele davon anfuͤhren koͤnnen. 
Der bethöͤrende Geiſt der Spielſucht iſt nicht 
auf Europa allein eingeſchraͤnkt; auch die Indier 
verſpielen oft ihre Waffen, ihre Kleidung und ſogar | 
alle ihre Habſeligkeiten. Doch thun fie dies ohne 
alles Murren und Fluchen, und tragen ihr Ungluͤck 
mit einer philoſophiſchen Gleichmuͤthigkeit. u 
BIN Ihr Hauptlaſter iſt ihre Grauſamkeit gegen ihre | 
Feinde, die bey jeder andern Nation Schauder er⸗ 
regen würde. Aber eben fo freundſchaftlich, gaſt⸗ 
dey und leutſeltg find fie im Frieden. Man kannmit 
Wahrheit von ihnen ſagen, daß fie die ſchlimmſten 
ee und die beſten Freunde von der Welt find. 
Die Indier wiſſen uͤberhaupt nicht, was Eifer 
och iſt. Bey einigen Staͤmmen hat man ſelbſt 
nicht einmahl den geringſten Begriff davon, da 
ohnehin ihre jungen Leute ſelten die Tugend ver⸗ 
ene Frauensperſonen auf die Probe ſtellen, 
. . 


oder von dieſen gereißt werden. Demungeachtet 
find die indiſchen Frauensperſonen ſehr verliebter 
Natur, und es ſchadet ihrer Ehre gar nicht, wenn 
ſie vor ihrer Heyrath ihrer teidenfihaft nachbaͤngen. 
Als ich mich bey den Nadoweſſt tern auf hielt, ſo 
bemerkte ich, daß ſie einer Frau mit ſehr viel Ehr⸗ 
erbietung begegneten, und erfuhr nach genauer Un⸗ 
terſuchung „ daß die Urſache davon ihr in Europa | 
eine ewige Schande würde zugezogen haben. 
Sie gab in ihrer Jugend ein ſogenanntes Reisfeſt. 
Nach einer alten und faſt ganz verloſchnen Gewohn⸗ 
heit, bat ſie vierzig von ihren erſten Kriegern dazu, 
und bewirthete fie alle, nachdem fie ſich mit Reis und 
Wildfleiſch hinreichend geſaͤttigt hatten, mit einer 
geheimen N achſchuͤſſel hinter einem Schirme, der in 
der Mitte des Zeltes eigentlich dazu aufgeſtellt war. 
0 Dieſe verſchwendriſche Gefaͤlligkeit zog ihr die 
GBrunſt ihrer Gaͤſte „ und den Beyfall des ganzen 
ee Stamms zu. Die jungen Indier fuͤhlten ihr auſſer⸗ 
5 ordentliches Verdienſt ſo ſehr, daß ſie mit einander 
% um ihre Hand eiferten, und bald darauf ward ſie 
an einen von ihren vornehmſten Anfuͤhrern verhey⸗ 
8 rathet, der ihr immer die größten Beweiſe u 
N debe und Ehrerbietung gb. 
Jedoch findet ſich kaum eine Fraueneperſon i in 
1 hunde Jahren, die es wagte, ein ſolches Gaſt⸗ 
0 | | mahl 


213 
mahl zu g geben, under fie fi 0 einen Mann 
vom erſten Range zur Belohnung verſprechen kann; 


und die ganze Gewohnhei it ur blos bey den hee m 
weffiern ſtatt. 


Die Indier kennen übe fein Eigene 1 0 


recht, als in Dingen, die blos zum häuslichen Ge 
brauche gehören, und die ein jeder vermehrt, ſo 
wie es ſeine Imſtaͤnde erlauben. Sie ſind ſehr 
freygebig gegen einander, und helfen dem e 
e, Freunde gerne mit ihrem Ueberfluſſe ab. 
n Gefahr helfen ſie ihren Mitbuͤrgern willig obne 
Belohnung zu erwarten, die ausgenommen, welche | 
bey Indiern immer dem Verdienſte folgt. Ber 
herrſcht von deutlichen und billigen Geſetzen der 
Natur, wird jeder blos nach ſeinem Verdienſte ge⸗ 
ſchaͤtzt, und die Gleichheit am Stande, Sitten 
und Vorzuͤgen, die man bey jeder indiſchen Voͤlker⸗ 


ſchaft antrifft, beſeelt ſie mit einem reinen und 


wahren vaterlaͤndiſchen Geiſte, der i immer auf das 
allgemeine Beſte der SAN 5 au aue fie 
| gehbkenß; bedacht iſt. | 
Wenn einer von feinen Machbaren fine Kinder | 


durch Krankheiten oder im Kriege verliert, ſo 10 


erſetzen die, welche die meiſten Sklaven haben, 
dieſen Abgang; und dieſe Sklaven werden von dem 
er loſen Vater an Kindesſtatt angenommen, und 
W e 3 1 wuͤrk⸗ 


214 
wuͤrklich als Kinder den, „ Be f e anbau wur⸗ 
den, behandelt. „ an 
| ‚Die Indier, blos Bei, hs 
die nahe an den europaͤiſchen Beſitzungen wohnen, 
koͤnnen ſich gar keinen Begriff von dem Wehrte 
des Geldes machen, und ſehn es als die Quelle un⸗ 
zaͤhlicher Uebel an, wenn ſie von dem Gebrauche 
hoͤren, den andre Volker davon machen. 
Sie halten es für widerſinnig, daß ein Menſch 
6 mehr davon beſitzt als ein andrer, und koͤnnen es 
nicht begreifen, daß dieſer Beſitz Ehre und Anſehn 
verſchaffe. Aber daß der Mangel dieſes unnuͤtzen 
Metalls Menſchen ihrer Freiheit berauben und zwi⸗ 
ſchen die fuͤrchterlichen Mauren eines Gefaͤngniſſes 
einſchlieſſen Fonne, uͤberſteigt allen Glauben bey 
ihnen; und wenn man ihnen von dieſem Theile 
des europaͤiſchen Regierungsſyſtems erzaͤhlt, ſo be⸗ 
ſchuldigen ſie die Urheber deſſelben eines gaͤnzlichen 
Mangels von menſchlichem Gefühl, und belegen, 
ſie mit dem Nahmen von Wilden und Ungeheuern. 
Faſt eben ſo wenig ſcheinen ſie ſich um die Pro⸗ 
dukte der Kunſt zu bekuͤmmern. Wenn man i ihnen 
Stuͤcke davon zeigt ſo ſagen ſie zwar, es iſt hübſch/ 
ich mag es gern anfehn”, aber ohne nach der Ein⸗ 
richtung zu fragen, oder ſich einen richtigen Be⸗ 
riff von ſeinem Nuten wachen zu konnen. Aber 
Sun 208 f wenn 


wenn man n ha erzaͤblt der ſehr chu 5 
| laufen kann, der ſehr geſchickt auf der Jagd iſt, der 
richtig das Ziel treſfen, oder einen Bogen mit Leich⸗ 
tigkeit ſpannen kann, der einen Kanoe zu regieren 
weiß, der den Krieg verſteht, der die Lage feines 
Landes kennt, und ohne Fuͤhrer durch einen uner⸗ 
meßlichen Wald ſeinen Weg finden, und dabey von 
wenig Nahrungsmittel leben kann, ſo hören fie dieſe 
angenehme Erzählung. mit: großer Aufmerkſamkeit 
an, und koͤnnen DaB Se daham rg genug 
erheben. : g g 0 | 


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EHE RE DEE EEE RD Sg, 1 
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92 5 Viertes Kapitel. 
‚2m der Zeitrechnung der e. ya 


De Indier We ihre geit 1 der ihrer 
gaͤnzlichen Unwiſſenheit in der Sternkunde, 
auf eine ſehr vernuͤnftige Art ein. In den innern 
Gegenden von Nordamerika, von deren Bewoh⸗ 
nern ich vorzuͤglich rede, rechnen ſie ihre Jahre nach 
Wintern, oder wie ſie fer anstzüäckeil „ 18150 
b sa “a 0 
Einige Voͤlkerſe ſchaften rochnen; iber Aahre nic) 
Monden, und geben jedem Ja bre zwölf; z ſynodiſche 
oder Mondenmonathe/ und zaͤhlen nach dem Ver⸗ * 
RE ne. ala 


21 5 


laufe von dreyßig Monathen einen neuen a 
welchen ſie den verlohrnen Monath nennen, wor⸗ 
auf ſie ihre Rechnung wie zuvor wieder anfangen. 

Sie achten ſehr genau auf jeden Neumond, und 

aͤuſſern ihre Freude daruͤber durch beſondre Toͤne, 

und dadurch „ en ſie ibre e gegen . empor 
hebe. 

Ein jeder Monath hp ben neh einen oben 
Namen, „der die Jahrszeit ausdruͤckt, in welche er 
faͤllt. So nennen ſie zum Beyſpiel den Maͤrz, mit 
dem ſich ihr Jahr gewoͤhnlich bey dem erſten Neu⸗ 
monde nach der Fruͤhlingsnachtgleiche anfaͤngt, den 

Wurmmonath, weil um dieſe Zeit die Wuͤrmer 
ihre Schlupfwinkel in der Rinde von Baͤumen, im 
Holze u. f w. worin fie ech dem Winter über . 
| hielten, verlaſſen. 

Der April heißt der eee. „der May 
| der Blumenmonath, der Junius der heiſſe Monath, 

der Julius der Bockmonath. Die Urſache . 

Benennungen iſt deutlich genug. 11 

Der Auguſt heißt der Stoͤrmonath „ weil fie e in N 
dieſem Monathe eine große vr von dieß dich. 
art fangen. i 

Der September heißt Pr Semen FR 

fie in dem ee a ane Korn ne 
len. en u. | 4 5 
19 "986 | Der 


0 


217 
Der Oetober heißt der Reiſemonath, „weil fie 
um dieſe Zeit ihre Doͤrfer verlaſſen, und i in die Ge⸗ 
genden reifen, wo ge den Winter über zu jagen 
denken. 

Der ne wird von ihnen der Bieber 
nath genannt, weil die Bieber in dieſem Monath 
anfangen, ſich in ihren Haͤuſern zu halten, da ſie 
hinreichenden Vorrath auf den c eingefamn, 
| 1 haben. I 

Der December beißt ber Jagdmonath, wel 
fe biefen Monath mit der Jagd zubringen. ee 
Der Jenner der kalte Monath, da es in dieſem 
Monathe gewoͤhnlich ſtaͤrker 16 05 ale im N sangen, 
übrigen Winter. | 
Den Februar nennen ſie den Ehen) 
weil darin gemeinlich der meiſte Schnee fallt. 
Wenn der Mond nicht ſcheint, fo ſagen fie der 
Mond iſt todt, und einige nennen die drey letzten 
Tage deſſelben die nakten Tage. Die erſte ee 
ſcheinung des Mondes nennen fie fein ha a | 
er | | 
Sie haben Win eunchelung von Wochen, aber 
Tage zaͤhlen ſie nach Schlafen. Halbe Tage be⸗ 
ſtimmen ſie, indem ſie des Mittags auf die Sonne 
zeigen, und viertel Tage durch den Aufgang und 
a der Sonne; und um dies auszudruͤcken, 1 
O ee. bedies 


ran er 
72 
2 


218 


bedienen fie ſich! in ihren nada rau 
fallender Hieroglyphen. er 


Die Indier find eben fo unwiſſend in der Eros | 
ſchreibung als in andern Wiſſenſchaften, und 
dem ungeachtet zeichnen ſie auf Birkenrinde febr 
‚genaue Karten von den Gegenden, die fie kennen. 
Blos die Breite und enge fehle, um 15 vollkommen 
1 machen. 

‚Ihre ganze Kennenif in der Aftronomie beſteht 
arinn, daß ſie den Polarftern beſtimmen koͤnnen, | 
nad) welchen fie ſich auch richten, A wenn fie bey 
Nacht reiſen. RR Ei, 
Sie 9 die m 5 Oerter nicht 5 


Meilen, ſondern nach Tagereiſen, die nach der rich⸗ 


tigſten Rechnung die ich machen konnte, aug 
faͤhr zwanzig engliſche Meilen betragen moͤgen. 
Sie theilen ſie in halbe und viertel Tagereiſen ein, 
und geben ſie auf ihren Karten mit großer Genauig⸗ 
keit durch die eben angeführten Hieroglyphen an, 
und koͤnnen ſie in ihren Rathsverſammlungen, 
wenn ſie Partheyen zum Kriege oder auff die > 
| ausſchicken, ſehr richtig beſtimmen. A 
Von der Rechenkunſt haben ſie gar keinen Bes 
griff. 0 Sie! zaͤhlen zwar ſehr weit, aber ſie kennen 
Zahlzeichen eben r ang a eie 
EE f Pi Als 


ze, 


Als ich mich bey den Nadoweſſtern aufhielt ſo 
bemerkten einige von ihren Anfuͤhrern eine Zeich⸗ 
nung von einer Mondsfinfterniß in einem aftronos 
miſchen Buche, welches ich in der Hand hielt, und 
baten mich, daß ich fie ihnen zeigen möchte: . Ich 
gab ihnen das Buch von ungefaͤhr zuſammen ge⸗ 
macht hin; allein fie zaͤhlten die Blaͤtter, bis ſie 
an die Stelle kamen, wo das Kupfer war. Nach⸗ 
dem fie es angefehn „ und viele Fragen daruͤber 5 5 
than hatten, ſo ſagte ich ihnen, daß ſie nicht Nds 
thig gehabt hätten, das Blatt, worauf die Zeich⸗ 
nung war, mit ſo vieler Muͤhe aufſuſuchen, denn 
ich Fönnte ihnen, ohne die Blätter zu zählen, gleich 
ſagen, wo es ſch be und wie dee Blaͤtter 
vorhergiengen. 

Dies kam ihnen auſſerſt wunderbar vor, undfie 
baten mich, ihnen die Moͤglichkeit davon zu zeigen. 
Ich bat daher einen von ihnen, der das Buch in der 
Hand hatte, es aufzuſchlagen, wo er wollte, und 
den Rand forgfättig zuzuhalten, damit ich nicht im 
Stande waͤre, die Blaͤtter zu sählen. Er that es 
mit großer Behutſamkeit, und demungeachtet 
konnte ich ihm leicht die Zahl der Blaͤtter ſagen, 
| indem ich oben auf die Pagina ſah. Er zaͤhlte ſie 
ordentlich über, und fand, daß meine Angabe rich⸗ 
“ war. Wie die Judlet ſahen, daß ich dies zu 

Hi } vers 


220 


| verſchiednenmalen that, und immer ohne zu irren, 
ſo ſahen ſie eben ſo erſtaunt aus, als wenn ich 
Todte auferweckt hätte. Sie konnten mein Ver⸗ 

fahren bloß dadurch erklaͤren, daß das Buch ein 

Geiſt waͤre, der mir alles kae wat 10 von 

1 zu wiſſen verlangte. i 

Dieſer Umſtand, fo unbedeutend er Yin: ebe 

Wiffenden Leuten ſcheinen wird, trug nicht wenig 

dazu bey, ihnen noch eine guͤnſtigere Meynung von 

mir einzufloͤßen, als fie ſchon vorhin hatten. | 


Funſtes Kapitel. 
Von der — 5 der Judier. | 


| Wei, indiſhe Völkerſchaft wird wiede in ihre 

Stämme abgetheilt, der in dem Volke, zu 
zu welchem er gehoͤrt, wieder einen kleinen Staat 
ausmacht. Da jede Voͤlkerſchaft ein gewiſſes Sinn⸗ 
bild hat, wodurch ſie ſich von andern unterſcheidet, N 
ſo hat jeder Stamm wieder ſein beſonders Zeichen, 
wonach er benannt wird. Z. E. einen Adler, Pan⸗ 
ther, Tieger oder Büffel, Ein Stamm der Na⸗ 
doweſſter wird durch eine Schlange, ein zweyter 
durch eine Schildkroͤte, ein dritter durch - -_ 
Birnen, ein vierter durch einen We 


inf 


221 


nämliche Att reale: fich cen wie wie 
allen Bölferfihaften, und der geringſte unter ihnen 
weiß gewiß, von wem er Wine und RR ne 
zu ſeiner beſondern Familie. 

Wenn nicht viele andre Umſtände es wöderlgg 
ten ‚sw möchte ich ſelbſt aus dieſer Abtheilung in 
‚Stämmen, und der befoadern Anhaͤnglichkeit, 

b welche die Indier dafuͤr haben, faſt⸗ ſchließen, daß 
fie, wie einige awc en: von an Waden 
‚Rene Das, | 

Auſſerdem ER fi 2000 ede Völker 
ſchaft! in der Art, ihre Zelte oder Huͤtten zu bauen, 
und alle Indier kennen dieſen Unterſchied ſehr gut, 
ſelbſt da „wo ein Europaͤer, wenn er auch noch ſo 

f aufmerkſam iſt, nicht das geringſte bemerken kann. 
Sie konnen es genau, und vielleicht bloß aus der 
Lage eines Pfahls, der in der Erde ſtecken geblie 
ben iſt, beſtimmen, welche Voͤlkerſchaft vor vielen 
Monaten ihr Lager auf dem Platze gehabt hat. 5 

Jeder Stamm hat ein Oberhaupt, welches der f 
große Anfuͤhrer oder der Hauptkrieger genannt 
wird. Man ſieht bey ſeiner Wahl auf ſeine Er⸗ 

N fahrung i im Kriege und feine bewaͤ ährte Tapferkeit. 1 
Er macht die Einrichtung bey ihren Kriegszuͤgen, 
und ie die Aufſicht über alles, was zu dieſem 
Fache 


99 
225 
7 A 7 - * 


Hache gebört Allein dieſer mſihrer iſt nicht als 
das Oberhaupt des Staates anzuſehn. Auſſer ihm 
giebt es noch einen zweyten, der ſeinen Vorzug 
dem Erbrechte zu danken hat, und der alle buͤrger⸗ 
liche Sachen beſorgen muß. Dies Oberhaupt konnte 
eigentlicher der Sachem genannt werden, und feine 
Einwilligung wird zu allen Ausfertigungen und 
Vertraͤgen erfordert denen er auch das Zeichen 
karl Stammes oder der Voͤlkerſchaft anhaͤngt. f 

Dieſe beyden werden zwar als die Regenten des 
5 angeſehn, und der letzte hat gewöhnlich 
den Titel eines Koͤnigs; allein die Indier kennen 
demungeachtetllinterwüͤrfigkeit ſo wenig in bürger 
lichen, als in Kriegsſachen. Da ein jeder eine 
große Meynung von ſeiner eignen Wichtigkeit hat, 
und ſehr eiferfüchtig auf feine Freyheit iſt, fo wer: 
den alle Aufträge, die das Anſehn von einem aus⸗ 
drüͤcklichen Befehle eben, ke mit ee 
Wee 32313 1 

Ihre Anfuͤhrer find AR feten fü unSeftheiben, | 
ihre Befehle auf eine gebietriſche Art zu ertheilen. 
Ein bloßer Wink von einem Anfuͤhrer, daß er 
glaubte „eine gewiſſe Sache muͤſſe geſchehen, er⸗ 
regt den Augenblick einen Wetteifer unter den Ge⸗ 
ringern, und ſie wird gewiß mit vieler Munter⸗ 
ei ausgeführt. Durch dieſen Weg wird das Unan⸗ 
Ache genehme 


7 
/ 


i genehme des Befehls vermichen;; und FR, 
tet eine faſt uneingefihränfte Gewalt auggeühfin 10 


Bey den Indiern giebt es keine in die Augen N 
fallende Regierungsform. Sie kennen den Unter N 
| ſchied zwiſchen Obrigkeit und Unterthan nicht, und | 
jeder ſcheint eine vollkommene Unabhaͤngigkeit zu 
genießen. Der Gegenſtand ihrer Regierung be⸗ 
trifft mehr! das Aeuſſere als das Junere ihres ge⸗ 
meinen Weſens, y und ihre Aufmerkfamkeit ſcheint 
mehr darauf gerichtet zu ſeyn, eine Einigkeit zwi 
fen den Gliedern des Stammes zu befeftigen, die 
ſie i in den Stand ſetzen kann, die Bewegungen ihrer 
Feinde zu beobachten, und ſich ihnen mit Nach⸗ 
druck zu widerſetzen, als die innre Ordnung durch | 
öffentliche Einrichtungen zu erhalten. Wenn der 
Anfuͤhr er einen Vorſchlag ihut, der dem gemeinen 
Weſen vortheilhaft zu ſeyn ſcheint, ſo hat ein jeder 
die Freyheit zu wählen, ob er das S Seinige zur Aus⸗ 
führung, deſſelben beytragen will, oder nicht. 
Zwanggeſetze ſind bey ihnen vollig unbekannt. 
Wenn Gewaltthaͤtigkeiten oder Mordthaten ver⸗ 
uͤbt werden „ ſo wird das Recht, dieſe Verbrechen 
zu rächen, der befeidigten Familie uͤberlaſſen. Die 
Anführer unterſtehn ſich nicht, au e 4 oder 
re 5 mildern. e ch 


a 542 2 7 Pi 19 „ i W 5 
je ii dp Fe ER LE 40 Be og 


Einige 


224 
Einige Voͤlkerſchaften, bey denen die Wuͤrde 


erblich iſt, ſchrenken die Nachfolge auf die weib⸗ 


liche einie ein. Beym Tode eines Oberhauptes 
folgt ihm oft ſeiner Schweſter Sohn, wenn er 


5 gleich eigne Söhne hinterlaͤßt und wenn er keine 
| Schweſter hat, ſo maaßt ſich der naͤchſte Auver⸗ 


wandte von weiblicher Seite der Wuͤrde an. Aus 


dieſer Gewohnheit fäßt es fich erklaͤren, warum 
eine Frauensperſon die Regierung bey den Winne- 


bagoern hatte, ein Umſtand, der mir ſehr wunder⸗ 


bar vorkam, ehe ich mit ihren Geſetzen bekannt war. 


Jede Familie hat ein Recht, einen von ihren 


Oberhäuptern zum Gehuͤlfen des vornehmſten 


Oberhauptes zu ernennen, der fuͤr das Beſte der 
Familie ſorgen muß, und ohne deſſen Einwilligung 
kein oͤffentliches Gefchäft zu Stande gebracht wer: 


den kann. Sie werden größtentheils nach ihren 
a redneriſchen Faͤbigkeiten erwaͤhlt, und fie allein find 
berechtigt, in ihren Rathsverſammlungen und all⸗ 


gemeinen Zuſammenkuͤnften Reden zu halten. 
Auf dieſen Oberhaͤuptern, an deren Spitze der 
Erbanfuͤhrer ſteht, ſcheint die böchſte Gewalt zu 
beruhen; da ſie alles entſcheiden, was ihre Jagden, 
ihren Krieg und Frieden, und uͤberhaupt alle öffents 
lichen Angelegenheiten betrifft. Auf ſie folgt der 
wen der Krieger, wozu alles gehört, was im 
N Stande 


+ 


225 


Stande if, die n zu tragen. Dieſe Abthei⸗ 
| hung bat zuweilen den Regenten der Nation an 
se Spitze, wenn er ſich durch irgend eine tapfere 
That bervorgethan hat, ſonſt aber einen andern 
Anfuͤhrer, von deſſen 55 man durch binrei 

| chende Proben uͤberzeugt iſt. „ 


In ihren Rathsverſammlungen, die von den 
Übkneriähnten Mitgliedern gehalten werden, wird 
jede Sache von Wichtigkeit abgehandelt; und kein 

irgend wichtiger Vorſchlag kann zur Ausführung 
gebracht werden, wenn er nicht von den Ober⸗ 
haͤuptern allgemeinen Beyfall erhalt. Sie ver⸗ 
ſammlen ſich gemeiniglich in einem beſonders dazu 
gewidmeten Zelte, oder einer Hütte, und ſetzen 
ſich in einem Kreiſe auf dem Boden herum, worauf 
der ältefte Anführer aufſteht und eine Rede haͤlt. 
Wenn er fertig iſt, ſo ſteht ein andrer auf, und 
ſo ſagen alle nach der Reihe ihre Meynung, n wenn 
es die Noth erfordert | 


Ibre Sprache iſt bey fotchen Gelegenheiten (ehe 0 
ſtark und nachdrücklich. Ihre Reden find voller 
Bilder, Gleichniſſe, ſtarker Methaphern und Alles 
gorien, die man ſelbſt in keiner orientaliſchen 
Sprache beſſer ausdrücken konnte. In allen forms 

lichen Reden herrſcht viel Heftigkeit, aber im 


Carvers Reiſen P | gemel 


> 


gemeinen Leben ſprechen ſie eben p wie ii es . 
d thun. 0 

Es iſt den jungen Leuten erlaubt . den Rothe, 
8 verſammlungen gegenwaͤrtig zu ſeyn, doch duͤrfen 
ſie keine Reden halten, bis ſie ordentlich zugelaſſen 

worden ſind. Sie hoͤren jedoch mit ſehr großer 
Aufmerkſamkeit zu, und um zu zeigen, daß ſie die 
| Entſchluͤſſe der verſammelten Oberhaͤupter verſtehn, 
und e ſo rufen ſie oft. „ 5 iſt 5 2 das 
iſt gutt. | 

Die gewöhnliche Art bey allen Ständen, ren 
Beyfall auszudrucken, 1 und die ſie faſt bey jeder 
Periode wiederhohlen „ befteht in einem ſtarken 
Tone, der faſt klingt, wie unſte e 5 5 
zuſammen ausgesprochen. En 


9 5 Scchſtes Kapitel. 
Von den Gaſtmahlen der Sidi, au 


3 


N ie indiſche Nationen machen keinen Gebrauch 
von Brodt, Salz oder andern Gewuͤrzen, und 
einigen find ſie vollig unbekannt. Die Nadoweſſter 
insbeſondre haben kein Brodt „und uͤberhaupt 
nichts, das ſeine Stelle vertreten koͤnnte. Sie 
een wilden . ber Häufig in verſchiednen e Ge⸗ 

12 ah genden 


7 


genden ihres Gebietes waͤchſt, aber er wird ges 
kocht, und allein gegeſſen. Sie eſſen das Fleiſch 
von allen Thieren, die ſie auf der Jagd fangen, 
aber ohne irgend eine mehligte Subſtanz dazu zu 
nehmen, um die gröbern Theile des Fleiſches ver⸗ 
dauen z zu helfen. Und ſelbſt Zucker, den ſie aus 
dem Ahornbaum ziehn, brauchen ſie nicht, um 
irgend eine andre Speiſe ſchmackhafter zu hen 
0 ſondern eſſen ihn gewoͤhnlich allein. 

Den Gebrauch der Milch kennen ſie ebenfalls gar 
nicht, ungeachtet fie von Buͤffeln und Elendsrhies 
ren genug haben koͤnnten. Sie glauben, daß ſie 

zu nichts dienen koͤnne, als junge Thiere in ihrem 
| zarteſten Zuſtande zu ernaͤhren Mir kam es den⸗ 
noch eben nicht vor „daß der gaͤnzliche Mangel von 
Dingen, „die bey andern Völkern für ſehr noth⸗ 
| wendig und nahrhaft gehalten werden, ihnen nach⸗ 
theilig wäre, denn ſie ſind, uͤberhaupt betrachtet, 
gefünde, , ſtarke Leute. 

Bey den Ottagamiern, „den Safiern und 5 


5 oſtlichern Volkerſchaften giebt es ein Gericht, das 


faſt die Stelle des Brodtes vertreten koͤnnte. Es 
waͤchſt bey ihnen viel indiſches Korn, das nicht 
allein von den Indiern, ſondern auch von Euro⸗ 
ö pern, die in dieſe Gegenden kommen, ſehr geſchaͤtzt 
wird. Das eben erwaͤhnte ya beſteht aus un⸗ 
911 W 


Nee 
* * 1 1 : 
4 8 . 

3 N 


een Korn und unreifen Bohnen, die mit Bären, 
| fleiſche gekocht werden „wovon das Fett dem Korn 
und den Bohnen ihre Trockenheit benimmt, und 
ſie ungemein wohlſchmeckend macht. Sie nennen 
dies Gericht Succatoſch. e 


Die Indier eſſen nichts weniger als rohes Flach, 
ungeachtet ſie oft dafuͤr verſchrien werden. Alle 
. ihre Speiſen werden ſehr ſtark gekocht oder gebra⸗ 
ten. Ihr Getraͤnk iſt me, die N 
| worin ſie gekocht wurden. 


Ihre Gerichte beſtehn i in Bären, Elends, Reh, 
Bieber und Coatiſteiſch, das ſie auf die eben er⸗ 
waͤhnte Art zubereiten. Sie effen gewöhnlich Rep | 
fleiſch, das von Natur trocken iſt, und Bären⸗ 
fleiſch, welches fett und ſaftig iſt, zuſammen. So 
fett auch das letztere it, fo ißt man es fich 1 8 
nicht leicht zum Eckel. Be l 
Im Srübjahre effen bie Nadomeffier die innere 
Rinde von einem Strauche, der irgendwo in ihrem 
Lande waͤchſt; allein ich konnte fo wenig den Nah⸗ 
men davon ausfündig machen, als erfahren, wo 
ſie ſie her bekommen. Sie war ſehr ſpröde, und 
ließ ſich leicht kauen. Sie ſchmeckte ungemein an⸗ 
genehm, faſt wie Rüben, und die Indier Pe 
We daß fie ſebr nahrhaft waͤre. 
4 | Die 


29 


Die geringern Indier ſind ſehr unteinlich bey der 
teile von ihren Speiſen, aber einige von 
den Vornehmen halten ſehr viel auf Nettigkeit und 
Reinlichkeit, in ibrer Kleidung, ihren Selten und 
Speiſen. e e { 
Sie eſſen gewöhnlich i in großen Haufen mit ein⸗ 
ander, ſo daß ihre Mahlzeiten eigentlich als Gaſte⸗ 
reyen konnten angeſehn werden. Sie eſſen, ohne 
ſich an gewiſſe Stunden zu binden, grade wie es 
ihr Hunger und ihre Bequemlichkeit erfordert. 

Sie tanzen gewöhnlich vor oder nach jeder Mob 
beit, und bringen durch ihre Froͤhlichkeit wahr⸗ 
ſche inlich dem großen Geiſte, dem ſie fuͤr alles Gute 
verpflichtet zu ſeyn glauben ein angenehmeres 
Opfer, als ſie es durch ein förmliches Dankgebet 
wuͤrden thun können. Männer und Weiber effen 
bey offentlichen Gelegenheiten nicht zuſammen, 
und jedes Geſchlecht hat ſeine beſondere Gaſtmahle. 
Zu Hauſe hingegen, wenn keine Fremde da ſind, 
eſſen Ansneperfonen und eum mit a g 
ander. a: % 

Wenn bie Oberhäupter ſich bey ugend En 
4 entlichen Angelegenheit verſammlen, ſo wird 
fi e immer mit einem Gaſtmahle beſchloſſen, bey 
welchem ihre See und e keine 
N kennt. | 


» is Sibbe, 


Siebentes Kavittel. 
Bon den Tänzen der Indie, 


een 
er 1 . 
5 2 


Der Dan if eine von den liebſtenkeibesübungen . 


der Indier. Sie kommen bey keiner offent 
chen Gelegenheit zufammen, ohne ihn zu einer 
von ihren Beluſtigungen zu machen, und wenn ſie g 


nicht mit Kriegen oder mit der Jagd. zu thun haben, 

® vergnügen ſich die jungen Leute von dene G 
fihlechtern u Abend damit. 

In den Tanzen bey ihren Oaſtmablen ul ſonſt 


in allen uͤbrigen Tanzen, ſteht jede Mannsperſon 
nach der Reihe auf, und tanzt mit großer Leichtig⸗ 
keit und Kuͤhnheit, und beſingt dabey die Thaten 


ſeiner Vorfahren. Waͤhrend der Zeit giebt die 


Geſellſchaft, die auf dem Boden in einem Kreiſe 
um den Taͤnzer herum ſitzt, mit dem Taͤnzer den 
Takt durch einen Ton an, den ſie alle zugleich aus⸗ 


ſtoſſen, und der faſt klingt wie heh, heh, heh'. 


Dieſe Töne, wenn man fie fo nennen kann, wer 
den ſehr rauh, und mit der größten Anſtrengung 


der kungen berausgeſtoſſen, daß man faſt glauben 


ſollte, ihre Staͤrke muͤßte bald dadurch erſchoͤpft 


werden; aber dies geſchieht ſo wenig, daß ſie es 


die ganze Zeit über, die fie tanzen, mit der naͤhm⸗ 


5 Heftigkeit wiederhohſen. ae 
u. 1 | Die 


. Schritte auf europaͤiſche Art zu thun, ſondern hal⸗ 
ten ihre Füße dicht aneinander, und bewegen die 


gewiſſe Stelle, und wieder zuruͤck, und wenn auch 


doch ſo genau Takt, daß der Tanz nie unterbrochen 


| Männer, „die um fie herum fißen, denn Manns⸗ 1 


| beſondern Gelegenheiten gewidmet ſind, als den 
Pfeiffen oder Kalumettanz, den Kriegstanz, den 


Die Frauensleute 10 — bey den 3 
lichen Volkerſchaften, tanzen mit ſehr viel Anmuth. 
Sie tragen ſich ſehr grade, und laſſen ihre Arme 
dicht am Leibe herunter haͤngen. Sie fangen ihren 
Tanz damit an, daß ſie erſt etliche Schritte zur 
rechten und dann wieder zur linken zuruͤck gehn. 
Dieſe Bewegung machen ſie ohne ordentliche 


— 


Zähen ı und die Hacken eins ums andre. Auf dieſe 
Art glitſchen fie. mit großer Leichtigkeit bis an eine 


ae ſo viele mit einander tanzen, ſo halten fie 


wird. ı Während des Tanzes vermiſchen fie ihre 
hellen Stimmen mit den heiſern Scimmen der 


Dem Frauensperſonen tanzen nie zuſammen und 
ies macht nebſt ihren Trommeln und te 
pe Hemer 
Die Indier haben Warhehne 2 Arten Tänze, die 


Hochzeittanz, und den Opfertanz. Die Bewe⸗ 
gungen bey jiedem find verſchieden ji allein es iſt faft | 
nicht möglich den Unterſchied genau zu beſchreiben. 
* e 7 ar. Auſſer 


Auſſerdem hat jede Vöͤlkerſchaft ihre beſondre Art 
zu tanzen. Die Tſchipiwaͤer nehmen mehr ver⸗ 
ſchiedne Stellungen an, als die uͤbrigen Indier. 
Bald halten fie den Kopf i in die Höhe, bald buͤcken 
ſie ſich faſt bis auf die Erde, bald neigen ſie ſich 
ganz auf die eine Seite, bald aber wieder auf die 


andre. Die Nadoweſſt ier tragen ſich grader, tre⸗ 


ten feſter, und machen ihre Bewegungen mit mehr 
Anſtand. Aber alle machen bey ihrem Tanze das 
unangenehme Geraͤuſch, en eben nn | 
ben habe. 
Der Pfeiffentanz iſt 55 Hohen „und der 
| angenehmſte für den Zuſchauer, da er nicht fi ſo aus⸗ 
ſchweifend if, wie die uͤbrigen, und die ſchoͤnſten 
Figuren hat. Man tanzt ihn blos bey gewiſſen Ge⸗ 
legenheiten, als wenn feindliche Geſandten kom. 
men, um Friedensunterhandlungen zu pflegen, oder 
wenn vornehme Fremde durch ihr Gebiet reifen. 
Der Kriegstanz, den fie immer tanzen, wenn 
ſte auf den Krieg ausgehen, oder aus dem 
Kriege zuruck kommen, ſetzt F Fremde in Schrecken. 
Er wird, wie die übrigen, in einem Kreife von 
Kriegern getanzt. Ein Anführer fängt ihn gewoͤhn⸗ 
lich damit an, daß er von der rechten zur linken 
geht, und zugleich ſeine eignen Thaten und die Tha ⸗ 
ten feiner Vorfahren beſingt. Wenn er mit der 
Ra | | ie 


Erzählung, 1550 einer merkwuͤrdigen hat fertig | 
iſt, fo ſchlaͤgt er heftig mit feiner Kriegskeule gegen N 
einen Pfahl, der mitten im Kreiſe nne ban in 
die Erde gerammt iſt. ee ö 
Ein jeder tanzt ſo wie die Reihe an ihn We, 
und beſingt ebenfalls die wundervollen Thaten ſei⸗ 
ier Familie, bis fie endlich alle zuſammen tanzen. 
Jetzt faͤngt der Tanz wuͤrklich an, für jeden Frem⸗ 
den fuͤrchterlich zu werden, da ſie faſt eine jede 
ſuͤrchterliche und ſcheusliche Stellung annehmen, 
die ſich nur denken laͤßt, und dabey in voraus zei⸗ 
gen, was ſie gegen ihre Feinde im Kriege thun 
wollen. Waͤhrend dieſes Tanzes halten ſie ihre 
ſcharſen Meſſer in der Hand, und drohen damit, 
wenn ſie ſich herum werfen, einander zu durchſtoßen; . 
und dies wuͤrde auch ſicher geſchehen, wenn ſie 
nicht mit auſſerordentli cher Fertigkeit dem Stoße 
auswichen. Durch dieſe Bewegungen ſuchen fie 
die Art auszudruͤcken, wie ſie ihre Feinde toͤdten, 
ihnen die Haut vom Kopfe ziehn, oder ſie gefangen 
nehmen. Um den ganzen Auftritt noch auffallen⸗ 
der zu machen, ſo erheben ſie ein eben ſo fuͤrchter⸗ 
liches Gehaͤul und Kriegsgeſchrey, als ſie in ihren 
Schlachten thun; ſo daß man ſie in dieſen Augen⸗ 
blicken ‚für einen Per en Teufeln anſehn 
3 Be, BL), 1109 157 1 re 
„ Ey Be Ich 


Ich tanzte dieſn Tanz of mit ihnen, aber ich 
fand eben nicht lange Vergnuͤgen daran, da ich 
meine Furcht, eine gefaͤhrliche Wunde zu bekom⸗ 
men, nicht ablegen konnte. i 

Ich fand, daß bey den Nationen auf der Bel 1 
feite des Miſſtſippi „und an den obern See, der 
Pawa oder ſchwarze Tanz noch uͤblich iſt. Die 
Einwohner in den Kolonien erzählen tauſend laͤcher⸗ 
iche Geſchichten von Erſcheinungen des Teufels, 
die dieſer Tanz zuwege gebracht hätte. Allein fie 
geben zu, daß dies nur vor Zeiten geſchehen ſey aber 
jetzt ſich bey denen Indiern/ die nah an den euro⸗ 
paͤiſchen Niederlaſſungen wohnen, nur ſelten zutrage. 
Ich ſah zwar bey dieſem Tanze i in den inlaͤndiſchen 
Gegenden keine wuͤrkliche Erſcheinung des Teufels, 
aber doch ſolche Dinge, die nur Leute thun konnten, 
die mit ihm im Bunde nen 70 area 
gelle Gauckler waren. 

N Wie ich mich bey den Nadoweſſtern aufbieft, 0 
ward eben ein ſolcher Tanz aufgeführt. Eye der | 

Me. anſieng / ward einer von den Indiern in 
eine Geſellſchaft aufgenommen, welche ſie Waͤkon 

Kitſchewah, oder die freundſchaftliche Geſellſchaft 
des Geiſtes nannten. Dieſe Geſellſchaft beſteht 

aus Perſonen von beyden Geſchlechtern, allein es 
werden keine darin aufgenommen / die einen ta⸗ 

. AM 8 e del⸗ 


us 


235 


delhaften Karakter haben, 60 nicht von * ganzen 


ward wie en mit einem m mE 


— die Einweihung nie I ſehr russ. 8 


fländen verknuͤpft war, die, wie ich ſchon vorhin 
geſagt habe „ entweder eine Wuͤrkung von Zaube⸗ 
ordentlichen Geſchicklich⸗ 15 
keit ſeyn mußte, ſo will ich das ganze Verfahren 
dabey umſtaͤndlich beſchreiben. Die Ceremonie 
gieng zur Zeit des Neumondes auf einem Platze 
vor ſich, der in der Mitte des Lagers eigentlich dazu 


rey, oder von einer auſſ | 


gewidmet war, und ungefähr zweyhundert Perſo⸗ 


nen faffen konnte. Ich ward als ein Fremder, dem 5 
ſie ohnehin bey jeder andern Gelegenheit ſchon ſo 
viele Hoͤflie chkeiten erwieſen hatten, zu dieſer Feyer⸗ 


lichkeit ei eingeladen, und erhielt meine Stelle diane 


an den Schranken des Verſchlags s. 
Gegen 12 Uhr fiengen die Indier an m ſich zu 
umlen. Die Sonne ſchien ſehr hell, welches 


verſar 


halten ſie ihre oͤffentlichen Zuſammenkuͤnfte nicht 
en wenn der Himmel nicht heiter iſt. 


ehen 


r ein gutes Zeichen anſahen; denn uͤberhaupt 


E eſellſchaft gebilligt werden. Auf dieſe Aufnahme 
folgte der Pawatanz, worin ich aber nichts ſah, 
daß zu den Erzaͤhlungen, die ich davon gehoͤrt hatte, | 
Anlaß geben konnte, und die ganze Feyerlichkeit 


=» 


Zuerſt 


erfihien eine große Anzahl von O erhaͤuptern „die 
ihre beſten Kleidungsſtuͤcke an hatten. Nach ihnen 
kam der Hauptkrieger, der einen bis auf die Erde 
herabhaͤngenden. Rock von reichen Fellen an hatte, 
und mit it em ein Gefolge von funfzehn bis zwanzig 
8 Derfonen, „ die ſehr ſchoͤn bemahlt und angekleidet 
waren. Auf ſie folgten die Frauen von denen, die 
ſchon in die Geſellſchaft au genommen waren, und 
hinten nach kam ein vermiſchter Haufen von ge⸗ 
ringen Leuten, die alle nach ihrem Vermoͤgen dazu 
beytrugen „die e prächtig und e 
TR zu machen. 
Als die Geſellſchaft ſich gefeßt hatte, wo Sil, 
ſchweigen geboten war, ſo ſtand einer von den vor⸗ 
. nehmſten Anfuͤhr ern auf, und machte der Geſellſchaft 
in einer kurzen aber meiſterhaften Rede die Urſache 
ihrer Zuſammenkunft kund; naͤhmlich daß einer von 
ihren jungen Männern wuͤnſchte, in ihre Geſellſchaft 
aufgenommen zu werden. Er nahm dieſen jungen 
Mann darauf bey der Hand, und fragte die Geſell⸗ 
ſchaft, ob ſie etwas dagegen einzuwenden haͤtte, 


daß er ein Mitglied ihres Ordens wuͤrde? 


Da niemand etwas dawider hatte, ſo ward der 
junge Kandidat in die Mitte geftelle, und vier Ober⸗ 
haͤupter ſtellten ſich dicht bey ihm hin, und ermahn⸗ 
an. Br au der elk, nicht unter der Ceremonie, 

0 der 


— ee, von eee ann ibn d done . 0 5 
den Armen, und ließen ihn niederknien, der dritte 
ſtellte ſich hinter ihn, um ihn aufzufangen, wenn 
er fiele, und der vierte ging ungefhr ö Saß un 
f n vor ihm zuruͤck. 1 | 
Wie nun alles in gehörigen ae war, 80 
| 408585 der Anführer, der vor dem knienden Kan⸗ 
didaten ſtand, ihn mit einer vernehm lichen Stimme 


an. N 
chen Geiſte beſeſſen wäre, der auch in wenigen 

Augenblicken uͤber ihn kommen wuͤrde. Der Geiſt 
a wuͤrde ihn zwar todt ſchlagen, aber er wuͤrde ihm 
auch gleich das Leben wiedergeben. So ſchrecklich 
dieſe Gemeinſchaft des Geiſtes auch wäre, fo noth⸗ 
wendig waͤre ſie doch, ihn zu den Vorzuͤgen vorzu⸗ 
bereiten, welche die Geſellſchaft genöſſe/ in die er 
jezt aufgenommen werden ſollte. Sr | 

Wie er dies fagte,* ſchien er ſelbſt ſehr heftige 
Bewegungen zu fühlen, die endlich ſo ſtark wurden, 
daß ſich ſeine Geſichtszuͤge verzerrten, und fein 
ganzer Körper in Zuckungen fiel; und jetzt warf er 
etwas, das an Farbe und Geſtalt einer kleinen 
Bohne aͤhnlich ſah, dem jungen Manne dem An⸗ 
| ug 1 8 in den Mund. * junge Mann fiel 
| | auf 


Er ſagte ihm, daß er ſchon von dem naͤhmli⸗ f | 


| ee für todt auf die Erde nieder. 


e 
1 


a der Stele obne alle Bewegung nieder, als 
wenn er von einer Kugel getroffen waͤre. Der 


9 EN; 


Armen auf, und legte ihn mit H le der Im 


So bald dies geſchehn war, ſiengen fie an, fine 


Glieder zu reiben, und ihn fo auf den Ruͤcken zu 


8 & 
der gewaltſamen Wuͤrkung des Geiſtes auf Organe 


ſchlagen, daß Lebendige eher davon hätten e 
ſchlaͤfert, als Todte erweckt werden koͤnnen Un⸗ 


terdeſſen ſetzte der Redner ſeine Rede Aer fort, 
und bat die Zuſchauer, ſich nicht zu wundern, oder 


an der Wiederherſtellung des jungen Mannes zu 
zweifeln, da ſein jetziger lebloſer Zuſtand bloß von 


herruͤhrte, die bisher ſolcher Begeſßerungen r e 
nicht gewohnt waren:: 5 

Der Kandidat lag verſchiedne Minuten on 
Gefühl oder Bewegung; doch machten endlich die 
Vielen heftigen Schlaͤge, daß er wieder einige Spu⸗ 
ren von Leben zeigte, die aber mit heftigen Zuckun, 


gen und einer Art von Erſticken verbunden waren. 
Allein dieſe hoͤrten bald auf, und wie er die Bohne, 


on. 


oder was es ſonſt auch war, das der Indier auf ihn 
zuwarf, wieder von ſich gegeben hatte, ſo — 
er in gr. Zeit ren Yansei n 


* 


Anfuͤhrer, der hinter ihm ftand, fieng ihn in feinen 


N 


le 


239 


Aus dieſer Theil der Ceremonie gluͤcklich vorbey 
war, ſo nahmen ihm die vier Oberhaͤupter feine 
gewoͤhnliche Kleidung ab, und zogen ihm dafür eine | 
ganz neue wieder an. Hierauf nahm. ihn der Redner 
wieder bey der Hand, und ſtellte ihn der Geſell⸗ 
ſchaft als ein ordentliches und vollig eingeweihtes 
Mitglied vor, und ermahnte fie, ihm allen Bey ⸗ 
ſtand zu leiſten „deſſen er als ein junges Mitglied 
bedürftig ſeyn könnte. Dem jungen Bruder ges 
bot er, den Rath feiner altern Brüder mit Beſchei⸗ 
berhelt anzuhören, und pänfelich zu befolgen. 5 

Jetzt machten alle, die in den Sc ranken waren, 
einen Kreis um ihren neuen Bruder. Die Muſik 
ſeeng an, und der große Krieger ſang ein Lied, | 

worinn wie gewöhnlich die kriegeriſchen Tbaten 
über Nation erhoben wurden. e 

Ihre ganze Muſik beſteht i in einer Trommel von 
einem kuͤnſtlich gearbeiteten Stuͤcke eines hohlen 
Baumes, uͤber welches an einem Ende eine Haut 
geſpannt iſt, auf welche man mit einem einzeln ö 
Stocke ſchlaͤgt. Der Ton dieſes Inſtruments iſt 1 
ſehr uͤbellautend ’ und man braucht es bloß, ’ um 
das Zeitmaaß damit anzugeben. 2 Zuweilen brau- 
chen ſie auch das Tcchitſchiku, undi in ihren Kriegs⸗ 
taͤnzen eine Art Pfeiffen von Rohr / die einen durch⸗ 
Wehnen igen Ton baben. N 


Nach 


De“ 
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Pe} - : 


240 
Nach dieſer eben beſchriebenen Feyerlichkeit feng 
der Tanz an, ſo wie die Geſellſchaft ſich zuſammen 
geftelle hatte. Verſchiedne Sänger verflärkten 
| die Muſik mit ihren Stimmen „und vie Frauens⸗ 
leute ſielen zuweilen in den Chor mit ein, wodurch 
eine wilde, aber dennoch nicht unangenehme Har⸗ 
monie entſtand. Dies war uͤberhaupt eins von 
den angenehmſten Feſten, denen ich beywohnte, 
als ich mich unter den Indiern aufhielt. 


Ein lächerliches Stuck bey dieſem Tanze, das 
einer Art von Zauberen aͤhnlich ſah, war mir vor⸗ | 
zuͤglich auffallend. Die meiſten Tänzer hatten ein 
aufgeblafenes Marder: oder Öfternfell in der Hand, 

das, wenn man darauf druͤckte, ein pfeifendes Ge⸗ 
4 raͤuſch durch eine hölzerne Roͤhre machte. So wie 
dies Inſtrument jemand vor das Geſicht gehalten 
ward, und ſeinen Laut von ſich gab, fo fiel er auf 
der Stelle, allem Anſchein nach, todt nieder. Zu⸗ 
weilen lagen drey oder mehrere Mannsperſonen 
und Frauensleute zugleich auf der Erde; allein 
ſie erhohlten ſich gleich wieder, und traten von 
neuem in den Tanz ein. Dies ſchien ſelbſt den 
Vornehmern viel Vergnuͤgen zu machen. | Ich 
| boͤrte nachher, daß dieſe Schläuche Ihre Dii en 
oder ö wären. 


PR, ee 


155 241 
Als man einige Stunden auf dieſe Art zuge⸗ 
bracht hatte, ſo fieng das Gaſtmahl an. Ich ſah, | 

daß alle die Gerichte, die nahe bey mir hingeſetzt 

wurden, aus Hundefleiſch beſtanden, und erfuhr, | 
daß fie bey allen ihren öffentlichen Gaſtereyen kein 

ander Fleiſch brauchten, und der junge Kandidat 
ſucht daher, zu dem eben erwaͤhnten Feſte, es, wenn 
es auch noch ſo viel koſten ſollte, herbey zu ſchaffen. 

Eben dieſe Gewohnheit, Hundefleiſch bey gewiſ⸗ 

| fen Gelegenheiten zu eſſen, iſt bey verſchiednen Voͤl⸗ 

kerſchaften in den Ländern eingefuͤhrt, die an den 
nordoſtlichen Grenzen von Aſien liegen. Der 

Verfaſſer der Beſchreibung von Kamſchatka, die 
auf Befehl der Rußiſchen Kayſerinn herausgegeben 
ward, erzaͤhlt, daß die Einwohner von Koreka, 

einem Lande gegen Norden von Kamſchatka, die 

wie die Tatarn hordenweiſe herumziehn, ein Renn⸗ 
thier oder einen Hund ſchlachten, wenn fie den böͤ⸗ 


ſen Geiſtern opfern, und daß fie davon das Fleiſch 


eſſen, den Kopf aber mit der Zunge auf einen Pfahl 
ſtecken, ſo daß die Stirn nach Oſten gekehrt iſt. 
Auch wenn ſie anſteckende Krankheiten befuͤrchten, | 
ſo ſchlachten fie einen Hund, winden feine Gedaͤrme 
um zwey Pfaͤhle und gehn dazwiſchen durch. Dieſe 
Gebraͤuche, worin ihnen die Indier faſt völlig gleich 
kommen, ſcheinen meine Meinung, daß Amerika 
Carvers Reiſen. von 


242 


von dieſen Gegenden aus ſey beoblkert Gil, 
| noch mehr zu bekraͤftigen. ee, ' 


Ich weiß nicht, zu was fuͤr einer Art von Tin 
zen ich den rechnen ſoll, welchen die Indier auf: 
führten, die auf mein Zelt zukamen, als ich nahe 
beym See Pepin, an den Ufern des Mifftfippi, ans 
Land geſtiegen war. Als ich aus meinem Zelte 
heraus kam, fo ſah ich ungefähr zwanzig nackte 
junge Indier, wovon die meiften ſo fihon gewach⸗ 
ſen waren, als ich ſie je geſehn habe, nach der Muſik 

ihrer Trommeln auf mich zutanzen. Alle zehn 
oder zwolf Schritte blieben ſie ſtehn, und 1 | 
ein fuͤrchterliches Geheul. 5 

Als ſie mein Zelt erreicht hatten ‚fo bat ich fie, | 
herein zu kommen, welches fie auch thaten, ohne 
mich einer Antwort zu würdigen. Ich bemerkte, 

daß ſie ſich roth und ſchwarz bemahlt hatten, wel 
ches fie gewöhnfich thun, wenn fie gegen einen 
Feind ausziehn, und daß fie etliche Stuͤcke aus dem 
Kriegstanze unter ihre Figuren mit untermiſchten; 
beydes Dinge, die mich nicht laͤnger zweifeln ließen, 
daß der feindſelige Anführer, der meinen Gruß 
nicht erwiederte, fie abgeſchickt hätte. Ich entſchloß | 
mich daher, mein Leben fo theuer zu verkaufen, als 
möglich, und ſetzte mich mit meiner Flinte und 
meinen Piſtolen an der Seite auf meinen Koffer 


2 


5 nie⸗ 


der, und befahl meinen Leuten, gut auf ihrer | 
Hut zu ſeyn. 
Im Zelte ſetzten die Indier ihren Tanz abwech⸗ 

ſelnd fort, und beſangen dabey ihre Heldenthaten, N 
und die Vorzuͤge ihres Stammes vor allen andern. 
Um ihren Ausdrucken, „die ohnehin ſchon ſo ſtark 
und kraͤftig waren, daß der beherzteſte Menſch ſich 
. wuͤrde in Furcht haben ſetzen laſſen, noch 
mehr Gewicht zu geben, ſchlugen fie beym Ende 
eines jeden Abſatzes gegen die Pfaͤhle meines Zeltes 
mit einer ſolchen Heftigkeit „daß ich jeden Augen⸗ 
blick vermuthete, es wuͤrde uͤber uns zuſammen 
fallen. Sie hielten, fo wie ein jeder in der Runde 
bey mir vorbeytanzte, ihre rechte Hand uͤber ihre 
Augen, und ſahen mir ſtarr ins Geſicht, welches 
ich eben fuͤr kein Freundſchaftszeichen halten konnte. 
Meine Leute hielten fi ch für verlohren, und ich muß 
geſtehn, 2 ich nie eine e Furcht ge⸗ 
fuͤhlt habe. | 
Als ihr Tanz faſt zu Ende war, © bot ich ihne 15 
die Friedenspfeiffe an, allein ſie wollten ſie nicht 
annehmen. Ich nahm daher meine letzte Zuflucht 
zu Geſchenken, und ſuchte aus meiner Kiſte etliche 
Baͤnder und andre Kleinigkeiten hervor, und bot 
ſie ihnen an. Dies ſchien ſie in ihrem Entſchluſſe 
wankend zu machen, und ihren Zorn etwas zu be⸗ 
2 5 | 1 N 


2344 


* 


fänftigen; denn fie ſetzten ſich nach einer kurzen Ber 
rathſchlagung auf die Erde nieder, welches 45 fuͤr 
ein gutes Zeichen anſah. 

Und dies war es auch in der That, an bald 
FR nahmen fie die Friedenspfeiffe, zuͤndeten 
ſie an, und gaben ſie mir zuerſt, und rauchten nach⸗ 


her ſelbſt daraus. Sie nahmen darauf die Geſchenke 
auf, die ſie bis dahin kaum angeſehn hatten, aber 


ihnen jetzt ſehr willkommen zu ſeyn ſchienen, und 
verlieſſen mich als gute Freunde. Ich muß geſtehn, | 
daß ich nie froher war, als jezt, da ich dieſe fuͤrch⸗ 
terlichen Gaͤſte vom Halſe hatte. So ſehr ich es 
auch wuͤnſchte, ſo konnte ich doch nie die eigentliche 
Abſicht ihres Be ſurchse s erfahren. Es war immer aͤuſ⸗ 
ſerſt wahrſcheinlich daß ſie feindliche Abſichten hat⸗ 
ten, und daß ihr Beſuch bey ſpaͤter Nacht blos 

durch den großen Springer war veranlaßt wor⸗ 
den. Doch konnte es vielleicht, wie ich nachher 
erfuhr, auch geſchehn ſeyn, um mir eine große Ehre 
zu erzeigen, die gewoͤhnlich allen Anfuͤhrern frem⸗ 
der Voͤlkerſchaften wiederfährt, wenn fie zu ihnen 
kommen; und daß die Punkte ihres Betragens, 
die mir verdächtig vorkamen, blos Wirkungen ihrer 
Eitelkeit waren, und darauf abzielen ſollten, den 


N Fremden eine hohe Meynung von ihrer Größe und 
Tapferkeit einzufldßen. Den Morgen darauf, 
ehe 


245 
ehe ich meine Reis fortſetzte, brachten mir einige 
| Frauensperſonen ein Geſchenk von Zucker, em 

ich mit einigen neuen Bändern erwiederte. 
Der Opfertanz hat ſeinen Nahmen von keinem | 
| wuͤrklichen Opfer, das irgend einem guten oder 

boͤſen Geiſte dargebracht wird, ſondern es iſt ein 
Tanz, den die Nadoweſſter ſo nennen, weil er 

blos bey öffentlichen reudensfeſten aufgefuͤhrt wird. 
Als ich mich bey ihnen aufhielt, ſo verlief ſich ein 
ſchoͤnes Reh in ihr Lager, wo es bald gefangen und 
geſchlachtet ward. Da dies ſich grade beym Neu⸗ 
monde zutrug, ſo ſahen ſie es als eine gute Vorbe⸗ 
deutung an. Es ward ganz gebraten, ein jeder 
im Lager erhielt ſeinen Theil davon, und das ganze 
| Sen ward mit einem ſolchen Opfertanze beſchloſſen. 


ag — 


Achtes Kapittel. 
1 den Jagden der Indie 


ae 


| De gad uche die vornehmſte Beschäftigung 

der Indier aus; ſie werden dazu von ihrer 
fruͤbeſten Jugend angehalten, und ſie wird bey ih⸗ 
nen fuͤr eben ſo ruhmwuͤrdig gehalten, als ſie zu 


ihrem Unterhalte nothwendig it. Ein geſchickter 


1% ne Jager wird faſt eben ſo ſehr ger 
2 ia f datt, i 


- \ A 6 
N S 9 TR 
246 Er DR | 


ſchaͤtzt, als ein tapfrer Krieger, Es wird daher 
auch nicht leicht irgend ein Kunſtſtuͤck, das der 
menſchliche Witz erfunden hat, Thiere, die ihres 
Fleiſches oder ihres Felles wegen ſchaͤtzbar find, zu 
fangen, bey ihnen unbekannt ſenn. 

So lange, als ſie dieſem Geſchaͤſte nachgehn, 
verläßt fie die ihnen angebohrne Traͤgheit gänzlich, 
und ſie bezeigen ſich dabey thaͤtig, geduldig und un⸗ 
ermüdet. Sie wiſſen die Mittel, ihren Raub aus⸗ 

fuͤndig zu machen, eben fo gut, als ihn zu fangen. 
Sie können die Spur vom Wilde unterſcheiden, 
N ungeachtet jedes andre Auge nichts davon gewahr 
wird, und es mit der groͤßten Gewißheit durch un⸗ 
wegſame Waͤlder verfolgen. . 
Die Thiere, welche die Indier ihres Fleisches 
oder ihrer Felle wegen jagen, woraus ſie entweder 
ihre Kleidung machen, oder wofür fie von den Eu⸗ 
ropaͤern andre Beduͤrfniſſe eintauſchen, ſind Buͤffel, 
Elendsthiere, Rehe, Muſethiere, Baͤren, Renn⸗ 
thiere, Bieber, Ottern, Marder u. ſ. w. Ich 
will die Beſchreibung dieſer Thiere noch verſparen, 
und jetzt die Art, wie ſie gejagt werden, erzaͤhlen. 
Die Jagdrute, und die Partheyen, welche auf 
die verſchiednen Züge ausgehn muͤſſen, werden in 
ihren allgemeinen Verſamlungen, die im Sommer 
f gehalten werden, fo wie alle übrigen Wintergeſchaͤfte 
. | feſt⸗ 


* 


2 247 


feſtgeſetzt. Der Hauptkrieger, deſſen Amt es mit 
ſich bringt, dazu die noͤthigen Einrichtungen zu 
machen, laͤßt alle die bereit ſind, ihm zu folgen, | 
feierlich einladen; denn die Indier erkennen, wie 
ich fehon vorhin bemerkt habe, keine Oberherrſchaft, 
und konnen ſich vom Zwange gar keinen Begriff 
machen. Ein jeder, der die Einladung annimmt, 
bereitet ſich dazu ee vor, daß er a Tage 
faſter ? 
Das Fasten Ser Indier beſteht ber nicht, wie 
bey etlichen andern Völkerſchaften, darin, daß 
man nur die ſchmackhafteſten und koſtbarſten Spei⸗ 
fen ißt, ſondern ſie enthalten ſich wuͤrklich alles mög⸗ 
lichen Eſſens und Trinkens, und ihre Geduld und 
Standhaftigkeit geht ſo weit, daß der heftigfte Durſt 
fie nicht bewegen würde, auch nur einen Tropfen 
Waſſer zu koſten. Bey aller dieſer ſtrengen Ent⸗ 
haltſamkeit behalten ſie dennoch einen Anſchein von 
Zufriedenheit und Heiterkeit. N‘ 
Sie faſten, wie fie behaupten, vorzuͤglich um 
deſto freyer träumen zu koͤnnen, und in dieſen Traͤu⸗ 
men zu erfahren, wo das meiſte Wild anzutreffen | 
ſey / und zugleich den Zorn der böſen Geiſter abzu⸗ 5 
wenden, und ſich ihre Gunſt zu erwerben. Auſſer 
dem mahlen ſie alle unbebeskten are ve era | 
ee KB | 


230 e Wenn 


er 


Wenn die Faſtenzeit vergangen, und der Ort 
der Jagd bekannt gemacht worden iſt, ſo giebt der 


Anfuͤhrer, der die Aufſicht dabey hat, den verſchied⸗ 


nen Partheyen ein großes Gaſtmahl, woran aber 
keiner Theil nehmen darf, bis er ſich gebadet hat. 
An dieſen Gaſtmahlen eſſen ſie ungeachtet ihres 
langen Faſtens ſehr maͤßig, und der Anfuͤhrer er⸗ 
zaͤhlt ihnen dabey die Thaten derer, die bey dem 
Geſchaͤft, daß ſie jetzt vorhaben, am meiſten gelei⸗ 
ſtet hatten. Bald darauf treten ſie ihren Zug, 
uberall ſchwarz beſtrichen, unter dem Zujauchzen 


des ganzen Volkes nach dem beſtimmten Orte an. 


Ihre Behendigkeit und ihre Geduld bey der 
Verfolgung des Wildes ſind unbeſchreiblich. Keine 
Gebuͤſche, Graͤben, Fluͤſſe oder Moraͤſte koͤnnen 
ſie aufhalten. Sie gehen immer in der gradeſten 
Linie weiter, und es giebt wenig Thiere in den 
Gehoͤlzen, die fie nicht einhohlen konnten. | 

Wenn ſie auf die Baͤrenjagd ausgehn, ſo be⸗ 
muͤhen ſie ſich, ihr Lager zu entdecken; denn den 
Winter uͤber verbergen ſich dieſe Thiere in hohlen 
Staͤmmen von Baͤumen, oder machen ſich Locher 
in die Erde, wo fie ohne Nahrung zubringen, fü 
lange, als die ſtrenge Witterung dauret. 

Wenn die Indier glauben, daß ſie an eine Stelle 
* find, welche dieſe Thiere gewoͤhnlich be⸗ 


ſuchen, 


RN | 249 
ſuchen, fo machen fie in Verhaͤltniß ihrer Zahl einen 
Kreis, und ſuchen, indem ſie ſich dem Mittelpunkt 
naͤhern, ihren eigentlichen Aufenthalt ausfündig | 
zu machen. Auf dieſe Art find fie gewiß, alle die | 
ſich in der Kreisfläche auf halten, aufzujagen, und 
mit Flinten oder Bogen zu fällen. Der Bär 
flieht, ſobald er nur einen Menſchen oder Hund 
anſichtig wird, und wehrt ſich nicht anders, als 
wenn er verwundet oder ſehr hungrig iſt. 

Zur Buͤffeljagd machen die Indier einen Kreis 
oder ein Viereck, faſt auf die naͤhmliche Art, als 
wenn ſie Baͤren aufſuchen. Sobald jeder ſeinen 
Poſten eingenommen hat, ſo ſtecken ſie das Gras, 
das um dieſe Zeit aus gewoͤhnlich welk und trocken 
iſt, in Brand, und treiben darauf die Büffel, die 
ſich ſehr vor dem Feuer fuͤrchten, in einen engen 
Raum nm, wo ihnen nicht Eiche einer i 
ah | | 
| Elendsthiere, Rehe und Steiturbhire jagen fi f. 4 
auf verſchiedne Art. Zuweilen ſuchen ſie ſie in den 
Waͤldern auf, in welche fie während der rauhen 
Witterung ihre Zuflucht nehmen, und wo ſie leicht 
hinter den Baͤumen geſchoſſen werden konnen. In 
den nordlichen Gegenden machen ſie ſich der Wit⸗ 
terung auf eine andre Art zu Nutze, um Elends⸗ 
chiere un fangen. Wenn die Sonne eben ſtark ge⸗ 

2 5 nug 


Il) 


250 MEER 
nug wird, um den Schnee zu ſchmelzen, auf dem 
ſich aber durch den Nachtfroſt eine Art Rinde ſetzt, 
ſo bricht dies ſchwere Thier mit ſeinem geſpaltenen 
Hufe leicht durch, und kann ſich nicht ohne viele 
Muͤhe wieder losmachen, und daher wird es von 
den Indiern leicht eingehohlt und erlegt. 
Einige Voͤlkerſchaften jagen dieſe Thiere auf 
eine viel leichtere und weniger gefährliche Art! Die | 
jagende Parthey theilt ſich in zwey Truppen, und 


waͤhlt ſich eine Stelle nahe beym Ufer irgend eines 


Fluſſes; ein Trupp ſetzt ſich in Kanoe, indem der 
andre einen halben Kreis auf dem Lande macht, 


deſſen Arme fich bis ans Waſſer erſtrecken. Hierauf 
laſſen fie ihre Hunde los, die alles Wild, das ſich 


innerhalb des Kreiſes befindet, aufjagen, und in 
den Fluß treiben, wo der größte Theil davon leicht 
von denen in den Kanoen befindlichen Set ge⸗ | 
ſchoſſen wird. 

Sowohl Elendsthiere als Buͤffel werden unge⸗ 1 
mein wuͤthend, ſo bald ſie verwundet werden, und 
wenden ſich Fühn gegen ihre Verfolger, und treten 


ſie unter die Fuͤße, wenn der Jaͤger ſie nicht vor⸗ 


her toͤdten, oder ſich auf einem Baume in Sicher⸗ 
heit ſetzen kann. Auf dieſe Art koͤnnen ſie ihnen 
leicht ausweichen, und ſie ſo verwunden, daß ſie 
von ſelbſt auf hoͤren, ſie zu verfolgen. | 

K Die 


251 


Die eintröglichſte unter allen Jagden, vorzuͤg⸗ 
00 in den nordlichern Gegenden, iſt unſtreitig die 
Bieberjagd, auf welche ſie ſich daher auch beſonders 
legen. Die Jahrszeit dazu waͤhrt den ganzen 
Winter, vom November bis zum April, weil eben 
alsdann ihr Fell ſeine groͤßte Vollkommenheit er⸗ 
reicht. Die Beſchreibung von dieſen auſſerordent⸗ 
lichen Thieren, die Bauart ihrer Huͤtten, und die 
ganze ere ee werde ich weiter 
unten liefern. | 9 

Die Jaͤger febiehen fich verſchiebuer Mie, ſie 
zu fangen, doch gewöhnlich fangen ſie ſie in Schlin⸗ 
gen, hauen das Eis auß Par en ihre Dämme 
En Run | 

Da die Bieber ein ungemein ſcharfes Geſcht 
und ein ſehr feines Gehoͤr haben, ſo muß man ſich 
ihrem Aufenthalte mit großer Vorſicht naͤhern. 
Sie gehn ſelten weit vom Waſſer weg, und bauen 
ihre Haͤuſer immer dicht an einen großen Fluß oder 
See, und koͤnnen daher leicht ſich ins tiefſte Waſſer | 
begeben, wo fie gleich bis auf den Grund unter; | 
tauchen. Sie ſchlagen dabey mit ihrem Schwanze 
ſtark auf das Waſſer, und geben eee e. sr 
zen Gemeinde ein Warnungszeichen. - 
Mit Fallen werden fie auf folgende At fa 
gen. Es ua zwar bekannt, daß die Bieber gewöhn / 

| lich 


252 1 
lich einen hinreichenden Vorrath fuͤr den Winter 
zuſammen tragen, aber demungeachtet ſtreifen fie 
von Zeit zu Zeit in die benachbarten Länder, um 
friſche debensmittel zu hohlen. Wenn nun die Jaͤ⸗ 
ger ihren Aufenthalt entdeckt haben, ſo ſtellen ſie 
ihnen eine Falle in den Weg, unter welche ſie kleine 
Stuͤcke Rinde oder junge Sproͤßlinge legen, und 
ſobald der Bieber dieſe beruͤhrt, ſo faͤllt ein ſchwe⸗ 
rer Klotz auf ihn herunter und zerbricht ihm den 
Ruͤcken, wodurch er feinen Werfen leicht zur 
Beute wird. \ 
Sonſt hauen fie auch, wenn das Eis auf glͤͤſſen 
| und Seen fehr dick ift, eine Oefnung darinn, daß 
ſich die Bieber „wenn man ſie in ihren Haͤuſern 
ſtoͤrt, gern naͤhern, um friſche Luft zu ſchoͤpfen. Ihr 
Athem macht eine ziemliche Bewegung im Waſſer, 
und die Jaͤger koͤnnen ihre Annaͤherung daher leicht 
bemerken, und ſich fertig machen, ſie auf den Kopf i 
zu ſchlagen, ſobald fie un nur über dem TR 
sehn laſſen. 

Wenn die Bieber ihre Haͤuſer an Baͤchen Un 
ſo ſind ſie noch leichter zu fangen. Die Jaͤger 
hauen nämlich ein Loch ins Eis, ziehn ein Netz 
darunter her, und zerſtoͤren die Haͤuſer der Bieber, 
die immer das tiefſte Waſſer ſuchen, und ſich daher 
haͤuſig in dieſe Netze verwickeln. Allein man muß 


. 


\ 


a 253 
ſie nicht lange ruhig darinn laſſen, weil ſie ſich 
ſonſt leicht mit ihren ſcharfen und ſtarken Bühnen 
daraus würden los machen koͤnnen. 


Die Indier verhindern ihre Hunde ſorgfältig , 
die Knochen von Biebern zu benagen, weil ſie theils 
fo hart find, daß die Hunde leicht ihre Zähne daran 
verderben koͤnnten, und weil ſie befuͤrchten, die 
Geifter der Bieber durch dieſe Nachſicht ſo aufzu⸗ 
bringen, daß ſie ihnen die kuͤnftige Jagdzeit völlig 
verderben den | 


Fuͤr die Felle dieſer Tbiere tauſchen die iger | 
von den Europäern ihre nothwendigen Waaren ein, 
weil ſie von dieſen höher geſchaͤtzt werden, als alles 
übrige Rauchwerk, und daher wird der Bieberfang 
auch von den Judiern mit dem größten Eiſer bes 
trieben. 


Wenn die Indier Büffel a Elonbebiere, Rebe 
u. u. dgl. m. fangen, ſo wird das Fleiſch davon gröͤßten⸗ 
de nter den Stamm, wozu fie gehören, aus⸗ 
getheilt. Aber zum Bieberfange vereinigen fi ch 
Eh: nur etliche Familien, und theilen die 
Beute unter ſich. Ueberhaupt ſehn ſie im erſten 0 
Falle bey der Theilung auch immer etwas auf ihre 
Familie; doch hört man nie, daß irgend Neid oder 
aankeupien darüber entſtuͤnden. 


Bey 


— 


Te a . 
— 8 8 — = 2 
f \ 


1000 
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— 


—— —— 


„ Krieger genannt werden, und die immer, 


254 
Bey den Nabe iſt es ein Gewohnheitsge⸗ 


6, daß wenn jemand ein Stuͤck Wild anſchießt, 


welches aber noch eine Strecke fortlaufen kann, 
ehe es hinfaͤllt, er es einem andern, ſelbſt von ei⸗ 
nem andern Stamme, uͤberlaſſen muß, wenn dieſer 
nahe genug iſt, ein Meſſer darinn zu ſtoßen, ehe 


jener herbey kommt. So widerrechtlich und ge⸗ 


waltſam auch dies Geſetz zu ſeyn ſcheint, ſo laſſen 
ſie es ſich doch willig gefallen. Die Indier, welche 


an den hintern Kolonien wohnen, haben dagegen 


die Gewohnheit, daß der, welcher ein Stuͤck Wild 
zuerſt el auch den beſten Theil davon erhaͤlt. 


MNaeuntes Kapitel. 
Von der Art der Indier, Krieg zu führen. 


Die Indier fangen an Waffen zu tragen, wenn 

fie funſzehn Jahre alt ſind, und ſind dazu 
bis zu ihrem ſechzigſten Jahre verpflichtet. Bey 
einigen ſuͤdlichern Volkerſchaften hören fie ſchon 
mit dem funfzigſten Jahre la in den Krieg 


zu ziehn. 


Bey jeder Voͤlkerſchaft und bey jedem Stamme 
giebt es einen Haufen auserleſener Leute, die vor⸗ 


ſo 


255 
fo wie es s die Umſtaͤnde erfordern, zum Angriffe 


oder zur Vertheidigung bereit ſeyn muͤſſen. Sie 
ſind alle gut auf die Art bewafnet, welche die Lage 


ihres Landes mit ſich bringt. Die Indier, welche 
mit den Europaͤern umgebn, haben Meſſer, Aexte 
und Flinten; diejenigen hingegen, welche weſt⸗ 


waͤrts vom Miſſtſippi wohnen, und ſich dieſe Waffen 
nicht anſchaffen koͤnnen, fuͤhren Bogen und Mae 
und Streitkolben, oder Cafle tetes. 


Die Indier die noch weiter weſtwaͤrts f in einer 


' Gegend wohnen, welche fich bis an die Suͤdſee ers 


ſtreckt, bedienen ſich einer ſehr feltfamen Art Waffen. 
Da fie Pferde im Ueberfluffe haben, fo greifen fie 
ihre Feinde auch immer zu Pferde an, und beladen 
ſich mit keinem andern Gewehre, als einem mittel⸗ 


maͤßig großem Steine, den ſie an eine ungefähr 


fuͤnf Fuß lange Schnur binden, welche an ihrem 


rechten Arme etwas über den Ellbogen befeſtigt iſt. 


Dieſe Steine halten ſie ganz bequem in der Hand, 
bis ſie ihrem Feinde nahe kommen, und wiſſen ſie 
im vollen Rennen ſo geſchickt zu werfen, daß ſie 


ihn ſelten verfehlen. Das Land, welches dieſen 


Stämmen gehört, beſteht aus weitlaͤuftigen Ebenen, 
und daher kommen ihre Feinde ſelten daraus zuruͤck, 
weil ſie dieſe mit ihren ſchnellaufenden e 5 


1 einpobfen konnen. 


8 Die 


— — — 2 — — 


u m ir 3 
8 


256 


Die Radoweſſter/ die mit dieſem Volke Krieg 

gefuͤhrt hatten, erzaͤhlten mir, daß fie fich bloß durch 
Moraͤſte und Gebuͤſche hätten ſichern koͤnnen. Sie 
griffen ſie daher auch immer an Plaͤtzen an, die 
für Kavallerie unwegſam waren, weil fie alsdann 
über ihre Feinde, denen ihre Waffen völlig. unnütz 
wurden, großen Vortheil erlangten. 

Einige Voͤlkerſchaften bedienen ſich eines Wurf⸗ 
ſpießes, an deſſen Ende ein ſpitziger Knochen befe⸗ 
ſtigt iſt; doch beſtehn die Waffen der meiſten In⸗ 
dier in Bogen und Pfeilen, und der kurzen Streit⸗ 
kolbe, die aus einem ſehr harten Holze gemacht " 
wird. Der Kopf daran hat die Geſtalt einer Rus 
gel von ungefaͤhr viertehalb Zoll im Durchmeſſer, 
und an dieſer Kugel iſt eine Schneide wie bey der 
Streitaxt befeſtigt, welche aus un oder Kieſel⸗ 
ſtein gemacht iſt. 

Die Nadoweſſter fuhren einen Dolch, der von 
einer ſehr alten Erfindung zu ſeyn ſcheint; doch 
konnten ſie nicht angeben, wie lange er ſchon bey 
ihnen gebraͤuchlich geweſen waͤre. Er ward ſonſt 
aus Knochen oder Kieſelſteinen gemacht; allein 
ſeitdem ſie mit europaͤiſchen Kaufleuten handeln, 
ſo verfertigen ſie ihn aus Stahl. Er iſt ungefaͤhr 
zehn Zoll lang, und nahe bey dem Griffe ungefahr 
drey an breit, Seine Ecken find ſehr ſcharf, und 

gehn 


in einer en von nNebfellen , die mit Stach 
vom Stachelſchweine verziert iſt, und haben ihn 
gewöhnlich an einer auf die naͤhmliche Art gezierten 0 
Schnur. hangen, die nur bis auf die Bruſt herunter 
geht. Doch wird dieſer ſonderbare Dolch blos von 10 
einigen von den vornehmſten Anfuͤhrern, und eben 
ſo ſehr zum Unterſcheidungszeichen em wuͤrkli⸗ 
chen Gebrauche getragen. 1805 

Ich ſah bey den Nadoweſſtern We Schilde 
n Tartſchen von rohen Buͤffelhaͤuten, welche die 
naͤhmliche Form hatten, als die S childe der Alten. 
Allein da es ihrer nur wenige gab, und ſie mir auch 
nicht ſagen konnten, wer fie zuerſt bey ihnen ein⸗ 
geführt hatte, ſo ſchließe ich, daß ſie viele Geſchlech⸗ 
ter hindurch vom Vater u den Sohn waren ver; 
erbt worden. e 

Die Urſachen, malte die Indier a mit 
g Nachbarn Krieg zu fuͤhren, ſind von der 
naͤhmlichen Beſchaffenheit, als die, welche euro⸗ 
paͤiſche Völker anzuführen pflegen, doch find jener 
ihre groͤßtentheils vernuͤnftiger und gerechter. 
Eroberungsſucht verleitet ſie ſelten, das Gebiet 
ihrer Nachbarn anzugreifen und zu verheeren. Ihre 
haͤufigen und blutigen Fehden ruͤhren gewoͤhl lich das 
von her, daß ein jeder ſeine Jagdgerechtigkeit i inner⸗ 
Carvers * R balb 


halb gewiſſer Grenzen behaupten, oder das fand, | 
das er einmal durch den fangen Beſitz als fein Ei⸗ 
genthum anſieht, gegen alle Eingriffe ſichern will. 
Sie haben zwar kein beſondres Eigenthum, aber 
dem ungeachtet kennt ſelbſt der unwiſſendſte unter 
ihnen die Rechte ſeines Volkes auf die Grundſtuͤcke, 


En nun es beſitzt, und iſt immer bereit, ſich allen 


Verletzungen dieſer Rechte zu widerſetzen. 

Man glaubt zwar durchgehends, daß ſich die 
Grenzen ihrer Länder, eben weil fie fo weitlaͤuftig 
find, nicht gut beſtimmen laſſen, aber ich bin den⸗ 
noch überzeugt, daß jede Voͤlkerſchaft in den innern 
Gegenden von Nordamerika ſie auf ihren rauhen 
Karten genau bezeichnet hat. Ich habe ſchon oben 
angefuͤhrt, daß ich meine Karten nach den ihrigen 
einrichtete, und daß ich durch die genaueſten Uns 


0 terſuchungen und Beobachtungen nur wenig "Fälle 


ausfuͤndig machen konnte / ‚in en Wefers 
waren. | 
Doch iſt ihr Vortheil niche der wicheigfte dene 
gungsgrund zum Kriege gegen einander. Die B 
gierde zur Rache, die Hauptleidenſchaft dieſer Bol 
ker, iſt die gewoͤhnlichſte Ucſache. Sie fuͤhlen jede 
Beleidigung aufs empfindlichſte, und ſuchen auf 
alle mögliche Art fie zu raͤchen. Hierzu kommt 
noch der Trieb, ſich durch tapfere Thaten hervor 


| 8 259 
zu thun, von welchem jeder Indier, wenn er ſich 
dem männlichen Alter nahet, beſeelt wird. Sie 
lernen von ihrer fruhen Jugend an, daß der Krieg 
ihre vornehmſte Beſchaͤftigung ſeyn wird, daß man 
nach nichts mehr trachten muͤſſe, als den Ruhm 
eines großen Kriegers zu erlangen, und daß es kein 
größeres Verdienſt gebe, als eine Menge Feinde 
zu erſchlagen, oder gefangen zu nehmen. Es iſt des⸗ 
wegen gar kein Wunder, daß die jungen Indier be⸗ 
ſtaͤndig raſtlos und misvergnügt ſind, wenn ihr 

Feuer unterdrückt wird, und ſie gezwungen werden, 
unthätig zu bleiben. Dieſer ihnen eingefloßte Hang 
und ihre Rachbegierde ſind daher immer hinreichend, 
ſie zu Geinbfeligfeicen. e ihre menen du 
ee Bde 5 50 

Wenn ihre Anführer e einen Krieg für 51 5 5 
1 ſo brauchen ſie nur dieſe beyden Federn anzu⸗ 
fpannen, um ihre Krieger zu den Waffen zu reizen. 
Sie bedienen ſich dazu auſſerdem noch ihrer kriege ⸗ 
riſchen Beredtſamkeit, die nie ihrer Wuͤrkung ver⸗ 
fehlt. “Die Knochen eurer gebliebenen Landsleute 
liegen unbedeckt; ſie fordern uns auf, ihr Unrecht 
“zu rächen, und es iſt unſre Pflicht, ihnen zu ger 
horchen. Ihre Geiſter ſchreyen gegen uns, und 
wir muͤſſen ſie beſaͤnftigen. Hoͤhere Geiſter, die 

ne unſrer Ehre, floͤßen uns den Entſchluß 
R 3 | ein, | 


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“ein, die Mörder unſrer Brüder aufzuſuchen. Laßt 
“uns gehn und ſie verſchlingen, durch welche ſie 
eſielen. Sitzt daher nicht laͤnger 'unthätig, folgt 
dem Triebe eurer angebohrnen Tapferkeit, ſalbt 
“euer Haar, bemahlt euer Antlitz, fuͤllt eure Koͤ⸗ 
cher, laßt die Wälder von eurem Geſange wieder⸗ 
cchallen, troͤſtet die Geiſter der Peer . 
gelobt ihnen Rache.“ 15 0 65 
Begeiſtert von ſolchen Aufforderungen EN 99 
ſie wuͤthend ihre Waffen, ſtimmen ihr Sie 
au, und brennen vor Ungedult, ihre Haͤnde in dem 
Blute ihrer Feinde zu waſchen. K | 
Zuweilen verſammeln einzelne Anfuͤhrer kleine | 
| Haufen, und unternehmen Streiſereyen gegen 
ihre offenbaren Feinde, oder andre, die ſie be⸗ 
leidigt haben. Ein Krieger allein iſt ſogar im 
Stande, wenn ihn Rache, oder die Begierde, feine 
Tapferkeit zu zeigen, antreibt, etliche hundert Mei⸗ 
len weit zu gehn, um zerſtreute Feinde zu Übtefalken, 
und zu ermorden. | 
Doch werden dies mungelmübioo Streiferenen 
nicht immer von den äftern Anfuͤhrern gebilligt, 
ungeachtet ſie gezwungen find, dabey dutch die Fin⸗ 
ger zu ſehn, wie das in der oben erwaͤhnten Fehde 
zwiſchen den Nadoweſſiern und ene der 
Fall war. | ee a A Tr 


u” 1 | So 


5 So bald ein Krieg das ganze Volk betrifft, — 
mit allgemeiner Einwilligung beſchloſſen wird o 
ſind ihre Berathſchlagungen darüber ſehr umſtaͤnd⸗ 
lich und langſam. Die Aelteſten verſammlen ſich 
im Rathe, wobey alle Hauptkrieger und jungen 
Leute zugelaſſen werden. Hier erklären fie ihre 
Meynung in foͤrmlichen Reden, und uͤberlegen die 
Beſchaffenheit des Unternehmens, worauf ſie aus⸗ 
gehn wollen, reiflich, und ſtellen mit vieler Klug⸗ 
heit alle Vortheile und Nachtheile, die daraus er⸗ 
anch koͤnnen, gegen arenen ( 


Ibre Prieſter , und fogar die klügsten Frauens · 
perſonen werden dabey um Rath gefragt. Wenn 5 
ſie ſich zum Kriege entſchließen, , ſo machen ſie die 
Zubereitungen dazu mit vielen Feyerlichkeiten. 9 


Der Hauptkrieger e eines Volkes führe nicht i im⸗ 
mer die Partheyen ſelbſt an, ſondern überträgt das 
Kommando oft an einen Krieger, von deſſen Ta⸗ 
pferkeit und Vorſicht er eine gute Meynung hat. 
Dieſer Anfuͤhrer nun wird ganz ſchwarz beſtrichen, 
und muß etliche Tage faſten, wobey er den großen 
Geiſt um feinen Beyſtand anfleht, oder den Zorn der 

böfen Geiſter abzuwenden ſucht. So lange, als 
das Faſten auret, darf er enen von e 


e 
8 — 


2⁵² 


Augleich giebt er ſehr genau auf ſeine Traͤume 


Acht, weil davon der guͤnſtige Erfolg großentheils 


5 abhaͤngen ſoll. Dieſe Traͤume ſind natuͤrlicher⸗ 


weiſe immer vortheilhaft, weil ein jeder Indier ſich 


bloß mit dem ſtolzen Gedanken beſchaͤftigt, daß der 


Sieg auf allen Schritten vor ihm hergehn werde. 


Sobald das Faſten, das ſeine beſtimmte Zeit 


b voruͤber iſt, fo verſammlet der Anfuͤhrer ſeine 
Krieger, und redet ſie mit einem Guͤrtel von 


Wampum in der Hand auf folgende Art an: 


Bruder, ich ſpreche jetzt auf Eingebung des 


(großen Geiſtes mit euch; durch ihn werde ich 
“nein Vorhaben, das ich euch jetzt entdecken will, 
“ausführen können. Das Blut unfter gefallenen 
| “Brüder iſt noch nicht vollig vertrocknet; ihre Koͤr⸗ 


“per liegen noch unbedeckt, und 15 liegt es jest | 


u. ihnen diefe Pflicht zu erzeigen.” 


1 


Hierauf macht er ihnen die Be e 


Pen die ſie nöthigen, die Waffen gegen ein 
gewiſſes Volk zu ergreifen, und beſchließt feine Rede: 
Ich bin daher entſchloſſen, über den Kriegsweg 


zu gehn, und ſie zu überfallen. Wir wollen ihr 


Fleiſch eſſen, und ihr Blut trinken; wir wollen 


1 Haͤute von Erſchlagenen, und Gefangne zuruͤck 


bringen; und ſollten wir bey dieſem glorreichen 


“Unternehmen umkommen, fo werden wir nicht 
A “immer 


263 


“immer im Staube verborgen legen, andern dieſer 

ku Gürtel, foll die Belohnung. deſſen ſeyn, der die 
Todten begraben wird. Er legt alsdann den 
‚Gürtel auf die Erde, und ih Krieger, ‚der. ihn auf⸗ 
nimmt, erklaͤrt ſich zu feinem. Gehuͤlfen, und wird 
als der zweyte Anführer angeſehn. Doch darf ihn 
bloß ein angeſehener Krieger aufnehmen, der ſich 
durch die Menge ae en ein Nahe zu Nets 
Stelle erworben bat. n tn u 0 


Die Indier RR e 5 dee das Seich 
ihrer Feinde effen und ihr Blut trinken; allein 
dieſe Drohung iſt weiter nichts, als ein ſiguͤrlicher 
Ausdruck. Doch freſſen ſie zuweilen das Herz ihres 
erlegten Feindes, und trinken fein Blilt , aber bloß 
um groß zu thun, oder ihre de Re eine e 
lendere Art zu befriedigen. i ee ene ee 


Wenn dieſe Feherlichleit vorbey iſt, ſo wird dem 
Anführer ſeine ſchwarze Farbe abgewaſchen, 2 und 


man man beſalbt ihn mit Baͤrenfett und bemahlt 1 0 


ibn roth mit ſolchen Figuren, als nach ihrer Mey⸗ 
nung den Feinden das meiſte Schrecken einflößen 
0 müſſen. So a dies gehen il, 0 e ingt er 


Kt Anne zum großen 


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Geiste | mit f die Sonne gerichteten Auger 55 
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* 


etwas zur 
muß, ſo vekfertigen die Prieſter, die zugleich 


e Bigehradt, 


op dieſe Feyerichkeit folgen die oben beſchrie⸗ 
en Tänze, und den Beſchluß macht ein Gaſt⸗ 
mahl, das gewohnlich aus Hundefleiſch beſteht. 

Dies Gaſemahl wird in dem Zelte des Sate 
kriegers gegeben, von dem ſich alle, die ihn auf 
dem Zuge begleiten wollen, ihre Schuͤſſeln fuͤllen 
laſſen. Ungeachtet ſeines Faſtens bleibt er ſo lange, 


— 


als das Feſt waͤhrt, ruhig mit der Pfeiffe im 


Munde ſitzen, und ritt die tapfern Thaten Win 


R N die Hofnung / 1 Wunden, die fie . 
gen konnten, ‚gehörig behandelt zu ſehn, immer 
Vermehrung ihres Muthes beytragen i 
ihre 
Aerzte ſind, allerhand heilende Arzeneyen. Sie 
ſammlen dazu mit vielen Ceremonien eine Menge 


gt Wurzeln und Kräuter, und behaupten, 5 ſie 


ſolche wuͤrkſam machen konnen. 


So viel iſt bey allen ibren aberglzubiſchen Ge⸗ 


branchen gewiß, daß ſie die medieiniſchen Eigen⸗ 0 
ſchaften von vielen Kraͤutern kennen, und ſich ibrer 4 


ſehr geſchickt zu bedienen wiſſen. 


Die ganze. Zeit, von der eee an, 


ö bis zum Abmarſche der Krieger, werden die Nächte 


mit kuſtbar keiten, und die Tage mit no ch 


a Mas 


var 


dendigen 


5 


* N | Wenn 


| 1 * * { PR 2 2 
) R 
840 265 


Wenn Werte f bree Volk es für nöthig haͤlt, 
einen benachbarten Stamm um Huͤlfe anzuſuchen, 
ſo waͤhlt es einen von ſeinen Anfuͤhrern, der die 
Sprache des andern Volks gut verſteht, und der 
uͤberhaupt auch ſonſt ein guter Redner iſt, und 
ſchickt durch ihn einen Guͤrtel Wampum y worauf 
die Abſicht der Geſandſchaft durch Figuren ausge⸗ 
druckt iſt, die ein jedes Volk ſehr gut verſteht. 
Auſſer dieſem Guͤrtel führt er noch eine et ber 
mahlte Art bey fich. 

So bald er das dager ob Dorf, b er ge; 
5 chick wird, erreicht, ſo giebt er dem Anfuͤhrer des 


Stammes Nachricht von dem Zweck ſeiner Geſandt⸗ 


ſchaft, und dieſer beruft gleich einen Rath zuſam⸗ 
men, vor welchem der Geſandte erſcheinen muß. 
Hier legt er die Axt auf den Boden, und erklaͤrt 
mit dem Guͤrtel in der Hand umſtaͤndlicher die 
Veranlaſſung ſeiner Geſandſchaft. Er bittet ſie 
in ſeiner Rede, die Axt aufzunehmen, und ſo bald 
er auf höre, fo uͤberliefert er den Gürtel. 


Wenn die Verſammlung geneigt iſt, der andern 5 
Nation beyzuſtehn, ſo tritt einer von den Anfüh⸗ 


rern hervor, und nimmt die Art auf, und alsdann 


nebmen ſie ſich ihrer Bundsgenoſſen mit vielem Eis 


fer an. Wird aber weder Art noch Guͤrtel ange⸗ 
nommen, ſo ſchließt der Abgeſandte, daß das Volk, 
an . 


N 


266 


deſſen Beyſtand er gene ſich ſchon mit den 
Feinden ſeiner Nation in ein Buͤndniß eingelaſſen 
habe, und, kehrt eifigft zuruͤck, um feinen Landsleu⸗ 


1 daß ſie dem Volke, welches ſie bekriegen wollen, 
eine am Stiel roth bemahlte Art durch einen Skla⸗ 
ven uͤberſchicken. So gefaͤhrlich dieſer Auftrag 


fuͤr den Eh 05 ſo e er 7 15 immer * 
ya aus. 1 


N 


ei erregt dies Herausſorderungszeichen eine 
ſolche Wuth bey dem Volke, daß ſich ſo gleich ein 
kleiner Trupp auf dem Weg macht, 5 ohne die Er⸗ 
laubniß der aͤltern Oberhäupter abzuwarten, um 
den erſten von der angreifenden Nation, der ihnen 
aufſtößt, umzubringen. Treffen ſie einen an, ſo 
bauen ſie ihm den Leib auf, und ſtecken eben ſo eine 
Art, als ihnen überfi hickt ward, ins Herz ihres er⸗ 
ſchlagenen Feindes. 
men geſchieht dies mit einem Spieße oder Pfeile, 
| deſſen Ende roth gemahlt iſt. Um ihre Feinde noch 
mehr zu erbittern, iD verftümmeln fi fi 7 den Körper, 
) und zeigen dadurch, daß fie fie nicht Männern, 
‚fondern alten Weibern gleich höhen. N 


Die Kriegserklärung der Indier beſteht darinn, 


wegen der erſten Wuth der beleidigen Nation auch | 


ten von feinem üblen Erfolge Nachricht zu geben. 


Bey den entferntern Staͤm⸗ 1 


ee 8 


Die Indier ziehn ſelten in großen Haufen zu 
Felde, da ſie mehr Muͤhe auf ihren Unterhalt auf 
ihren langen Maͤrſchen durch fuͤrchterliche Woͤlder 
oder uͤber Moraͤſte und Seen wuͤrden wenden müß 55 
0 als ſie ſich gern geben. 


Ihr Heer führe nie Gepäck oder er 
mit ſich. Ein jeder Krieger hat auſſer feinen Waffen 
blos eine Matte, und lebt auſſerhalb den Grenzen 
ſeiner Feinde, von dem Wilde, das er erlegt and 
von den Fischen, die er r fangt. 


Wenn ſie durch eine Gegend kommen, wo ſie 
nor. ‚befürchten dürfen, Feinde anzutreffen, ſo | 
find fie nicht ſehr auf ihrer Hut. Zuweilen bleiben 
raum zwölf Krieger zuſammen, ‚ bie übrigen gehn 
auf die Jagd. Aber wenn fie, auch noch ſo weit 
vom Kriegswege abgehn, ſo ſind ſie doch ſicher, 
ſich zur beſtimmten Zeit Nieder an dem Sammel⸗ 
h aden | 


Sie ſchlagen ihre gelte immer kei vor Sonnen⸗ 
* unfergange auf und da fie überhaupt eine ſehr hohe 
Meinung von ſich haben, ſo geben ſie ſich wenig 
Muͤhe, ſich gegen einen Ueberfall in Sicherheit zu 
ſtellen. Sie verlaſſen ſich ſehr auf ihre Manitus 
oder Hausgoͤtter, die ſie immer mit ſich führen, und 
da 5 zu ſeyn anden daß ſie Schild⸗ 
wachen⸗ 


5 . f 
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N «dl 9 f | u Gun) R AL 
f 5 a e 


wachenſtelle vertreten, ſo ere fie ug unter 
ihrem Schutze ein. % 
Dieſe hie, ’ wie fie bey einigen Völkern | 
heiffen, welche die Nadoweſſter aber Wakon „das 
beißt Geiſter nennen, ſind nichts weiter, als die 
ſchon beſchriebenen Otter⸗ und Marderfelle, für die 
/ sie eine ſehr große Hochachtung haben. | 
So bald fie fich in des Feindes Lande befinden, 
find ſie aͤuſſerſt vorſichtig und behutſam. Sie zuͤn⸗ 
den weiter Fein Feuer an, man hort kein Geſchrey 
von ihnen, und ſie gehn nicht mehr auf die Jagd. 
Sie durfen fo gar nicht einmal mit einander ſprechen, 
| fondern muͤſſen ſich ihre Gedanken * Zeichen 
und Gebaͤrden mittheilen. 1 
Sie ve laſſen ſich ganz auf Kriegsliten, 55 heims 
© liche Nach lungen. So bald ſie ihre Feinde ent⸗ 
decken, ſo ſchicken fie etliche Kundſchafter aus, um 
ihren Zuſtand zu erfahren, und ſo wie dieſe zurück 
kommen, ſo wird ein Rath uͤber die mitgebrachten 
Nachrichten gehalten, 3 ſie wir: area 505 | 
mit einander ſprechen. 

Ihre Angriffe thun fie gewöhnlich 8 vor <a 
brach, weil ſie alsdann ihre Feinde im tief⸗ 
ſten Schlafe zu finden glauben. Die ganze vorher⸗ g 

gehende Nacht liegen ſie platt auf der Erde, ohne 
ch su * und naͤhern ſich kriechend auf Haͤn⸗ 
wir den 


269 


den und Fuͤſſen, bis ſie aue einen Bogenſchuß an 
ihre Feinde gekommen. Und jetzt ſpringen alle auf 
ein vom Hauptkrieger gegebenes Zeichen auf, ſchieſ⸗ 
ſen ihre Bogen ab, und ſtuͤrzen, ohne ihren Geg⸗ 
nern Zeit zu laſſen, ſich von ihrer Verwirrung zu 
erhohlen, mit ihren rn und 9 Haheeeien über 
f ie her. ni | 
Die Judier glauben f daß ſie wenig Ehre 906 
üben, „ihre Feinde offenbar anzugreifen. Sie ſu⸗ 
chen ihren Ruhm blos im Ueberfallen und Morden. 
Selten greifen ſie an, ohne offenbaren Vortheil zu 
haben. Wenn ſie ihren Feind auf der Hut, zu 
gut bedeckt, oder zu zahlreich finden, ſo ziehn ſie 
ſich zuruͤck „wenn es ihnen moͤglich iſt. Die vor⸗ 
zuͤglichſte Eigenſchaft eines Hauptkriegers beſteht 
darin daß er verſteht einen Angriff zu ordnen, 
und viele Feinde mit geringem Verluſte zu erlegen. 
| Zuweilen ziehn fie, ſich hinter Bäume, Hügel 
oder Felſen, und ziehn ſich nach etlichen Schuͤſſen 
unentdeckt zuruͤck. Europaͤer, die dieſe Art zu fech⸗ 
ten nicht kannten, Ronen zu 152 die eren en 
Würkungen davon. 
General Braddock be zu Ban 0 dieser u N 
glücklichen Er ruͤckte im Jahr 1755 zum Angriffe 
von Fort du Quesne vor, und ward von einer Par⸗ 
eh mee Judier, die fuͤr die Franzoſen 
i l foch⸗ 


fochten, angegriffen, und verlohr den größten Theil 
| feines Heeres, welches aus dreytauſend tapfern Leu⸗ 
ten beſtand. Die Indier hatten eine ſo verdeckte 0 
Stellung genommen, daß die Englaͤnder kaum wuß⸗ 
ten, woher und von wem fie fo viel litten. So 
lange das Gefecht daurete, ließ ſich kein Indiere er⸗ 
blicken, und die Engländer waren genoͤthigt ſich 
zuruͤck zu ziehn, ohne ſich auch nur im geringſten 
für ihre Niederlage rächen zu konnen. Der Ge 
neral ſelbſt bezahlte feine Verwegenheit mit ſeinem 
eben, und mit ihm fiel eine Menge braver Leute, 
da ſeine unſichtbaren Feinde hingegen blos 2 
Verwundete hatten. 
Wenn die Indier ihren Ueberfal gückch aus; | 
fübren, ſo laͤßt ſich die fuͤrchterliche Scene ihrer 
Wuth nicht beſchreiben. Die Grauſamkeit der Sie⸗ 
ger, die Verzweiflung der Beſiegten, die ſehr gut wiſ⸗ 
ſen, was ihnen fuͤr ein Schickſal bevorſteht, wenn ſie 
gefangen werden, macht, daß beyde ihre aͤuſſerſten 
Kraͤfte ene Der Anblick der Streitenden, die 
alle roth und ſchwarz bemahlt und mit dem Blute der 
Erſchlagenen bedeckt ſind, das fuͤrchterliche Geheul, 
und ihre grenzenloſe Wuth bene alle Wege | 
eines Europaͤers. ii 
Ich bin oft ein Zuſchauer en Bean „ alle 
nahm einmahl auf eine ſehr nachdruͤckliche Art Theil 
| daran, 


271 


daran, und was den Auftritt noch ſchrecklicher 
machte, war mein voͤlliges Unvermögen, Wider⸗ 
ſtand zu leiſten. Mir ſchwebt noch jeder Umſtand 
davon im Gedaͤchtniſſe, und ſetzt mich in den Stand, 
die viehiſche Wuth der 6 0 in ein ee beleres 
Licht zu ſetzen. 

General Webb, der 1757 die angie Amen 
in Nordamerika befehligte hatte eben bey Fort 
Edward ſein Lager, als er die Nachricht erhielt, 
daß die franzöſiſchen Truppen unter General Mont⸗ | 
calm gegen Fort William Henry anruͤckten. 
Er ſchickte daher gleich ein Chor von funfzehn hun⸗ 
dert Mann, die theils aus Englaͤndern, theils aus 
| Provinzialen beſtanden, zur Verſtaͤrkung der Bes 
ſatzung ab. Ich befand mich mit bey dieſen Truv⸗ 
pen als Freywilliger unter den Provinzialen. 

Die Vorſorge des engliſchen Befehlstaber war 
nicht vergeblich; denn den Tag nach unſrer An⸗ 
kunft ſahn wir den Georgenfee, (ehemals der Sa 
kramentſee genannt) an welchem das Fort liegt, 

mit einer unzaͤhligen Menge Boote bedeckt, und 
wenige Stunden nachher wurden unſre Linien! von 
den Feinden angegriffen, die aus eilftauſend Fran⸗ 
zoſen und Kanadiern, und zweytauſend Indiern 
beſtanden. Der tapfre Oberst Monro war Be⸗ 

e des Forts, und ſeine Beſatzung beſtand, 

unſer 


unſer Chor mit ebegeiſfn, aus zweytauſend . 
hundert Mann. ee 
Er vertheidigte ſich ungemein hartnäckig, 3 
5 würde vielleicht das Fort erhalten haben, wenn er 
waͤre gehörig unterſtuͤtzt worden, oder nur fein aͤuſ⸗ 
ſerſtes haͤtte thun duͤrfen. Auf jede Aufforderung 
des franzöſiſchen Generals, der ihm die beſten Be; 
dingungen anbot, war feine Antwort, er ſaͤhe ſich 
noch im Stande, allen Angriffen der Belagerer zu 
widerſtehn, und wenn er ſich auch dazu zu 
1 ſchwach fuͤhlte, ſo konnte er jeden Augenblick v von 
„ der Armee Verſtaͤrkuug erhalten. 
1 Allein General Webb, dem der Oberſte feinen 
Zuſtand hatte wiſſen, und ihn um Huͤlfe erſuchen | 
laſſen, ſchickte einen Boten mit einem Briefe, 
worinn er ihm ſchrieb, er Fonnte ihm nicht zu Huͤlfe 
kommen, und er moͤgte daher das Fort auf die be⸗ 
ſten Bedingungen, die er erhalten könnte, uͤber⸗ 
geben. Dieſer Brief gerieth dem franzofifchen Ges 
neral in die Haͤnde, der den Kommendanten gleich 
um Erlaubniß erſuchen ließ, mit ihm ſprechen zu 
Dürfen. Sie kamen unter Bedeckung einer kleinen 
Wache mitten zwiſchen den Linien zuſammen, und 
General Montcalm erklaͤrte, er waͤre in Perſon ge⸗ 
kommen, um die Uebergabe des Forts zu verlan⸗ 
g gen, da es dem Wönigen fing Herrn, gehörte. 
| Der 


| ne 273 


e Oberſte oe er wüßte nicht wie das 
ſeyn koͤnnte, und er waͤre daher ii es 
1 aͤuſſerſte zu vertheidigen. 

Der franzoͤſiſche General gab ihm Wa den 
Brief und fagte, “hier iſt meine Vollmacht, das 1 
Fort im Befis zu nehmen”. Der Oberfte ſah jezt 
nur zu gut, daß der Befehl von ſeinem Obern kam, 
und ließ ſich, zwar ſehr wider be Wilen, ‚in 
eine Unterhanbfung ein. | | 
| Der Beſatzung ward „ihrer bewiesenen Tapfer 
keit wegen, erlaubt, mit allen Ehrenzeichen abzu⸗ 
ziehn, es wurden ihr bedeckte Wagen zur Abfuͤh⸗ 

rung ihres Gepaͤckes nach Fort Edward, und eine 

Wache verſprochen, um ſie gegen die Wuth der 
Wilden in Sicherheit zu ſetzen. 8 
| Den Morgen nach der Kapitulation ward ie | 
ganze Beſatzung, die jetzt aus ungefaͤhr zwey 
tauſend Mann, ohne Weiber und Kinder, bes 
fand, innerhalb! der Linien formirt, und war eben 
im Begriff abzumarſchiren, als ſich eine große 
g Menge Indier um ſie her verfammfete, und zu 
pluͤndern anſieng. Wir hoften anſaͤ änglich, daß fie 
ſich hiemit würden begnuͤgen laſſen, und thaten ih⸗ 
nen daher gar keinen Widerſtand, wozu wir auch | 
ohnehin nicht im Stande waren. Wir hatten zwar 
die Erlaubniß, unſre Waffen mitzunehmen, aber 

CLarvers Reifen, S man 


1 
14400 
Bin * 
il x 
| 


5 ee 


man ließ uns keine einzige Patrone. Doch es blieb 
nicht beym pluͤndern, denn gleich darauffielen einige 
die Kranken und Verwundeten an, und alle, die 
nicht mehr vermoͤgend waren, in die Glieder zu 
kriechen, wurden alles ihres Schreiens und Jam⸗ 
merns ungeachtet bald hingerichtet. 

Nun glaubten wir doch wenigſtens, daß alle Ge⸗ 
fahr voruͤber ſeyn wuͤrde, und unſre kleine Armee 
ſieng an, vorzuruͤcken, allein wir ſahen bald, daß 
der Vortrab zuruͤck getrieben ward, und daß wir 
ganz von den Wilden umringt waren. Noch er⸗ 
warteten wir jeden Augenblick, daß die Wache, 
welche die Franzoſen uns bey der Uebergabe ver⸗ 
ſprochen hatten, ankommen würde, aber fie erſchien 
nicht, und jetzt fiengen die Indier an, uns allen 
die Waffen und Kleider abzureiſſen, und lieſſen den, 
1 ſich irgend mein „die Schwere ihrer Aexte 5 
fühlen. 1600 
Ich befand mich im Nachtrabe, aber dennoch 
nahm ich bald an dem Schickſale meiner Ge⸗ 
faͤhrten Theil. Etliche Wilde packten mich, und 
riſſen mir meine Kleidungsſtuͤcke, meine Schnallen 


und mein Geld weg. Dies geſchah nahe bey dem 


Wege von den Linien auf die Ebene, auf welchem 
eine franzofifche Schildwache ſtand, zu welcher ich 
uf, um Schutz zu ſuchenz allein ich hieß ein eng⸗ 

liſcher 


der in einiger Entfernung fich verſammlet hatte, 
zu erreichen, aber es geſchahen von allen Seiten 
ſo viel Schlage nach mir, daß ich nicht mit dem 


ſiengen an, alle die ihnen nahe waren, ohne Unter⸗ 


| liſcher Hund, und 808 mit Gewolt wider mitten 
unter die Indier geſtoßen. | 


an dere Seite her, und von einem andern erhielt ich 
auch eine Spießwunde am Knoͤchel. Endlich er⸗ 


mich aus den Haͤnden der Indier losmachte, war 


3 


Ich ſuchte jetzt einen Haufen unſrer 80 


Leben würde davon gekommen ſeyn, wenn die Wil⸗ 
den nicht ſo dicht bey einander geſtanden haͤtten, 
daß fie befürchten mußten, ſich einander ſelbſt zu 
treffen. Doch ſtieß mir einer mit einem Spieße 


reichte ich den Fleck, wo meine Landsleute ſtanden, 
und drängte mich mitten unter ſie. Doch ehe ich 


mein Hemd ſo zerriſſen, daß nichts als der Kragen 
und vorn die Aermel davon uͤbrig waren, und uͤber⸗ 
all hatte ich Spuren von den wilden Griffen . 
Indier. 5 \ en N 
Jezt erhoben die Indier ihr Kalegegeſchten und 


ſchied zu ermorden. Es iſt mir unmöglich , Dies 
fen fuͤrchterlichen Auftritt nur einigermaßen zu 
beſchreiben. Maͤnner, Weiber und Kinder wur⸗ 
den auf die ſchaͤndlichſte Art hingerichtet, und gleich 
see: Viele von den Wilden tranken das 

S 2 | | Blut 


1 Blut ihrer Schlachtopfer, 81 wie es io garzwarn 
5 aus den Wunden hervorquoll. 

Wir ſahn nun leider zu fpät, daß wir von n den 
Franzoſen keine Huͤlſe erwarten durften, und daß 
ſie gegen ihr Verſprechen uns der Wuth der Indier 
bloß ſtellten; denn ich konnte die franzoͤſiſchen Offi⸗ 

ziere deutlich in einiger Entfernung herumſpazieren, 
und ganz gleichguͤltig mit einander reden ſehn. Ich 
hoffe zwar zur Ehre der menſchlichen Natur, daß 
dieſe ſchaͤndliche Verletzung der heiligſten Geſetze 
mehr durch die Grauſamkeit der Indier, die wirk⸗ 
lich zuweilen ſich nicht baͤndigen läßt, als von dem 
franzoͤſiſchen Befehlshaber veranlaßt wurde; allein 
man ſollte doch faſt glauben, daß zehntauſend chriſt⸗ 
liche Truppen dem Morden von eee Ju 
| diern hätten Einhalt thun können. . 10 
Der Kreis, in dem ich mich befand, hatte ſchon 
(ehr abgenommen, und das Blutvergießen erſtreckte 
ſich immer weiter; es ſchlugen daher einige von 
den entſchloſſenſten vor, alle unſre Kraͤfte anzu⸗ 
ſtrengen, um durch die Wilden durchzubrechen, da 
dies das einzige wahrſcheinliche Mittel war, unſer 
Leben zu retten. So verzweifelt es auch war, ſo 
wagten wir es doch, und es ſtuͤrzten ſich auf ein⸗ 
mahl zwanzig von uns unter die Indier. Wir wur⸗ 
den in einem ee von * getrennt, 
und 


10 


und ich erfüße erſt einige Wonathe nachher, bag 
ſieben ſich davon gerettet hatten. Ich ſuchte mir 
auf die befte Art den Weg durch die Indier zu 
bahnen, und ich habe oft nachher nicht begreifen 
konnen, mit wie vieler Vorſicht ich jeden Schritt 
zu meiner Erhaltung that. Einige ſtieß ich nieder, 
da ich noch alle meine Jugendkraͤfte beyſammen 
hatte, und andern entgieng ich, durch meine Ge⸗ 
ſchwindigkeit, bis mich endlich zwey ſtarke Anfuͤh⸗ 
rer, die, wie ich an ihrer Kleidung ſehn konnte, zu 
den wildeſten Staͤmmen gehoͤrten, bey beyden Ar⸗ N 
men faßten, und mid) durch den Haufen diudurch 
ſchleppten. 

Aa Ich hielt mich ſchon für verlohren, da fie mich 
0 einen Moraſt zufuͤhrten; allein wir waren kaum 
etliche Schritte weit gegangen, als ein Englaͤnder, 
vielleicht vom Stande, wie ich aus ſeinen rothen 

ſammtnen Hoſen ſchließen mußte, die einzige Be⸗ 
Ä deckung, die er noch hatte, dicht bey uns vorbey 
ſtuͤrzte. Einer von den Indiern ließ mich fahren, 
und ſuchte ſeine neue Beute zu haſchen. A lein der 
Englaͤnder, der zu ſtark für ihn war, warf ihn nie⸗ 
der, und wuͤrde vermuthlich entkommen ſeyn, wenn 
nicht der andre Indier, der mich hielt, ſeinem Ge⸗ 
faͤhrten zu Huͤlfe geeilet waͤre. Ich nahm dieſe 
We wahr, und lief auf einen noch unge⸗ 
e . trenn⸗ 


2 u Ä 
frennten Haufen Englaͤnder zu, den ich in einiger 
Entfernung vor mir ſah. Ich warf noch einen 
Blick auf den Englaͤnder zuruͤck, dem ich meine 
Rettung zu danken hatte, und ſah, daß der zweyte 
Indier ihn von hinten mit der Axt nieder hieb, 
welches mein Schrecken und meine Verzweiflung 
noch vermehrte. / | ; Bi 
| Kaum kam ich einige Schritte weiter, ſo kam 
5 dein kleiner niedlicher Knabe auf mich zu, und bat 
mich, ihn anzufaſſen, damit er den Haͤnden der 
Wilden deſto leichter entgehn möchte; aber er 
ward bald von mir geriſſen, und nach ſeinem 
Schreyen zu urtheilen, ermordet. So vielen | 
Schmerz mir auch das Schickſal dieſes armen Kin⸗ 
des machte, ſo war es mir doch nicht möglich, ihm 
zu helfe, e e, eh 
Ich befand mich jetzt wieder unter Freunden; 
allein wir waren nicht im Stande, einander beyzu⸗ 
ſtehn. Dies war grade der Trupp, der am wei⸗ 
teſten vom Forte vorgeruͤckt war, und daher ſchoͤpfte 
ich einige Hofnung, mich durch die aͤuſſern Glieder 
durchzudraͤngen, und in einen nahe vor uns liegen⸗ 
den Wald zu entkommen. Ich erreichte auch dieſen 
Wald gluͤcklich; allein ich war ſo auffer Athem, daß 
ich mich halb todt unter einen Buſch hinwarf. 
Kaum hatte ich mich wieder etwas erhohlt, ſo ward 
| RS meine 


' 5 — 
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u RE 2, 200 
meine Furcht durch etlichen Wilden erneuert, die 
nicht weit von mir vorbey giengen, wahrſcheinlich 
um mich aufzuſuchen. Ich wußte jetzt nicht, ob 
es ſicherer waͤre, mich hier zu verbergen, bis die 
Nacht einbraͤche, oder tiefer ins Holz zu kriechen; 
doch erwaͤhlte ich das letzte, aus Furcht, die In⸗ 
dier moͤchten zuruͤck kommen, und eilte in eine 
andre Gegend des Holzes ſo ſchnell, als die Dorn⸗ 


ſtraͤuche und der Verluſt eines meiner Schuhe mir 


erlauben wollten. Nach etlichen Stunden erreichte 
ich einen Berg, von dem ich den ſchrecklichen Schau⸗ 
platz uͤberſehn, und ganz deutlich wahrnel hmen 
konnte, daß das DIENEN noch immer W. i 
währte. IN | | | 


Doch um 1 . zu ermüben, will ich 
bloß hinzuſetzen, daß ich, nachdem ich drei Tage 
gehungert hatte, und drey Naͤchte dem kalten Thau 
| ausgeſetzt geweſen war, endlich Fort Edwards er⸗ 
reichte, wo ich durch gehoͤrige Vorſorge meine vo⸗ 
rige Stärfe und Munterkeit bald wieder erhielt. 


Man rechnete, daß die Wilden an dieſem frau 
rigen Tage funfzehnhundert Perfonen umbrachten, 
oder gefangen wegſchleppten, von welchen letztern 
viele nie zuruͤck kamen. Nur einige wenige fanden 
nachher wieder den Weg nach ihrem Vaterlande, 

S 4 nach⸗ | 


05 
28⁰ 


ſchaft ausgeſtanden hatten. 0 „ 
Der brave Oberſte Monro war, ſo wie die Ver⸗ 
wirrung angieng nach dem franzoͤſiſchen Lager 
geeilt, um die verſprochene Wache zu. hohlen; allein 
da ſeine Bemuͤhungen vergeblich waren, ſo blieb 
er da zuruͤck, bis General Webb ein Kommando 
abſchickte „ um ihn nach Fort Edward abzuhohlen. 
Allein dieſe ungluͤckliche Begebenheit, die wahr⸗ 
ſcheinlicherweiſe ſich nicht wuͤrde zugetragen haben, 
wenn er nach ſeinem eignen Plane haͤtte handeln 
duͤrfen, machte ihm ſo viel Kummer, daß er ſie 
nicht lange uͤberlebte, und man kann gewiß be⸗ 

baupten, daß ſein Vaterland einen tapfern und · 


nachdem ſie eine lange und traurige Gefangen⸗ 


muͤrdigen Mann an ihm verlohr. En 
Ich will zwar nicht behaupten daß es eine un: ; 
mittelbare Strafe des Himmels war, daß ſo we⸗ 
nige von den Wilden, die an dem Blutvergießen 
Theil nahmen, nach ihrem Vaterlande zuruͤck 
kamen; aber es iſt doch merkwuͤrdig, daß die 
Blattern, die durch die Europaͤer unter ſie kamen, 
die meiſten von ihnen wegraften. Sie trugen durch 
ihre Heilmethode ſehr viel zur Toͤdtlichkeit dieſer 
Krankheit bey, denn ſelbſt waͤhrend des Entzuͤn⸗ 
dungsfiebers badeten ſie ſich im kalten Waſſer, und 
brachten ſich dadurch bey Hunderten ums Leben. 
5 Auch 


— 


ern 1 281 


Auch General Montealm blieb bald data in dem 
Treffen vor Quebee. 
Ich ward nachher durch viele Beweiſe nen | 
daß die meiſten Franzoſen die Grauſamkeit ihres 
Generals ſehr miß billigten. Ein kanadiſcher Kauf— 
mann ſtellte untern andern, als er die Nachricht 
erhielt daß Fort William Henry erobert wäre, 
große Freudensbezeugungen und ein prächtiges 
Gaſtmahl an; ſobald er aber von dem Blutver⸗ 
| gießen: hörte, fo ſtellte er fie gleich ein, und bes 
zeigte ſich gegen dem General ungemein aufge⸗ 
bracht, weil er durch dieſe Grauſamkeit den Zorn 
des Himmels über dieſe Gegenden gebracht hätte, die 
jezt gewiß den Engländern zum Raube werden wuͤr⸗ 
den. Eine Prophezeyhung, die nur zu richtig eintraf. 

Doch es iſt Zeit, zur Sache zuruͤck zu kehren. 
So nachlaͤßig die Indier auch ſind, ſich gegen einen 
Ueberfall zu ſichern; fo geſchickt und thätig find fie, 
ihre Feinde zu uͤberfallen. Zu ihrer großen Vor⸗ | 
ſicht und Behutſamkeit koͤmmt noch das ihnen an⸗ 
gebohrne Talent, die Spur derer, die ſie verfolgen, 
ausfuͤndig zu machen. Auf dem weichſten Graſe, 
auf dem haͤrteſten Sande und ſelbſt auf Steinen 


koͤnnen fie aus der Bildung der Fußtapfen und der 


Weite der Schritte beſtimmen, ob ſie von einer 
Frau oder einem Manne ſind, und ſelbſt zu welcher 
| ee, PDoͤller⸗ 


282 5 


Volkerſchaft dieſe gehoren. So gti dies 

auch ſcheinen mag, ſo habe ich doch ſelbſt ſo viele 
Proben davon geſehn, daß ich gar nicht weiter 
daran zweifeln kann. 
So bald ſie ihres Sieges gewiß ſind, 0 ſchaffen 
ſie erſt alle aus dem Wege, die ſie nicht ohne Mühe 
ſortzubringen glauben, und ſuchen nachher ſo viele 
Gefangne zu machen, als ihnen moͤglich iſt. Allen 
Todten oder ſchwer Verwundeten ziehn ſie die Haut 
vom Kopfe, welches ſie mit vieler Geſchicklichkeit 
thun. Sie wickeln das Haar ihres Feindes um 
die linke Hand, ſetzen ihm einen Fuß auf den Hals, 
und ſchneiden die auf dieſe Art ausgeſpannte Haut 
mit ihren Schindemeffern, die fie immer dazu gut 
geſchaͤrft halten, in etlichen Schnitten herunter. | 
Ihre Geſchicklichkeit iſt ſo groß, daß ſie kaum eine | 
Minute zu der ganzen Operation brauchen. Die 
Haͤute heben ſie, als Beweiſe ihrer Tapferet und | 
| N: gegen ihre Feinde auf. 

Wenn zwey Indier zugleich einen Geste 
anpacken, fo entſcheiden fie den S Streit, der daruͤber 
entſtehn konnte, bald dadurch, daß fie die Urſache 
deſſelben mit ihrer Axt oder , aus dem i 
Wege raͤumen. | 

So bald fie ihren Zweck telle und * vielen 
N geſtiftet haben, als - BR war, 
ſo 


ſo ziehn ſie ſich aus 8 urch Werth zu weden aufs 
eilfertigſte nach ihrem Sande zuruͤck. ii 

Wird ihnen wuͤrklich nachgeſetzt, ſo ſuchen fü ie 
ihren Verfolgern durch allerhand Kunſtſtuͤcke zu 
entgehn. Sie ſtreuen Sand oder Blaͤtter uͤber ihre 
Fußtapfen, oder treten einer in des andern, oder 
heben ihre Fuͤße ſo hoch, und treten ſo leiſe zu, 
daß man gar keinen Eindruck davon auf der Erde 
bemerken kann. Sollten aber alle ihre Bemuͤhun⸗ 
gen vergeblich ſeyn, und ſie werden wuͤrklich einge⸗ 
bohlt, fo bringen ſie ihre Gefangnen um, ziehn 
ihnen die Kopfhaut ab, und zerſtreuen ſich, um 
befto leichter ihr Sand wieder zu erreichen. 

Sind die Sieger hingegen fo glücklich, ſich zurück 
zu ziehn, ohne verfolgt zu werden, ſo ſuchen ſie 
aufs eiligſte eine Gegend zu erreichen, wo ſie ſich 
voͤllig ſicher halten koͤnnen, und damit ihre Ver⸗ 
wundeten ſie nicht auf halten, ſo tragen ſie ſie u. 
Bahren, oder seßn fie auf eee wenn es 
grade Winter iſt. 

Ihre Bahren ind nur ganz grob aus egen 
zuſammen geſetzt. Ihre Schlitten beſtehn aus 
zwey duͤnnen Brettern „ die zuſammen ungefähr 
zwey Fuß breit, und ſechs Fuß lang ſind. Sie 
ſtehn vorn in die Hoͤhe, und ſind auf den Seiten 
mit kleinen Leiſten n Die Indier ziehn 

darauf 


284 


= 


darauf große Laſten u viel Muͤhe mit einem 
Riemen, der ihnen um die Bruſt geht. Dieſer 


Ziehriemen heißt Metump, und iſt in ganz Norda⸗ 


merika, ſowohl in den Kolonien, als i in den tiefen 
landeinwaͤrts liegenden Gegenden gebräuchlich. In 
den letztern werden fie aus Leder sn and ſehr ö 


5 Kale gearbeitet. 


Die Gefangnen werden auf dem Morſche mit 


der groͤßten Sorgfalt bewacht. Bey Tage halten 
ſie immer einige von ihren Ueberwindern feſt, wenn 
die Reiſe zu Lande geht. Zu Waſſer werden ſie im 
Kanoe feſtgebunden. Bey Nacht werden ſie ganz 


nackt auf die Erde gelegt, und mit den Armen, 


den Beinen und dem Halſe an Haken gebunden, 
die in der Erde befeſtigt find. Auſſerdem binden fie 


ihnen Seile um die Arme oder Fuͤße, die ein In⸗ 
dier haͤlt, und daher gleich aufwachen muß, wenn 
ſie ſich bewegen. Ungeachtet aller ſolcher Maaß⸗ 


regeln fand doch eine Frau aus Neuengland faſt 


ganz allein Mittel, aus den Haͤnden eines Haufens 
von Kriegern zu entkommen, und ihr Vaterland 


zu raͤchen. Es unternahm naͤhmlich ein kleiner 


Trupp von zehn Kriegern nebſt zwey Weibern eine 


Streiferey nach den hintern Pflanzungen von Neu⸗ 


england. Sie bieiten ſich einige Zeit in der Nach⸗ 


| barſchaſ eines Grenzortes verborgen, und hatten 


ai‘ 


1 
— 


285 
endlich das Gluͤck, nachdem ſie etliche Leute getödtet, 
und ihnen die Kopfhaut abgezogen hatten, eine 
Frau mit ihrem zwölfjährigen Sohne gefangen u 
bekommen. Sie waren jezt mit dem, was ſie ge⸗ 
than hatten, zufrieden, und zogen ſich nach ihrem 
Lande zuruͤck, welches dreybundert Meilen davon lag. 
Die zweyte Nacht auf dem Ruͤckzuge faßte die 
a; die, wenn ich nicht irre, Rowe hieß, einen 
Entſchluß welcher der groͤßten Heldin wuͤrdig war. 
Sie ſuchte, als ihre Sieger ſich im tiefſten Schlafe 
befanden / ſich ihre Bande von den Händen los zu 
machen, und bat leiſe ihren Sohn, den ſie unge⸗ 
bunden berumgehn ließen, ſich ja ruhig zu halten. 
Sie legte darauf alle Vertheidigungswaffen der 
Indier bey Seite, und gab ihrem Sohne eine Art, 
und befahl ihm, ihrem Beyſpiele zu folgen. Sie 
ſelbſt todtete mit einer zweyten Axt etliche Indier 
auf der Stelle; allein ihr Unternehmen waͤre bald 
durch die Schwaͤche und Unentſchloſſenheit ihres 
Sohnes verungluͤckt, der einem Indier einen ſo 
leichten Schlag gab, daß er bloß davon aufwachte. ö 
Doch hatte ſie noch Zeit genug, ihn niederzuſchla⸗ 
gen, ehe er ſeine Waffen finden konnte. Auf dieſe 
Art brachte ſie ſie alle um, bis auf eine Frau, die 
fruͤh genug ae um . zaun nen zu 
5 konnen. a rn 


Die 


| 
| 
| 


Die Heldin zog 10 ihren sgi c Fein⸗ 
Pa Die Kopfhaut ab, und brachte ſie nebſt den Kopf⸗ 10 
haufen von ihren Landsleuten i im Seinnpf nach i 


rem Wohnplatze zuruͤck. 


Auf dem Marſche zwingen die Indier ihre Ge⸗ | 


fangnen den Todtengeſang zu fingen, der gewoͤhn⸗ 
lich folgendes Inhalts iſt: Ich gehe zum Tode, 
ich werde viel leiden muͤſſen, aber ich will die gröͤß⸗ 
ten Qualen, die mir meine Feinde anthun koͤnnen, 


mit gehoͤriger Standhaftigkeit ertragen. Ich will 


wie ein tapfrer Mann ſterben, und zu den Helden 


gehn, die auf eine aͤhnliche Art farben.” Dieſe 


Geſaͤ ange werden von Zeit zu Zeit wiederboblt, bis 
ſie das beſtimmte Dorf oder Lager erreichen. 


Wenn die Krieger ſo nahe gekommen find, daß 


man ſie hören kann, fo ſchreien ſie zu verſchiedenen 


malen, „um ihren Freunden den Erfolg ihres Zuges 


überhaupt kund zu thun. Ihr wiederhohltes Tod⸗ 


tengeſchrey zeigt an, wie viele von ihren Landsleu⸗ 
ten ſie verlohren haben, und ihr Kriegegeſchrey 8 
zeichnet die Menge ihrer Gefangene. 

Es iſt ſchwer beyde Arten von Geſchrey zu ber 
ſchreiben, doch klingt das Todtengeſchrey wie hu, 
bu, bup, und wird in einem kreiſchenden Tone aus- 
gehalten bis fie nicht weiter den Athem anhalten 
tmnen, und dann auf einmabl mit einer plötzlichen | 

Exter 


287 


erhebung der Stimme . Das Kriegs⸗ 
geſchrey iſt dieſem aͤhnlich, aber lauter, und wird, 
dadurch daß ſie die Hand vor den Mund halten, 
etwas veraͤndert. Beyde kann man in einer be⸗ 
traͤchtlichen Entfernung hören. | 
So lange dies Geſchrey währe, bleiben all, an 
die es gerichtet, voller Aufmerkſamkeit ſtehn. So 
bald aber dieſe Ceremonie vorbey iſt, fo laͤuft alles 
| aus dem Dorfe, um einzelne Umſtaͤnde von der 
Begebenheit zu erfahren, und je nachdem die Nach⸗ 
richt freudig oder traurig iſt, wird darauf durch ein 
häufiges Freuden: oder Tr auergefchren geantwortet. 
So wie nun der Zug ans Dorf kommt, ſo ſuchen | 
Weiber und Kinder Stoͤcke und Knuͤppel zuſam⸗ 

men, und ſtellen ſich in zwey Glieder, durch welche 
die Gefangnen durch muͤſſen. Sie ſchlagen darauf 
auf dieſe Elenden ſo unbarmherzig los, daß ſie kaum 
einige Spuren vom beben übrig, behalten. Doch 
nehmen ſich ihre Henker in Acht, ihnen keine voͤllig 
tödtliches Schlaͤge zu geben, weil ſie ſonſt das Ver⸗ 

gnuͤgen verliehren wurden, fie e noch Brauer zu 
quälen. | 7 ® 
Nach dieſem lebreichen Empfange, werden He 
Gefangenen Hände und Füße gebunden, ı und die 
Anfuͤhrer halten einen Rath, worin ihr Schickſal 
| euechheden wird. Diejenigen, die durch die 
| gewöhn⸗ 


f 


258 | Ä 
woͤhnlichen Qualen ſterben ſollen, werden dem 
Hauptkrieger übergeben, die hingegen, weſchen man 
das Leben ſchenken will, werden dem Oberhaupte 
der Voͤlkerſchaft anvertraut, ſo daß die G Gefangnen 
bald ihr Schickſal erfahren, da der Urtheilsſpruch 
immer unwiderruflich iſt. Das erſte nennen ſie 
dem Hauſe des Todes, und das zweyte dem Sr ü 
2 Gnaden beſtimmt werden. | | 
Alle Gefangnen, die ziemlich bey Jahren ſind, 
und ſich durch ihre kriegeriſchen Thaten beruͤhmt 
gemacht haben, buͤſſen fuͤr das Blut, das ſie ver⸗ 
goſſen haben, immer durch Feuer. Ihr Kriegsgluͤck 
ſieht man bald an den blauen Zeichen, die ſie an 
den Armen und auf der Bruſt haben, und die einem 
| Indier eben ſo 1 ſind, 15 dem e be | 
feine Buchſtaben. 

Sie ritzen, wenn ſie dieſe Hierbgkhp machen 
wollen, die Haut mit Fiſchzaͤhnen, oder ſcharfen 
Kieſelſteinen, die in eine Art Dinte von Fichten⸗ 
ruß getunkt werden. Man haͤlt ſie, ſo wie bey den 
alten Pikten, fuͤr Zierathe und zugleich her unaus⸗ 

f loſchliche Ehrenzeichen. 
Die zum Tode verurtheilten Seraniehiäh werden 
bald auf den Hinrichtungsplatz geführt, der ge⸗ 
woͤhnlich i in der Mitte des Dorfes oder Lagers liegt. 
Hier werden 0 ausgezogen, und über dem ganzen 
Koͤr⸗ 


g N 289 
Koͤrper ſchwarz bemahlt. Auſſerdem ſteckt man ih⸗ 
nen eine Kraͤhen⸗ oder Rabenfeder auf den Kopf, 
und bindet ſie an einen Pfahl, um den Holzbuͤndel 
f berumfiegen, und noͤthigt ſie zum femme un | 
Todtengeſang anzuſtimmen. 
Die Krieger, denn blos ſie leiden gewoͤhnlich dee ’ 
Strafe, thun dies jetzt auf eine umſtaͤndliche Art 
und mit vieler Feyerlichkeit. Sie erzaͤhlen mit ver⸗ 
nehmlicher Stimme alle ihre tapfern Thaten, und 
thun auf die Menge ihrer erlegten Feinde recht ſtolz⸗ 
Bey dieſer Erzaͤhlung ſuchen ſie ihre Peiniger auf 
alle mogliche Art aufzubringen und zu beleidigen. 
Zuweilen thut dies eine ſolche Wirkung, daß man 
ſie geſchwinder aus dem Wege raͤumt, als es on a 
geſchehn ſeyn wuͤrde. 5 
Es giebt noch ſonſt viele Todesarten für die Ge⸗ 
fangenen der Indier, doch iſt n nen ng | 
gewöhnlichſte IE 7 
Als ich mich in der — 100 Otagar | 
mier aufhielt, ward ein gefangener Illineſe einge⸗ 
bracht, bey welchem ich alle Grauſamkeiten, die 
die Indier gegen ihre Gefangnen aͤuſſern, ausüben 
ſehn konnte. Nach den zu ſeiner Verurtheilung 
nothwendigen Ceremonien, ward er am fruͤhen Mor⸗ 
gen in efnige Entfernung von dem Orte gefuhrt und 
an einen Baum gebunden. Hierauf erhielten alle 
Carvers Reiſen. T Zum. 


Agen aus dem Orte „deren es zeine große Mes enge 
gab, Erlaubniß, mit Pfeilen nach ihm zu chießen. N 
Da keiner von ihnen uͤber zwoͤlf Jahr alt war, 
und ſie auſſerdem ſehr weit von ihm ſtanden, ſo 
konnten ihre Pfeile nicht tief in den Körper eindrin⸗ 
gen, ſo daß dies ungluͤckliche antenne 

| Qualen zwey völlige Tage erduldete. 

Unterdeſſen beſang er feine Kriegsthaten, 15 und | 
erzählte alle Kunſtſtuͤcke, die er angewandt hätte, 
um feine Feinde zu überfallen. Er rechnete die 
Menge Kopfhaͤute und Gefangene her, die er fort⸗ 5 
geſchlept Hätte. Er beſchrieb alle grauſamen Qua⸗ 
len, die er dieſen angethan haͤtte, 1 und schien bey 
dieſer Erzählung das lebhafteſte amen z em⸗ 0 
pfinden. oe 
Vorzüglich aber hielt er ich bey En Gn 
> 93 auf, die er gegen Anverwandte ſeiner jetzigen N 
Peiniger veruͤbt haͤtte; und ſuchte ſie durch alle 
moͤgliche Beleidigungen zur Vermehrung ſeiner 
Qualen anzureitzen, damit er deſto größere Proben 
ſeiner Standhaftigkeit ablegen moͤchte. Selbſt wie 
er ſchon mit dem Tode rang, und nicht weiter ſpre⸗ | 
chen konnte, ſo zeigte er noch Züge von aue und 
Stolz auf feinem Geſichte. 1 

Die Indier glauben bey dieſen Gra 3 8 
auſſer er Beſriedigung ihrer abſcheulichen Rachbe⸗ 

17 5 4 n ran 


| gierde „auch noch den Worcheil zu 68 daß die 
jung en Krieger fruͤh den Hang zur Grauſamkeit und 
zum Blutvergieſſen lernen, der zu den indiſchen 
Kriegen ſo nothwendig erfordert wird. 0 
N Man erzaͤhlte mir, daß ein Indier, eben wie er 
gequaͤlt ward, ſich berühmte, er habe feine Ge⸗ 
fangne an einen Pfahl gebunden, ihre Koͤrper vol⸗ 
ler kleinen Splitter ni Lerch hne BARRITEN und 
dieſe angebrannt. Seine Peiniger waͤren dagegen 
nur alte Weiber, die es gar nicht verſtuͤnden, wie 
man einen tapfern Krieger hinrichten ſollte. 
8 Dieſe Prahlerey hatte ſelbſt für ein indiſches Ohr 
zu viel beleidigendes „und brachte die Sieger ſo auf, 
daß einer von ihren Oberhaͤuptern ihm das Herz ans 
dem Leibe riß, und damit den Mund verſtopfte, aus 
welchem fie ſolche fi ͤrchterliche Dinge gehoͤrt batten. 
Es giebt unzaͤhlige aͤhnliche Geſchichten von dem 
Muthe und der Entſchloſſenheit der Indier. Viele 
uͤberſteigen allen Glauben, aber! es iſt dennoch aus⸗ 
gemacht, daß die Wilden viele Heldeneigenſchaften 
beſitzen, und alles Ungluͤck mit einer Standhaftig⸗ 
keit ertragen „ die keine alten Helden Roms oder 
Griechenlandes uͤbertreffen konnten. 8 
So grauſam aber auch die Indier gegen Ga | 
fangne ihres eignen Geſchlechts ſind, ſo haben ſich 
doch erlihe Stämme wegen ihrer Mäßigung gegen 
* ge⸗ 


29 
W 


292 | | Ä 
gefangne engliſche Frauensperſonen berühmt ge⸗ 
macht. Sie führten oft die größten Schoͤnheiten 
fort, und hatten ſie auf einem Marſche von drey 
bis vierhundert Meilen durch entlegene Bälder mit⸗ 
ten zwiſchen ſich liegen, ohne ihre Keuſchheit im ge⸗ 
ringſten zu beleidigen. Selbſt ſchwangere Frauenss 
perſonen erhielten von den Wilden, wenn ſie mitten 
in einſamen Gehölzen ihre Geburtsſchmerzen fuͤhl⸗ 
ki allen Beyſtand „den ihre Lage erlaubte. 


Dieſe Beſtheidenheit ruͤbrt aber doch nicht ganz 
von ihrer natuͤrlichen Denkungsart her, da man 
ſie blos bey Indiern antrifft, die mit franzoͤſiſchen 
Miſſi onarien Umgang hatten. Denn, ohne viel⸗ 
leicht die Abſicht zu haben, zum Vortheile ihrer 
Feinde, der Engländer, mit zu arbeiten, gaben 
ſich die Geiſtlichen alle erfinnfiche Mühe, den Sins 
diern ein Gefuͤhl von Menſchlichkeit einzuflöffen, und 
man bemerkt die Wirkung davon augenſcheinlich 
bey ſehr vielen. 7 a ri 


‚Die Gefangnen 7 bie dem Piu der Gnade be⸗ 
ſtimmt werden, und die gewoͤhnlich aus jungen Leu⸗ 
ten, Weibern und Kindern beſtehn/ „ muͤſſen auf 
die Entſcheidung der Oberhaͤupter warten, Die, 
wenn die andern hingerichtet find, 2 einen n dwepten 
. uͤber ſie halten. 


e 


- „ 


Es wird zu dem Ende ein Herold herumgeſchickt, 
der allen ankuͤndigt, die irgend jemand von den ih⸗ 
rigen auf dem letzten Zuge verlohren haben, daß 
eine Vertheilung der Gefangnen vor ſich gehn foll. 
N Zuerſt werden die Frauen, die Kinder oder Maͤnner 
verlohren haben, befriedigt; und auf ſie folgen alle, 
die weitlaͤuftiger Anverwandten beraubt wurden, 
oder die Luſt haben; von den jungen Leuten e 
an Kindesſtatt anzunehmen. Pf | 
Wenn die Austheilung geſchehn iſt, die immer 
ohne allen Streit vor ſich geht, ſo fuͤhrt ein jeder 
ſeinen Antheil nach Hauſe. Der Gefangne wird 
losgebünden, feine Wunden, wenn er welche hat, 
werden ausgewaſchen und verbunden, er wird ge⸗ 
kleidet, und bekoͤmmt von dem beſten Eſſen, , das 
im Hauſe zu haben iſt. | 
Während daß ihre neuen Hungern bey der 
Mahlzeit find, ſuchen die Herrn fie zu tröͤſten. Sie 
ermuntern ſie fröhlich und gutes Müches zu ſeyn, 
da ſie dem Tode entgangen waͤren, und wenn ſie 
ihnen getreud dienen wuͤrden, ſo wollten ſie alles thun, 
was in ihrem Vermögen ſtuͤnde, um ihnen den Ders 
luſt ihrer Freun e und ihres Vaterlandes in 
a ersehen | 
Wenn erwachsenen Mannsperforlen das leben ge⸗ 
chte wird ſo fallen ſi ſie gewöhnlich Witwen zu 
i m 3 5 Theil, 


7 Kr / 
2 2 N. 0 AT SW] 
>) ee 
„ De = RI N 
\ ’ AI * 
a 


Theil, die ihre Maͤnner im Kriege verlohren haben 
und die fie gleich heyrathen, wenn ſie ihnen gefal⸗ 
len. Sollte aber die Wittwe ihre Neigung | ſchon 
auf einen andern geworfen haben, ſo iſt es fuͤr ih⸗ 
ren Gefangnen ſehr gefährlich, hauptſoͤ aͤchlich, wenn 
ſie glaubt, ihr Mann Wage im lande der € Geiſer 
einen Bedienten. 5 
Iſt dies der Fall, 0 führen einiger junge — 
den Gefangenen an einen abgelegenen Ort, und 
ſchlagen ihn ohne viele Umſtaͤnde todt, denn da der 
Rath ihm das Leben geſchenkt hat, ſo glauben Ir * 
er ſey es nicht wehrt, lange gequaͤlt zu werden. 
Die Frauensperſonen fallen gemeiniglich Min, 
nern zu Theil, bey welchen ſie größtentheifs ſehr gut 
aufgenommen werden. Die Jungen und Maͤdchen 
werden in Häufern aufgenommen, wo man ſie noͤ⸗ 
thig hat, und fie als Sklaven haͤlt. Zuweilen wer⸗ 
den ſie auch an die europaͤiſchen Kaufleute verkauft. 
Auswechſelung der Gefangnen hat bey den In⸗ 
Bern gar nicht ſtatt. Alle Gefangnen werden ent 
weder umgebracht, in Familien aufgenommen oder 
zu Sklaven gemacht. Dieſe beyden letztern wer⸗ ’ 
den von ihrem eignen Volke zur. ck geſtoßen, wenn 
ſie entfliehn ſollten, nachdem man ſie begnadigt hat. 
Die Aufgenommenen werden voͤllig als? Mitglie⸗ 
ö ie des Volkes angeſehn, zu welchem fie jezt ges 
N „ bofren, 


295 
eren Sie treten in alle Rechte derer, an weis | 
0 er Stelle ſie gekommen ſind, und tragen oft kein 
Bedenken, gegen ihre alten Landsleute zu Felde zu 
Wen, Sollte aber irgend einer von ihnen entwi⸗ 
ſchen, und wieder gefangen werden, ſo wird ſeine 
Undankbarkeit aufs grauſamſte beſtraft. | 
Die Gefangnen, die als Sklaven angeſehn wer⸗ 
den, fallen groͤßtentheils an die Oberhaͤupter, die 
fie of an die Kommendanten in engliſchen Grenz⸗ 
plätzen, oder an die Kommiſſarien der indiſchen An⸗ 
gels genheiten verſchenken. Die Jeſuiten und fran⸗ 
zöſiſchen Miſſi onarien ſollen zuerſt die Indier bewo⸗ 
gen haben, ſie zu verkaufen, und ihre Abſicht war 
wuͤrklich lobenswuͤrdig. Sie glaubten naͤhmlich 
dadurch Grauſamkeiten und Blutvergieſſen zu ver⸗ 
hindern, und mehr Gelegenheit zu erhalten, die 
christliche Religion auszubreiten. Allein die guten 
Vaͤter ſahen ihre guten Abſichten bald vereitelt. 
Denn anſtatt Blutvergieſſen vorzubeugen, moch⸗ 
ten ſie nur dies Kriege zwiſchen den Indiern weit 
häufiger und heftiger. Sie fochten jetzt nicht mehr 
| blos aus Rachſucht oder Ruhmbegierde, ſondern 
auch aus Gewinnſucht, denn ſie vertauſchten ihre 
Gefangenen fuͤr hitzige Getraͤnke, die ſie ungemein 
cen und daher immer aufuntoſtenitrer a 
n erhalten ſuchten. will. Ne 
a | mar! Man 


Man könnte zwar dagegen zaenden „ 1 jezt 


N 


weit weniger Gefangne gequäft und umgebracht 
wuͤrden, da fie jezt für ſie von einem ofen Werthe 
ſind, allein gegen die Krieger ſind ſie noch i immer 


eben ſo grauſam, und opfern ſie gewiß ihrer R 


ich» 


fücht auf. Sie ſuchen jezt nur mehr junge Gefan⸗ 
gene zu machen, und bringen die, welche ſie zu 
| 2 ah eben fü gut um, als es 1580 


Als bie Miſſtonarien ſahen, daß dieser e Sklaven, | 
handel blos dazu diente, den Abſat hitziger Getraͤnke 


zu vermehren, ſo wandten fie ſich an den S 


tatthals 


ter von Kanada, im Jahre 1693, und baten ihn, 


dieſen ſchaͤdlichen Handel zu verbieten. 


Allein er 


konnte ihn nicht ganz verhindern, denn die franzos 
ſiſchen Holzlaͤufer (couriers de bois) fuͤhrten MER: 
mer heimlich fort, ungeachtet eine ſchwere e 0 


und Gefaͤngnißſtrafe darauf ſtand. 


Einige von ihnen, die man darauf ertappte, be⸗ 
gaben ſich zu den Indiern, verheyratheten ſich mit 
indiſchen Maͤdchen, und waͤhlten eine freywillige 
Verbannung aus ihrem Vaterlande. Allein da fie 
gewoͤhlich ſchlechte und ausſchweifende Kerle wa⸗ 
ren, ſo trugen ſie wenig dazu bey, die Sitten der 
Indier zu verbeſſern, oder die chriſtliche Religion 
** ihnen auszubreiten. Ihre N hatte jedoch 


vielen 


297 


| Alen Vortheil von Siefen Fluͤchtlingen, jr denn ſie 
unterhielten die verſchiedenen indiſchen Völkerſchaf⸗ 
ten beſtaͤndig von der Macht und der Groͤße der 
Franzoſen, fuͤ᷑ deren Monarchen ſie, ungeachtet ihrer 
Verbannung, ihre angebohrne Anhaͤnglichkeit noch 
immer beybehalten hatten, und floßten dadurch den 
Indiern eine Neigung fuͤr ihre Sandsfeute ein, die 
ſich noch jezt bey jeder Gelegenheit aͤuſſert. 
Sellbſt die Verachtung, worin ſie durch den Ders 
luſt von Kanada bey den Indiern gerathen ſeyn 
muͤſſen, hat dieſe Neigung noch nicht ganz auslö⸗ 
ſchen koͤnnen. Sonſt ſehn die Indier jedes uͤber⸗ 
wundne Volk als Sklaven ſeiner Sieger an. Wenn 
ein Volk ſich ein andres völlig unterworfen hat, ſo 
muͤſſen die Oberhaͤupter von diefem, wenn ſie mit 
ihren Ueberwindern im Rathe ſitzen, Weiberröͤcke 
fragen, um dadurch ihre ng erg e 
zeigen. 


— ͤ 


Zehntes Kapitel. 4 5 10 
ug der Art der Or Frieden z ſchlißen. 


0 


D. Kriege der Indier find gewöhnlich erblich 

und daures von eee zu Geſchlecht faſt 
ununterbrochen fort. Wenn der Friede nothwen⸗ 
. 8 dig 


ſchein zu vermeiden, als wenn ſie den erſten un. 
trag gethan haͤtten. ee 

Wenn ſie mit ihren Feinden wege cines Waffen⸗ 
5 ſtillſtandes Unterhandlungen pflegen, ſo erſcheint der 
Anfuͤhre er, der den Auftrag dazu erhalten hat, es 
ſey denn, daß ein neutraler Stamm die Vermitte⸗ 
lung auf ſich nimmt, mit ſeinem gemößnfichen 


wenn es mit feinem Vaterland? auch noch ſo ſch lecht 


reden, daß ihr Vortheil es nn dem iu 
machen. 


Völkerſthaften, die ſonſt nichts vereinigen konnte. 


zu verſchiednenmalen gehoͤrt habe. Hit 

Vor ungefaͤhr achtzig Jahren führten die gro 
keſen und Tſchipiwaͤer Krieg mit den Ottogamiern 
und Sakiern, die ihnen lange nicht gewachſen 
waren. In einem Winter unternahmen einmal 
tauſend Irokeſen eine Streiferey vom See Ontario 


des Huronenſees fort, bis ſie an die Inſel St. Jo⸗ 
bab kamen, die in der Meerenge von St. Maria 


Stolze, und giebt nicht im geringſten nach, ſelbſt 


aus uͤber Toronto in das Gebiet ihrer Feinde. Sie 
giengen laͤngſt den oſtlichen und nordlichen Ufern 


Big bud, ſo ſuchen kon Theile ſorgfaͤltig den An⸗ 


ſteht, ſondern ſucht vielmehr ſeine Feinde zu übers Ä 


Oft verurſachen Qufälle einen grieden zwiſcen | 


Ich will ein Beyſpiel davon rien ae ic | 


liegt. Hier giengen fie über das Eis in dieſer 
Meerenge ungefaͤhr funfzehn Meilen unterhalb des 
| Waſſerfalles, und ſetzten ihren Weg immer gegen 
Weſten fort. Da der Boden mit Schnee bedeckt 
war, ſo giengen fie, um ihre Anzahl zu verſtecken, 
alle hinter einander, und traten foegfäleig einer in 
des andern Fußtapfen. 
Allein ungeachtet aller ihrer Vorſicht Wide de . 
von vier Tſchipiwaͤern entdeckt, die aus der Rich⸗ 
tung ihres Marſches und ihrer een leicht 
ihre Abſichten errathen konnten. Die T ſchipiwaͤer 
fuͤhrten zwar ſelbſt damahls Krieg mit den Otta⸗ 
gamiern, und ſtanden mit den J llineſen i im Buͤnd⸗ 
niſſe/ ‚ aber fie entſchloſſen ſich nichts deſtoweniger, 
jenen von der ihnen bevorſtehenden Gefahr Nach⸗ 
richt zu geben. Sie nahmen daher mit ihrer ge⸗ 
woͤhnlichen Geſchwindigkeit einen Umweg, und 
kamen auf der Wildbahn der Ottagamier an, ehe 
ein ſo großer Haufen 0 der noch dazu ſo behutſam 
anruͤckte, fie. erreichen konnte. Sie fanden hier 
ungefahr vierhundert Krieger, worunter einige 
Sakier waren, und gaben ihnen von der Annähe, 
rung ihrer Feinde Nachricht. | | 
Die Anfuͤhrer zogen gleich ihre ganze Macht 
zuſammen, und hielten einen Rath uͤber die Maaß⸗ 
0 zu ihrer n Da ſie ihre Fami⸗ 
ſien 


lien bey ſich hatten ſo war es unmoͤglich, aufs 
Fliehen zu denken; ſie entſchloſſen ſich daher, die 
vortheilhafteſte Stellung in der Gegend zu nehmen, 
und die Srofefen aufs waͤrmſte zu empfangen. 
Nicht weit davon waren zwey kleine Seen, die 
durch eine ſechszig bis hundert Fuß breite, und un⸗ 
gefähr eine Meile lange Erdenge getrennt wurden. 
Da ſie vermutheten, daß die Irokeſen daruͤber ans 
ruͤcken wuͤrden, ſo theilten ſie ihr kleines Heer in 
zwey Haufen, wovon jeder zweyhundert Mann 
ſtark war. Einer davon nahm ſeinen Poſten an 
dem Ende des Paſſes, der auf die Wildbahn ſtieß, 
und zog daruͤber ein Verhack; der andre Haufen 
zog ſich unterdeſſen um die Seen berum, um den 
Feinden, wenn ſie ſich innerhalb des Paſſes ann 
den, den Ruͤckweg abzuſchneiden. 
Ihr Plan gluͤckte vollkommen, und fo bald alle | 
Irokeſen auf der Erdenge waren, ſo machte der 
zweyte Haufe in ihrem Ruͤcken eine ähnliche Linie, 
wozu ſie das Holz ſchon bereit hatten, und n 
dadurch die Feinde vollig ein. ; 
Die Irokeſen fahn bald die Lage, worinn fie ſcch 
befanden, und berathſchlagten ſich über die Maaß⸗ 
regeln, die ſie zu ihrer Befreyung ergreifen muͤßten. 
Zu ihrem Ungluͤck hatte es eben angefangen zun 
e, und @ war ſchon fo wenig Eis in den 
Seen, 


Seen, daß man sicht weiter dariiber‘ gehn tome, 
aber dennoch zu viel, um mit Floͤßen durchzuk 
men, oder durchzuſchwimmen. Sie beſchloſſen 
daher, eine von den Verſchanzungen zu sinne, 
womit es ihnen aber nicht gluͤckte. 1 8 
Ungeachtet der r mißlichen Lage, worinn fie ſch 
\ jest: befanden, brachten fie mit der den Indiern 
| eignen Gleichguͤltigkeit etliche Tage mit Fiſchen 
zu. Unterdeſſen war das Eis völlig geſchmolzen, 
und fie entſchloſſen ſich daher, auf Flögen, wozu 
fie grade etliche Baͤume auf der Erdenge fanden, 
| über einen von den Seen zu gehn. Allein die Otta⸗ 
gamier erfuhren ihre Abſicht, und ſchickten von 
jedem Haufen hundert und funfzig Mann ab, um 
ihnen die Landung zu verwehren, die dadurch ohne⸗ 
hin verzögert ward, daß ſie mit ihren Ruderſtan⸗ 
5 gen oft im Schlamme ſtecken blieben. 

ö So o wie die Irokeſen ſich dem Ufer naͤherten, 
empfiengen die Ottagamier ſie mit einem Regen 
von Pfeilen und Kugeln, und ungeachtet jene aus 
Verzweiflung ins Waſſer ſprangen, und ſich durch⸗ 
ſchlugen, ſo buͤßten ſie doch mehr als die Halfte 
ihrer deute dabey ein. Sie verlohren dabey alles 
Pelzwerk, das ſie en Winter über gefangen hatten, 
wovon die Sieger den Tſchipiwaͤern, WAR ” 
eg zu danken hatten, einen The 


302 


Belohnung gaben. Sie noͤthigten ſie ungeachtet 
aller Weigerungen, die beſten davon auszuſuchen, 
und ſchickten ſie unter einer Aeta en 
nach ihrem Lande zurück. 


Dieſer tapfere und kluge Witerſend der Otta⸗ 
gamier und Sakier brachte nebſt der 2 Bermittelung 
der Dſchipiwäer, die ihre alte Feindſchaft bey Seite 
festen, und das Betragen ihrer vier Landsleute 
vollkommen billigten, einen Frieden zwiſchen dieſen 
Völkerſchaſten zu Stande, nik den ne 
| völlige Freundſchaft folgte. | 


| Ueberhaupt glaube ich daß jezt alle Indier in g 
dem weitläuftigen Striche dandes, der ſich von Que⸗ 
bee bis an den Miſſiſi iſippi nordwärts vom Uief konſir n 
erſtreckt, und i in den Gegenden, welche der Hud⸗ 
| ſonsgeſellſchaft gehören, in vollkomt enen Frieden 
mit einander leben. Ibre Streiſereyen erſtrecken 
ſich größtentheils nur ſuͤdwaͤrts gegen die Tſchero⸗ 
kiſen, Tschocktaer „ Tſchickaßer und Jlineſen. 


2 Zuweilen werden die Zudier eines Kriegs müde, 

den fie Jahre lang gegen ein benachbartes Jolk 
ohne ſonderliches Gluͤck gefuͤhrt haben, und ſue en 
daher einen Frieden durch andrer Bölker Vermit⸗ | 
telung zu Stande zu bringen. Die Art, 150 Unter⸗ 
3 pfegen, iſt folgendes, a ie 
a Eine 


E N 1 


303 
Eine Anzahl Anführer von ihren dandsleuten und 
dem Volke, das die n über ſich genom⸗ 
men hat, reiſen nach dem Lande ihrer Feinde ab. 
Gewoͤhnlich werden dazu die geſchickteſten und red⸗ | 
lichſten Anfuͤhrer erwaͤhlt. Sie tragen die Stier 
denspfeiffe vor ſi ch her, welche eben das bedeutet, 
was in Europa die weiſſe Fahne iſt, und ſelbſt bey 
den enn Voͤlkerſchaften in großer Achtung 
ſteht. Mir iſt wenigſtens kein Beyſpiel bekannt, 
daß gend jemand, der die Friedenspfeiffe trug, 
eine Beleidigung wiederfahren waͤre, und ohnehin 
glauben die Indier, daß der große Geiſt ein gr 
gehe nie ungeſtraft laſſen wurde. pi 
Die Friedenspfeiffe, welche die Franzoſen Ca- 
1 nennen, iſt ungefaͤhr vier Fuß lang. Der 
Kopf beſteht aus rothem Marmor, und die Rohre 
aus einem leichten Holze, das mit vielfarbich⸗ 
ten Hieroglyphen ſchön bemahlt, und mit Federn 
von den ſchoͤnſten Voͤgeln geziert iſt. e 
Jedes Volk hat dabey eine beſondre Art Zierath, 0 
und die Indier koͤnnen bey dem erſten Anblick be⸗ 
ſtimmen, welchem Stamme fie zugehoͤret. Sie 
dient bey allen Unterhandlungen zur Vorbereitung, 
und wird mit vielen Feyerlichkeiten gebraucht. 
Wenn ſich die Oberhaͤupter Waben und 0m 
* nee fuͤllt fie der Adjute roßen Krie 


304 
gers mit Toback an, welcher mit den oben erw 
ten Kraͤutern vermiſcht iſt, und huͤtet ſich dabey 
ſorgfaͤltig, die Erde damit zu berühren. Wenn ſie 
geſtopft iſt „ ſo nimmt er eine völlig. brennende 
Kohle vom Feuer, das gemeiniglich mitten in der 
Verſammlung angezuͤndet iſt, und legt ſie auf den 
Toback. Wenn ſie gehörig brennt, fo wirft er die 
Kohle weg, und hält darauf die Röhre gegen den 
Himmel, und nachher gegen die Erde. Hierauf 
dreht er ſich in einem Kreiſe herum, wobey er ſie 
immer wagrecht in die Hand haͤlt. Durch die erſte 
Bewegung bietet er ſie dem großen Geiſte an, um 
ſeinen Beyſtand zu erhalten, durch die zweyte glau⸗ 
ben ſie den Tuͤcken der boͤſen Geiſter vorzubeugen, 
und durch die dritte den Schutz der Geiſter zu er⸗ 
or langen, welche die Luſt, die Erde und das Waſſer 
i bewohnen. Wenn ſie ſich auf dieſe Art der Gunſt 
der unſichtbaren Weſen verſichert haben, welche 
ihrer Meinung nach die Unterhandlung befoͤrdern 
oder ſtoͤren koͤnnen, fo wird die Friedenspfeiffe dem 
Erbregenten des Volks hingereicht, der etliche Zuͤge 
daraus thut, und den Rauch gegen den Himmel 
und darauf rund um ſich herum auf die Erde blaͤſt. 
Nachher geht ſie auf die naͤhmliche Art bey den 
Abgeſandten und Fremden herum, die ebenfalls 
dieſe * beobachten. Von — koͤmmt 
vn fe 


5 . 305 
ſie an den Hauptkrieger und an die übrigen Ober⸗ 
haͤupter i in ihrer Ordnung. Der Anführer, der 
dies Ehrenamt verrichtet, haͤlt dabey die Pfeiffe 
immer ſo leicht in der Hand, als wenn er befuͤrch⸗ 5 
tete, dies geheiligte Werkzeug zu hart zu druͤcken, 
und alle übrigen berühren ſe gleichfalls nur eben 
mit den Lippen. 

Wenn die Unführer, denen der Auſtrag En 
iſt, den Frieden zu ſchließen, ſich dem beſtimmten 
Orte oder lager nähern, fo fangen ſie die ſolchen Gele⸗ 
genheiten beſonders gewidmeten Geſa ange: und Tänze 

an. Unterdeſſen erfährt die Gegenparthey ihre Ans 
kunft, und laͤßt ſie in die Wohnung des Hauptanfuͤh⸗ 
rers noͤthigen, wo ihnen alle mögliche Bequemlich⸗ 
keit verſchaff wird, fo lange als die br 
lung waͤhrt. e \ 

Hierauf wird ein Rath gehalten und nach geen⸗ 
digten Reden und Debatten, wenn die Unterhand⸗ 
lung durch keine Hinderniſſe unterbrochen wird, 
die bemahlte Art eingegraben, zum Zeichen, daß 
alle Feindſeligkeit zwiſchen beyden Voͤlkern aufge⸗ 
hort habe. Bey den rohern Indiern, die keine 
Handlung mit Europaͤern haben, wird anſtatt der 
er eine Streitkolbe eingegraben. 

Sonſt wird bey ſolchen Gelegenheiten auch noch 
ein Guͤrtel Wampum übergeben, der zur Beſtaͤti⸗ 

Carvers Reiſen. u gung 


306 


gung des Friedens n und der zugleich den In⸗ 
halt der Friedensbedingungen durch die Hierogly⸗ 
phen, in welche die Knoͤpfe gebracht find, auf die 
ſpaͤteſt e Nachkommenſchaft erhaͤft, 
Dieſe Guͤrtel beſtehn aus Muſcheln von ben 
Kiffen von Neuengland und Virginien, aus wel⸗ 
chen ovale und ungefähr einen Viertelzoll lange 
Knoͤpfe gemacht werden. Dieſe Knoͤpfe ziehn fie 
auf lederne ‚Schnüre, und verſchiedne davon ma⸗ 
chen, wenn ſie mit einem feinen ſehnigten Faden 
zuſammen genaͤht find, einen eee Guͤrtel 
Wampum aus. 

Die Muscheln ſind gewöhnlich von weyerley 
Farben, weiß und violet; doch werden dieſe weit 
hoͤher geſchaͤtz. Ueberhaupt achten fie die Indier 
eben ſo ſehr, als die Europaͤer Gold, Silber oder f 
Edelſteine nur immer achten koͤnnen. . 

Die Gürtel beſtehn oft aus zehn bis zwölf 1 

gar noch mehreren Schnuͤren „wobey es aber i im⸗ 
mer auf die Wichtigkeit der Sache, oder das An⸗ 
ſehn der Perſon ankoͤmmt, welcher er überliefert 
wird. Bey gewohnlichen Vorfaͤllen beſchenken fich 
EN bie Oberhaͤupter mit einzelnen Schnuͤren, die ſie 
als einen großen San am Hale tragen. 


Eilftes 


— 


N Eilftes Kapitel hi 
* Von den n Spielen der Judier. 


ar 


& Nie Iudier find dem Spiele ſehr aan ; MN 
wagen und verliehren ihre ſchaͤtzbarſten Reich⸗ 
thuͤmer mit der groͤßten Gelaſſenheit. Sie haben 
viele Arten von Spielen, worunter aber das Ball⸗ 
ſpiel das vornehmſte iſt. Ihre Baͤlle ſind etwas 
größer, als unſre gewoͤhnlichen Federbaͤlle, und 
werden aus Rehfellen gemacht. Man nimmt ein 
Stuͤck davon, feuchtet es mit Waſſer an, um es 
weicher zu machen, und ſtopft es ſtark mit Rehhaa⸗ 
ren aus, und naͤht es mit Sehnen zu. Die Ball⸗ 
holzer find ungefähr drey Fuß lang / und haben am 
Ende eine Art von Rakete, die wie eine flache Hand 
ausſieht, und aus Riemen beſteht, welche aus einer 
Rebhaut geſchnitten werden. Mit dieſer Rakete 
fangen ſie den Ball auf, und ſchlagen ihn weit we / 
wenn ſie nicht von der Gegenparthey, die ihn auf⸗ 
zufangen ſucht, daran verhindert werden. 


Dies Spiel wird gewoͤhnlich von einen großen 10 


Haufen geſpielt, der oft über dreyhundert ſtark iſt, 
und gemeiniglich ſpielen verſchiedne Parcberen ge | 
a einander.. ö 
Zuerſt werden zwey fühle INNEN achtzehn 0 
E Fuß von einander in die Erde geſchlagen, | 
1 l und 


7 
x 7 — eo. v 
N Ne. * . 
3 08 e 
u” DEE 


und eine jede Parthey hat ihr eignes Quartier dahin⸗ 
ter. Der Ball wird grade mitten zwiſchen dieſen 
Quartieren ſtark in die Hoͤhe geworfen, und jede | 
Parthey ſucht ihn zuerſt i in das ihrige zu ſchlagen. 
Sie find hier inn fo geſchickt, daß der Ball faſt 
immer in verſchiednen Richtungen im Fluge bleibt, 
ohne waͤhrend des ganzen Spiels die Erde zu beruͤh⸗ 
ren. Sie duͤrfen ihn bloß mit den Raketen, und 
nicht mit den Haͤnden auffangen. Sie laufen ein⸗ 

ander mit unglaublicher Geſchwindigkeit nach, und 
wenn eben einer im Begriff ift; den Ball weit weg 
zu ſchlagen, ſo kommt ihm oft plötzlich ein Auen 
zuvor, und ſchlaͤgt ihn nieder. 7 
Sie ſpielen mit fo vielem Eifer, daß ſie ſich oft 
| verwunden „oder gar Arm und Bein zerbrechen; 
aber nichts deſto weniger ſieht man nie, daß dies 
aus Bosheit geſchehe, und man hört nie von Zaͤn⸗ ; 

kereyen zwiſchen den beyden Partheyen. 

me. giebt bey den Indiern noch ein zweytes merk⸗ 
wuͤrdiges Spiel, das Schaalen⸗ oder Tellerſpiel, 
welches blos von zweyen geſpielt wird. Ein jeder hat 
dazu ſechs bis acht kleine Knochen, die einem Pfir⸗ 
i ſichſteine an Groͤße und Geſtalt gleich kommen, 
nur mit dem Unterſchiede, daß ſie viereckigt ſind. 
Zwey Seiten davon ſind ſchwarz und zwey weiß. 
Dieſe Knochen nn ſie in die Höhe / und laflen 
fie 


1 


" N“ 4% 300 
ſie in eine Schaale oder auf einen Teller fallen, auf 
welchen fü ie ſich herumdrehen muͤſſen. 

Sie zaͤhlen ihr Spiel nach dem die oberſte Seite 
weiß oder ſchwarz iſt. Wer die größte Anzahl von 
einerley Farbe hat, rechnet dafuͤr fuͤnf; und vier⸗ 
zig machen das ganze Spiel. | 

Der gewinnende Theil behaͤlt ſeine Stelle, und 
der verliehrende muß ſie einem andern abtreten, den 
die Schiedsrichter dazu beſtimmen. Denn zuwei⸗ 
len ſpielen ganze Dörfer, ober ſo gar we \ 
gegen einander. 

Waͤhrend des Spieles find Die Indier i in ehr 
Bewegung, und erheben bey jedem entſcheidenden 
Wurfe ein fuͤrchterliches Geſchrey. Sie machen 
bundert verzerrte Geſichter, und fluchen den 
Knochen und den boͤſen Geiſtern, die ihren Gegnern 
Gluͤck bringen. In dieſem Spiele verliehren ſie 
oft ihre Kleidungen, ihren ganzen Hausrath, und 
ſo gar ihre Freyheit, die doch ſonſt kein Volk böber | 
ſchätzen kann, als die Indier. | u 

Zwoͤlftes Kapittel. 
Von den Hepraths⸗ ‚Ceremonien der Indier. 


Nie Vielweiberey iſt bey den e erlaubt, | 
N und bey allen Ständen eingeführt. Die Ober⸗ 
Ba bea 


310 


du haͤupter haben gereößnich ſechs bis vierzehn in ib 
rem Seray. Die geringeren nehmen ſo viele 
Frauen, als fie nebſt ihren kuͤnftigen Kindern er; 
naͤhren zu koͤnnen glauben. Es iſt gar nichts un⸗ 
gewoͤhnliches, daß ein Indier zwey Schweſtern 
beyrathet, zuweilen nimmt er die ganze Familie, 
wenn es ihrer noch mehrere giebt, und alle leben 
in der größten Eintracht mit einander, fo unnatuͤr⸗ 
lich dieſe Verbindung auch BR OO vors 
kommen möchte. | | | 
Die jüngern Frauen bm em ältern mit 
0 Ehrerbietung, und die, welche keine Kinder haben, 
voeerichten alle geringen Dienſte für die Fruchtba⸗ 
Hl ren, fo daß ihr Zuſtand wenig vom Stande der 
Dienſtbarkeit entfernt iſt. Allein ſie verrichten 
nichts deſto weniger jeden Auftrag mit der größten | 
Bereitwilligkeit, weil ſie hoffen, ſich dadurch die 

Zuneigung ihres Mannes zu erwerben, und eben, 
falls das Gluͤck zu haben, Mutter zu werden. 
Man findet oft, daß ein Indier ſich vieler ſeiner 
Frauen verſchiedne Jahre lang völlig enthaͤlt. Ei⸗ 
nige Weiber, die nicht ſo gluͤcklich ſind, durch ihren 
Gehorſam und durch ihr kluges Betragen ſich die 
Gunſt ihres Mannes zu erwerben, bleiben ſo gan 
ihr ganzes Leben hindurch Jungfern, wenn er fie 

nicht men einem angefehnen Sehnden anbietet, 
der 


| ARE 311 
der nur kurze Zeit ſich bey der Nation auf haͤlt, um 
ſich in dauerhaftere Verbindungen einlaſſen zu koͤn⸗ 
nen. Sie gehorchen in einem ſolchen Falle ihrem 
Nanne ohne Widerſpruch, und laſſen ſich dieſe kurze 
Verbindung gern gefallen. Aber wenn ſie ohne 
ſeinen Befehl ſich dieſe Freyheit herausnehmen ſoll⸗ 
ten, ſo werden ſie eben ſo beſtraft, als wenn ſie 
ſonſt die Ehe gebrochen haͤtten. 
Dieſe Art Gaſtfreyheit iſt bey den Völkerſhaſten, 
die tief im Lande wohnen, gebräuchlicher, als bey 
Indiern auf den Grenzen der Kolonien, die ſchon ihre 
Sitten mehr nach den europaͤiſchen gebildet haben. 
Die Heyrathsceremonien ſind ſo wie die Eheſchei⸗ 
dungen faſt bey allen indiſchen Voͤlkerſchaften die 
naͤhmlichen. Bey den Voͤlkerſchaften auf den Gren⸗ 
zen von Kanada ſind folgende gebraͤuchlich. 


Wenn ein junger Indier ſeine Neigung auf ein 


Mädchen geworfen hat, ſo ſucht er ihre Neigung 
zu gewinnen, und wenn er hierin gluͤcklich iſt, ſo 
hat er weiter Feine Hinderniß von der Eltern Seite 
zu befuͤrchten. Wenn man uͤber alle Punkte einig 
geworden, ſo wird ein Tag angeſetzt, an welchem 
ſich die Freunde und Bekannten von beyden Seiten 
in dem Zelte oder Hauſe des aͤlteſten Anverwand⸗ 
ten vom Braͤutigam verſammlen, wo fie ein Gaſt⸗ 
mahl ee finden. 


. 


7 
1 ) 
— Bo A As 
a 8 N 
N 5 INN Er 
* 7} * 7 
— * 


1 Oft iſt die Geſellſchaft bey dieſem Feſte ſehr zahl⸗ 
mich. Man tanzt, man ſingt, und macht ſich auf 
| jede andre Art luſtig, die bey ihren öffentlichen Fe⸗ 

ſten gewöhnlich iſt. Wenn dies vorbey ift, fo gehn 
alle weg, die nur aus Ceremonie da waren, und 
blos der Braͤutigam und die Braut bleiben nebſt 
etlichen ihrer äfteften Anverwandten zurück, Von 
des Bräutigams Seite werden Maͤnner und von der 
Braut Frauen dazu gewaͤhlt. er 
Die Braut geht darauf weg und erſcheint wieder 
in Begleitung dieſer Anverwandten an einer von 
den Thuͤren des Hauſes, und wird dem Braͤuti⸗ 
gam zugeführt, der bereit ſteht, ſie zu empfangen. | 
Sie ſtellen ſich darauf mitten in dem Zimmer auf 

eine Matte, und halten einen ungefähr vier Fuß 
langen Stock an den Enden zwiſchen ſich, da unter⸗ 
deſſen die alten Maͤnner eine kurze der Sache ange⸗ 


meſſene Rede halten. 4055 uk 5 
Das Ehepaar erklaͤrt darauf oͤffentlich die Liebe 
und Achtung, die beyde fuͤr einander begen, und 
tanzen und ſingen zuſammen, wobey ſie aber noch 
immer den Stock zwiſchen ſich halten. Wenn nun 
auch dieſe Ceremonle vorbey iſt, fo wird der Stock 
in ſo viele Theile zerbrochen, als Zeugen gegen⸗ 
waͤrtig ſind, wovon ein jeder einen zu ſich nimmt 


und aufs ſorgfaͤltigſte aufhebt. 


Die 


313 
Die Braut wird hierauf wieder aus der Thuͤr 
| berausgeflhrt, durch welche ſie herein kam, und 
wird von ihren jungen Gefährten, die fie erwarte⸗ 
ten, nach ihres Vaters Hauſe begleitet. Hier muß 
fie der Bräutigam auffüchen, und die Heyrath 
vollig zu Stande bringen. Oft bleibt die Frau in 
| ihres Vaters Hauſe, bis ſie niederkoͤmmt, und 
alsdann packt ſie ihre Kleidung zuſammen, worin 
gewoͤhnlich ihre ganze Mitgabe beſteht, und ſolgt 
ihrem Manne nach ſeiner Wohnung. f 
Wenn durch irgend ein Misvergnuͤgen (denn 
Zank hat ſelten zwiſchen Eheleuten ſtatt) eine Ehe⸗ 
ſcheidung veranlaßt wird, ſo thun ſie gewohnlich 8 
ihr Vorhaben ihren Freunden etliche Tage vorher 
kund, und oft zugleich die Gruͤnde, welche ſie dazu 
bewegen. Die Zeugen, welche bey der Heyrath 
zugegen waren, kommen an dem beſtimmten Tage 
in dem Hauſe der Eheleute zuſammen ‚ und brins 
gen die Stücke des Stockes mit, die ſie am Hoch⸗ 
zeitstage erhielten, und werfen ſie in eee | 
der ganzen Geſellſchaft ins Feuer. 0 
Dies iſt die ganze Ceremonie, die zur Ehbeſchei⸗ 
dung erfordert wird, die ohne allen Zank oder Haß 
zwiſchen dem Paare und ſeinen Verwandten vor ſich 
geht, und nach einigen Monathen haben beyde 
Te die Erlaubniß wieder zu heyrathen. 1 1 
. „„ 


314 3 | 
Die Kinder, die aus einer ſolchen Ehe herſtam⸗ 
men, werden unter beyde Theile gleich vertheilt, 
und da inan bey den Indiern Kinder fuͤr einen 
Zahl die meiſten zu. Es konnte ſcheinen, als wenn 


dieſe Gewohnheit Eheleute leicht wankelmuͤthiger 
machen koͤnnte, allein es giebt dem ungeachtet viele 


verfeinerten Völkern irgend fähig iſt. Es giebt 
ſonſt auch noch viele Beyſpiele von Frauen, die 
waren, blos den oben erwaͤhnten Vorfall ausge⸗ 


ihrer Keuſchheit angefehn wird. 


verliebt, ſo macht er ſeine Neigung ihren Eltern 
zu wohnen. 
dadurch anheiſchig, ein ganzes Jahr, als einer 


von ihren geringern Bedienten bey ibnen zu bleiben. 
* 


Schatz haͤlt, fo fallen der Frau bey einer ungleichen 


Indier, die blos eine Frau haben, und mit ihr 
alles Gluͤck der Ehe genieffen, deſſen man bey mehr 
ihren Maͤnnern mit der groͤßten Treue zugethan 
nommen, der aber gar nicht als eine en 
Ich ſagte zwar vorhin, daß die Serratpege 
e der Indier einander fat völlig gleich was 
ren, aber es giebt doch auch hier etliche Ausnah⸗ 
men, hauptſaͤchlich bey den Nadoweſſtern. Wenn 
bey dieſen ein junger Menſch ſich in ein Maͤdchen 


kund, die ihn einladen, mit een in e. Zelte 


Er nimmt dies Anerbieten an, und wache ch 


2 


* 38 
Waͤhrend dieſer Zeit geht er auf die Jagd, und 
bringt alles Wild, das er erlegt, der Familie, 
woraus der Vater erkennen kann, ob er im Stande 
iſt, ſeine Tochter und ihre zukuͤnftigen Kinder ge⸗ 
boͤrig zu unterhalten. Doch thun dies nur junge 
Leute, wenn ſie ihre erſte Frau nehmen, ohne es, 
wie Jacob ſeine Dienſtbarkeit, zu wiederhohlen. 
Wenn dieſe Zeit verfloſſen iſt, ſo wird die Hey⸗ 
rath nach Landesgebrauch auf folgende Art vollzo⸗ 
gen. Etliche von den aͤlteſten maͤnnlichen Auver⸗ 
Büchen des Bräutigams und der Braut begleiten 
das junge Paar aus ihren Zelten auf einen offenen 
Platz in der Mitte des fagers, wo die Oberhaͤuͤp⸗ 
ter und Krieger zu ihrem Empfange verſammlet 
ſind. Von den letztern ſtellt ſich ein Haufen in 
zwey Reihen auf behden Seiten des Braͤutigams 
und der Braut, ſo bald ſie ankommen. Der vor⸗ 
nehmſte von den Oberhaͤuptern macht darauf der 
Verſammlung die Urſachen ihrer Zuſammenkunft 
bekannt, und erflärt, das Paar vor ihnen, wel⸗ 
ches er bey Nahmen nennt, ſey gekommen, um 
öffentlich ihre Abſicht kund zu thun, als Mann und 
Frau mit einander zu leben. Er fragt darauf bende | 
junge Leute insbeſondre, ob ſie verl. angen trügen, 
ihre Vereinigung zu Stande gebracht zu ſehn. Dieſe 
wm mit vernatmicher Stimme ihre Eimwillis 
* 


gung, worauf die Krieger ihre Pfeile über die 
Koͤpfe der Eheleute abſchieſſen, und der nen 
fie für Mann und Frau erklart. 6 


fi ch nieder, und nimmt ſeine Frau auf den Ruͤcken, 


nach ſeinem Zelte. Auf dieſe Cerimonie folgt ein 
ſo praͤchtiges Gaſtmahl, als der neue Mann es 
irgend geben kann, und Geſaͤnge und Taͤnze be⸗ 


Feſt. 


Art ſie dabey verfahren. 


falle ſeiner Frau die 
| gleich von ihr. Ich ſah, als ich mich bey ihnen 
aufhielt, ein Beyſpiel von dieſer Strafe. Die 


Eltern, wie bey andern Eheſcheidungen getheilt. 


der Liebe widmen, fo viel auch neuere Schriftſteller 
die Kaͤlte der Indier erheben. Die jungen Krieger, 


Hierauf dreht ſich der Braͤutigam herum, buͤckt 


und traͤgt ſie unter dem Zurufe aller Zuſchauer 


die 


Der Ehebruch wird bey ihnen für ein der 

Verbrechen gehalten, und mit der größten Strenge 
beſtraft. Der Mann beißt bey einem ſolchen Vor⸗ 
Naſe ab, und ſcheidet ſich 


Kinder werden bey dieſer Gelegenheit unter beyde 


Es giebt bey den Indiern eben ſowohl als bey 
den Europäern deute, die ſich ganz dem Vergnuͤgen 


wee nach ihrer een Weiſe das ganze i 


Eheſcheidungen ſalen bey den Nadoweſſern ſo 
ſelten vor, daß ich nicht erfahren e eee 


— 


legen werde, fo nimmt er die erſte Gelegenheit 


wahr, die ſich ihm zur Ausführung feiner Mose | 


ten darbietet. 
Da die Indier keine Räuber an heimliche 
Feinde zu befuͤrchten haben, ſo laſſen ſie ihre Thuͤren 


beſtaͤndig unverfchloffen. Etliche Stunden nach 
Sonnenuntergang ſchuͤtten die alten deute oder 
Sklaven Aſche auf das Feuer, das gemeiniglich 


in der Mitte des Zimmers e und en 
ſich zur Ruhe. 


Bey dieſer Dunkelheit Bon Stille geht nun der 


Siebhaber, gut in feine Decke eingehuͤllt, um ſich 
unkenntlich zu machen, ins Haus ſeiner Geliebten. 


Hier zuͤndet er bey dem halb erloſchenen Feuer einen 
Splitter an, der ihm ſtatt eines Schwefelfadens 
dient, und ſucht damit die Stelle, wo ſeine Ge⸗ 
liebte ſchlaͤft, welcher er die Bettdecke ſo lange 


wegzieht, bis ſie aufwacht. Steht ſie auf und 
pblaͤſt das Licht aus, ſo iſt er willkommen; zieht ſie 
ſich aber, wenn ſie ihn geſehn hat, die Decke uͤber 
den Kopf, ſo kann er verſichert ſeyn, daß alle feine 


Bemühungen vergeblich ſind. Da 


| 


N RER 317 
die dazu geneigt find, finden: immer Gelegenheit | 
genug, ihrer Leidenſchaft ein Genuͤge zu thun. 
Wenn einer von dieſen Helden glaubt, aus dem 
Betragen feiner Geliebten ſchließen zu koͤnnen, 
daß fie ihm eben keine große Hinderniſſe inden Weg 


Da die Wohnungen der Indier ſehr enen 
find, fo wird nicht leicht jemand durch den ſchwa⸗ 
chen Schimmer des Lichts aufgeweckt. Die jun⸗ 
gen Maͤdchen ſollen bey ſolcher Gelegenheit durch 
gewiſſe Kraͤuter, deren Kraͤfte ſie kennen, ſorgfaͤl⸗ 
tig den Wirkungen ihrer unerlaubten Liebe vorzu⸗ 
beugen ſuchen, die ihnen auf immer das Heirathen 
verbieten wuͤrden, wenn man etwas davon erfuͤhre. 
Die Kinder der Indier werden immer nach ihrer 
Mutter benannt, ſelbſt wenn eine Frau mehrere 
Maͤnner hat, und von jedem Kinder bekommt. Ihr 
Bewegungsgrund dazu iſt der Satz, daß ein Kind 
ſeine Seele vom Vater, den Koͤrper aber von der 
Mutter erhalten, und daß es auſſerdem immer 
ſiccherer fen, fie nach der Mutter zu benennen, weil 
dieſer das Kind gewiß ſein Daſeyn zu verdanken 
habe, da hingegen vom angeblichen Vater dies 
nicht immer bewieſen werden konne. 
Die Indier geben ihren Kindern ihren Wms 
mit vielen Feyerlichkeiten, und ſehn es uͤberhaupt 

fuͤr eine ſehr wichtige Sache an. Worinn dieſe 
Feyerlichkeiten eigentlich beſtehn, konnte ich nicht 
erfahren, weil man ſehr geheim damit thut. Nur 
ſo viel weiß ich, daß man ihnen erſt nach den 
Jahren der eme ene gewodhülich chren ern, 
en | 


Nichts 


319 
e icht kann die gärdfichfeie der Indier gegen 
ihre Kinder übertreffen, und man kann ſich ihre 
Gunſt durch nichts leichter erwerben, als wenn 
man ihrer kleinen Familie ſchmeichelt. Ich kann | 
gewiß die gaſtfreye Aufnahme, die mir bey den 
Nadoweſſtern wiederfuhr, großentheils den Ge⸗ 
ſchenken zuſchreiben, die ich den een der Vor⸗ 
ae Macht. 

Es iſt ſchwer zu beſtimmen, At die Inbier 0 
fich eigentlich von einander unterſcheiden. Auſſer 
dem Nahmen des Thieres, wornach jede Nation 
und jeder Stamm benannt wird, giebt es noch per⸗ 
ſoͤnliche Nahmen, w welche nn 1 von a 
Mutter erhalten. | | 

Die Oberhaͤupter aunterſceiden ſich un mech 
einen Nahmen, der eine Beziehung auf ihre Faͤ⸗ 
higkeiten, oder die Hieroglyphen ihrer Familie hat; 
und dieſe bekommen ſie, wenn ſie das maͤnnliche 
Alter erreichen. Diejenigen, welche ſich im 
Kriege oder auf der Jagd hervor thun „oder ſonſt 
eine vorzuͤgliche Eigenſchaft beſitzen, erhalten ei⸗ 
nen Ehrennahmen, um N57 Een nee u 
en 5 

So hieß zum Beßiele der Fu Wiege bil 
Ä ee garen e, der große Vater 
der S Otta bedeutet Vater; tonglim 
groß, 


320 
groß, und liſchka eine Schlange Ein andrer An⸗ 
fuͤhrer ward Honapadſchatin, ein ſchneller Laͤufer 
uͤber die Gebuͤrge, genannt. Als ſie mich zu einem 
von ihren Anführern erwaͤhlten, fo erhielt ich den 
Nahmen Schibägo, welches einen Schreiber, oder 
einen Menſchen bedeutet, welcher geſchickt Hiero⸗ 
glyphen machen kann, weil en 1 an eg 
ſahn. 


i er 2 3% } & E « . 
} 2 9 


Dtremzehntes Kapitel 
54 Ven der dene der Jndier. 


E. iſt fe ſchwer, ſiche eine e gend . von 
den Religionsgrundſaͤtzen der Indier zu erwer⸗ 
n. Die Europäer haben ihre Lehrſaͤtze und Ce⸗ 
be fo oft laͤcherlich gemacht, daß ſie jezt fin 
chen ſie zu verhehlen; und wenn ſie auch jemand 
ihr Religionsſyſtem aus Freundſchaft entdecken, ſo 
miſchen ſie doch, um es weniger laͤcherlich zu ma⸗ 
chen, ſo viele Saͤtze, die ſie von den franzoͤſiſchen 
Miffionarien gelernt haben, darunter, daß man 
ſich gar nicht weiter darauf verlaſſen kann. 

Ich will meinen Leſern bloß eine Beſchreibung 
von der Religion der Nadoweſſter mittheilen, ſo 
weit, als ich ſie kennen gelernt habe, denn auch dieſe 

| waren 


— 


321 


waren damit ſehr ie Sonſt kahn man 
ſich daraus einen ſehr richtigen Begriff von den 
urſpr uͤnglichen Lehrſaͤzen und dem Gottesdienſte 
der alten Indier machen, da ſie von allen fremden 
Lehren, die ſich jezt bey den Indiern in der Nach⸗ 
barſchaft der Kclonſen ehen Men „ woll 
kommen frey iſt. 807 
Sie erkennen. 9009 u Sole er böchſe Ber 
— das alle Dinge regiert. Die Tſchipiwaͤer ® 
nennen dies Weſen Manitu oder Kitfchi Manitu, 
und die Nadoweſſt er Wäkon. oder Tongo Wäkon, 
| den großen Geiſt, und ſehn es als die Quelle des 
Guten an, aus welcher nichts Böoͤſes herkommt. 
Auſſerdem glauben fie auch noch einen böfen Geiſt, 
dem ſie eine große Gewalt beymeſſen, und von wel⸗ 
chem alles Böſe, welches den Menſchen wiederfaͤhrt, 
herruͤhren ſoll. An dieſem wenden fie ſich im Uns 
gluͤck, und bitten ihn, es abzuwenden, oder doch 
wenigſtens zu mildern. „ wenn es miße sen vers 
meidlich iſt. oi | 
Sie ee un große Geiſt sole rn Enue 9 
den Menſchen nichts Boͤſes zufuͤgen, ſondern er 
uͤberſchuͤtte fie. mit allem Segen, den ſie irgend 
verdienen; der boͤſe Geiſt hingegen ſinne beftandig: 
bloß darauf, wie er dem e wen 
ſchaden koͤnne. NER Ons 
85 Karvers alen ar 1 0 


4 19 J 
1 95 * gi RR 3 0 sy * PER 


2 


Auſſerdem nehmen fe auch gute € Geiſter von 
beigen Range an, denen ihre verſchiedne Ver⸗ 
richtungen angewieſen ſind, wodurch ſie beſtaͤndig 
das Gluͤck der Menſchen befoͤrdern. Sie haben 
jeder ihre gewiſſen Stuͤcke der Natur unter ihrer 
Aufſicht, als große Seen, Fluͤſſe und Berge, Thiere, 
Voͤgel, Fiſche und ſogar Pflanzen und Steine, 
die einen beſondern Werth beſitzen. Allen dieſen 
Geiſtern erzeigen ſie eine Art von Verehrung. 
Wenn ſie zum Beyſpiel an den Obernſee, an den 
Miſſſſippi/ oder irgend ein andres großes Gewaͤſſer 
kommen, ſo bringen ſie dem Geiſte, der ſich dort 
aufhält, ein Opfer dar, wie ich ſchon vom Prin⸗ 
zen der Winnebager beym wien von Wa DR 
ton erzaͤhlt habe. ! u 
Sonſt aber glaube ich, daß der Bene den fie 
mir dem Worte Geiſt verbinden, ſehr von dem 
unſrigen verſchieden iſt. Sie ſcheinen fich eine kör⸗ 
perliche Vorſtellung von ihren Goͤttern zu machen, 
und ihnen eine Menſchengeſtalt, den eine weit 
ſchoͤnere, als die indiſche, beyzulegen. 
Eben ſo denken ſie von der Zukunft. Sie zwei⸗ ; 
feln keinesweges an einem kuͤnftigen Leben, aber 
fie glauben, daß fie aͤhnliche Beſchaͤftigungen, doch 
mit weit weniger Mühe und Arbeit, haben / und 
in eine reizende Grau kommen eres wo ein 


. 76 K ET Z 44 N 
us jur 4 112 1973 N az j fotg * 


ſtets heitrer unummöffter Himmel, und ein immers 
waͤhrender Fruͤhling herrſcht; wo die Waͤlder mit 
Wild, die Seen mit Fiſchen angefuͤllt ſind, die 
ſich ohne alle Muͤhe fangen laſſen, und daß ſie übers 
- haupt in dem größten IR 75 e \ 
leben werden. | N 


Freuden der Seele kennen % ncht und diese 10 
gehören daher nicht zu ihrem Plane von Gluͤckſe⸗ 
ligkeit. Sinnliche Freuden bingegen werden dort 
eben fo wie hier nach) Verdienſt ausgetheilt. Der 
geſchickte Jaͤger, der tapfre Krieger erhaͤlt einen 
größern Antheil davon, als der Traͤge und Feige. 

Die Prieſter der Indier ſind zugleich ihre Aerzte - 
und Zauberer. Sie heilen ihre Krankheiten und 
Wunden; fie. erklaren ihre Träume; fie ſchuͤtzen 
ſie durch ihre Zauberkraft, und verkuͤndigen ihnen 
zukuͤnftige Dinge, welche! die Indier zu wiſſen auf | 

ſerſt begierig ſind. N 

Von dem letzten Stücke 7 ai Kunft babe ich 


ſchon das glückliche Beyſpiel des Prieſters der Kl 


liſtiner am Obernſee angefuͤhrt. In ihrer Arzney⸗ 
kunſt find fie zuweilen eben fo glücklich; doch wage 
ich es nicht zu entſcheiden, ob die Zerimonien, die 
ſie daben machen, etwas zur Wü der Kr | 
ter beytragen k konne. au aan 


X 2 5 Wenn 


j x 
x 4 1 u MW ;= 
324 a 

88 £ 2 


Wenn jemand krank iſt, ſo bleibt der Arzt Tag 
bes Nacht bey ihm, und macht mit einer Klapper, 
worin trockne Bohnen find, und die ſie Tſchitſchikue 
nennen, ein annehmen weten - ae Ri 
nicht gut beſchreiben laͤßt. A Hh It lane 
Dieſe rohe Harmonie ide iR fen) Yet, * 
urtheilen den Kranken beunruhigen, und die gute 
5 Wuͤrkung d der Arzney hindern; aber bey den Indiern g 
glaubt man dadurch die Tuͤcke des bd ofen Geiſtes, 
der die Krankheit erregt, zu vereiteln. all, 
Sonſt habe. e ich nicht erfahren können, ob noch 
dla gottes dienſtliche Gebraͤuche bey ihnen uͤblich 
ſind, als die ‚ ‚welche ich ſchon beſchrieben habe. 
Beym At Infange des Neumonds ſingen und tanzen 
ſie zwar, allein es iſt nicht ausgemacht, daß ſie 
den Mond göttlich verehren; ſie ſcheinen blos ſi ch 
uͤber die Wiederkunft eines tichtes zu freuen, das 
die Nächte angenehm macht, und ihnen bey ib⸗ 
ren Reiſen den Weg zeigt, wenn die er die 
Welt nicht mehr erleuchtet. | 

Herr Adair behauptet, daß die Dölkerchofen N 
bey welchen er ſich aufhielt, faſt all e Gebräuche be⸗ 
obachteten, welche im moſaiſthen Geſetze verordnet 
wurden, allein ich konnte bey den Indiern, die 
nur einige Grade weiter gegen Weſten wohnen, 
keine Rare vom Bee endeten, wenn 
ARE We man 


| | 325 
man eine gewiſſe Gewohnheit der Weiber, und 
bee Eintheilung in Stämme ausnimt. 

Einige franzöfſſche Mi onarien und Jeſuiten 
glauben ſogar, daß die Indier, wie ſie zuerſt Ame⸗ b 
rika bereiften, wuͤrklich einige dunkle und verwirrte \ 
Begriffe von der chriſtlichen Lehre gehabt hätten; 
fie wurden naͤhmlich durch den Anblick des Kreuzes 

ſehr gerührt, und bewieſen dadurch, daß ihnen die 

heiligen Geheimniſſ des Chriſtenthums nicht unbe⸗ 
kannt waren. Dieſe Ungereimheiten find zu auffal⸗ 
lend/ als daß ſie irgend Glauben verdienten, , und | 
wurden blos von den guten Vaͤtern erfunden ‚um 
Er Miſſton ein deſto größeres Anſehn zu geben. 


Die Indier fü ndi in ihren Religionsgrundſa atzen | 
völlig, roh und ungelehrt. Sie baben nur wenige 
und einfache Lehrſaͤtze, die man überhaupt, auch 
in den unwiſſendſten Zeitaltern der menſchlichen 
Seele eingedruͤckt ſindet. Allein dem ungeachtet 
verfielen ſie nicht „wie viele andre rohe und geſit⸗ 
tete Volker, auf Abgotterey. Sie verehren zwar 
die merkwuͤrdigſten Dinge der Schöpfung und brin⸗ 
gen ihnen Opfer; doch thun fie dies vermuthlich blos, 
weil ſie dieſelben als den vorzuͤglichen Aufenthalt, 
oder als dieblingsguͤter der unſichtbaren Geiſter 
anſehn, welche ſie andeten. — 8 60 


. * 


\ 


326 


Die menſchliche Seele ie in ihrem 
unebideten Zuſtande alle auſſerordentliche Na⸗ 
turbegebenheiten, als Erdbeben, Donner und 
Stuͤrme dem Einfluſſe unſichtbarer Weſen zuzu⸗ 
ſchreiben. Die Beſchwerden und Muͤhſeligkeiten, 
die mit der Lebensart eines Wilden verknuͤpft ind, 
und die der Menſch in ſeinem verbeſſerten Zu⸗ 
| ftande zu vermeiden gelernt hat, werden von ihnen 
böſen Geiſtern beygemeſſen, welche der Indier 
daher beftändig fürchtet, und durch Zauberenen, 

durch Beſchmörungen und die maͤchtige Huͤlfe ſeiner 
Manitus abzuwenden ſucht. Die Furcht hat da⸗ 
her mehr Einfluß auf ſeinen Gottesdienſt, als Dank⸗ 
barkeit, und er giebt ſich mehr Muͤhe dem Zorne 
der boͤſen Geiſter auszuweichen, hu. 4 die Gunſt 
der guten zu erwerben. ee 


ei‘ 


| Doch haben alte bn den 0 die He von ee au 
Religion erleuchtet werden, welche allein die Wok 
ken des Aberglaubens und der Unwiſſenheit zer⸗ 
ſtreuen kann, dieſe Thorheiten mit den Indiern 
gemein, und dieſe ſind ſo frey von Irrthuͤmern, als 
alle hörigen, die nicht durch ihre ee Waben | 
1 er wurden. e eee 5 


ö 


327 
Mi BR — dpi 
Ben den genen der dialer. ei 


* . 
niet 238 * N n 


„ Nie Indier ſind überhaupt geſund, und kennen 

viele von den Krankheiten nicht, welche ge⸗ 
fi tteten Voͤlkern quälen, und blos eine Folge ihrer 
Ueppigkeit ſind. Jedoch ſchwaͤchen die Beſchwer⸗ 
den der Jagd und des Krieges, die unfreundliche 
Witterung, und vorzuͤglich der anhaltende Hunger 
und! die darauf folgende Gefräßigfeit , „denen fie 
auf, ihren fangen Streifereyen ausgeſetzt ſind, ihren 
5 Körper ſehr, und werden die Mache geſibrücher 
Ksanfeten. un 


Schmerzen und Schwächen des Magens nn 
Der Bruſt entſtehn oft aus ihrem langen Faſten, | 
und Schwindſuchten aus den Beſchwerden und Ar⸗ 
beiten, welchen ſie ſich oft in ihrer Jugend aus⸗ 
ſetzen, ehe ſie die gehoͤrigen Kraͤfte dazu haben. 
Ihre gewoͤhnlichſte Krankheit iſt jedoch das Seiten⸗ 


ſtechen, gegen welches ſie ihr allgemeines Huͤlfs⸗ 


mittel, das Schwitzen, vorzuͤglich gebrauchen. 
Sie richten dazu ihre Schwitzſtuben auf folgende 
Art ein. Es werden etliche kleine Stangen in die 
Erde geſteckt, die ſie oben zuſammen flechten, und 
. eine Art von Kuppel machen. Hieruͤber 
0 | 1 4 9 legen 


un 
A 
3 8 
A: 
3 
a 

A 

11 


328 


legen fie Sei oder Decken fo geſchickt, daß keine 
Ritze bleibt, wo die Luft hindurch dringen könnte. 
Es bleibt blos eine kleine Oefnung uͤber, wodurch 
ein Menſth hinein kriechen kann, die aber auch 
gleich nachher verſchloſſen wird. In der Mitte 
dieſes engen Geruͤſtes legen ſie glühende Steine, 
| auf welche Waſſer gegoſſen wird, das 16 5 feinen 
Dampf eine große Hitze erregt. Se 
. Dieſe Hitze verurſacht in wenig Augenbtiden 
eine ſtarke Ausduͤnſtung, weſche ſie nach Gutbefin⸗ 
den vermehren. Wenn fie ſich eine Zeitlang! darinn 
aufgehalten haben BAT: laufen fie an das nächſte 
Waſſer, und tauchen darinn unter; doch bleiben 
ſie nicht uͤber eine halbe Minute darinn, und ziebn 
darauf ihre Kleidung wieder an / und rauchen ihre 
Pfeiffe i in der feſten Ueberzeugung, daß das Mittel 
helfen wird. Sie ſchwitzen oft auf dieſe Art, um 
fich zu erfriſchen, oder ſich zu einem Geſchaͤfte vors 
zubereiten, das viele Ueberlegung und Liſt 1 
Sonſt giebt es auch noch Lähmungen und Waſſer⸗ 
ſuchten bey den Indiern, die man N nicht 
haufig antrift. Sie helfen ſich dagegen mit Baͤ⸗ 
bungen und Dekokten von Kräutern, die ihre Aerzte 
ſehr gut zuzubereiten und anzuwenden wiſſen. Doch 
verlaſſen ſie ſich nie auf Arzneyen allein, ſondern 
N Wehe immer etliche aberglaubiſche Zerimonien 
| mit 


329 
mit zu Huͤlfe, ohne welche die Kranken den Min 
teln wenig Wuͤrkung zutrauen wuͤrden io 
„Eben! ſo gut wiſſen ſie Kraͤuter zur Helge von 
Wunden, von Quetſchungen! oder Knochenbruͤchen 
anmuwenden. Durch fie. koͤnnen ſie Splitter, Stuͤcke 
Eiſen „ oder andre Dinge, 1 wodurch die Wunde 
verursacht ward, ohne Erweiterung derſelben aus⸗ 
ziehn. Sie ſind in dieſen Kurarten ſehr erfahren, ö 
und bringen! ſie geſchw winder zu Stande, als A 
ben ibrer rohen Art zu verfahren ſchließen voll te. . 
Sie ziehn ebenfalls Splitter aus Wunden ver⸗ ; 
mittelſt der Haut, welche die Schlangen alle Jahr 
abwerfen. Es iſt unbegreiflich „ was fie für Wir⸗ 
kung haben, ungeachtet man nicht die geringſte 
Feuchtigkeit mehr darinn entdecken kann. ee 
Man hat ſich lange daruͤber geſtritten in wel⸗ 
chem Welttheile die Luſtſeuche entſtanden ſey. 
Viele glauben, daß fie aus Amerika herruͤhre. Ich 
kann nur ſo viel ſagen, daß ich waͤhrend meines 
langen Aufenthalts bey den Nadoweſſtern nicht die 
geringſten Spuren davon angetroffen habe, und 
ich erfuhr, daß ſie eben ſo wenig bey den weiter ge⸗ 
gen Weſten belegenen Voͤlkern 2 bekannt ſey/ und 
daher glaube ich nicht, daß ſie in Nordamerika ent⸗ 
fanden ſey. Die ſuͤdlichern Stämme, die mit 
nina Umgang haben, leiden ſehr daran / aber 
5 — 


ſie kennen ſo gute und ſchnelle Mittel, vs Rn 
Uebel ſelten mit großer Gefahr verknuͤpft iſt. 


Bald nachdem ich meine Reise angetreten hatte, 
beklagte ſich einer von den Kaufleuten, zu denen 
ich mich geſellt hatte, über einen heftigen Saamen⸗ 
fluß, der fo zunahm/ daß er nicht weiter reiſen 
konnte, als wir die Ortſchaft der Winnebager er⸗ 
reicht hatten. Er klagte ſeine Noth einem von den 
Oberhäuptern 25 der ihm verſprach ; ihn fd weit zu 
bringen, daß er in etlichen Tagen ſeine Reiſe 
fortfegen, und bald 75 ſich völlig geſund ſebn 
ſollte. A 


Er, kochte; u .bem Ende die Kinde von. Por Burs 
zeln der ſtachlichten Eſche, einem Baume, der kaum 
in England bekannt iſt, aber haͤuſig in ganz Nord⸗ 
amerika waͤchſt. Der Gebrauch davon ſtellte ihn 
größtentheils wieder her, und vierzehn Tage nach 
ſeiner Abreiſe war er aus dem Grunde geheilt. 


Wenn ſie durch heftige Arbeiten oder uͤbergroße 
Hitze und Kälte an Gliederſchmerzen leiden, ſo 
ſchroͤpfen ſie den den ſchmerzenden Theil. Die Na⸗ 
tionen, die keinen Handel mit Europaͤern haben, 
bedienen ſich dazu eines ſcharfen Kieſelſteines, dem 
ſie mit ſehr viel Geſchicklichkeit eine feine Spitze zu 
| geben wiſſen; — er kann kaum ſthaͤrfer ſeyn/ 

| als 


331 
als die Jnſtrumente, die f B aus diem Fes 
Stoffe machen. 0 
Sie koͤnnen ſich nicht überzeugen, daß ele 
krank ſey, ſo lange er noch eſſen mag; aber wenn 
ihm ſchlechterdings alle Eßluſt fehlt, ſo ſehen ſie die 
Krankheit als gefährlich an, und wenden viele Sorg ⸗ 
falt darauf. Waͤhrend der Krankheit darf 0 
Kranke alles mögliche eſſen, was ihm gefaͤlt. 
Das gemeine Volk glaubt, daß ſeine Pieter 
durch die Tſchitſchikue von den Geiſtern die Urſache 
der Krankheit erfahren, und ſie folglich beſſer hei⸗ 
len koͤnnen. Sie finden i in allen Krankheiten etwas 
| übernatürliches, und die Arzneyen muͤſſen daher 
auch durch aufferorbentfiche Zerimonien unteefigt 
Ä werben. | 
Zuweilen glaubt der Krane, daß er bezaubert 
ſey, aber auch dann wiſſen ihm feine Prieſter zu 
1 helfen, die, ungeachtet aller ihrer abergläubifchen 
Handlungen, durch ihre Erfahrung ‚ welche fi fie 
durch unermuͤdete Aufmerkſamkeit erlangen, und 
durch ihre Kenntniß von Kräutern, ihre Kunſt nach 
lem guten Grundsätzen ausüben können. ii 
Krankheiten zu urtheilen und ſie zu eben Wil, Ihn 
will ich folgende Geſchichte e fuͤr deren 1 
3 ich einſtehn kann. a 


| 


35 


332 


Zu Penobſtot, einem Orte in der Puowi Main, 
auf der Nordoſtſeite von N euengland, fühlte, eine 
Soldatenfrau Geburtsſchmerzen, allein man konnte 
ihre Niederkunft, alles angewandten Beyſtandes 


den glaubten, daß jede neue Wehe ihrem Leben ein 
Ende mechen Binder ee e 


1 


N und fagte, daß fie, wenn ſie die Kr anke ſehn duͤrfte, 
iber wahrſcheinlicherweiſe wuͤrde ‚helfen können. . 


Der Wundarzt und die Hebamme, die alle Sofe 


hielte. Sie nahm daher ein Schnupftuch, band 
es grade über die Naſe und den Mund der Kranken, 
wodurch dieſe faſt auf der Stelle geſtickt waͤre, da 


etlichen Secunden ihre Niederkunft bewuͤrkten. So 
bald dies geſchah, ſo riß ſie den Schnupftuch weg 
um allen geföhrlichen Folgen vorzubeugen. Die 


ſtaunen ‚völlig wieder bergeſteltt 


ungeachtet „nicht bewerkſtelligen. In dieſem Zu⸗ 
ſtande hielt ſie etliche Tage aus, und die Umſtehen⸗ 


Eine indiſche Frau hörte zufälligerweiſe davon, 


| nung aufgegeben batten, Hi erlaubten der indiſchen 
Frau, jedes Mittel anzuwenden, das ſie fuͤr gut 


| unterdeſſen die dadurch verurſachte Anſtrengung i in 


arme Kranke ward bald darauf zu jedermanns Es 


pn, Grund, den die Indierin fir dieſe kühne 
Methode auführte „war, daß verzweifelte Krank⸗ 
1 e beiten | 


r 1. 
2 N N 0 
— * * 
g e 


333 
beiten verzweifelte Mittel erforderten, und daß ſie 
es fuͤr nothwendig gehalten haͤtte „die ‚Kräfte der 
Natur durch dies heftige Mittel anzuſtrengen, 


da ſie ſonſt zu ihren nen n able 90 i 


Bee ſeyn würden. 10 


Funtzehntes Kapitel. 


Ben der Kai der Indier, ihre zo . 


re behandeln. en e 


N 


Vin . ie den Tod i in 1 Ste mit 
F eben der Gleichgültigkeit „ mit welcher er ihm 


oft im Felde entgegen gieng. So bald der, Arzt 


ihm ſein Schickſal kund thut 7 ® redet er die Um⸗ 


ſtehenden mit einer Faſſung an, die bey einem fo 
wichtigen Falle, der faſt jedem andern Menſchen 


ſo viele Furcht verurſacht, die größte Bewunderung 


verdient. Iſt er einer von den Oberhaͤuptern und 


bat er Familie, ſo hält: er eine Art von Sterberede, 
worin er ſeinen Kindern allerhand nothige Regeln 


giebt. Hierauf nimmt er Abſthied von ſeinen Freun⸗ | 


den, und befiehlt ein Gaſtmahl für, die anzuri ichten, 
| welche ihm eine leichenrede halten wollen. 


ge 
A We * 


So bald er den Geiſt aufgiebt, fo wird der Koͤr⸗ 


ver e gekleidet, als er es gewoͤhnlich bey deb⸗ 
zeiten 


334 


zeiten war, das Geſicht wird bemahlt, und man 


ſetzt ihn auf einer Matte oder auf einem Felle mit⸗ 
ten in der Hütte in eine aufrechte Stellung und 
legt ſeine Waffen neben ihn. Hierauf ſetzen ſich 


ſeine Anverwandten um ihn herum, und ein jeder 


hält nach der Reihe eine Rede an den Verſtorbenen. 


War er ein beruͤhmter Krieger, ‚ fo erzaͤhlt er feine N 
Heldenthaten ungefähr auf folgende Art, die i in der 
Sprache der Indier ſehr dichteriſch und gefällig iſt. 
Du ſitzeſt noch unter uns, Bruder, dein Koͤr⸗ 
per hat noch ſeine gewöhnliche Geſtalt, und iſt dem 
unſrigen noch ahnlich, ohne ſichtbare Abnahme, 


nur daß ihm das Vermögen zu handeln fehlt. Aber 


wohin iſt der Athem geflohen, der noch vor etlichen 


Stunden Rauch zum großen Geiſte empor blies? 
Warum ſchweigen jezt dieſe Lippen, von! denen wir 
erſt kurzens fo nachdruͤckliche und gefällige Reden 


bhoͤrten? Warum ſind dieſe Fuͤße ohne Bewegung, 


hundert Wintern war. Wir wollen jedoch dich 


die noch vor einigen Tagen ſchneller waren, als 
das Reh auf; jenen Gebuͤrgen? ? Warum hängen diefe 
Arme ohnmaͤchtig , die die löchſten Bäume hinauf: 
klettern, und den haͤrteſten Bogen ſpannen konn⸗ 
ten? Ach, jeder Theil des Gebäudes, welches 
wir mit Bewunderung und Erſtaunen anfahen, 
iſt jetzt wieder eben ſo unbeſeelt, als es vor drey⸗ 


nicht 


nicht betrauren, als wenn du für uns auf immer vers 
lohren waͤreſt, oder als wenn dein Name nie wie⸗ 
der gehört werden ſollte; deine Seele lebt noch in 
dem großen Lande der Geiſter, bey den Seelen dei⸗ 
ner Landsleute, die vor dir dahin gegangen ſind · 
Wir ſind zwar zurück geblieben, um deinen Ruhm 
zu erhalten, aber auch wir werden dir eines Tages 
folgen. Beſeelt von der Achtung, die wir bey deinen 
Lebzeiten fuͤr dich hatten, kommen wit jezt, um dir den 
letzten liebesdienſt zu erzeigen. Damit dein Kör⸗ 
per nicht auf der Ebene liegen bleibe, und den Thies 
ren auf dem Felde oder den Voͤgeln in der Luft zur 
Beute werde, wollen wir ihn ſorgfaͤltig zu den Koͤr⸗ 
pern deiner Vorgaͤnger legen, in der Hofnung, 
f daß dein Geiſt mit ihren Geiſtern ſpeiſen, und be⸗ 
reit ſeyn werde, den unſrigen zu empfangen, wenn 


auch wir in e e lande SAN pe an 5 


kommen“ e e 
In ache enen Reden Abet ah: pie b 
rer das Lob ſeines abgeſchiedenen Freundes. Wenn 
dies vorbey iſt / und fie befinden ſich grade in einer 
großen Entfernung von dem Begraͤbnißplatze ihres 
Stammes, oder wenn der Todesfall ſich im Win⸗ 
ter eraͤugnet, fo wickeln fie den Korper in Haͤute, 
a undfegen ihn auf ein hohes dazu errichtetes Geruͤſte, 
oder un ſoie W eines großen Baumes, „und 
ua? 1 | of > 


95 


4 


336 


laſſen ihn bis zum Frilinge liegen. Alsdant 
gen ſie ihn, nebſt allen uͤbrigen kichen 1080 Stam⸗ 


mes, auf den allgemeinen B Begraͤbnißplatz, wo er 


mit noch etlichen andern neee 
wird, die ich aber nie erfahren konnte ane U 
Als die Nadoweſſter ihre Todten zur Werne 
nach der großen Hoͤhle brachten, ſo ſuchte ich die 
übrigen Zerimonien mit anzuſehn/ allein, vielleicht 
verhinderte fie der uͤble C geruch von den vielen Lei⸗ 
chen, da es noch dazu ſehr heiß war, oder ſie woll⸗ 
ten fie auch vor mir geheim halten, denn uͤberhaupt 
bemerkte ich, daß ſie mich nicht gerne dabey ſahen, 
und daher hielt ich es fuͤr gut, mich zu entferne. 
Nach der Beerdigung ſetzten die Landsleute des 
Verſtorbenen Hieroglyphen an die Stelle, ae | 
man in kuͤnftigen Zeiten noch ſeine Verdienſte und 
Vorzüge wiſſe. Wenn Indier im Sommer ſo weit | 
vom Begraͤbnißplatze ſterben, daß die Leiche in 
Faͤulniß uͤbergeht, ehe fie dahin gebracht werden 
kann, ſo wird das Fleiſch von den Knochen ge⸗ 
brannt, welche aufbewahrt, und nie auf die 
gewoͤhnliche Art begraben werden. 
Da die Indier glauben, daß die Seelen der Per⸗ 
ſtorbenen ſich in dem Lande der Geiſter noch auf die 
gemöbnliche Art beſchaftigen daß ſie ſich ihren Un⸗ 
terhalt auf der Jagd nen müſſn, und daß ſie 
nö auch 


Base | 


auch dort mit Feinden zu kaͤmpfen haben, fo be; 
graben ſie ſie mit ihren Bogen, Pfeilen und allen 
a ara Waffen, die zur Jagd oder zum Kriege die⸗ 
Auſſerdem geben ſie ihnen auch noch Haͤute 
hi Zeuge zu Kleidungen, und allerhand Haus⸗ 
rath und ſo gar Farbe ſich au bemahlen mit ins 
Grab. 
| Die nächten eee des Verforsenen 
me feinen Verluſt mit vielen anſcheinendem 
Kummer und Schmerz. Sie ſchreyen und heulen, 
und verdrehen ihre Glieder, wenn ſie in die Huͤtte 
oder dem Zelte um die Leiche herumſitzen, ſo bald 
als die Pauſen zwiſchen den Lobreden der beben 
ter es erlauben. | 
Eine Trauer Ceremonie der Nadoweſſt ter iſt ſehr 
von allen unterſchieden, die ich bey andern Voͤlkern 
bemerkte; die Maͤnner zerſtechen ſich zum Beweis 
ihres Schmerzens das Fleiſch an den Armen über 
den Ellbogen mit Pfeilen, wovon ich bey Vorneh⸗ 
men und Geringen haͤufige Narben fand. Die 
Frauensperſonen hingegen zerfetzen ſich die Beine 
mit einem ſcharfen Kieſelſteine, bis das Blut haͤu⸗ 
fig herausquillt. 
Als ich mich bey den Nodoweſſ ern aufßiele , ſo 
are die Bewohner eines benachbarten Zeltes 
ihren vierjaͤhrigen Sohn. Sie wurden uͤber dieſen 
Carvers Reiſen. Ver⸗ 


. 
Verluſt fo gerührt, daß der Vater durch feinen 
Kummer und den Verluſt von Blut ſich den Tod 
zuzog. So bald die Frau, die vorhin ſchon untroͤſt⸗ 
bar war, ihren Mann ſterben ſah, fo horte ſie auf 
einmahl auf zu weinen, und ward vo beiten und 
gelaffen. 
Mir kam dieſe ſchleunige Veraͤnderung ſo onder | 
bar vor „daß ich nicht umhin konnte, ſie darum zu 
befragen. Sie ſagte mir, der Gedanke, daß ihr 
Kind ſeiner großen Jugend wegen im Lande der 
Geiſter ſich ſeinen Unterhalt nicht wuͤrde verſchaffen 
konnen, haͤtte ihren Mann und fie ſehr beunruhigt, 
aber da ihr Mann eben dahin gegangen waͤre, der 
ſein Kind zaͤrtlich liebte, und die Jagd ſehr gut ver⸗ 
ſtuͤnde, fo hätte fie aufgehoͤrt zu trauren, denn 
jetzt wäre fie überzeugt, ihr Kind fen glücklich, 
und fie wuͤnſche jetzt nichts mehr, als pers ihnen zu 
En 
Sie gieng nachher jeden Abend an den Baum, 
auf welchem ihr Mann und Sohn lagen, und 
ſchnitt eins Locke von ihrem Haare ab, welches ſie 
auf die Erde ſtreute, und betraurte in einem ſchwer⸗ 
muͤthigen Liede ihr Schickſal. Ihre Leblings⸗ 
materie war, die Thaten herzurechnen, die ihr 
Sohn verrichtet haben wuͤrde, wenn er laͤnger ge⸗ 
lebt hätte, und fo lange fie ſich mit dieſen Gedan⸗ 
| ken 


RES 339 
ken Sefhäftigte, ſhien ihr ganzer Eimer; aufzu⸗ 
hören. NG u 
„Waͤreſt du ER uns geblieben, mein ſieber 
Sohn, wie ſehr wuͤrde der Bogen deine Hand ge⸗ 
ziert haben, und wie toͤdlich würden deine Pfeile den 
Feinden unſers Stammes geworden ſeyn. Du 
wuͤrdeſt oft ihr Blut getrunken und ihr Fleiſch ge⸗ 
geſſen haben, und zahlreiche Sklaven wären die 
Belohnung deiner Arbeit geworden. Mit ſtarkem 
Arme wuͤrdeſt du den verwundeten Büffel nieder⸗ 
geriſſen, oder den wuͤthenden Baͤr bekaͤmpft haben. 
Du haͤtteſt das fliegende Elendsthier eingehohlt, 
und auf dem Gipfel der Gebuͤrge dem ſchnellſten 
Rehe Trotz geboten. Was für Thaten wuͤrdeſt du 

nicht verrichtet haben, wenn du das Alter der Kraft 
erreicht haͤtteſt, und von deinem Vater in allen in⸗ 
diſchen nee 7 unterrichtet wor⸗ 
den”. 

In ähnfichen Ausdrücken n dieſe ungebil⸗ 
dete Indierin den Verluſt ihres Sohnes, und oft 
brachte fie den größten Theil der Nacht ben dieſem 
ruͤhrenden Geſchaͤfte zu. 5 

Die Indier beobachten überhaupt die Einen 

| für ihre Todten ſehr ſtrenge. Bey einigen Voͤl⸗ 
kerſchaften ſchneiden fie ſich das Haar ab, bemahlen 

4 das Geſicht ſchwarz, und ſitzen in einer e, 

Ya ten 


340 1 AB 


entſagen allen Vergnuͤgungen. Dieſe Strenge 
beobachten ſie etliche Monathe, und einen gerin⸗ 


Man ſagte mir, daß die Nadoweflier, wenn fie 
von ungefaͤhr an ihre verſtorbene Anverwandten 


anſfiengen zu heulen. Zuweilen währte dieſer Bes 
weis ihrer Achtung und Liebe etliche Stunden, und 
wenn es ihnen grade gegen Abend einſiele, ſo ſtimm⸗ 
ten ibre Nachbarn Samek mit ein. 
„Sechszehntes Kapittel. 

Eine kurze Beſchreibung des Karakters der. 
| Indier überbaute 


CH \ 


rohen Volke aus einer Miſchung von Wilds 
heit und Sanftmuth. Sie laſſen ſich oft von Lei⸗ 
denſchaften und Begierden hinreiſſen, welche ſie 
mit den wildeſten Thieren ihrer Waͤlder gemein ha⸗ 
ben, und zeigen dagegen eben ſo oft Tugenden, 
welche der menſchlichen Natur Ehre machen. 
Ich werde mich bey der folgenden Beſchreibung 
ſorgfaͤltig hüren, die Vorurteile der Europäer, 

u iR Be 


Des Noto der Judier beſteht wie e bey jedem 


ten Stellung mit dicht zugebundnen Kopf, und 
gern Schein von Trauer wenigſtens etliche Jahre. 


erinnert wuͤrden, oft noch nach neun Jahren laut 


341 
die indiſch und roh und — fuͤr be halten, 
und eben ſo ſehr alle Partheylichkeit für die Indier 
zu vermeiden, zu der mich ſonſt ihre guͤtige Auf⸗ 
4 ſehr geneigt machen muͤßte. 15 
Auſſerdem werde ich meine Bemerkungen bloß 
auf die Voͤlkerſchaften der weſtlichen Gegenden, 
die Nadoweſſter, Ottagamier, Tſchipiwaͤer, Wins 
nebager und Sakier einſchraͤnken; denn es giebt 


unſtreitig i in den verſchiednen Himmelsſtrichen von 


Nordamerika auch Volker von verſchiedner Den⸗ 
ku gsart „ und es würde daher für meinen Man 
viel zu weitlaͤuftig werden, von allen dieſen insbes 
ſondre zu handeln. Eben ſo wenig wuͤrde es thun⸗ 
ich ſeyn, alle mit einem Blick zu uͤberſehn. 


Ich geſtehe es, daß die Indier von Natur grau⸗ 


ſam, rachſuͤchtig und unerbittlich ſind, daß ſie un⸗ 
wegſame unbegraͤnzte Waͤlder durchſtreifen, und 


dabey bloß von den kuͤmmerlichen Nahrungsmit⸗ 


teln leben, die ſie darinn antreffen, um ſi ch an 
einem Feinde zu raͤchen; daß ſie das klaͤgliche Ge⸗ 
ſchren ihrer Gefangnen nicht ruͤhrt, und daß ſie an 
ihren Qualen Freude finden; auf der andern Seite 
hingegen ſind ſie maͤßig im Eſſen und Trinken; 


(ich rede hier von den Stämmen, die wenig Um 


gang mit Europäern haben,) fie konnen Hunger, 
Kaͤlte und Hitze mit der aͤuſſerſten Gedult ertragen, 
3 und 


342 


und Ehn bie Sefriebigung ihrer Bere Stoß 
als einen Nebenzweck an. 

Gegen ihre Freunde, und ſelbſt gegen ihre auf⸗ 
genommenen Feinde ſind ſie geſellig und leutſelig; 
fie theilen ihr letztes Brodt mit ihnen, und wagen 
Nhe gern zu ihrer Vertheidigung. en 

Die Indier kennen ihre Pflicht als Männer 115 
We ſehr gut. So gleichguͤltig ein Indier auch 
zu ſeyn ſcheint, wenn er ſeine Frau und Kinder 
nach einer langen Abweſenheit wieder antrifft, ſo 
ruͤhrt dies doch mehr von einer einmahl eingefuͤhr⸗ 
ten Gewohnheit, als vom Mangel an Gefuͤhl her. 
Ich glaube, die Erzaͤhlung von dem Betragen der 


des und Gattens beweiſt dies 4 er die aus⸗ 
geſuchteſten Gruͤnde. 

Sie gewoͤhnen ſich von Jugend auß die größten 
Muͤhſeligkeiten zu ertragen, und lernen dadurch 
bald Gefahr und Tod verachten; und ihre Stand⸗ 
haftigkeit, die ihnen die Natur ſchon gab, und die 
Beyſpiele, Ermahnungen und Zufaͤlle noch ver⸗ 

mehrten, verlaͤßt ſie keinen Augenblick ihres lebens. 5 

Sie ſind traͤge und unthaͤtig, ſo lange ihr Vor⸗ 
rath dauret, und ihre Feinde weit von ihnen find, 
aber eben fo unermuͤdet und ſtandhaft ſind ſie auf 
der Jag, oder wenn ſie gegen ibre einde ziehn. 5 

Sie 


Nadoweſſtſchen Frau bey dem Verluſt ihres Kin⸗ 


Base 343 


Sie ſind liſtig und nehmen jeden Vortheil 
eee ſie ſind kalt und bedaͤchtlich in ihren Raths⸗ 
verſammlungen 0 und ſehr behutſam, ihre Gedan⸗ 
ken oder Geheimniſſe zu entdecken. Auſſerdem be⸗ 
ſitzen ſie noch viele vorzuͤgliche thieriſche Eigenſchaf⸗ 
ten, den feinen Geruch eines Hundes, das ſcharfe 
Geſicht eines Luchs, die Liſt eines Fuchſes, die 
Schnelligkeit eines Rehes, und die nbeaiinohone 
Wildheit eines Tigers. 

In ihrem buͤrgerlichen Karakter zeigen ſie eine 
ſolche Anhaͤnglichkeit fuͤr den Stamm, zu welchem 
ſie gehoͤren „als man bey andern Voͤlkern faſt nie 
antrifſt. Gegen die Feinde ihres Volkes handeln 
fie, als wenn nur eine Seele ſie belebte, und ver⸗ 
bannen jeden Gedanken, der ſie bieran verbindernß 

koͤnnte. | 
In ihren 1 ahn man kei⸗ 
nen unnoͤthigen Widerſpruch, keinen Neid oder 
Ehrgeiz, wodurch ihre Maasregeln gegen ihre 
Feinde vereitelt würden. Eigennutz hat keinen Ein 
fluß auf ihre Rathſchloͤge. Nie koͤnnen Beſtechun⸗ 
gen oder Drohungen ihre diebe zum Vaterlande 
. Aggringern, i 

Die Ehre und. Wohlfahrt N Völkerſchaft lie⸗ 
gen ihrem Herzen am naͤchſten. Aus dieſem Triebe 
en faft alle ihre Tugenden und Lafter. Durch 

94 fie 


344 1 
ſie bieten ſie jeder Gefahr Tus / erdulden die 
groͤßten Schmerzen, und ſterben voll Stolz über 
ihre eigne Standhaftigkeit, nicht als eine per⸗ 
ſoͤnliche Eigenſchaft, a als das e ae 
ihres Volkes. | 

Aus eben dieſer Quelle ee ihre unerfätt 
liche Rachſucht und Grauſamkeit gegen ihre Feinde. 
Ihre ungebildete Seele erlaubt ihnen nicht, zu 
beurtheilen, ob eine Handlung gut oder uͤbel ſen, 
wenn ihre Leidenſchaften ſie dazu antreiben; ſie ver⸗ 
ſtehn es nicht, ihrer Wuth Einhalt zu thun, und. 
dadurch wird ihr ruͤhmlicher Muth zu wilder Oran 
ſamkeit. 

Doch weiter RI mir die Grenzen diefes 
Werkes nicht, dieſen Gegenſtand abzuhandeln. 
Die Betrachtungen, die ich ſchon auf den vorher⸗ 
gehenden Blaͤttern gemacht habe, werden hinrei⸗ 
chend ſeyn, meinen Leſern eine ziemlich richtige 
Kenntniß von dieſen Voͤlkern zu verſchaffen. Und 
uͤberhaupt lehrt die Erfahrung, daß Erzählungen 
von einzelnen Fällen, ſo unbedeutend fie auch ſchei⸗ 
nen mögen, ums oft einen beffern Begriff von den 
Sitten, den Gewohnheiten und dem Gegenſtande 
eines Volkes machen, als die tiefſinnigſten Unter⸗ 
ſuchungen 127 ſie. 

ge 
8 855 | | Sieben. 


e e 345 


Siiebenzehntes Kapittel. 
Von der Sprache und den De, 
I Indier. gi l 


\ 8 ie S Sprachen der Nordamerikaner koͤnnen in 
vier Hauptſprachen abgetheilt werden. Die 


erſte wird von den Irokeſiſchen Voöͤlkerſchaften in 
den weſtlichen Gegenden, die zweyte von den Tſchi⸗ 
piwaͤern oder Algonkinen in den nordweſtlichen, 
die dritte von den Nadoweſſtern in den weſtlichen, 
und die vierte von den Tſcherokiſen und Tſchicka⸗ 


ſaern in den ſuͤdlichen geredet. Eine oder die andre 


davon iſt die Sprache aller Indier, welche die Ge⸗ 
genden zwiſchen der Kuͤſte von Labrador bis an 
Florida, und von dem atlantiſchen Meere bis an 
die Suͤdſee bewohnen, ſo weit, als unſre Entdek⸗ 
kungen ſich bisher erſtrecken. 

ſcheint von allen dieſen die tſchipiwaͤiſche 


ch 
en am meiſten ausgebreitet zu ſeyn, und ſie 


wird überhaupt fü ſehr geſchaͤtzt „daß die Ober⸗ 
haͤupter von mehr als dreißig Staͤmmen, die bey 


den großen Seen, oder weſtwaͤrts davon an den Ä | 
Ufern des Miſſt ſippi, oder ſuͤdwaͤrts bis an den 


Ohio hinunter, und nordwärts bis an Hudſonsbay 
wohnen, ſie faſt allein in ibren Rathsverſammlun⸗ 
gen reden, ungeachtet jedes Volk ſeine beſondre 


Y 5 Sprache 


M 
Sprache hat. Wahrſcheinlicherweiſe wird ſie ben 
allen indiſchen Voͤlkerſchaften eingeführt werden, 
da keine es wagen, weite Reiſen zu unternehmen, 
oder zu Unterhandlungen mit einem entfernten 
Volke für tuͤchtig ‚gehalten werden, ‚ohne die ir 
piwaͤiſche Sprache zu verſtehn. f 
Jetzt wird ſie, auſſer den Tſchipiwaͤern, von den 
Ottowaern, den Sakiern, den Ottagamiern, den 
Killiſtinern, den Nipegonern und den Indiern ge⸗ 
ſprochen, die noch von den Algonkinen oder Gens 
de terre uͤbrig ſind. Ihre Mundart iſt nur 
wenig verſchieden; ich konnte aber nicht entdecken, 
ob ſie dieſen Volkerſchaften natuͤrlich iſt, oder ob 
‚fie fie nur angenommen haben. Doch glaube ich, 
daß die wilde und rauhe Sprache der Winnebager 
und Menomonier und vieler andern Volker aufhor 
ren, und der tſchipiwaͤiſchen Platz machen werden. 
Die Sprache der Tſchipiwaͤer hat keine weit⸗ 
ſchweiſige unnuͤtze Ausdrucke, die Ausſprache iſt 
leicht, und ſie iſt überhaupt worfreicſeze als irgend 
eine andre indiſche Sprache. | 
Da die Indier nichts von 80 Bub 
Zerimonien wiſſen, fo fehlen ihnen auch eine Menge 
Woͤrter, die bey uns zur Ausſchmuͤckung unſerer 
Unterredungen dienen. Bey ihren einfaͤltigen 
unverfeinerten Sitten haben ſie blos Ausdruͤcke 
N fuͤr 


| . 347 
für ihre Beduͤrfniſſe und etliche Bequemlichkeiten 
des Lebens, deren man aber in einem Zuſtande der 
Natur, wie der ihrige iſt, nur wenige kennt. 
Ich habe ein Verzeichniß von tſchipiwaͤiſchen und 
nadoweſſiſchen Wortern bengefügt, aber ohne fie 
unter grammatikaliſche Regeln bringen zu konnen. 
Das Nadoweſſiſche wird mit einem ſanften Ak⸗ 
zente geſprochen, es hat keine Kehltone, und ft 
daher ſehr leicht zu lernen, auszuſprechen und zu 
ſchreiben. Es iſt faſt ſo reich und ausdruckvoll als 
die Sprache der Tſchipiwaͤer, und zugleich die h herr; 
ſchende S prache auf der Weſtſeite des Miſſiſt ppi, 
da ſie nach der Ausſage der Nadoweſſter von allen 
Volkerſchaften geſprochen wird, die nordwärks vom 
Meſorie, und bis an die wen des ſtillen Meeres 
wohnen. 
Da, die Indier Feine Buchſtaben kennen, ſo „ 
es ſehr ſchwer den Ton ihrer Worte genau auszu⸗ 
druͤcken; ich habe mich aber doch bemuͤht, ihm ſo 
nahe zu kommen, als mir moͤglich war. Ungeach⸗ 
tet dieſes Mangels konnen ſich die Indier doch ges 
wiſſermaaßen durch Hieroglyphen ihre Begriffe ver⸗ 
ſtaͤndlich machen, die ungefaͤhr dazu dienen, das 
Andenken vorzuͤglicher Handlungen oder Begeben⸗ 
heiten zu erhalten. Wenn ſie zum Beyſpiele auf 
ihren Streifereyen irgend ein wichtiges Unterneh⸗ 
W | ET | men 


348 ur u Zee 


men ausgeführt haben, oder auszuführen begriffen 
find, ſo ſchaͤlen fie die Rinde von den Bäumen, 
die ſie auf ihrem Wege antreffen, und bezeichnen 
dadurch ihren zuruͤck gebliebenen Partheyen den 
Weg den fie nehmen moͤgten, um ſie einzuhohlen. 
Als ich den Miſſtſippi verließ und auf meinem 
Wege nach dem Obernſee den Fluß Tſchipiwa bins 
aufging, fo nahm mein Führer, ein Oberhaupt der 
Tſchipiwaͤer, die am See Ottawaw nahe bey den 
Quellen des Tſchipiwa wohnen, folgende Maas: 
| regeln, um zu verhindern, daß uns Partheyen von 
Nadoweſſtern, mit denen feine Nation beftändig 
Krieg führe, nicht überfallen und Schaden zufügen. 

möchten, ehe fie erfuhren, daß ich da wäre. 
Er ſchaͤlte die Rinde von einem großen Baume, 
beym Ausfluſſe der Tſchipiwaͤ, und machte mit Holz⸗ 
kohlenſtaube, der mit Baͤrenfette vermiſcht war, 
und ihnen anſtatt der Dinte dient, ein rohes aber 
deutliches Zeichen der Ortſchaft der Ottagamier. 
Auf der linken Seite davon zeichnete er einen Mann 
in Rehfellen, wodurch die N dadoweſſter bezeichnet 
werden, und aus ſeinem Munde gieng ein Strich 
in den Mund eines Rehes, dem Sinnbilde der 
Tſchipiwaͤer. Hierauf zeichnete er noch weiter zur 
Linken einen Kanoe, der den Fluß hinaufgieng, 
worin ein Mann mit einem Hute ſaß. Dieſe 
Figur 


349 


Figur ſollte einen Engländer oder mich vorſtellen, 
und mein Franzoſe war mit einem Tuche um den 
Kopf abgebildet, als wenn er den Kanoe ruderte. 
Hierzu fügte er noch verſchiedene Sinnbilder, unter 
andern die Friedenspfeiffe am Vorderteil des 
Kanoes. 
Er wollte dadurch den Nadoweſſiern andeuten, 
daß ein Anführer der Tſchipiwaͤer in der Ortſchäft 


der Ottagamier von etlichen Oberhaͤuptern der Na⸗ 


doweſſſer wäre gebeten worden, den Englaͤnder, 
der ſich vor einiger Zeit bey ihnen aufhielt „den 
Fluß Tſchipiwaͤ hinaufzufuͤhren, und daß fie ihn 
daher ſicher feine Fahrt vollenden laſſen möchten. 

Einige Schriftſteller behaupten, daß die Indier 8 
ordentliche Wapen haͤtten, und die Felder darin 
mit vieler Genauigkeit ausmahlen, allein ich konnte 
feine andre Wapen bey ihnen entdecken, als die 
gewoͤhnlichen Sinnbilder, wodurch ſich ein Volk 
von Den andern unterſcheidet. 


350 E — 


kurzes Verzeichniß von Wöttern 
der Tſchipiwaͤiſchen Sprache.) 
6 b . 5 B. 0 | 
Aue, Kokinum. | Beyſtehn, Mauineua. Ou. 
Ankommen, Takautſchin. Vine wah. 
Axt, Agacwet. I Ball, Alewin. 
Aſche, Pingo. Beutel oder Tobadsseut, 
Ein Anführer, Okema. Ciaſpetagan. 
Ankommen, Moppa. Ein Bär, Mackua. Hacke 
Achtung, Napetelimaa. wah). u 
0 Augen, Uisfeinkie *) (Wis- Ein junger Bär, Mikon, 
kinkhie). Bieber, Amik. = 
Alt, Kaueſheine. Bieberfell, Apiminiqus, 
Ander, Kautack. | 94 Bart, Miskiton. 
Anſehn, Uabimo, Wan. Bauch, Niſchemaut. 
bemo), 1 I ö Blut, Misko. | 
Arzney, Maskikic, | Sn Neconnis. 


Brand; 


62 Ich habe die indiſchen Woͤrter ſo i wie wir Deut / 

ſchen ſie ausſprechen wuͤrden, und das Engliſche „wo die 

Ausſprache ſich nicht ee läßt, in Klammern beys 

gefuͤgt. 

) Das engliſche W läßt bch wie mich dünkt, nicht beſſer 

ausdruͤcken, als wenn man ein U an deſſen Stelle ſetzt, 
das aber mit der folgenden Sylbe zugleich ausgeſprochen 
werden muß. 


as 


Brandtewein oder Rum, Eſſen, Päpigik. 5 
Scottavaba. (Scuttawaw- Engliſch, Saganofeh, 
bah). | ö 

nahls, Pi Pir- 
en, nee, ee 
wego). 


e N Ehre, Mackauala, a 
walaw). 


Betroffen, Tallemiſſi. | 
Bettdecker, Uabeuion. Eiſen, Peusbiek, (Pewaw- 
15 bick). 


1 
(Wawbewion). 
Becher, Olägan, | Erzählung, Tawuema, 
Betruͤger, Malatiſſie. (Tawwemaw). | 
Behalten,Ganuerima. (Gan- Ehrerbietung, Tabamiaa. 
werimaw). Eingeweide, Olabiſch. 
Brief, Maſiganon. e 
Beten, Talaimia. | 
Beſchlieſſen, Tibelindon. 


Bewundrungswärdig, 
Etwa, Etua, (Etwah, Et- 
wäh). - 


3 
Flaſche, Schifehigo. | 
Faſten, Ualicbic, (Walicbie). 
| Fallen, Porkifin, 
Betruͤbt, Milcottiſſie. Fett, Piminitie. 
e W Freund, Niconnis. 
Daß, Maba. ! 1355 beſaͤetes, Kittegamic. 
Ta, Uarladebi, (Watſau Feuer, Seotta. 1 
debi). Feuer ſchlagen, Seutecke. 
Dieſer, Manda. Finden, e (Nan- 
Doch, Minneuatſch, (Min- tounawah). b 1 
nẽ watch). | ! Sifch, Kickon, | 


(Megwatch). 
E. 
e Tebikbip; Di, 
Erde, Akuip, (Aukwin), 


Franzoſe, Nietegüfch. 
Frieren, Kiſſi n. | 

es friert hart, Killin magat. 
Flinte, Paſ keſſigan. 


Dank euch, Meguatfch, 8 Uakaigon, 


Faul, 


— 


Se. 

Faul, Kittimi. 
Fleiſch, Ues, (Weas). 
Friede machen, pecatotitſche. 
Fluß, Sippin. 


G. 
Gefaͤß, Auentagän. 
Gefaͤhrte, Nietſchie. 
Getraide, Melomin. 
Genug, Mimilie. 
Gleich, Tabiſcotſch. 
Gabel, Naffauokuot, 1 
fawokwot.) 
Gott, Kitſchi Manitau. 
Gehn zu Waſſer, Pimmiſca. 
Geben, Milla. 


Gut, Calatſeh (Cawlach). | an 
( Heiß, Akeſchotta. 


Zu nichts gut, Malatal. 
General, 
Groß, Manatau. 
Gefraͤßig, Safakifi. 
Gleich, Wehe, (We. 
batch). | 
Gaͤnzlich, Nepich. 
Geliebte, Neremaufi in. 
Gehoͤrig, Saſega. 


Geiſt, Manitau. 1 


Geſtern, Petfchilago, 
Gelb, Uazzo, (Wazzo). 
Stauden, tilerima, 


Hofe, Miſeauſz. | 


Kitfchi Okima, | 


Hoſen, Kipokitie Kauft. 
[Hund, Alim. fu 
kleiner Hund, Alemon. 


Haſe, Uapus, (Way poos). 


Herz, NMitſcheua, 
che wah.) 


(Alit- 


Haſſen, fchingarıma. 


Halb, Nabal. 


Menſchenhaar, Lin, 


Haar von Thieren, Piual. 
Huͤbſch, Canotſchininne. 5 


g Haben, Fandäla, + 


Haupt, Auſtecauan. 


Himmel, Speminkakuin. 


Hier, Aconda. 3 

Huͤtte oder Haus, Uig-Uäm, 
(Wig-Waum). 

zu Hauſe, Entagent. 


Heyrathen, Uieuin, Fa 


win). 


Halbinſel, Minniſſin. 


Hemd, Papakuèan, (Fa- 
pawkwean.) 


\ 


Holz, Mittie. 


J. 


Immer, Kokali. 


1 Wa Kia, (Kewaſſa). 


Indier, 


Indier, Tfehinaba. 

Inſel, Meinis. 

Indiſch Korn, Mittamin. 

Jung, Visconckiff, (Wis. 
conekifi) 


4 F — 
ut I 4 . K. e a 


Körper, Yo, (Toe). 

Kande, Tlehemaa. 

Kind oder Kinder, Bobe. 
loſchin. Run 

Kalt, ich bin, Kekatfch. 

Kraut, Metfchask. 1055 

Es kann ſeyn, Teniendo. 

Keſſel, Ackikons. 

König oder as Ocke- 

ma rs 

Krieger, Semaganafch. 

\ Krieg, Montabala. | 

Land, Endalakien. N a 

Tragen über Land, Cappa- 

| tagon. 

Lachen, Papi. 

Lahm, Kikekäte. ER, 

Leben, Nautfehimonin, Re 
(Nouchimowin). 

Lieben, Sakie. . 

Lange her, Schaſchia. 

Laufen, Pitſchebot. 


353 


Muth, Taguamiſſie, Dr 
gwawmilli. . 

Muͤde, ate Tanke 
wiſſi. ax J 


1 Madchen, Borkuli, 


(Jeckwaſſin). 


Es mag ſeyn, Taniendo. - 


teffer, Mockoman. 
krummes Meſſer, Curägon, 
Mann, Aliffinape, ; 
Marſchieren, Pimmauſſie. 
Monath, Debicot. 


| Mörfer zum ſtoßen, Pautz⸗ 


gon. . 
Maͤnnlich, nape, 


| Morgen, Uabonk 5 e ö 


bunk). | 
Mebermorgent, Ausnabonk 
N. fan 


Nachher, Mipidätfeh, 
Niederlegen, Viepema, 


(Weepemah )): 
Nadel, Schabonkin. 


K Nahe, Pinitſeh, (Pewiteck); 


Nation, Eirinie. 

Ne Cavioka, e 
Nacht, Debicot. 
Nein, Ka. 


a eee Naſe, Lotſch. N 


Carvers Reifen. 


ER | mis, 


Nichts, kakego. 
Noch nicht, kamiski. 
Gar nicht, kagotſch. 
Nichtsnuͤtzig, Malatat. 
Nehmen, Emända, 
” / D. 
Oben, Spimink. 
Otter, Nikkik. 
Pfeiffe, Poagan. 
Pulver, Pingo. 
Be > 
Rufen, Tefchenka. 
Regieren, tibarima. 


Spiel, Packiego. 
Schnell, Kegorfch. 
Segeln, pemifca. 
Sack, Maſhimot. 
Schuh, Makiſſin. W 
großes Schiff, Kitlehi tſche· 
man. 
Stern, Alank. 
Stehlen, kemätin, 
Strümpfe, Mittas. 
Stark, Mafchkäva (Mafch- 
kauwah). 
Stoͤr, Lamach. 
onne, kiſſis. 
Schwerd, fi imigan. 


EN 
Te —————— 


5 


Roth, Miſcau. I Sehn, Uabemo, (Waw⸗ 
Regen, kimmeuan, Gait bemo). a 
mewan. Seit, mapedo. 
Nock, Cäpotiuian; (Capo- Sklave, Vacken, (Wacker). 
tewian ): Schlaf, Nippig. 
Weiberrock, Ockola. Sitzen, Mintepin. 
3 T. 
Schlagen, Pakuait. \ 1 0 
Seyn, Tapadſche. Tragen, Petau. 
Schwarz, markäte, | Tanz, Nemeh. 
Sterben, Niß. Todt, Niep d“ 
Schuͤſſel, Mackoan. Teufel, Matſcho-Manitau. 
Spiegel, Uabemo. (Waw- Thun, Toſchiton | 
bemo). | Trinken, Minikus, (Mi- 


See, Kirfehigämink, nikwah). | 
Betrun⸗ 


355 

Betrunken, Auisquiba.“) ] Wahrlich, Kikit. 

Trauben, Schoamin. Waſſer, Nebbi. 

Theil, Tanapie. Weg, Mickon. 

Traurig, Talimiſſie. Wohl denn! Taniendal 

Toback, Sema. Was iſt das? Uauenin, 

Be (Wawwewin)? | 

Uebel, Napitſch. [Was jetzt? Quagonie? 

Perlaſſen, Packiton. 98 Woher, Tanippi. 

Vater, Nliſſa. Wo, Ta. 

Vorwaͤrts, Nopauink, (No- Weiß, Uabe, (Waube). 
pawink). Wer d da? Quagonie Maba? 

Voll, Mauſ kinet. Bind A Lautin. 1 

Verborgen, Kemautſch. f 

Verliehren, Pachilagus. 

Viel, Nibbilau. 


Winter, Pepaun. 
Weib, Ickuie, (Ickwee), 


Wolf, Mahingon. 


5 W. I ͤWenig oder klein, Mangio, 
Wurfſpieß, Sehefchickuie, | * . 
(Shefhikwee).. Zu wenig, Olammangis. 
Wie, Tane. Zu viel, Oflane, 
Wie viel, Tawnemilik! Zunge, Auton. 
Wiſſen, Thickerema. „ Zaͤhne, Tibbit. | 
Wenig, n (Wan, Zuſammen, Mamauie, (Mau- a 
beſheen). 1 maw wee). | 


Zablwörter aus der Tſchipiwaͤiſchen Sprache. 


Eins, Paſchik. | Fuͤnf, Nara. 
Zwey, Nintfch. | Sechs, Ningautuaſſau, (Nin. 

Drey, Niflau. goutwaſſou). u 
Vier, Nea. N A Sieben, Ninchouaſſau. u: 


) Dies Wort klingt ſaſt völlig wie Usquchaugh, welches in 
bergſchottiſchen Branntwein bedeutet. ueb. | 


| 


8 
Acht, Nifſouaſſau. | 
Neun, e Mittana. 
Zehn, Mittaſſau. 1 ag, Nifguafat. N 
Eilf, Mittaſſau Paſchik. 40 5 
Zwanzig, Nintſchtäna.“ i Machte Schongau Mit- 
Dreißig, Niſſau Mittana. tana. Ki 

Vierzig, NeaMittäna. Hundert, Mittaſſau Mittäna, 
Funfzig, Naran Mittana. Tauſend, Ae 
Sechszig, Ningautuaſſau Mittäna. | 

° Miträna. ) . 


5 Siebenzig, Nintfchouaflsu 


täna.. 


Ein kurzes Verzeichniß von Woͤrtern aus 
der Sprache der Nadoweſſter. 


en Freund, Kitfehina, (kit. 
Axt, Aſcbhpa. [chiwah). e 
Augen, Efchtike. “2 Witte, Muza Unkon, 957 
B. „ zah Wakoh). 
Bieber, Tchad 1 G. 
Büffel, Tatongo. 1 f Gut, Uoſchta, (Wolhtah). | 
Bär, Uakonfchedfcha, : Geben, Accuje. _ 
(Wahkonfchegah), Gott, Wäkon, (Wakon)., 
Baum, Orfcha, | Groß, Tongo. 
| u A | Geld, Muzaham. 
Da, Datſche. PGeiſtige. Getränke, | Mench 
1 G Uikon 
Eſſen, Etfchamen, Gottlos, —— 
| Eiſen, Murah. * | H. ae, ee 
. aten, Nane 
Fuer, Pata. [Haͤuslich, Schua. 


Fraͤnzoſe, Nietiegoſch. [Haus, Tiebie- a" Ä 
| Rü 610 ö Him 


* 5 ö ' 
1 \ 


„ 33% 


Himmel, Uoſchta Tiebie, | M. fr si 
(Woſhtab). 160 ben Mehr, Ot ena 
Hund, Schunguſch. I Monath, bus. Own? 
ge Mund, as er 190 
m I Medaillen, Muzah Ota. 
Ich, Meon. Mein, NMiua, (Mewah). 
Ihr, ene, Milch Etat: f 
Sung Hapäna. Rue. en, 
18 9 Ihr ſeyd weste 5 N. 
(Waſhtal). Nein, Heyah. 5 f 
SH ſeyd ein Gait, Uakon Nahe, Dfchieftina, 
(Wakon) tſchie. Nichtsnuͤtzig, Heyah Uafch- 


ta, (Wafhtah), 

0 hi | N. Ä 
3 3 Ohren, Nukah, 3 
Bea doi Hopmiyahiel ) er 


Ihr ſeyd mein guter Freund, 
Vaſchta kitſchiua (kit 
chiwah) tſchie. 


Fulle Pate (Wachtoh), | P. 


Kalt, Metſchueta. a 25 Schuetongo. 
Kind, maͤnnliches, Uet- Pfeife, Schanuapa. 
ſehoakſe. (Wechoakfeh ) Friedenspfeiffe, Schanuapa 
Kind, weibliches, Uarfchiek- | Pe (Wakon). 
IE, (Wahchecſeh). 


II 


Kommt her, r e . R. i 19 0 5 
König, Otra. 4 Regen, Oua (Owah)Meneh. 
Klein, dicheftin. >»: 1 Ring, buten. 


[Rund, clehupa. 
a Reh, Tchindfcho. | 
ee des, (Shaweah). 


„ n L. 
" : £ 5 ‚oh 1 


ane, 5 3 


. ds don Rehe ME a 


wi | . S. 


| 358 i 


! 


See, Tongo Mena. 


s N ©. | a e N U. 
2 3 jſuebel, Schedfch, 
ige en ee Vater, Ota. 


Viel, ota. 


Salzwaſſer, Menio Quea. 1 * * 


Sehen, Efchta. Sn. 
Schlafen, Eſehtiemo. W. 
Schlange, Omlifchka. Waſſerfal, 6 o 8 
Sonne, Pata. meua. 


Schnee, Sinnie. Weggehn, been, (ae 
. Seltſam, Hopiniayare. e ; coowah). 


Siber, Murabam. [Weib, Uinnokedfcha,(Win- 
T. . nokejaw). | 


Todt, Negoſch. “u Waſſer, Mene. 


— 


Toͤdten, Negofchtäga, Was? tägo? Ä 
u A 4 Wer da? Tagouht? Au 


Zablrörter der c Nodoweſſ fer. 
Eins, » Unie, (Won- Eilf 5 Vegotfehunganon 


| chaw). \ Vontſcha, (Wontſcha). 

Zwey, Nümpa, 1 Beanaig,Uegöleanngenen 
Drey, Yamonie, 0 Nümpa, 5 
Vier, Tobo. ; Dreißig, Uegorfchunganon 
Fünf, Sabottie. I ũXe«monie. N 

Sechs, Schako. Vierzig, Vegotfchungenon 
Sieben, Schakopie, Tobe, 8 . 
Acht, Schabindohin. Funfzig, ve ba 


Neun, Nebotſchunganon. Sabattie. | 
Zehn, Uegotſchunganon, Sechszig, Uegotſchunga: . 
(Wegochunganong). | non Schko. RR 
1 | | | | Sie⸗ 


Be 359 


* * 


| es, Uegotſchunga- Neunzig, Vegotſchunga- 
non Shakopie. A non Nebotſehunganon. 


Hundert, Opong. 
Acht Uegotfehunganon | Tausend Uegorfchunganon 
Schahindohin. e e OBene 
Dieſem kurzen Verzeichniß von Woͤrtern will 
ich doch noch eine Probe von der Art beyfuͤgen, 
wie die Nadoweſſter ihre Worte zuſammen ſetzen. 
Ich habe dazu ein kurzes Lied gewaͤhlt, das ſie mit 
einer gewiſſen Art von Melodie, doch ohne allen 
Anschein von Skanſion ſingen, wenn ſie ihre Jagd⸗ 
zuͤge anfangen. Meine Ueberſetzung iſt ſo buch⸗ 
ſtaͤblich „ wie der Genius benber Sprachen | es 
erlaubt. | 0 
Meo accùua 60 85700 efchen Ra | 
fchedfcha mena. T ongo Uäkon (Wakon) meo 
uoſchta (wofhtah) päta accùua. Hopiniyahie 
ouie Cowech) accuyie meo, uoſchts pàta oto to- 


= hinofcha meo tiebie. 
Ich will aufſtehn vor der Sonne, und jenen 
Huͤgel beſteigen, zu ſehn, wie das neue Licht die 
Duͤnſte wegjagt, und die Wolken vertreibt. Großer 
Geiſt, verleihe mir Gluͤck. Und wenn die Sonne 
weg iſt, „leihe mir, o Mond, hinreichendes Licht, 
mich ſicher nach meinem . mit Wild beladen, 
zurälkzuführen. 
N War Dicht 


' 368 


Ahrzehntes Kapitel. ts l 


Von Thieren, Vöͤgeln, Fischen, Gg 
und Inſekten, die in den innern Theilen 1 
von Nordamerif a gefunden werden. 


f 10 n 7 * 5 838 
\ . 8 er 7 104 Aa) 


SE, is von dieen ee ein en Ver⸗ 


beſchreiben, die dieſem Lande beſonders e eigen find, 
oder fich in weſentlichen Stuͤcken von aͤhnlichen un⸗ 
terſcheiden, War man in andern Wegendeng an⸗ 
trifft. 12 80 e Ba 
| Vbn Thieren. e 
Von 83 giebt es hier, Tiger, Baͤren, sie, 
Füͤchſe, Hunde, Bergkatzen, wilde Katzen, Büffel, 


= 


zeichniß angeben, und nachher nur diejenigen 


Rehe, Elendthiere, Mooſethiere, Rennthiere, 


Wolfsbaͤren, Stinkthiere, Stachelſchweine, Igel, 


Hamſter, Coatis, Marder, Fiſcherwieſel,“) Biber 


ratzen, ‚Eichhörnchen, Hafen, Caninchen, Maul⸗ 
wuͤrfe, Wieſeln, Maͤuſe, Murmelthiere, an 
Fiſchottern, Sumpfottern und Fledermaͤuſe. 

Der Tiger. Der amerikaniſche Tiger ifi We 
aſi jatiſchen und afrikaniſchen aͤhnlich, doch iſt er 
0 nicht ſo groß, und koͤmmt ihm ebenfalls an 


Wilde 


0 Muſtela pennanti corpore nigro Iateribus ſuſeis. 
Erxleben fy It. regni anim. p. 470. 


. 361 


Wildheit und Gefraͤſſigkeit nicht gleich. Seine 
Farbe iſt dunkelgraugelb, und vollig ohne Flecken. 
Ich ſah einen auf einer Inſel im Fluſſe Tſchipiwaͤ 
ziemlich genau, da er nicht weit von mir entfernt 
war. Er ſaß auf ſeinem Hintertheile wie ein Hund, 
und ſchien eben ſo wenig unſre Annaͤherung zu 
fürchten, . als raubbegierige Abſichten zu hegen. 
Man trift ihn in dieſen Gegenden nur ſelten an. 
Der Baͤr.) Bären ſind in dieſem Theile des 
feſten Landes ſehr zahlreich, aber vorzuͤglich in den 
nordlichen Gegenden deſſelben. Sie dienen faſt 
allen indiſchen Nationen zur N dahrung und zu Betz 
ten. Die amerikaniſchen find von den grönlaͤndi⸗ 
ſchen und rußiſchen in verſchiedenen Stuͤcken unter⸗ 
ſchieden. Sie ſind lange nicht ſo groß, und wagen 
nicht leicht einen Angriff, wenn ſie nicht von Hun⸗ 
ger oder Schmerz angetrieben werden. Der An⸗ 
blick eines Menſchen ſetzt ſie in Schrecken, und ein 
Hund kann verſchiedne zum Laufen bringen. Sie 
ſind große Liebhaber von Weintrauben, und klettern 
die hoͤchſten Baͤume hinauf, ſie aufzuſuchen. Dieſe 
Art Futter macht ihr Fleiſch ſehr ſaftig und wohl, 
ſchmeckend, welches die Indier und Handelsleute da⸗ 
her dem von allen uͤbrigen Thieren vorziehn, das Fett 
ö iſt ebe weiß, en und geſund, und hat auſſer⸗ 
3 13 5 Rn dem 

0 Uiſus Arctos L. a 


362 Be 


dem den Vorzug, daß es nicht leicht ranzigt wird. 
Die Eingebohrnen ſalben ſich beſtaͤndig damit, und 
baben ihm ihre Geſchmeidigkeit groͤßtentheils zuzu⸗ 
ſchreiben. Die Zeit der Baͤrenjagd faͤllt in den 
Winter, da ſie ſich in hohle Baͤume begeben, oder 
ſich vcher in den Wurzeln umgewehter Bäume aus⸗ 
hoͤhlen, wozu fie den Eingang mit Zweigen ver⸗ 
ſtopfen. Aus dieſem Lager ſollen ſie ſo lange, als 
die ſtrenge Witterung waͤhrt, nicht herauskommen, 
und da man weiß, daß ſie keinen Vorrath von 
Futter zuſammen bringen, ſo glaubt man, daß ſie 
etliche Monathe ohne Futter zubringen koͤnnen, und 
ſelbſt ohne während dieſe Zeit an Dicke abzunehmen. 

Der Wolf. Die Woͤlfe ſind in Nordamerika 
weit kleiner, als man ſie in andern Gegenden antrift. 
Sie haben aber ein eben ſo grimmiges Anſehn, und 
ein eben ſo wildes Auge, wie dieſe. Doch ſollen 
fie lange nicht ſo gefraͤſſig ſeyn, als die europaͤiſchen, 
und nicht leicht einen Menſchen angreifen. Doch 
bat man fie zuweilen bey Leichnamen von Erſchla⸗ 
genen angetroffen. Wenn ſie ſich truppweiſe zu⸗ 
ſammen halten, welches fie oft im Winter thun, 
ſo machen ſie einen ſcheuslichen und fuͤrchterlichen 
Lrm. Es giebt in den hieſigen Gegenden zweyerley 
Arten, wovon die eine eine graugelbe und die andre 
eine ſchwarzbraune Farbe hat. 


Der 


De 363 


Der Suche. Es giebt zwey Arten Fuͤchſe in 


Nordamerika, die ſich blos durch ihre Farbe unter⸗ 
ſcheiden. Die eine iſt roͤthlichbraun, und die an⸗ 


dre grau. Die, welche man von der letzten a | 


am Miffifippi findet, find ungemein ſchoͤn, da ihr 
Haar eine voͤllige Silberfarbe hat. Ä 


Der Sund. Die Hunde, welche die Andier zur 
Jagd brauchen, ſcheinen alle von einerley Art zu 
ſeyn. Sie tragen ihre Ohren, aufwaͤrts, und ihr 
Kopf iſt dem von einem Wolfe ſehr aͤhnlich. Sie 
ſind den Indiern auf ihren Jagdzuͤgen ſehr nuͤtzlich, 
und greifen jede Art von wilden Thieren, das ſie 
verfolgen, an. Sie ſind ihren Herren ſehr getreu, 
nur werden ſie oft i in den Hütten und Zelten, wenn 
man ſie ſchlecht futtert, ungemein beſchwerlich. 


Die Bergkatze. 5) Dies Thier hat die Geſtalt 
einer Katze, nur iſt es weit groͤßer. Ihr Haar 
oder Fell iſt dem von einer zahmen Katze ebenfalls 
ahnlich, doch unterſcheidet es ſich durch feine Farbe, 
die roͤthlich oder orangengelb iſt, und unter dem 


Bauche heller wird. Die ganze Haut iſt mit ſchwar⸗ 
zen Flecken von verſchiedenen Figuren geſchmuͤckt. 


Auf den Rücken find fie laͤnglicht, und an den uns 


tern u rund. An den Ohren hat ſie ſchwarze 
Strei⸗ a 


* Felix bei I. 


* 


— 


364 a 9 
Streifen. Dieſe Katze iſt faſt eben ſo wild, als 


ein Leopard / doch greift ſie ſelten einen Menſchen an. 
Der Biſon.) Von dieſen Thieren giebt es in 
den bieſigen Gegenden eine ungeheure Menge. Sie 
"find größer, als Ochſen, haben kurze ſchwarze Höͤr⸗ 
ner, und einen langen Bart unter dem Kinn. Ihr 
Kopf 55 Ki „daß die Haare über die Augen 
herunter llen, und ihnen ein fuͤrchterliches Anſehn 
geben. Sie haben einen Höcker auf den Ruͤcken, 
der bey den Huͤften anfaͤngt, und gegen die S Schul⸗ 
tern zu immer höher wird, bis er den Nacker er⸗ 


reicht. So wohl dieſer Auswuchs „als der ganze 5 


übrige Körper, ſind mit langem Haare, oder viel⸗ 


mehr einer Art 2 Wolle bedeckt, die eine dunkelbraune 


oder Mauſefarbe bat. Sie wird ſehr geſchatzt, 
haͤuptſ ächlich die vom Vordertheile des Körpers. 


Der Kopf iſt groͤßer wie bey einem Stiere und 


der Hals ungemein kurz. Die Bruſt iſt breit, und 
der Körper wird gegen die denden zu immer duͤnner. 
Sie laufen ſo bald ſie einen Menſchen ſehn, und 
ein einziger Hund kann ganze Heerden von ihnen 
verjagen. Das Fleiſch vom Biſon iſt ſehr gut zu 
eſſen, die Haut iſt auſſerordentlich nuͤtzlich, und 
das Haar ſchickt ih: su werte Nane Mun 
turen. Ni me ren ein ee * 


e. 


925 bifon, L. var. jubatus. J 


365 


Der Surſch. *) Es gebt nur eine Art von Hir⸗ 
en in Nordamerika, und dieſe . hoͤher und 
feiner gebaut, als die europaͤiſchen. Ihre Farbe 
iſt dunkelgraugelb, und ihre Geweihe ſind ſehr groß 
und vielendigt. Sie ſind die geſchwindeſten Thiere, 
die man auf den amerikaniſchen Ebenen antrifft, 

und gehn, wie in andern. Ländern ; e sus 
farnmen. 

Das Elendsthier 0 iſt weit Eileen als an 
Hirſch, und hat faſt die Dicke eines Pferdes. Sein 
Rumpf hat einen Bau wie bey einem Hir che nur 
iſt ſein Schwanz ſelten uͤber drey Zoll lang. Sein 
Haar iſt grau, faſt kameelfaͤrbig, nur fällt es etwas 
mehr ins roͤchlichte; die Laͤnge deſſelben betraͤgt 
faſt drey Zoll, und es iſt fo hart als Pferdehaar. 
Die Geweihe erreichen eine erſtaunliche Größe, 
und geben ſich ſo weit aus einander, daß zwey bis 
drey Leute dazwif ſchen ſitzen koͤnnten. Sie ſind 
nicht an beyden Seiten gezackt, wie bey den Hir 
ſchen⸗ ſondern haben alle ihre Enden an dem aͤuſſern 
Rande. Auſſerdem unterſcheiden ſie ſich von dem 
Geweihe eines Hirſches noch dadurch, daß ſte platt 
und acht bis zehn Zoll breit ſind, da man fe bins 

— 5 “x dieſen rund und weit ſchmahler findet. 
er \ 1 er 


0 Cervus Plaphus L. varietas cauadeuf Wai e 
0 Cervus Alees I. 42% a! he 


366 e 


Sie werfen ihre Geweihe alle Jahre im Hornung, 
und mit dem Auguſt erreichen die neuen gewoͤhn⸗ 
lich ihre völlige Größe. Ungeachtet ihrer Größe 
und ihrer Vertheidigungswaffen, womit ſie die 
Natur verſehn hat, ſind ſie eben ſo furchtſam, als 
Hirſche. Ihre Haut iſt ſehr nuͤtzlich, und läßt ſich 
eben ſo gut, wie die von einem Rehbock zubereiten. 
Sie leben des Sommers vom Graſe, und des 
Winters vom Mooſe und von den Blartfnofpen 
der Bäume. | 

Das Muſethier ) iſt faſt be ſo ne wie 
das Elendthier, und hat faſt eben ſo ungeheure 
SGemeihe, wie dieſes, nur mit dem Unterſchiede, 

daß fie ſich an der Wurzel einander mehr nähern, 
und wie bey einem Hirſche auf beyden Seiten Zacken 
ſchießen. Sie werfen ſie ebenfalls alle Jahre. Sein 
Hintertheil iſt ſehr breit, aber ſein Schwanz iſt 
nicht uͤber einen Zoll lang. Es hat Fuͤße und Beine 
wie ein Kameel; fein Kopf iſt ungefähr zwey Fuß 


lang, ſeine Oberlefze iſt weit größer, als die untere, 


und die Naſeloͤcher find fo weit, daß ein Menſch 
feine Hand ziemlich weit hineinſtecken konnte. Das 
Haar des Muſethiers iſt hellgrau mit ſchwarz⸗ 
braun vermiſcht. Es hat eine ſtarke Federkraft, 

denn 


| ® Dies iſt wuͤrklich 0 eine bloße Abaͤnderung vom 
Elkendsthiere. Erxl. ſyſt. regni anim. p. 300, 


denn wenn man es auch noch fo lange ſchligt, p 


nimmt es doch immer feine vorige dage wieder an. 
Das Fleiſch iſt ſehr angenehm, geſund und nahr⸗ 


haft. Die Naſe oder Oberlefze, die ſehr groß iſt, 


und nicht ans Zahnfleiſch haͤngt, wird fuͤr einen 
guten keckerbiſſen gehalten, 1 da ſie eine etwas feſtere 


Konſiſtenz bat, wie Mark, und gehörig zubereitet 
ein ſaftiges und wohlſchmeckendes Gericht giebt. 


Seine Haut ſchickt ſich zum Leder ſehr gut, da ſie 


dick und ſtark, und doch dabey weich und biegſam 


iſt. Dies Thier laͤuft immer im Trabe, und zwar 
ſo geſchwind „daß es nur von wenigen andern wil⸗ 


den Thieren an Schnelligkeit übertroffen wird. 
| Man trifft es gewöhnlich in ee an, wo es 
ſich von Moos und Blattknoſpen naͤhr 
hoͤren zwar zu dem Hirſchgeſchlechte, ch aber nie 
rudelweiſe zuſammen. Die meiſten Schriftſteller 
verwechſeln ſie mit den Elendthieren, Hirſchen oder 
Karrabus, allein ſie gehören zu einer ganz verſchied⸗ 


nen Art, wie man aus den Beſchreibungen, die 
ich von dieſen Tieren gegeben habe, deutlich ſehn 


kann. 
Das Rennthier iſt zwar dem Muſethier 
an n . doch it es ie ſo groß, und 
c unbe⸗ 


) Cervus tarandus L. Erxleben hit. r. a. paß 308. 


. oder Carrabou. 


367 


/ 


Sie ge⸗ 


„ 
unbehuͤlflicher. Ueberhaupt nähert es ſich etwas 
dem Bau eines Eſels. Seine Geweihe ſind nicht 
ſo platt, wie beym Elendthiere, ſondern rund, wie 
beym Hirf 
aͤuſſern Enden, und haͤngen mehr uͤber das Geſicht 
herüber, als ſis es bey dem Elend⸗ und Muſethiere 
thun. Es hat viel von der Schnelligkeit eines 
Hirſches „und laßt ſich nicht leicht fangen. Sein 
Fleiſch iſt ebenfalls ſehr gut, und feine Zunge wird 
vorzuͤglich geſchaͤtzt. Da ſeine Haut glatt und 
ohne Adern iſt, ſo wird ſie W 1 boch — 
als Gemſenleder. 0 
Der Wolfsbaͤr 9 se Raßengefhfehe, 


je. Sie nähern ſich auch mehr bey den 


und iſt ein ſchrecklicher Feind von den vier vorher⸗ i | 


gehenden Arten Thieren. Er greift ſie entweder 
unvermuthet aus einem Hinterhalte an, oder klet⸗ 
tert auf einen Baum, und nimmt ſeinen Stand 
auf einem Zweige, wo er lauert, bis irgend eines 
von ihnen von großer Hitze oder Kaͤlte getrieben 

Schutz darunter ſucht. Er ſpringt ſeinem Raube 
auf den Nacken „reißt ihm die Kehlader ab, und | 
falle es bald dadurch zu Boden. Hiezu hilft ihm 
fein langer Schwanz ungemein, den er um den 
eis 1 en ſchlingt. Der einzige Weg, 
2 b ihm 
7 „Y Cnresjou, UrfsTaheipefonft auf Engliſch auch Wol- 
verene oder Quick. hateh. Erxleben p. 168. 

. 


5 369 
ihm zu entgehn, iſt / wenn das Thier gleich auf ein 
Waſſer zulaͤuft, wodurch es ſich zuweilen vom 5 
Wolfsboͤren, der dies Element ſehr ſcheut, e ! 
ehe er ſeinen Zweck erreichen kann. 
Das Stinkthier # iſt das wunderbarſte von N 
allen, die man in den amerikaniſchen Waͤldern an⸗ 15 
trifft. Es iſt noch wohl etwas kleiner, als ein 
Iltis, zu deſſen Geſchlecht es gehört, und mit dem 
es oft verwechſelt wird, ungeachtet es ſich i in vielen 
Stuͤcken davon unterſcheidet. Sein Fell iſt ſang 
und glaͤnzend, die Farbe ſchmutzig weiß mit ver⸗ 
ſchiednen ſchwarzen Stellen, fo daß es hin und wie⸗ 
der ſchwarz⸗ ſchattirt zu ſeyn ſcheint, ohne doch eigent⸗ 
lich gefleckt oder geſtreift zu ſeyn. Sein Schwanz 
iſt lang und buſchigt, wie beym Fuchſe. Es haͤlt 
ſich vorzuͤglich in Waͤldern und Gebuͤſchen auf. 
Seiner auſſerordentlichen Waffen bedient es ſich 
blos, wenn es verfolgt wird. Sobald es naͤhmlich 
ſich in Gefahr ſieht, ſpruͤtzt es von hinten auf 
eine große Entfernung eine fo feine und ſtark vier 
chende Feuchtigkeit aus, daß die duft uͤber eine halbe 
Viertelmeile herum davno angeſteckt wird, und feine 
. ee e e echt als en ſehn ſichh 
durch 


50 Viuerra putorius L. Putorus Americanus ftriatus. | 
Catesby. e 


Carvers Reiſen. 1 Ya nn 


. 
5 durch den abscheulichen Gestank genungen von 
ihrem Vorhaben abzuſtehn. Die Franzoſen nennen 
es daher enfant du diable (Teufelskind), oder bete | 
puante, (Stinfthier): Es iſt faſt unmöglich, die 
ſchaͤdlichen Wuͤrkungen der Feuchtigkeit zu beſchrei⸗ 
ben, womit es die Natur zu ſeiner Vertheidigung 
verſehn hat. Wenn nur ein Tropfen davon auf die 
Kleidung faͤllt, ſo erhaͤlt ſie davon einen ſo unan⸗ 
735 genehmen Geruch, daß man ſie nicht weiter tragen 
* kann; oder wenn etwas davon ins Auge kommt, 
N ſo erregt es lange unertraͤgliche Schmerzen, und 
man verliehrt wohl gar das Auge daruͤber. Dieſer 
ſo fuͤrchterliche Geruch des Stinkehiers bat jedoch 
nichis Aasaͤhnliches, ſondern riecht vielmehr wie 
ſtarker Moſchus, der mehr durch ſeine Stäufe, als 
| durch ſeinen ekelhaften Geruch widrig wird. Er 
ſoll aber dazu dienen, den Kopf aufzuheitern, und 
die gebensgeifter in Bewegung zu bringen. Einige 
Naturkuͤndiger glauben, daß dieſe Feuchtigkeit 1 
nichts als Harn ey; allein ich ſchnitt viele von den 
Stinkthieren auf, die ich ſchoß, und fand nahe bey der 
Harnblaſe ein kleines Waſſerbehaͤltniß, das vollig 
von ihr abgeſondert u war, und aus dem nac, mei⸗ 
ner Ueberzeugung dieſer ſuͤrchterliche Geruch allein 
herkommt. Wenn ich den Sack, worinn ſich dies 
| Wafer befindet, forgfätrig herausgenommen hatte, 
f 0 ſo 


0 Alein ei ein einziger ebe 15 her verföritten 1100 


verdirbt nicht allein das ganze Thier, 7 ſondern er⸗ 


fuͤlt auch das ganze Haus, und macht alle Eßwaa⸗ 


ren darinn unbrauchbar. Die Franzoſen haben ihm 


daher mit ſehr großem Mech Wipe Ren 
gegeben. TRETEN ET 1 
Das amerikaniſche Grawelibwein 95 iſt un⸗ 


| gefahr fo groß wie ein kleiner Hund, nur iſt es kürzer 


und niedriger. Es unterſcheidet ſich von den Stachel⸗ 


ſchweinen aus andern Gegenden ſehr durch ſeinen 
Bau und durch die Lange ſeiner Stacheln. Seine 


NED 


Geſtalt iſt der von einem Fuchſe aͤhnlich, nur hat 13 


faſt 


es einen kuͤrzern und nicht ſo ſcharfen Kopf, 


wie ein Kaninchen. Sein Koͤrper iſt mit dunkel⸗ 


braunen vier Zoll langen Haaren bedeckt, davon 
f einige die Dicke eines Strohhalmes haben, und 


daher ſeine Stacheln genannt! werden. Dieſe Sta⸗ 


| cheln ſind weiß mit ſchwarzen Punkten „ inwendig 
hohl und ſehr ſtark, vorzüglich auf dem Ruͤcken. 


Sie dienen zu Angriffs⸗ und Vertheidigungswaffen, 
womit dies Thier feine Feinde ſticht. Wenn fie 
nur im geringſten ins Fleiſch eindringen, fo finfen 
fie gleich ſo tief binein, daß man ſie herausſchneiden 


MB ‚Die Indier machen fig). damit cher in die 
Aa 2 ng 15 


= Hyſtris dorfara L. 


Ohren und Naſen zu ihren Gelengen, und zieren 
ihre Strümpfe, Haare u. f w. damit. Auſſerdem 
wird das Fleiſch davon ſehr geſchaͤtzt 0 
Der Samſter 7 (Woodchuck) ift ein Thier, 
das ſich immer unten auf der Erde aufhält, und 
zu den Thieren gehort, die Rauchwerk liefern. Es 
iſt ungefaͤhr ſo groß wie ein Marder, und funfzehn 
Zoll lang; doch hat es einen rundern Koͤrper und 
kuͤrzere Beine. Seine Vorderpfoten ſind breit, um 
damit föcher in die Erde graben zu koͤnnen, worinn 
er ſich eben folche Gänge macht, als die Kaninchen. 
Sein Fell iſt grau ins röthliche buen und RR 
ſehr geſchaͤtz. n ö | 
Der Coati 9 iſt etwas kleiner als ein u Bieber, 5 
und hat eben ſolche Fuͤße und Beine, nur ſind dieſe 
Pi im i Berpälmif: feines Sante der dem von 
„ ne 
5 Mus erĩeetus L. Ich oberſeze das Wort Woöächück 
nur auf Gerathewohl durch Hamſter, da ich es nir⸗ 
gends, als im Carver, habe finden koͤnnen, und 
die unvollſtaͤndige Beſchreibung, die er von i dieſem 
Thiere giebt, „ doch etwas aͤhnliches mit einem 
Hamſter hat. Nach den Einfuhrliſten von Hud⸗ 
ſonsbay in Dobb's account of the countries adjoi- \ 
ning to Hudfonsbay p. 201. wird 1740 das Stuͤck | 
N von den Fellen zu 8 ſh. 7 d. und 1743 zu 4 nad. 
verkauſt. | 


) Urſus lotor L, Racoon. e 


373 
emem D Dachſe ahnlich ir Er bar einen Kopf wie 
ein Fuchs, doch ſind ſeine Ohren kuͤrzer, rund und 
kahl. Sein Haar iſt ebenfalls Fuchshaaren ähn- 
lich, und dick, lang, weich und an den Enden 
ſchwarz. Auf ſeinem Geſichte hat er einen breiten 
Streif, der queer uͤber daſſelbe hinlaͤuft, „und die 
Augen, die ziemlich groß find, umgicht. Seine 
Schnautze iſt ſchwarz / und laͤuft gegen das Ende 
rundlich zu, wie bey einem Hunde. Die Form 
und die Zahl von ſeinen ‚Zähnen ift ebenfalls der 
von einem Hunde gleich. Sein Schwanz iſt lang 
und rund, und hat ringfoͤrmige Streifen, wie ben 
einer Katze. An den Fuͤßen giebt es fuͤnf duͤnne 
Zaͤhen mit ſcharfen Krallen, womit er wie ein Affe 
die Baͤume hinauf klettert, und bis an die Enden 
der Zweige vorlaͤuft. Er gebraucht ſeine Vorder⸗ 
pfoten wie Hände, und ſteckt ſich damit das Futter 
ins Maul. Sein Fleiſch iſt im September und 
Oktober ſehr gut, weil es alsdenn Fruͤchte und 
Nuſſe genug > wovon er 15 0 ee 
e 
Der Marder“) ie etwas: TER als ein eich 
ne dem er doch an Bau nicht völlig unaͤhn⸗ 
lich iſt. Doch ſind ſeine Beine und Klauen viel 
1 Seine Ohren ſt ſind kurz, breit, und ruͤnd⸗ 
8 1 ns y Ä ie 
Se Muftela martes L. Leco, 


lich, und ſeine 1 glänzen bey Roc ie Katzen 
Augen. Der ganze deib iſt mit braͤunlich gel ben 
Haaren bedeckt und in den nordlichen Gegenden 
giebt es welche, die ſchwarzes Haar haben, a 
deren Felle weit hoͤher geſchaͤtzt werden. Der 
Schwanz iſt mit langem Haare bedeckt, . 
er dicker zu ſeyn ſcheint, als er oirklich iſt. Sein 
Fleiſch wird bawellen ee un HR febe ge⸗ 
achtet. 0 „ n TER nn, 
Die Bieberratze Pr oder u keene Be den 
Namen von dem ſchönen Moſchus den ſie liefert. 
SEie ſcheint blos ein Bieber im Kleinen zu ſeyn, da 
iſiꝛ alle Eigenſchaften dieſes klugen Thieres befißt, 
| und ihm blos an Größe und Staͤrke weichen muß. 
Sie iſt nicht viel großer wie eine große Ratze von 
der norwegiſchen Art, auch unterſcheidet ſie ſih 
vom Bieber durch ihren Schwanz, der dem von 
einer europaͤiſchen Ratze vollkommen ahnlich iſt. 
Sie bauet ſich eine Hütte, wie der Bieber, aber“ 
von ſchlechterer Bauart, und ſchlaͤgt ihren Wohn⸗ 
platz immer am Waſſer auf. Im Fruͤhjahr ver⸗ 
laſſen ſie ihre Schlupfwinkel und leben paarweiſe 
bis gegen den Sommer von Blaͤttern und Wurzeln. 
Im Sommer hingegen machen Erdbeeren, Hin⸗ 
beeren und andre Nabe ihre Nahrung aus. Bey 
| der 


0 Caor bine L, ebene ö 


| 375 
der Annaͤherung des Winters trennen fiefich, und 
eine jede ſucht ſich eine Stelle in irgend einem hoh⸗ 
len Baum aus, wo ſie den Winter aber voͤlli ig ohne 
Vorrath bleibt, und daher wahrſcheinlicherweiſe 
bis zum Frühling auch ohne Nahrung zubringt. 
Das Eichhoͤrnchen. Von Eichhoͤrnchen giebt 
es in Amerika: fünf Abaͤnderungen. Das rothe, “) 
das graue, das ſchwarze, ) das bunte, * und 
das fliegende eee Die beyden erſten ſind den 
europaͤiſchen vollkommen aͤhnlich. Die ſchwarzen 
ſind etwas größer und unterſcheiden ſich blos durch 
ihre Farbe. Die bunten haben ebenfalls einen 
ähnlichen Bau, und find ſehr ſchoͤn, da fie oft mit b 
weiſſen oder grauen, und zuweilen mit rothen oder 
ſchwarzen Streifen bedeckt ſind. Das amerika⸗ 
niſche ftegende Eichhörnchen aber iſt viel kleiner / 
als das europaͤiſche, und nicht über fuͤnf Zoll lang. 
Es iſt auf dem Ruͤcken rörhlich grau, oder aſchgrau, 
und an den untern Theilen weiß. Es hat ſchwarze 
vorſtehende Augen, wie eine Maus, und einen 
Eugen flachen breiten Schwanz. Es kann ver⸗ 
moͤge einer Haut, welche ſich von den Vorderfuͤßen 
bis an die Hinterfuͤße erſtreckt, von einem Baum 
Las 00 andern ſpringen, ſelbſt wenn ſie ziemlich 
W e ein Aa An e welt 


1400 11 


H deiurus vulgaris L. 00 Sciurus niger L. 
) Sciurus ſtriatus L. ) Seiurus volans L. 


376 
weit von Anander entfernen Diese loſe Haut, 
die es wie ein Segel ausſpannen kann, und womit 
es ſich in der Luft erhaͤlt, iſt ungefähr zwey Zoll 
breit, und mit feinem Haare oder Wolle beſetzt. 
Es hat einerley N en, mit den mi und 
llaͤßt ſich leicht zahmen. Tarn | 

Der Bieber. Dies Thier fi — o Abende 
und ſeine ſonderbaren Eigenſchaften ſind ſchon fd 
genau beſchrieben worden, daß jede weitere Nach⸗ 
| richt davon uͤberfluͤßig ſcheinen wird. Allein da viele 
meiner Sefer noch keinen deutlichen Begriff von der 
Bildung und den Eigenſchaften dieſes ſchlauen und 
nuͤtzlichen Thieres haben werden; ſo will ich zu ihrem 
Beſten eine kurze und genaue Beſchreibung davon 
geben. Der Bieber iſt ein vierfußiges Thier, das auf 
dem Lande und im Waſſer leben kann. Doch kann er 
im Waſſer nicht lange aushalten, und es ſo gar, wie 
man ſagt, vollig entbehren, wenn er nur dann 
und wann Gelegenheit hat, ſich zu baden. Die 
größten Bieber find faft vier Fuß lang, und über 
den Hüften vierzehn bis funfzehn Zoll breit. Sie 
wiegen ungefähr ſechszig Pfund. Er hat einen 
Kopf, wie ein Otter, nur iſt er etwas größer. Die 
Schnautze iſt ziemlich lang, die Augen ſind klein, 
und die Ohren kurz, rund, auſſen haarigt, und 
inwendig glatt. Seine Wen ſind ſehr lang, die 
0 untern 


| a 37 
untern ſtehn etwa drey Finger breit und die obern 
einen Finger breit aus dem Maule hervor. Alle 

| dieſe Zähne find breit, gekruͤmmt und ſcharf. Auſſer 
den Schneidezaͤhnen, von denen die obern in die 
untern paſſen, und die ſehr tief in den Kinnbacken 
ſitzen, haben ſie ſechszehn Wangenzaͤhne, davon 
acht an jeder Seite, vier oben und vier unten, 
grade einander gegenuͤber ſitzen. Mit den Schnei⸗ 
dezaͤhnen können fie große Bäume abſaͤgen, und 
mit den Wangenzähnen' die härteften Dinge zer: 
malmen. Ihre Beine ſind kurz, vier bis fuͤnf Zoll 
lang, und Dachsbeinen ſehr aͤhnlich. Die Zaͤhen 
an den ® Zorderfuͤßen ſind von einander abgeſondert, 
die Nägel liegen ſchief, und ſind hohl, wie Feder⸗ 
kiele. Die Hinterfuͤße aber find völlig verſchieden, 
und mit einer Schwimmhaut verſehn. Durch dieſe 
Einrichtung der Natur iſt er im Stande langſam 
zu gehn, und faſt ſo gut zu ſchwimmen, wie jedes 
andre Waſſerthier. Sein Schwanz hat die Geſtalt 
von einem Fiſche, und ſcheint gar nicht an ſeinen 
Körper zu gehören, da er, bis auf die Hinterfüße 
Landthieren voͤllig aͤhnlich iſt. Der Schwanz iſt 
mit einer ſchuppigten Haut bedeckt, und die Schup⸗ 
pen darauf ſind wieder durch ein feines Haͤutchen 
mit einander verbunden. Dieſe Schuppen find uns 
FR fo dick, wie Pergament; beynahe andert⸗ 
a 5 vs Bo 


378 

halb linien 1 und a ſechseckigt⸗ 
ganze Schwanz iſt eilf bis zwölf Zoll lang / f und in 
der Mitte brefter als an ver Wurzel oder der Spitze. 
Die Breite in der Mitte beträgt auf vier Zoll Nahe 
am Korper ift er faſt rund und zwey Zoll dick, allein 
gegen das Ende zu wird er immer duͤnner und ſpitzer. 
Die Farbe des Biebers iſt nach dem Himmels⸗ 
ſtriche, worin er lebt, verſchieden. In den nord⸗ 
lichſten Gegenden iſt er gemeiniglich ganz ſchwarz; 
in gemaͤßigtern braun, und wird immer hellfarbich⸗ 

ter, je weiter er gegen Suͤden koͤmmt. Sein Haar 

iſt am Körper. von zwey verſchiednen Arten, und 
an den Fuͤßen ſehr kurz. Das längſte iſt gewoͤhn⸗ 
lich einen Zoll lang, doch betraͤgt es auf dem Rücken 
wohl zwey Zoll, und wird gegen den Kopf und 
Schwanz zu allmaͤhlig kuͤrzer. Dieſer Theil des 
Haares iſt ſproͤde, grob und glänzend, und nicht 
viel werth. Das uͤbrige beſteht aus einer dicken und 
ſeinen Wolle, die faſt ſo weich wie Seide anzufuͤhlen 
iſt. Ihre Lange betraͤgt ungefaͤhr dreyviertel Zoll, 
und wird gemeiniglich zu Manufacturen gebraucht. 
Das Biebergeil, welches in der Arzeneykunſt ſei⸗ 
nen Nutzen bat, koͤmmt ebenfalls von dieſem Thiere, 
und man glaubte ſonſt, daß es aus dem Hoden deſ⸗ 
ſelben beſtuͤnde; allein neuere Erfahrungen lehren, 
daß es in vier Socken, die unter dem Unterleibe 
ſchen, 


82 
2 


Ban 379 
fißen, enthalten ift. Zwey davon die wegen ihrer 


erhabenen Lage die Obern heißen, ſind mit einer 
weichen, harzigen und klebrichten Muterie ange⸗ 


füllt; welche mit kleinen Fibern vermiſcht iſt, auſſen 


eine graͤulichte und inwendig eine gelbe Farbe hat. 
Sie giebt einen unangenehmen durchdringendenGe⸗ 
ruch, und laͤßt ſich leicht entzuͤnden. Dies iſt das 
wahre Biebergeil. Es verhaͤrtet ſich an der Luft, 
wird braun, bröcklicht und reibbar. Die untern 
Saͤcke enthalten eine ſchmierigte Feuchtigkeit, wie 
Honig. Ihre Farbe iſt blasgelb, und der Geruch 
etwas von dem andern unterſchieden, indem er 
ſchwaͤcher und unangenehmer iſt. Dieſe Feuchtig⸗ 
keit verdickt ſich ebenfalls mit der Zeit und erhaͤlt 
endlich eine Dichtigkeit wie Talg. Sie wird eben⸗ 
falls in der Mediein gebraucht, aber ah ſo hoch 
gerhäst, „ wie das wahre Biebergeile nu. 
Die Geſchicklichkeit dieſer Thiere 5 ai Bau 
lhre Huͤtten und ihrer uͤbrigen Haushaltung iſt 
wirklich bewundernswuͤrdig. Wenn fie im Begriff 
ſind, ſich einen Wohnplatz auszuſuchen, ſo ver⸗ 
ſammlen fie ſich oft zu zwey bis dreyhunderten, 
und wählen ſich endlich nach reiflicher Uerlegung 
eine Stelle, wo ein Ueberfluß von Lebensmitteln 
und alle übrige Nothwendigkeiten zu finden ſind. 
Ihre Haͤuſer liegen immer im Waller, und wenn 


— 


N 
51 
Sr, 


389 K 
ſie in der Nachbarſchaft keinen See oder Teich 
finden Fönnen, fo füchen fie dfefen Mangel dadurch 
zu erſetzen, daß ſie einen Damm durch einen kleinen 
Fluß oder Bach ziehn, um daß Waſſer aufzuſtem⸗ 
men. Sie fallen zu dem Endzwecke Baͤume, vor⸗ 
zuͤglich ſolche, die oberhalb der Stelle wachſen, wo 
ſie ſich anbauen wollen, um ſie den Fluß deſto be⸗ 
quemer hinabtreiben zu laſſen. Wenn ſie ſich die 
dazu tauglichen Baͤume ausgeſucht haben, ſo ma⸗ 
chen ſich drey bis vier Bieber an einen davon, und 
fällen ihn in kurzer Zeit mit ihren ſcharfen Zaͤhnen. 
Sie ſehn immer dahin, daß ſie ihn auf das Waſſer 
zufallen laſſen, damit ſie ihn nicht ſo weit zu ſchlep⸗ 
pen brauchen. Wenn fie ihnen endlich die gehörige 
Lange gegeben haben, fo waͤlzen fie fie ins Waſſer, 
und laſſen fie an den beſtimmten Ort treiben. Ohne 
mich umſtaͤndlicher auf die Maßregeln einzulaſſen, 
welche ſie bey dem Bau ihrer Daͤmme befolgen, 
will ich blos anmerken, daß ſie eine Art Moͤrtel 
mit ihren Fuͤßen machen, und ihn auf ihrem 
Schwanze an die gehörige Stelle bringen, deſſen 
ſie ſich auch ſtatt einer Kelle bedienen. Sie bauen 
ihre Haͤuſer damit ſo dauerhaft und regelmaͤßig, 
als der erfahrenſte Arbeiter nur immer thun koͤnnte. 
Die Grundlage ihrer Haͤuſer iſt eben ſo bewunderns⸗ 
würdig. Sie ruhen entweder auf Pfeilern i in der 
| Mitte 


Mitte von den kleinen Seen, die fie am Ufer der 
Fluͤſſe machen, oder auf einer Landſpitze, die in den 


See vorlaͤuft. Ihre Figur iſt rund oder eyförmig/ | . 


und ihre ganze Einrichtung zeugt von eben ſo viel 
Kunſt, als der Bau ihrer Damme. 2 Zwey Drittel von 
dem Gebaͤude ſtehn uͤber Waſſer, und dieſer Theil iſt 
für acht bis zehn Bewohner geraͤumig genug. Jeder 


Bieber hat ſeinen angewieſenen Platz „wovon er 


den Fußboden ſorgfaͤltig mit Blaͤttern oder kleinen 
Fichtenzweigen beſtreut, um ihn rein und warm 
zu halten. Ihre Häufer liegen fo nahe an einan⸗ 
der, daß ſie bequem aus einem ins andre kommen 
koͤnnen. Der Winter uͤbereilt ſie nie, ehe ſie ihr 
Gefhäfte zu Stande gebracht haben, denn gegen 


das Ende des Septembers ſind ihre Haͤuſer gewohn⸗ 


lich fertig, und ihre Lebensmittel unter Dach ge⸗ 
bracht. Dieſe letztern beſtehn in kleinen Stuͤcken 
Holz von weichen Faſern, als Pappeln, Eſpen oder 
Weiden, die ſie in Haufen w aufiegen, daß ihre Saͤfte 


nicht austrocknen koͤnnen. Wenn ich alle Umſtaͤnde, | 


welche die Klugheit dieſer Thiere beweiſen, anführen, 
wollte, ſo würden fie einen ganzen Band ausmachen, 
und dennoch angenehm und unterrichtend ſeyn. 
Die Siſchotter ) lebt ebenfalls im Waſſer 10 
a dem Sande. Sie hat in einigen Stuͤcken viel 
1 
D Muſtela a L. 


38 


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382 
| ähnfiches mit dem Bieber, unterſtheidet ſcch uin 
merklich in vielen andern von ihm. Ihr Koͤrper iſt 
faſt eben ſo lang, als der von einem Bieber, aber viel 
kleiner in allen ſeinen Theilen. Die Augen, die 
Schnauze und die Bildung des Kopfes haben eben⸗ 
falls viel ähnliches, aber die Zähne machen einen ; 
großen Unterſchied, da der Otter die großen 
Schneidezaͤhne fehlen, die man bey dem Bebek 
finder, und alle ihre Zähne ohne Ausnahme. wie 
Hunds⸗ oder Wolfszaͤhne gebildet find, Ihr Fr: 
iſt auch lange nicht fo lang, und von verſchiedner 
Farbe; denn unten am Halſe und unter dem 
Bauche iſt es graͤuchlichter, als bey einem Bieber. 
Dies Thier, das man faſt in allen Weltgegenden, 
vorzuͤglich Häufig aber in Nordamerika antrifft, iſt 
ſehr bösartig, und greift, wenn es hitzig verfolgt 
wird, Hunde und Menſchen an. Es naͤhrt ſich 
gewöhnlich von Fiſchen, vorzuͤglich im Sommer; 
allein im Winter begnuͤgt es ſich mit Baumrinde 
und Feldgewaͤchſen. Sein Fleiſch ſchmeckt und 
riecht nach Fiſchen, und it überhaupt ſehr unge- 
ſund, as “ ma aus er Hegeſſen N 
wird. 8 es fize 
Die enen 9 gehöre mit der vorigen zu 
einem VORAN und fuͤhrt ming Lebensart. 5 
s 
hi 0 Nuſtela lutreola L. Mink. N 


383 

Sie 195 die Größe und Gestalt eines Ilkis, 
und iſt e eben ſo lang und mager. Ihr Fell iſt 
ſchwaͤrzer, als das Fell von einer Otter, oder viel⸗ 
leicht jedem andern Thiere; und es iſt daher in 
Amerika zum Spruͤchworte geworden, “fo ſchwarz 
wie eine Sumpfotter- Doch wird es nicht ſo 
boch geſchaͤtzt, wobey es aber ſehr auf die Jahrs⸗ 
seit. ankümmt, zu welcher ſie gefangen wird. Ihr 
Schwanz iſt rund, wie bey einer Schlange, und 
vollig kahl. Gegen das Ende zu wird er etwas 
platt. Oer ganze Koͤrper hat einen angenehmen 

Musfgeruch. Ihr Aufenthalt ift vorzuͤglich bey 
| nee von? Flüſſen, an deren lem! fer lebt. 


* Von Voͤgeln. weg 

0 55 eln findet man bier Adler, „ Habichte, 
Nachabichte, Fiſhbabichte, , Nachtſchwalben, 
Raben, Kraͤhen, Eulen, Papageien, Pelikane, 
9 1 Waltrrahen, Reiher, Schwäne, 


AIRES 


FH, Schnepfen, erben, Spechte Kukuke, 

blaue Haber, Schwalben, Waͤkon, Amſel, Roth⸗ 
vögel, Krammetsvögel, Scharfſaͤgen, Nachti⸗ 
gallen, Königsvögel ö M Zaunkönige = 

und Colibris. e 


1 9 Ae Der 


NR 


384 


Der Adler.) Es site blos zwey Arten Adler 
in dieſen Gegenden, der kahle und der graue, die 
faſt von einer Größe find, und uberhaupt denen 
aus andern Gegenden vollig gleich kommen. 
Der Nacht habicht gehört zu dem Habichts⸗ 
geſchlechte da fein Schnabel unterwaͤrts gekruͤmmt 
iſt. Seine Fluͤgel ſind zum Geſchwindfliegen ge⸗ 
macht, und haben faſt eben die Geſtalt, wi beym 
gemeinen Habicht; doch iſt er viel kleiner und von | 
dunkler Farbe, wie dieſer. Man ſieht ihn ſel ten 
anders, als des Abends zur Zeit der Daͤmmerung, h 
da er muthwillig um den Kopfl des ſich verfpätene 
den Wanderers herumfliegt. Vor einem Gen wit ⸗ 
ter ſieht man ſie in einer erſtaunlichen Hoͤhe in der 
duft bauffenweiſe beyfammen; eine Bemerkung, 
die man auch von Schwalben gemacht bat. . 
Der Siſchhabicht iſt ihm ſehr ahnlich, und bat 5 
den Nahmen von ſeiner Nahkung, die größtentheils 
in Fiſchen beſteht. Er ſchwebt uͤber Seen und 
Fluͤſſen, und ſcheint oft auf dem Waſſe er zu ruhen. 0 
Wenn er ſieht „daß er die Fiſche erreichen kann, 
| ſo ſtuͤrzt er ſich plötzlich darauf los, und erhaſcht 
ſie. Er ſoll wenn er dicht uͤber dem Waſer weg⸗ 
fliegt eine anziehende Kraft befisen, „ wodurch er 
0 hi ch ai Fiche naͤher . und dieſt Zauberkraft | 
FAN wu.) 
2 Falco Kultus 15 10 


fol in einem Oehle beſtehen, das in einem kleinen 
Sack, den er im Leibe hat, enthalten i ft, und das 
ihm die Natur zu dieſem Endzweck gegeben hat. 


So viel iſt gewiß, daß jeder Art Köder, die nur 


mit einem Tropfen von dem Oehle dieſes Vogels 


befeuchtet iſt, eine unwiderſtehliche dockſpeiſe fuͤr 


Fiſche abgiebt, und den an eines Ss io 
! folge BERN 


Die Nacheſchwelbe ) wird von den en 


Muckawiß genannt. Dieſer auſſerordentliche Vo⸗ 
gel koͤmmt den vorhergehenden an Geſtalt und 
Farbe etwas gleich, nur hat er etliche weißlichte 


Streifen über den Fluͤgeln, und laͤßt ſich ſelten vor . 


Sonnenuntergang ſehen. Man trifft ihn ebenfalls 
nie auſſer den Fruͤhlings und Sommermonaten an. 
Sobald die Indier aus ſeinen Tönen feine Ankunſt 


erfahren, ſo ſchlieſſen ſie daraus 1 daß der Froſt 


gaͤnzlich voruͤber iſt, und ſehn ſich ſelten darinn be⸗ 


trogen, und fangen auf dieſe Verſicherung einer 


milden Witterung an, ihr Getraide auszuſaͤen. 
a Bi Na Sie 


3 Caprimulgus Americans L. Caprimulgus Amer. 
canus minor Catesby Nat. hift, of Carolina V. III. 


t. 16. Edwards nat. hiſtory of birds t. e Whip- 
. Whip: poor- will. 


Co Ban: 36 


385 


0 
10 


386 


* 


Er hat feinen Namen von dem Geſchrey, das er 


macht welches den Coloniſten wie Whipperwill 
vorkoͤmmt, einen indiſchen Ohee aber wie Muck- 


a-wisf klinget. Die beyden Wörter find zwar ſehr 


verſchieden, allein die Einbildungskraft der Eng⸗ 


laͤnder und Indier wird dadurch auf einerley Art 


\ geruͤhrt; und dieſer Umſtand beweiſt, daß einerley 


Toͤne, wenn ſie nicht durch die Regeln der Recht⸗ 


ſchreibung beſtimmt gemacht worden, bey verſchie⸗ 
denen $ Leuten mit verſchiednen Begriffen verbunden 

ſeyn koͤnnen. So bald die Nacht anbricht, ſo ſetzen 

ſich dieſe Vögel auf Zäune, Staͤmme von Baͤu⸗ 


men, oder Steine, die nahe bey einem Hauſe lie⸗ 
gen, und wiederhohfen ihre traurigen Tone ohne 


die geringſte Abwechſelung bis Mitternacht. Die 


Indier und verſchiedene Einwohner aus den hintern 
Pflanzungen glauben, daß, wenn ſich dieſer Vo⸗ 
gel auf ein Haus niederläßt, den Bewohnern deſſel⸗ 


ben MIN ein Ungluͤck bees 


Die Eule, * Die einzige Eufenart, die 00 
Ukgker des Miſſtſippi angetroffen wird, hat ein ſehr 
| ſchoͤnes Gefieder, von einer ſchoͤnen dunkelgelben 


oder Goldfarbe, mit huͤbſchen Sec und Schat⸗ 
tirungen. 120 0 | 
N De Der 


*) Strike flammen? L. 


— 


Be 2 
. ———— . 


\ ii RR: |... | 
Der Kranich.) Es giebt eine Art Kraniche in 
dieſen Gegenden, die Vater Hennepin Pelikane 
nennt. Sie hat ungefaͤhr die Groͤße vom euro⸗ 
päifchen Kranich, lange Beine und eine graͤulichte 
Farbe. Allein fie unter ſcheidet ſich von allen uͤbri⸗ 
gen durch ihren Schnabel, der zwoͤlf Zoll lang iſt, 
und bis ans Ende, wo er abgeſtumpft iſt und wie 
eine Ruderſchaufel ausſieht, anderthalb Zoll breit 
bleibt. Die Zunge if eben ſo lang als der 
Schnabel. e 
Enten. Von den vielen verfihtehhhen Arten 
wilder Enten, davon es hier uͤber zwanzig Abaͤn⸗ 
derungen giebt, werde ich blos die Holzente beſchrei⸗ 
ben, welche die Franzoſen Canard branchu ) nennen. 
Sie hat ihren Namen von ihrer Gewohnheit, ſich 
in Waͤldern aufzuhalten, und ſich auf Zweigen 
niederzuſetzen, welches kein anderer Waſſer vogel 
thut. Sie iſt ungefaͤhr ſo groß, wie andre Enten, 
und hat ein ſehr buntes und glänzendes Gefieder. 5 
Ihr Fleiſch iſt ebenfalls ſehr ſchmackhaft, und an⸗ 
derm Entenfleifch weit vorzuziehn, 5 I faſt gar 
keine Fiſche frißt. e 
B A Die 
10 Ardea Canadenfis? L. Doch paßt die Beſchreibung 
des Schnabels gar nicht, der bey den eigentlichen 
Kranichen ſpitzig zulaͤuft. 0 a 

> Vermuthlich Anas arboren L. 


388 I | | 
10 i a 
Die Kriechente ). Ich habe ſchon in meinem 
Tagebuche angemerkt, daß die Kriechenten, wel⸗ 
che man am Fuchsfluſſe und Miſſtſippi antrift, alle 
uͤbrigen an gutem Geſchmack und Fette übertreffen. 
Ihre Farbe, Bildung und Groͤſſe iſt von denen, 
die man in andern Gegenden e 5 wenig un⸗ 
terſchieden. . 
Der Luhn (oon) iſt ein andrer Waſservogel, 
etwas kleiner wie die Kriechente, und eine Art von 
Tauchente. “) Seine Fluͤgel ſind kurz, und ſeine 
un Beine und Füße der Größe des Körpers angemeſ⸗ 
‚fen. Seine Farbe iſt dunkelbraun und fällt ins 
Schwarze. Sein Fleiſch ſchmeckt nicht gut, da 
er faſt ganz von Fiſchen lebt. Er iſt ungemein be⸗ 
hende, und taucht ſo gut unter, daß es fuͤr einen 
allein faſt unmoͤglich iſt, ihn zu ſchießen, da er 
immer eher untertaucht, als der Schuß ihn erreichen 
Fin kann. Es muͤſſen daher mehrere Schuͤtzen zugleich 
auf ihn zielen, und er kann nicht anders getroffen 


Kepfe uber dem Waſſer hervorkommt, um wieder 


| die man auf ihn wendet, blos durch das Vergnuͤgen, 

das er ſeinen J Jägern whrend der Jagd verurſacht. 

9 # 1 Das 0 

> Anct es L. 0 f 
4) Mergus I 


werden, als in dem Augenblicke, da er mit dem 


unterzutauchen. Auſſerdem bezahlt er die Muͤbe, 10 


a. 8 
Das Rebhuhn.) Es giebt drey Arten Rebhuͤh⸗ 
ner hier zu kande, das braune, das rothe und das 
ſchwarze, doch wird die erſte Art den uͤbrigen vor⸗ 
gezogen. Sie find alle weit großer, als die euro⸗ 
paͤiſchen Rebhuͤhner, und kommen einer Faſanhenne 
faſt an Groͤße gleich, mit der ſie auch an Kopf } 
und Augen viel ähnliches haben. Sie haben alle 
lange Schwänze, die fie wie ein Pfau, aber nicht 
lothrecht, ausbreiten. Sie ſetzen ſich wider ihre 
Gewohnheit in andern Landern auf Zweigen von 
Pappeln und ſchwarzen Birken, von deren Knoſpen 
| fie fruͤh Morgens und im Winter in der Abenddaͤm⸗ 
merung freſſen, zu ſchlafen nieder, und können 
alsdann leicht geſchoſſen werden. 


Der biefige Specht 240 if ein befhöner ds 
gel; es giebt eine Art en) deren Federn in ver⸗ 
ſchiedne Farben ſpielen „ und eine andre, *) die 
uͤber den ganzen Körper braun iſt, und einen ſcho⸗ 
nen rothen Kopf und Hals hat. Da dieſer Vogel 
zu beſondern Zeiten ein vorzuͤglich ſtarkes Geſchrey 
macht, ſo glaubt man, 7 er alsdann 1555 10 
prophezeye. N 
CœVNU§ 
) Tetrao perdix L. ee . 1 K 
ane) Pica Picus L. e) Picus auratus L. 
===) Picus erythrocephalus. | 


390 N Er 


Der blaue Saber 0) kommt an Schaft dem eu⸗ 


ropaͤiſchen Haͤher gleich, doch hat er einen längern 

Schwanz. Oben auf dem Kopfe hat er einen 

blauen Federbuſch, den er nach Gefallen aufheben, 
und niederlaſſen kann. Der untere Theil des 
Nackens und der Ruͤcken ſind purpurfarbig, und 
die Auſſenſeiten der Fluͤgel und Schwanzfedern er 
dem untern Theile des Ruͤckens und Rumpfes fehon 
blau. Die Raͤnder der Fluͤgel ſind ſchwaͤrzlicht und 
an den aͤuſſerſten Enden mit dunkelblau ſchwach 
ſchattirt. Der uͤbrige Theil der Fluͤgel iſt in die 

quer ſchoͤn ſchwarz geſtreift. Ueberhaupt gehört die⸗ 
ſer Vogel zu den ſchoͤnſten unter den befiederten 
Einwohnern dieſer und andrer Gegenden. Er hat 
das Huͤpfen mit andern Haͤhern gemein, und macht 
ein weit Angenebfarfes Geſchrey, wie dieſe. 


Der Vogel, den bie Indier Wakon nennen, 
ſcheint eine Art von Paradiesvogel ) zu ſeyn. Er 


hat ſeinen Namen Wakon, oder Vogel des großen i 
Geiſtes, wegen feiner vorzuͤglichen Eigenſchaften 


und der großen Achtung, in der er bey den Indiern 
ſteht. Er iſt angefihe R groß, wie eine Schwalbe, 
und 


9 e can L. 


4 0 Pica paradiſea L. Der Wakon if vermutih die 


gemeine Art Paradifea apodia. 


| 


391 
und von brauner Farbe, um den Hals hellgruͤn 
ſchattirt; die Fluͤgel ſind dunkelbrauner, wie der 

übrige Körper: Sein Schwanz beſteht aus vier 
oder fuͤnf Federn, die dreymahl ſo lang ſind, als 
der Koͤrper, und ſchoͤn mit Gruͤn und Purpur ſpielen 


Er traͤgt die ſchoͤnen langen Federn auf die naͤhm⸗ 


liche Art, als ein Pfau, allein man weiß nicht, ob 


er ſie auch eben ſo ausſpannen kann, wie dieſer 


zuweilen thut. Ich habe von dieſen Voͤgeln nie 
welche in den Kolonien geſehn, allein die Nado⸗ 


weſſter fingen unterſchiedliche, als ich mich in ihrem 


Lande aufhielt, und ſchienen fie weit hoͤher, als 
8 irgend eine andre A vom eee Wee 
zu halten. 


Es 8 drey Arten Ampeln 9 in Nordame⸗ | 


rika; die erfte iſt die gemeine oder ſogenannte Kraͤ⸗ 
henamſel, die ganz ſchwarz iſt, und eben die Ges 
ſtalt und Größe, aber keine fo harmoniſche Stimme 
hat, als die europaͤiſche. Im September fliegt 


dieſe Art in großen Zuͤgen herum, und thut am indi⸗ 


ſchen Korne, das grade um dieſe Zeit anfängt, reif 
zu werden, großen Schaden. Die zweyte Art iſt 
der Rothfluͤgel. Er iſt etwas kleiner, als die erſte 
Art, aber eben ſo wie ſie uͤber den ganzen Koͤrper 
ee „den untern Rand der Fluͤgel ausgenom⸗ 


Bb 4 „ wen 


2. Turdus merula L. 


men, der eine 3 Scharlachfarhe bat. Er 
niſtet und ſitzt größtentheils unter kleinen Büfchen, 
die auf Wieſen und in niedern ſumpfigten Gegen⸗ 
den zu wachſen pflegen. Er kann verſchiedne Töne 
angeben, koͤmmt aber am Geſange der europaͤi⸗ 5 
ſchen Amſel bey weitem nicht bey. Die dritte Art 
iſt ſo groß, wie die vorige, und eben ſo agath⸗ 
ſchwarz/ allein der obere Theil der Fluͤgel grade 
unter dem Ruͤcken hat eine ſchöne reine weiſſe Farbe. 
Es ſcheint daher, als wenn die Natur bey dieſen 
Vögeln den Mangel des Geſanges durch die Schön; 
heit ihres Gefieders habe erſetzen wollen, denn auch 
dieſer dritten Art fehlt eine harmoniſche Stimme. 
Der Schnabel iſt bey allen drey Arten dunkelgelb, 
und die Weibchen von allen en wie in San N 
eine roſtige ſchwarze Farbe. 
Der Rothvogel (red bird) iſt ungefähr 50 groß, 
wie ein Sperling, nur hat er einen langern Schwanz, 
und uͤber den ganzen Leib eine glaͤnzende Zinober⸗ 
farbe. Ich ſah viele von ihnen bey den Ottowa⸗ 


gen. Ich ſah ebenfalls in verſchiednen andern Ge⸗ 
genden einen Vogel von der naͤmlichen Geſtalt, 
der aber durchgehends ſchön gelb war. 
Der Schar fſaͤger (Whetlaw) gehoͤrt zu den Ku⸗ 
1 kuken; er liebt eben ſo wie W die Einf amkeit, 


Seen; allein ich konnte nicht erfahren, ob ſie fan 


und 1 


| 393 
und laͤßt fich ſelten fehn. In den Sommermonaten 
hört man ihn in den Waͤldern, wo er ein Geraͤuſch 
wie eine Saͤge macht, die hin und her gezogen wird, 
und erhaͤlt von dieſem Geraͤuſche ſeinen Nahmen. 

Der Rönigevogel *) iſt einer Schwalbe aͤhn⸗ 
lich und ſcheint faſt von einerley Art mit der Haus⸗ 
ſchwalbe **) zu ſeyn. Er heißt der Koͤnigsvogel, g 

weil er faſt alle andre Vögel bezwingen kann. Ich 
habe ihn ſelbſt einmahl einen Habicht e 
bringen ſenn. 

Der Bolibri. we Diefer ſchoͤne Vogel iſt 
der kleinſte unter allen gefiederten Bewohnern der 
zuft, und ungefähr ein Drittel fo groß, als ein 
Zaunkönig, mit dem er auch an Bau ſehr viel aͤhn⸗ 
liches hat. Seine Beine ſind ungefähr einen Zoll 
lang, und fehn wie zwey Nadeln aus. Die Dicke 
des Koͤrpers ſteht mit ihnen im Verhaͤltniß. Sein 
Geſieder iſt uͤber alle Beſchreibung ſchön. Auf 
ſeinem Kopfe hat er einen Buͤſchel von einer glaͤn⸗ 
zenden Agathfarbe. Die Bruſt iſt roth, der Bauch 
Fi der r Rücken, die Fluͤgel und der Schwanz 

Bb 5 e dend 
| 9 Hirundo Subis L?, REG 
) Hirundo urbica 1 
' ) Pica trochilus. Die hier beſe hriebene Art iſt v vers 


muthlich der Trochilus ug deffi en Vaterland 
ic Nordamerika if, 


find von dem ſchoͤnſten Blaßgruͤn; und kleine Flecke 
von Gold ſind mit unausſprechlicher Anmuth uͤber 


ſeinen ganzen Koͤrper zerſtreut. Auſſerdem macht | 
eine faſt unfuͤhlbare Wolle die Farben ſanfter, und 


verurſacht eine ſehr angenehme Schattirung. Er 


ſaugt mit ſeinem Schnabel eine Feuchtigkeit aus ö 


den Blumen, die ihm zur Nahrung dient. Er 
ſchwaͤrmt beſtaͤndig um ſie wie eine Biene herum, 
ohne ſich je darauf nieder zu laſſen, und bewegt 
ſeine Fluͤgel mit einer auſſerordentlichen Geſchwin⸗ 


digkeit „ woraus ein Geraͤuſch entſteht, von dem 
er den Nahmen e ar 1. ers 5 


balten hat. Ae ER 


Von den Fiſchen, die man im 
Miſſiſippi findet. 


(Von den Fiſchen, die man in den großen Seen 0 


antrifft, habe ich s ſchon eine eee | 


gegeben.) 

Es giebt hier Störe, Kolewelf See Karpfen 
und Dickkoͤpfe. 

Der Stör. *) Der Flußſtör if der At, bie 
man gemeiniglich nahe beym Meere fängt, blos 
darch hen Kopf und Schwanze donc allein 


i ein 
5 Bb 5 ſei 


* Anker SturioL. Die hier zu rihe | 


Altt iſt vermuthlich der Lachsſtoͤr. 


} 
\ ee Sc; n 


* 
K FE EB WE DEE WR 


1 9 85 395 
ſein Koͤrper iſt runder, und nicht mit ſo vielen horn⸗ 
artigen Schuppen bedeckt, als bey dieſer. Seine 
Lange beträgt gewöhnlich drittehalb bis drey Fuß, 
allein ſeine Dicke iſt verhaͤltnißmaͤßig nur gering, 
indem es ein ſehr duͤnner Fiſch iſt. Sein Fleiſch 
iſt ungemein zart und wohlſchmeckend. Ich fing 
einige nicht weit von den Quellen des Fluſſes St. 
Croix, die Forellen weit uͤbertrafen. Wenn man 
ſie fangen will, ſo giebt man auf ſie acht, wenn ſie 
unter dem Ufer eines hellen Fluſſes liegen, und 
ſchießt ſie mit einer Art von Harpune, denn 
an Koͤder beiſſen ſie e nicht. Es giebt noch eine andre 
Art im Miſſiſippi, die man ſonſt nirgends antrifft, 
und ſich von der eben beſchriebenen blos dadurch un⸗ 
terſcheidet daß der obere Kiefer vierzehn bis funf 
zehn Zoll uͤber den untern hervorragt. Dieſer lange 
Kiefer beſteht aus einem knorpelartigen Weſen, und 
ift bis an das Ende, welches platt if, viertehalb 
Zoll breit. Seine Figur hat uͤberhaupt mit einem 
Ruder viel ähnliches. Doch koͤmmt das Fleiſch 
von dieſer Art der erſtern lange nicht bey, und 
wird auch ſelbſt von den en lange nicht ſo 
boch geſchaͤtzt. 
Der Kater wels. *) a Fiſch iſt ungeflf; 
achtzehn Zoll lang, und von ehchen Farbe, 
ohne 
0) Silufns catus L. Caffh. 


ohne Schuppen. Er hat einen großen runden 
Kopf, von dem er auch feinen Nahmen hat. An 
verſchiednen Stellen deſſelben ragen drey bis vier 
ſcharfe ſtarke ungefähr zwey Zoll lange Hoͤrner her⸗ 
vor. Seine Floßfedern ſind ebenfalls knochenar⸗ 
tig und ſehr ſtark, und man muß ihn ſehr behut⸗ 
ſam angreifen, wenn man nicht Gefahr laufen 
will, ſich die Hände damit zu zerſtechen. Er wiegt 
gewöhnlich fünf bis ſechs Pfund. Sein Fleiſch iſt 
ungemein fett und geil, und koͤmmt dem von einem 
Aale an Geſchmack faſt gleich. 
Der Rarpf*) und Dickkoͤpf u find hier faſt 
von der naͤmlichen Große, wie in England, und 
| diesen überhaupt ſehr ahnlich. a 
e Von Schlangen. | 
Von Schlangen giebt es bier die Klapperſchlange, 
| die lange ſchwarze Schlange, die Haus- oder 
e Mauernatter ‚ die geſtreifte oder Bindenſchlange, 
„ „Die Waſſerſe chlange, die ziſchende Schlange, die 
giruͤne Schlange, die Dornſchlange, die gefleckte 
Schlange, die Meda und die smenföpfüche 
Schlange 
Die Rlapperſchlange. 11 Es glebr h Arten 
davon, die ſchwarze und die gelbe, weine die größte 
| iſt. 
0 Cyprinus Carpio L. 55 0 Cyprinus cephalus .. 
ws) Crotalus horridus L. | 


> 


2 u ³ — 


| 


iſt. Wenn ſie ihren völligen Wachsthum erreicht 
haben, fo find fie über fünf Fuß lang, und haben 


in der Mitte des Koͤrpers, wo ſie am dickſten ſind, 
etwa neun Zoll im Umfange. Gegen den Kopf und 
den Schwanz zu werden ſie allmaͤhlig duͤnner. Der 
Hals iſt im Verhaltnis ſehr duͤnne, und der Kopf 


iſt breit und eingedruͤckt. Kopf und Hals ſind hell- 


braun, der Stern im Auge iſt roth und der ganze 
obere Theil des Körpers braun mit rothgelb un⸗ 
termiſcht, und mit vielen regelmäßigen dunkel⸗ 


ſchwarzen Strichen durchkreuzt, die allmaͤhlich in 


eine Goldfarbe ſpielen. Ueberhaupt iſt dies ge⸗ 
faͤhrliche Geſchöͤpf ſehr ſchoͤn, und feine mannigfal⸗ 


tigen Farben wuͤrden ihm ein reitzendes Anſehn ges 


ben, wenn man es nur ohne Schrecken anſehn 


koͤnnte. Sie zeigen ſich nie ſchoͤner, als wenn fie 
in Wuth geſetzt werden, weil ſich dann durch einen 


ſtaͤrkeren Andrang von Feuchtigkeiten gegen die 


Oberflache, die Farben ihrer Haut erhoͤhn. Der 


Bauch iſt hellblau, das aber gegen die Seiten zu 


dunkler wird, und ſich endlich mit der Farbe des 


obern Theiles vermiſcht. Die Klapper an ihrem 
Schwanze, wovon ſie den Nahmen haben, beſteht 
aus einem hellbraunen, harten, trocknen und 
knochenartigen Weſen, das verſchiedne Zellen macht, 
die wie Gelenke in einander ae Sie vermeh⸗ 


ren 


398 
ren fich mit jedem Jahre, fo daß man dadurch das | 
Alter des Thieres erkennen kann. Dieſe Gelenke 

ſind ſehr los, und die Spitzen darin ſtoßen gegen 

die innere Oberfläche der hohlen Ringe, wo ſie hin⸗ 
einpaſſen, und machen, wenn die Schlange ihren 
Schwanz ſchuͤttelt, ein klapperndes Geraͤuſch. 

Dies Geraͤuſch macht ſie immer, wenn ſie Gefahr 
befuͤrchtet, und gleich zieht ſie ſich in Geſtalt eines 
Schneckenganges zuſammen, und haͤlt in dem Mit⸗ 
telpunkte dieſes Schneckenganges ihren Kopf in die 
Hoͤhe, mit welchem ſie Menſchen und Thieren, 
die ihr zunahe kommen, Rache droht. In dieſer 
Stellung erwartet ſie ihre Feinde, und klappert 
immer mit dem Schwanze, ſo wie ſie ſolche ankom⸗ 
men ſieht oder hoͤrt. Durch dieſe zeitige Warnung, 
die vom Himmel zur Verhuͤtung des Schadens, den 


dies giftige Thier ſonſt verurſachen koͤnnts, beſtimmt 


zu ſeyn ſcheint, lernt der unvorſichtige Wanderer 
ſeine Gefahr kennen, und kann ihr ausweichen. 
Die Klapperſchlange greift nie an. Sie verfolgt 
niemand, und flieht vor keinem Feinde, der ſich 
ihr naͤhert, ſondern bleibt in der beſchriebenen Stel⸗ 


lung liegen, wobey ſie immer mit dem Schwanze 9 


klappert, als wenn fie ungern ſchaden möchte. 
Die Zähne womit fie vergiftet, find von ihren Zaͤh⸗ 
nen, deren ſie ſich bey andern Gelegenheiten be⸗ 
Biene, 


dient, völlig unterſchieden. Es giebt ihrer nur 
zwey, und beyde ſind ſehr klein und ſcharf zugeſpitzt. 
Sie liegen in einem ſehnigten Weſen nahe am Vor⸗ 
derrande des obern Kinnbackens, und haben mit 
den Klauen einer Katze viel aͤhnliches. Sie kann 
ſie ausdehnen, zuſammenziehn oder ganz ver⸗ 
bergen. An der Wurzel eines jeden liegen zwey 
kleine Blaſen, die fo eingerichtet ſind, daß, fo wie 


die Zähne einen Einſchnitt machen, ein Tropfen x 


von einer gruͤnlichen giftigen Feuchtigkeit in die 
Wunde fälle, und das ganze Blut mit ihrer töd⸗ 
tenden Eigenſchaft erfuͤlt. Schon in dem erſten 
Augenblicke fuͤhlt das ungluͤckliche Opfer ihrer 
Wuth eine fieberhafte Kalte über den ganzen Koͤr⸗ 
per. Es erhebt ſich gleich ein Geſchwulſt an der 
Stelle, wo der Zahn eingedrungen iſt, die ſich all 
maͤhlig uͤber den ganzen Körper verbreitet, und uͤber⸗ 
all auf der Haut die verſchiednen Farben der 
Schlange hervorbringt. Der Biß dieſer Schlange 
iſt zu verſchiednen Jahrszeiten mehr oder weniger 
gefährlich. In den Hundstagen iſt er oft in einem | 
Augenblicke toͤdlich, und vorzüglich, wenn die 
Wunde zwiſchen der Sehne uͤber dem Hacken liegt; 
allein im Fruͤhjahr, im Herbſte, oder an einem 
kuͤhlen Tage im Sommer, kann man ſeinen Wuͤr⸗ 
b i durch gehbrige Mittel, wenn man fe nur 
gleich 


gleich braucht, zuvorkommen. Dieſe Mittel hat 5 


die Güte der Vorſehung reichlich verliehen. Der 
Klapperſchlangen Wegerich, ein bewaͤhrtes Gegen⸗ 


mittel gegen das Gift dieſes Thieres, waͤchſt häufig 


überall, wo man ſie antrift. Auſſerdem giebt es noch 
verſchiedne andre Mittel gegen ihren giftigen Biß. 
Eine Abkochung von den Knoſpen oder der Rinde 
der weiſſen Aeſche innerlich gebraucht, verhindert ih⸗ 


re ſchaͤdlichen Wirkungen. Salz iſt ein neuentdecktes 


Mittel, und wenn man es gleich auf die Wunde legt, 


oder fie mit Sohle auswaͤſcht, ſo kann man vor aller 


Gefahr ſicher ſeyn. Auch das Fett der Schlange ſelbſt 


zum Einreiben ſoll ſehr wuͤrkſam ſeyn. Durch dieſes 


Mittel kann man nun zwar das Leben eines Men⸗ 
ſchen, der von der Klapperſchlange gebiſſen iſt, 
retten, und ſeine Geſundheit gewiſſermaaßen wie⸗ 


der herſtellen, aber er erfaͤhrt dennoch alle Jahr 
eine geringe Anwandlung von den fuͤrchterlichen 
Zufaͤllen, die er empfand, als er zuerſt gebiſſen 


ward. Es iſt eben ſo merkwuͤrdig als gewiß, daß 
da doch jedes andre Geſchoͤpf in einem höhern oder 


geringern Grade von dem Gifte dieſer Schlange 
leidet, Schweine eine Ausnahme von der Regel 
machen, und ſie leicht toͤdten können, ohne ihre 
giftigen Zaͤhne fuͤrchten zu duͤrfen. Sie freſſen ſie 
ſogar, und werden fett davon. Man hat es oft 


beobachtet 


2 Ze Zn: 


. a ee 


401 


beobachtet, und ich kann die Begbachtung beſtaͤtigen, 
daß die Klapperſchlangen gern jede Art von Muſik 
hoͤren, ſowohl von Geſang als Inſtrumenten. Ich 
habe oft geſehn, daß ſie, ſelbſt wenn ſie in Wuth 
geſetzt waren, ſich in eine horchende Stellung ſetz⸗ 
ten, und mit großer Aufmerkſamkeit und einem 
Anſchein von Ver ghhůͤgen ſo lange, als die Muſik 
waͤhrte, unbeweglich ſaßen. Ich ſollte ſchon vor⸗ 
ber angeführt haben, daß die Klapperſchlange, wenn 
ſie beißt, den untern Kinnbacken fallen laͤßt, den 
obern aufwärts hält, und fi nell in einer krummen 
Linie auf den Gegenſtand ihrer Rache mit großer 
Wuth zuſchießt. Einen Augenblick nachher geht 
ſie wieder in ihre vorige Vertheidigungeſtelung 
zuruͤck. Sie kann vermoͤge der dage, in der ſich 
ihr Kopf beym Angriff befindet, ihre Zaͤhne ſehr 
geſchwind aus der Wunde herausziehn. Sie ſchießt 
nie weiter, als die Häffte ibrer Länge vor, und 
ungeachtet ſie ihren Angriff zwey bis dreymal wie⸗ 
derhohlt, fo ſpringt fie doch eben ſo oft ſchnell in ihre 
vorige Lage zuruͤck. Die ſchwarze Klapperſchlange 
unterſcheidet ſich von der gelben blos durch ihre 
geringere Groͤße, und durch ihre Farbenmiſchung, 
die grade da ſchwarz iſt, wo jene gelb hat, und um⸗ 
gekehrt. Beyde find gleich giftig. Man weiß noch 
nicht, wie ſie ſich fortpflangen. Ich habe oft Eyer 
Car vers Haien 0 Ce von 


— 


1 


allein, ungeachtet ſich niemand mehr Mühe geben 


konnte als ich, jeden Umſtand, der dieſe betraf, 


kennen zu lernen, ſo wollte es mir doch nicht ge⸗ 
lingen, die Art, wie ſie ihre Jungen zur Welt 
bringen, zu erfahren. Ich toͤdtete einmahl ein 
Weibchen, das ſiebenzig Junge im Leibe hatte, die 


von verſchiednen andern Schlangenarten gefunden, 


aber vollig ausgebildet waren, und die ich zum 


Rachen ihrer Mutter, als einem ſichern Orte, ihre 
Zuflucht nehmen ſah, als ich mich ihnen naͤherte. 


Die Galle dieſer Schlange wird mit Kreide vers 


miſcht, in kleine Kugeln geformt und zum medi⸗ 


ziniſchen Gebrauche aus Amerika ausgeführt. Sie 
thun eben die Wuͤrkung als Gaſcoigvs Pulver, und 


| find ein vortrefliches Mittel in Kinderkrankheiten. 


Das getrocknete Fleiſch dieſer Schlange in Suppen x 


gekocht, iſt nahrhafter als en; und ſehr 
gut in Schwindſuchten. 
Die lange ſchwarze Schlange. — Von dieser 


| giebt es ebenfalls zwey Arten, die an Größe und 


Geſtalt einander vollig gleich find. Der ganze 
obere Theil des Koͤrpers iſt bey beyden ſchwarz und 


ſchuppicht. Blos der Bauch iſt bey der einen helle 


roth, und bey der andern blaͤulicht. Sie find ges 
| | woͤhn⸗ 


5 Boa contortrix L. Anguis niger. Catesby Hiſt. Car. 


II. tab. 48. | 145 1 


| ie „„ 48 
wöbniich ſechs bis acht Fuß lang und düngen ihren 
Kopf, wenn ſie fortkriechen etwa anderthalb Fuß 
uͤber die Erde erhaben. Sie kriechen die hoͤchſten 
Baͤume ohne Muͤhe hinauf, wenn ſie Voͤgel oder 

Eichhoͤrnchen verfolgen, die ihre Hauptnahrung aus⸗ 
machen; und dieſe follen fie durch ihren Blick ſo be⸗ 
zaubern, daß ſie ihnen nicht entgehn koͤnnen. Ihr 
Anblick erregt Schrecken bey allen, die ihre Unſchaͤ⸗ 
lichkeit nicht kennen. Sie greifen niemand an, 

und haben gar kein Gift. | 1955 

Die geſtreifte ) oder Bindenſchlange iſt von 
eben der Art mit denen, m man in andern Ger | 
genden antrifft. . 
Die Waſſerſchlange **) iſt der e | 

an Geſtalt und Größe ſehr ähnlich, doch iſt ſie lange 
ir fo giftig, und thut uberhaupt keinen Schaden. 
Die ziſchende Schlange habe ich ſchon in mei⸗ 
nem Tagebuche „wie ich vom See Erie Ren 
beſchrieben. 8 „ 
Die gruͤne Schlange — if ungefhr anden \ 
halb Fuß lang, und hat eine ſo genaue Grasfarbe, | 
| Ce: Ki daß 


Y Colubes natrix L.? 
*) Boa enydris L. As 


Vermuthlich eine Art von ie 1 1 Natter 
(Colubes viridifimus L.) die in Surinam gefun⸗ 
den wird. 


daß man fie nicht entdecken kann, wenn ſie auf der 
Erde liegt. Zum Gluͤck iſt ſie gar nicht giftig, da 
fie ſonſt aͤuſſerſt ſchaͤdlich ſeyn würde, weil die Vor⸗ 
uͤbergehenden auf Wieſen fie nicht ſehn, und ſich 
folglich vor ihr nicht in Acht nehmen koͤnnen. 

Die Dornenſchlange wird in vielen Gegenden 
von Amerika gefunden, aber man ſieht ſie nur ſel⸗ 
ten. Sie iſt von mittler Größe, und hat den Nas 
men von einem dornaͤhnlichen Pfeil am Schwanze, 
mit dem ſie toͤdliche Wunden machen ſoll. 

Diüie gefleckte Schlange lebt im Waſſer, iſt uns 

gefaͤhr drittehalb Fuß lang und nicht giftig. Ihre 
Haut iſt braun und weiß, mit etlichen untermiſch⸗ 
ten gelben Flecken. Die Amerikaner brauchen ſie 
zu Ueberzuͤgen fuͤr Peitſchenſtiele, die davon ein 
recht huͤbſches Anſehn kriegen. | 

Die Kingelſchlange! iſt ungefaͤhr zwölf Zoll 3 | 
der Korper ift ganz ſchwarz, bis auf einem gelben 
Ring, der ihr um den Hals geht, und wie ein 
ſchmahles Band ausſieht. Dieſe Schlange wird oft 
zwiſchen Baumrinden oder alten Kloͤtzen gefunden. 

Die zweykoͤpfigte Schlange. Die einzige 
Schlange von dieſer Art, die man in Amerika ge⸗ 
ſehn hat, ward im Jahre 1762 am See Schamplain 
von Herrn Park aus Neuengland gefunden, und 
an Lord Amherſt geſchickt. Sie war ungefähr einen 

Fuß 


Auf lang, und ſah wie eine gemeine Schlange aus, 


nur hatte fie zwey Köpfe, die am Halſe zuſammen 


ſaßen. Ich wage es nicht zu entſcheiden, ob dies 
eine beſondre Art von Schlangen war, die ihre Art 
fortpflanzen konnte, oder ob ſie zu den Misgeburten 
unter den Schlangen gerechnet werden muß. 


Die Geſtalt der Landſchildkroͤte “) iſt zu be⸗ 
kannt, als daß ich ſie beſchreiben duͤrfte. Es giebt 
ſieben bis acht Arten davon in Amerika, wovon 
einige ungemein ſchoͤne und mannigfeltige Farben 
haben. Von vielen haben die Schilde rothe, grüne 
und gelbe Flecken, die eine Menge kleiner Vier⸗ 
ecken bilden. Die kleinſten darunter ſind die ſchon⸗ 
‚Ben und man glaubt, daß ihr Biß giftig ſen, 

Eidechſen. | 

Es iebt zwar eine Menge verſchiedner Arten von 


dieſen Gefchöpfen, in der Gegend, welche ich bes 


ſchreibe, allein ich will nur die beyden merkwuͤrdig⸗ 
ſten davon, die geſchwinde und die langſame Ei⸗ f 
dechſe anführen. | 
Die geſchwinde Eidechſe 9 iſt ungefaͤhr ſechs 
Zoll lang, hat vier Beine und einen Schwanz. 
C3 Der 

) Teftudo ſcabra L. 
) Lacerta agilis L. Dies iſt die gemeine europaͤiſche 


Art, die aber in Amerika und Indien weit ſchoͤner 
iſt, als bey uns. 


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488 
Der Körper iſt re an mit dunklen Strichen, 
die mit gelb ſthattirt find, geſtreift. Das Ende 
des Schwanzes iſt durchgehends blau. Sie iſt ſo 
behende, daß man ſie in einem Augenblicke aus dem 
Geſichte verliehrt, und ſelbſt das beſte Auge kann 

ihre Bewegung kaum bemerken; ſo daß man eher 
von ihr ſagen kann, man habe ſie verſchwinden, als 
weglaufen geſehn. Sie ſollen durch ihren Biß ver⸗ 


giften, allein fie find nicht gefährlich „ da ſie nie⸗ 


mand, der ſich ihnen naͤhert, anzugreifen wagen, 
| ſondern vielmehr plotzlich zu entfliehn ſuchen. 
Die langſame Eidechſe hat einerley Geſtalt mit 
der geſchwinden allein ihre Farbe iſt braun, und 
auſſerdem iſt ſie grade ſo langſam als jene geſchwind 
if. Beyde Arten find ungemein fpröde, und brechen 
nahe am Schwanze ſo leicht ab, als ein Eiszapfen. 

Unter den kriechenden Thieren in Amerikg giebt 

es eine Krötenart, die Baumkroͤte ) genannt, 
die faſt die naͤmliche Geſtalt „ als die gemeine, 
aber laͤngere Klauen hat, und dabey kleiner iſt. 
Man findet fie gewohnlich auf Baͤumen, wo ſie ſich 
feſt an die Rinde hänge, oder in den Spalten der⸗ 
ſelben ſteckt. Sie ſieht der Farbe des Baumes, 
an welchem ſie klebt, ſo aͤhnlich, daß man ſie kaum 
davon 


9 Dies ift vermuthlich der braunrothe amerifanifche 
Laubfroſch, eine Abart des gemeinen Rana arborea L. 


Be 4 


davon unterſcheiden kann. Man hoͤrt fie blos in der 


Morgen⸗ und Abenddaͤmmerung, oder grade vor und 


nach einem Regenſchauer, und alsdann macht ſie 
ein quackendes Geraͤuſch, das aber durchdringende 


iſt, als bey einem Froſche, und in einer großen Eut⸗ 


fernung gehört werden kann. Sie hält ſich in den 


Gehoͤlzen in ſolcher Menge auf, daß das Ohr dadurch 
von allen Seiten betaͤubt wird. Es iſt blos ein Som⸗ 
merthier, und verſchwindet im Winter gaͤnzlich. 
| Inſeckten. 
Die i innern Theilen von Nordamerika haben faſt 
die nämlichen Inſeckten, die man in andern Gegen⸗ 


den unter eben den Graden der Breite antrift; und 


ihre Arten ſind ſo zahlreich, und dieſe haben wieder 
ſo viele Spielarten „daß eine genaue Beſchreibung 
von allen ein ganzes Buch ausmachen wuͤrde. Ich 


werde mich daher blos auf drey Arten einſchraͤnken, 


die, wie ich glaube, dieſem Lande beſonders eigen 


ſind: naͤhmlich die Blitzwanze, die Waſſerwanze, 


und die Hornwanze. 
Die Blitz wanze “) oder Feuer fliege (ighining- 
bus or Arefly) it ungefähr ſo groß, als eine“ Biene, 
ee Ä allein 


) Zu dieſer Art von leuchtenden Käfer gehören ver: 


muthlich die Linneiſchen Lampyris pyralis, mar gi- 
nata, hefpera, ignita und lueida, die man in Nord⸗ 
amerika antrifft. 


N 


408 . | 
allein ſie gehört zu den Kaͤfern, da fie, wie 1 diese In⸗ 
ſeckten, zwey Paar Fluͤgel hat, von denen das 
Obere zu ihrer Sicherheit von einem ſehr harten 
Gewebe iſt. Wenn fie fliegt, und ihre Flugel 
ausbreitet, ſo zeigt ſich darunter eine Art von Haut, 
die faſt die Form von Fluͤgeln hat, und einen Glanz 
von ſich wirft. So wie das Inſeckt fortfliegt, 
giebt ſie dem ganzen hintern Theil des Koͤrpers das 
Anſehn von einer glaͤnzend feurigen Kohle. Wenn 
man ſieſauf die Hand ſetzt, fo ſcheint bloß der untere 
Theil, und wirft fein Leicht auf den Gegenſtand der 
unter ihm iſt. Allein ſo bald es ſeine Fluͤgel aus⸗ 
breitet, um weg zu fliegen, wird der ganze Körz 
per, der hinter ihnen liegt, erleuchtet. Ihr licht 
iſt ſelbſt während ihres Fluges nicht von einerley i 
Groͤße, ſondern ſcheint von der Ausdehnung oder 
Zuſammenziehung der leuchtenden Haut abzuhaͤn⸗ 
gen. Es iſt weit mehr einem wuͤrklichen Feuer 
aͤhntich, als das Licht, welches trocknes Holz und 
verſchiedne Fiſcharten bey Nacht von ſich werfen. 
Dieſe Feuerfliegen ſcheinen ihre Vorzuͤge und die 
beſte Zeit, ſie ſehn zu laſſen, zu kennen, da man 
ſie bey dunklen Naͤchten immer in weit groͤßern 
Haufen antrifft. Man findet fie blos in den Som⸗ 
! mermonathen, Junius, Julius und Auguſt, und 
auch alsdann blos bey Nacht. Ob ihre dunkel⸗ 
braune 


unſchaͤdlich. Man kann fie ſich ficher auf der Hand 


Gegenden, wo man ſie fuͤr einen Haufen von un⸗ 

zaͤhlbaren fliegenden Lichtern halten ſollte. In dunk⸗ 
len Naͤchten, wenn es ſtark blitzt, ohne zu regnen, 
hat es das Anſehn, als wenn ſie mit den Blitzen 
wetteiferten; denn in den Zwiſchenraͤumen, da man 
keinen Blitz ſieht, ſind ſie ungemein fluͤchtig, und 


Beine, womit ſie uͤber die Flaͤche des Waſſers mit 


daß ſie blos daruͤber e t 


Bose 409 


braune Farbe daran ſchuld iſt, daß man ſie bey 
Tage nicht bemerkt, oder ob ſie ſich in Spalten 
und Löcher verkriechen, kann ich nicht entſcheiden. | 
Man finder fie vorzuͤglich in niedrigen moraſtigen 


bemühen ſich, jeden Lichtſtrahl, den ſie in ihrer Ges 
walt haben von ſich zu werfen; doch find dieſe In⸗ 
ſeckten ungeachtet ihres glänzenden Scheins völlig 


herumkriechen laſſen, und wenn man fuͤnf oder ſechs 
neben einander ſetzt, und alle ihr Licht zugleich von 
ſich werfen, ſo kann man die kleinſte gebtüee 
Schrift daben been | 


Die Waſſerwanze 9 ift . e von 
der Große einer Erbſe, und faſt oval; fie hat viele 


ſolcher unglaublichen Geſchwindigkeit fortlaͤuft, 


) Dies iſt wahrſcheinlich eine Art tipula L. a 


410 e, 


— 


| Die gehoͤrnte Wanze, ) oder wie man ſie 
zuweilen nennt, der Sirſchkaͤfer, iſt dunkelbraun, 
oder faft ſchwarz. Seine Länge, beträgt ungefähr 
anderthalb Zoll, und feine Breite einen halben Zoll. 
Er hat zwey große Hoͤrner, die an jeder Seite 
des Kopfes herauswachſen, und wagrecht an einan⸗ 
der ſtoßen. Sie haben Enden wie ein Hirſchge⸗ 


weib, wovon er auch den Nahmen hat. Er kann 


damit ziemlich ſtark kneifen. Dieſe Hirſchkaͤfer 
fliegen des Abends herum, und werden den Leuten, 
die ſich alsdann auf dem Felde e „ſehr bes 
ſchwerlich. e | 

Ich muß = anfuͤhren, daß di hiefi, ige Heu⸗ 
ſchrecke en Locuft) ein fiebenjähriges Thier iſt, 
da man ſie, einige wenige Schwaͤrmer abgerech⸗ 
net, nur alle ſieben Jahre ſi eht. Aber alsdenn 
kommen ſie nach dieſen Gegenden und den inlaͤndi⸗ 
ſchen Pflanzſtaͤdten in großen Haufen, und thun 
vielen Schaden. Man nennt die Jahre, in denen 
ſie anzukommen pflegen, aan die Heuſchref 
1 IRA 1 

0 X Nein, 
N 15 Eine kleinere Art von dem e Hirſchtifer 

Lache cervus. 


er) Gryllus zeriſtetus L. Kalm erzaͤhlt, daß ſie nur 
alle ſiebenzehn Jahre ſich Haufenweiſe ſehn laſſen, 
und blos den Baͤumen ſchaͤdlich find, 


% 


Neunzehntes Kapittel. 
Von Baͤumen „Geſtraͤuchen, Wurzel, 
| Kräutern und Blumen. 


6000 
ul 


* 


Jo werde bier eben die Methode beobachten, 
welcher ich im vorhergehenden Kapittel ge⸗ 
folgt bin; nemlich zuerſt ein Verzeichniß der 
Baͤume u. ſ. w. geben, die in den innern Theilen 
von Nordamerika einheimiſch find, und darauf dies 
jenigen beſchreiben, die ſich von den Arten in ans 
dern Laͤndern unterſcheiden, „ oder doch bisher nur 
wenig bekannt geweſen ſind. | | 


Von Bäumen. | 

Von Bäumen giebt es hier Eichen, F chten, Ahors 
ne, Aeſchen, amerikaniſche Tannen, Baß oder 
weiſſe Holzbaͤume, C edern, Ulmen, Birken, Tannen, 
Schotendorne, Pappeln, kanadiſche er, Da 
buchen und Knopfbaͤume. \ 
Die Eiche. Es giebt verſchiedne Arten von 
Eichen in dieſen Gegenden, die ſchwarze, ) die 
weiſſe, ) die rothe, ) die gelbe, die graue, * —9 
die Wanna D und die Men 1: 
Die 


% 


| 0 Odlerchs nigra L. *) reti alba L: 
Kan) Quercus rubra L. ** KN) Quereus robus L. 
1 Quercus phellos L. +) Quercus prinus. 


\ 


412 
Die fünf erften find in ihrem Aeuſſerlichen der Ge, 
ſtalt der Blätter und der Farbe der Ninden einander 
fo ahnlich, daß man fie kaum von einander unter⸗ 


ſcheiden kann. Allein wenn man den Stamm des 
Baumes durchſaͤgt, fo zeigt ſich der Unterſchied, 0 


welcher vorzuͤglich auf der Farbe des Holzes be⸗ 


ruht, das ſonſt von allen ſehr bart iſt, und ſich gut 


zum Bauen ſchickt. Die Weideneiche iſt von den 
andern weſentlich unterſchieden, da ihr Blatt kleiner 
und anders geſtaltet, und ihre Rinde glatter if 
Aſſerdem waͤchſt ſie blos auf feuchtem ſteinigten 
Boden. Ihr Holz iſt das zähefte, das man kennt, 
und bey aller ſeiner Staͤrke doch ſo biegſam, daß 


man es oft ſtatt Fiſchbein braucht. Die Kaſta⸗ 


eo 


nieneiche unterſcheidet ſich vorzuͤglich durch ihre 


Blaͤtter, die denen von einem Kaſtanienbaume ſehr 
ähnlich find, woher fie auch ihren Nahmen hat. Sie 


iſt weder ſo ſtark wie die erſten Arten, noch fo zähe 


als die letztere, allein es laſſen ſich gut Latten daraus 


ſpalten, die man zu Zaͤunen braucht, wozu ſie vorzuͤg⸗ 
lich gut find, da fe in freyer Luft lange aushalten. 
Die Sichte. Die haͤufigſte Art von dieſem Ges 


ſchlechte in den hieſigen Gegenden iſt die Weiß⸗ | 


tanne,) die ich nicht zu beſchreiben brauche, da 
dus Holz von ihr n uns unter dem Nahmen 
Tannen, 


*) Pius picea L. 


— 


eine erſtaunliche Höhe und Größe, und giebt vor⸗ 


ken, Tiſchen und Flintenkolben ſehr hoch geſchoͤtzt. 
Das von der weichen Art unterſcheidet ſich durch 


weichen Ahorn weit größer und dunkelgruͤner. 


5 e 413 
Tannendielen (deal) ſo bekannt iſt. Sie erreicht hier 


treflichen Terpentin, aber nicht in ſolcher Menge, \ 
als ſie es in den nordlichen ändern von Europa thut. 


Der Ahornbaum. Von dieſem Baume 
giebt es hier zwey Arten, die harte und die weiche. 
Beyde liefern einen füßen Saft, aus dem die In⸗ 
dier einen guten Zucker kochen. Allein der Saft von 
der erſten iſt weit reichhaltiger und f üßer, als von 
der letzten, die ihn hingegen in groͤßrer Menge 
giebt. Das Holz von dem barten Zuckerahorne 
hat ſchoͤne Adern und Wellen, und wird zu Schraͤn⸗ 


ſein Gewebe, worinn man den bunten Kern der 
harten vermißt. Sie waͤchſt auſſerdem grader, 
hat weniger Zweige und laͤßt ſich leichter ſpalten. 
Die harte waͤchſt auf Bergen und Anhoͤhen, und 
die weiche auf Wieſen und niedern Gruͤnden. Die 
Blaͤtter haben einerley Geſtalt, nur ſind die vom 


Die Eſche. Es giebt verſchiedne Arten Eſchen 
in dieſen Gegenden, allein ich werde blos die gelbe ) 
beſchreiben, die nirgends, als an den Hauptarmen 


* 775 N i | N 5 des 
) Acer ſacharinum L. i je 


) Fraxinus Americana L. 


414 | * ne. 1 

des Miſſtſippi ug egen wird. Sie erreicht eine 

erſtaunliche Höhe, und ihr Stamm iſt fo feſt und 
geſund, daß die franzöſiſchen Handelsleute, die 


bon Souifiana nach dieſen Gegenden gehn, um Pelz 


werk einzukaufen, Piroguen daraus machen. Sie 
biͤhlen ſie mit Feuer aus, und bringen alsdenn ihre 
erhandelten Waaren darinn nach Neuorleans, wo 
ſie einen guten Markt für ihr Fahrzeug und ihre 
Ladung finden. Das Holz von dieſem Baume iſt 
dem von der gemeinen Eſche ſehr ahnlich, allein er 
unterſcheidet ſich von allen andern durch ſeine 
Rinde. Die aͤuſſerſte Rinde iſt faſt acht Zoll dick, 
und hat viele mehr als ſechs Zoll tiefe Ritzen, wo⸗ 
durch die größeren Stämme ein ungemein rauhes 
Anſehn erhalten, und von andern Baͤumen leicht 
unterſchieden werden konnen. Der Baſt oder die 
innere Rinde iſt ſo dick, als bey andern Baͤumen, 
und hat eine ſchoͤne hellgelbe Farbe. Wenn man 
dieſe Rinde nur obenhin angreift, ſo faͤrbt ſie ſchon 
die Finger ſo gelb, daß man ſie kaum wieder rein 
waſchen kann. Und wenn man gar im Fruͤblinge 
die Rinde abſchaͤlet, und den Saft beruͤhrt der 
zwiſchen ihr und dem Stamme des Baumes ber⸗ 
vorquillt, fo befleckt er die Finger ſo ſtark, daß ſie 
etliche Tage davon gelb bleiben. Ich zweifle nicht, 
daß die Zeit viele a Eigenſchaften an dieſem 
Baume 


ein Baum von mittler Größe, und hat das weiſſeſte 


Faͤrbekunſt von großer Wichtigkeit ſeyn. 


lich ſind. Sie iſt von gar keinem Nutzen „und 


415 
Baume beten wird, wenigſtens muß er fuͤr die 


Die amerikaniſche Tanne *) waͤchſt überall in 
Amerika. Sie erreicht eine beträchtliche Größe, 
und hat Blaͤtter, die denen vom Eichenbaume aͤhn⸗ 


wird dem Boden blos zur Laſt, da ihr Holz von 
ſehr groben Korne und voller Borſten und Ritzen iſt. 
Der Baß ) oder der weiſſe Solzbaum iſt 


und weichſte Holz, das man nur finden kann. 
Wenn es ganz trocken iſt, ſo ſchwimmt es wie 
Korkholz auf dem Waſſer. Die Drechsler machen 
in den Kolonien Schaalen, Teller und Schuͤſſeln 


| daraus, die bald glatt durch den Gebrauch werden, | 


feuchtet in einem Augenblicke die Konſiſtenz und 


und lange halten. Allein zu jedem andern Ge⸗ 
brauche iſt es gar nicht dauerhaft. 

Der Wickopick oder Suckwick ſcheint eine 
Art von weiſſem Holzbaume zu ſeyn, von welchem 
er ſich durch eine beſondre Eigenſchaft ſeiner Rinde 
unterſcheidet, die geſtoßen und mit Waſſer ange⸗ 


ii = Kͤlebrig⸗ 


) Abies Americana fohi is er obtufiufeulis bifa- 
riam verfis conis fubrotundis Miller Gerd. BR 
Hemlock tree. | 


**) Vermuthlich eine Art von Linden. 


) 


Klebrigkeit von Kleiſter erhält. Die Indier brau⸗ 


chen fie, ihre Kanoe damit auszuſchmieren, und 
ſie iſt zu dieſem Endzwecke Pech und jedem andern 
Material weit vorzuziehn. Denn auſſer ihrer 
Klebrigkeit iſt ſo viel Oel darinn enthalten, daß 
das Waſſer nicht durchdringen kann; eine Eigen⸗ | 


ſchaft, die ſie ſehr lange behaͤlt. 


Der Knopf baum) gehört zu den groͤßten 


Baͤumen, und kann leicht an ſeiner Rinde erkannt 
werden, die vollig glatt und ſehr huͤbſch gefleckt iſt. 
Das Holz ſchickt ſich ſehr gut zu feiner Tiſchlerar⸗ 
beit. Es hat viele kleine harte Knoten, die von 


den Zweigen herruͤhten, und Knöpfen ſehr ahnlich 1 


ſind; wovon auch ohne Zweifel der engliſche Nahme 
burtonwood, Knopfholz, herzuleiten iſt. 


Der Butter oder Oehlnußbaum.) Da noch 9 
fein Schriftſteller dieſes Baumes erwähnt hat, fo 


werde ich in meiner Beſchreibung deſto umſtaͤndli⸗ 
cher ſeyn. Dieſer Baum waͤchſt vorzuͤglich auf 
Wieſen in reichen und warmen Boden. Sein 


Stamm wird ſelten über. drey Fuß im Umkreiſe dick. 


Er hat viele Aeſte, die ſich in kurze und ſtumpfe 
| e theilen, und ‚eine Blätter find Wallnußs 
blaͤttern 


u) o oecidentalis I. button wood. 


a) juglans oblonga Milleri, fructu ua profun- | 


diſſime inſculpto? 


| 417 
laͤttern fehr aͤhnlich. Die Nuß hat eine Schale 
wie eine Wallnuß, die aber, wenn ſie reit ft, mehr 
Falten krigt, und ſich leichter zer drucken laßt. 
Sie iſt auſſerdem weit länger und dicker, als eine | 
Wallnuß, und hat einen größern Kern, der ſehr | 
viel Oehl enthält und ungemein angenehm riecht. | 
Man würde gewiß aus dieſem Kerne ein weit reines 
res Oehl, als aus Oliven, preſſen koͤnnen. Die 
innere Rinde dieſes Baums faͤrbt schon purpur, und 
foll bald dunkler bald heller ſeyn, wobey es auf den Mo⸗ 
nath ankommt, in welchem ſie geſammlet worden. 
Die Buche. Dieſer Baum iſt zwar der euro⸗ 
paͤiſchen Buche völlig gleich, allein feine Fruͤchte 
ſind hier eben ſo gut, als Kaſtanien, und dienen 
Bären, Mardern, Eichhörnchen, Rebhuͤhnern, Ras 
lekuten, und vielen andern Thieren und Vögeln: 
e Die eigentliche Nuß bat ein Ge⸗ 
haͤuſe, das dem von einer Kaſtanie ahnlich ‚ aber 
doch nicht vollig ſo rauh iſt. Die innere Schafe 
iſt ebenfalls fo glatt, als bey dieſer, nur iſt ihre 
Geſtalt faſt dreyeckigt. Sie liegen in großen Hau⸗ 
fen in den Waͤldern umher. Die Blaͤtter, die eine 
weiſſe Farbe haben, bleiben den e Winter 
uͤber auf den Baͤumen ſitzen. Eine Abkochung 
davon iſt ein ſicheres und geſchwindes Heilungsmit⸗ 
tel bey Brandſchaden und  Sroftbenien, | EP 
Carvers Reiſen. D Die 


x 


U 


lich, nur iſt fie kleiner, ungefähr ſo groß, als eine 


mittelmaͤßige Eichel, und eyförmig. Die Schale 
llaͤßt fich leicht zerdruͤcken, und ihr Kern hat die Ges 


ſtalt von einem Wallnußkern. Dieſer Baum * 
vorzuͤglich am Fluſſe Illinois. | 
Der weiſſe Wallnußbaum ) trägt eine 
Frucht, die der gemeinen Waͤllnuß faft gleich kommt. 
Es giebt verſchiedne Arten davon, die ſich blos 


durch die Farbe des Holzes unterſcheiden. Es iſt | 


ſehr zaͤhe, und wird daher zu Arrſtielen und der⸗ 
gleichen groͤßtentheils gebraucht. Es giebt auch 
ſehr gutes Brennholz ab, aus dem, wenn es brennt, 
ein vortreflicher Zucker heraustr oͤpfelt. 

Alle hieſigen Fruchtbaͤume werden freywillig von 
der Natur ohne propfen, umpflanzen und düngen 
hervorgebracht. 

Der wilde eee traͤgt 
weit größere: und beſſer n Ae ö als 
f der europaͤiſche. I 


Von Pflaumenbeumen giebt es in deer | 


Gegend zwey Arten. Eine die en der einen Seite 
u ar any iX en 3 I a 12 ins 


wa 
U j; 
2 


Nik 5 Juglans en L.; . 1 . N 
ba a) Juglans alba L. Hickory. 
e) Pyrus coronaria L. 
26) prunus domeſtiea L. 


Die Pekanuß ) iſt einer Wallnuß etwas aͤhn⸗ 


[1 


8 1 
r 
. * 90 \ * ” 
3 RT 
Eee, 


| 1 R 419 
ins purpurfarbene, auf der andern aber ins röth⸗ 
liche fälle, und eine ganz gruͤne, die viel kleiner 
iſt. Beyde haben einen ſehr guten Geruch, und | 
‚werden von ven Indiern ſehr geſchaͤtz, deren Ges | 
ſchmack durch Künſteleien noch nicht verdorben, 
und mit den unverbeſſerten Produkten der Ratut 
zufrieden iſt. | 5 

Es Hebnter drey Arten von Nirſch er, der 
cher ze, rothe und Sandkirſchenbaum. Man koͤnnte 
die beyden letzten zwar fuͤ glicher zu den Straͤuchen 
rechnen, da der Buſth, der d die Sandkirſchen trägt, 
faſt nur über der Erde wegkriecht, und der andere 
nicht uͤber acht bis zehn Fuß hoch wird, allein ich 
werde ſie dennoch alle hier beſchr eiben. Die ſchwar⸗ 
zen Kirſchen ſind ungefähr fo groß wie Johannis⸗ 
beeren, und haͤngen dicht bey einander wie Trau⸗ 
ben. Die Bäume; die ſte tragen, ſind ungemein 
fruchtbar, und ſitzen gewöhnlich ſehr voll davon. 
Die Frucht ſelbſt laͤßt ſich nicht gut eſſen, allein ſie 
giebt dem Branntewein einen guten Geruch, und 
faͤrbt ihn wie rother Wein. Die rothen Kirſchen “) 
wachſen ebenfalls im größten Ueberfluſſe und haͤn⸗ 

gen buͤſchelweiſe, wie die eben beſchriebene ſchwarze 
Art, ſo daß die Bf: he, auf denen fie ſitzen, in 
der Ferne, wie feſte Körper von einer rothen 
e Ma⸗ 


0 Prunus canadenſis L. 


ER 


— 


4²⁰ 


vorhin d die Sandkirſchen, ) welche ſo wohl die rothen 
als ſchwarzen an Geruch und Groͤße weit uͤbertref⸗ 
fen, beſchrieben habe, fü ſo will ich mich bier nicht 
dabey aufhalten. Das Holz vom ſchwarzen Kir⸗ 


ſchenbaume 7) iſt ſehr nuͤtzlich „und ſchickt Ni zu | 


feiner Tiſchlerarbeit ungemein gut. 


Von Geſtraͤuchen. 


Von Sefträuchen findet man! hier Weiden, Bein, | 


1 Sumach, Saſſafras, ſtachlichte Eſchen, 
Lederholz, vöffelbaume, große Flieder, Zwergflie⸗ 


der und giftige Flieder, Zwergeichen, Wacholder, 40 


Mtterte ausſehn. Einige‘ eute eſſen ſie ehr, gern, Ä 
ungeachtet ſie etwas von den Eigenſchaften und dem 
Geſchmack des Alauns an ſich haben. Da ich ſchon 


ſuͤßes Farnkraut, (Sw eetfern) Lorbeerbaͤume, Heren⸗ 


haſel, Myrten, Wintergruͤn, Fieberbuͤſche, Krons⸗ 


beeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Hinbeeren, 


e en Balkberries und Stickbeerenbuͤſche. 


Die Weide. Es giebt hier verſchiedne Weiden⸗ 


arten, wovon die merkwuͤrdigſte eine kleine Art 
iſt, die am Ufer des Miſſiſippi und in den benach⸗ 
barten Gegenden waͤchſt. Die Rinde dieſes Strau⸗ 


De sin! dem BI fine Winternahrung, Seine 
Wur⸗ 


5 * Prunus e F.. 
*) Prunus Virginiana L. 


9 0 


— 


42¹ 


| Wurzen ſcheinen, wenn das Woſſerdie Erde, welche 
fie bedeckt, abgeſpuͤlt hat, aus einer Menge mit 
einander durchwebter Faden zu beſtehn, dle eine 
unbeſchreiblich ſthoͤne Scharlachſarbe haben. Mit 
dieſer Farbe faͤrben die Indier viele von ihren zum 
Putz gehörigen K Kleidungsſtuͤcke. 
Die Beinwinde.) Dieſer auſſerordentliche 
Strauch waͤchſt in Waͤldern. Er ſteigt wie eine 
Weinrebe auf, laͤuft ſechs bis acht Fuß lang uͤber 
den Boden weg, und ſchlaͤgt darauf von neuem 
Wurzel. Auf dieſe Art, da er bald aufſteigt, bald . 
Wurzel ſchlaͤht, nimmt er einen großen Raum ein, 
N wodurch er einem eilfertigen Wanderer ſehr be⸗ 
| ſchwerlich wird, da man fich die Fuͤße leicht Baer | 
verwickeln kann. 5 
Saſſafras !) iſt ein Holz, V das wegen feines 
mediziniſchen Nutzens hinreichend bekannt iſt. Man 
könnte es eben ſo gut unter die Bäume, als unter 
die Geſtraͤuche zählen, da der Stamm zuweilen 
dreißig Fuß hoch wird. Allein gewohnlich erreicht 
er nur die Hohe eines Strauches. A Blaͤtter 
e e ede 75 geben 


— 


8 Dies iſt unſtreitig eine gianenart (Epidendrum) | 
von denen man viele Gattungen in Afrika und 
Amerika antrifft, und die billig eine beſondre natur 
liche Ordnung ausmachen jollten. 


N ** Laurus ſaſſafras L 


geben einen ſehr guten Geruch, ſie ſind ziemlich 


groß und faſt i in drey Theile gerheilt. Der Strauch 


trägt eine braurothe Beere, die ſaſt die Größe und 


SGeſtalt von Jamaikaniſchen Pieffer (Pimento) hat, 


und in den Kolonien zuweilen an ſeiner Stelle ger 
braucht wird. Die Rinde und die Wurzeln ſind 


zum mediziniſchen Gebrauche dem Holze weit vor⸗ 
zuziehn „und ich wundere mich daher ſehr, daß: man 
fie fo ſelten i in den Apotheken antrifft. 2 


Die ſtachlichte Eſche „) iſt ein Strauch „ der 


| zuweilen zehn bis funfzehn Fuß 5 0 wird, und 


deſſen Blatter Eſchenblaͤttern vollig ähnlich find. 


Seinen Beynahmen hat er von der Menge kurzer 95 


Dorne, womit jeder Zweig bedeckt iſt, und wodurch 
er an Orten, wo er häufig ſteht, den Voruͤberge⸗ 
henden ſehr beſchwer lich wird. Die Rinde dieſes 


Strauches vorzuͤglich von den Wurzeln, wird von 


den Eingebohrnen ſehr wegen ſeiner mediziniſchen 
Eigenſchaften geſchaͤtzt. Ich habe ſchon oben ein 
Beyſpiel von ſeiner Wuͤrkſamkeit angefuͤhrt, und 


es iſt gar kein Zweifel, daß eine Abkochung davon 


alle Unreinigkeiten aus dem DEN erben und 
gruͤndlich vertreibt. 


ge 


®) Aralia ſpinoſa arborefeens, caule foliisque aculeatis 


L. Sp. Pl. Mill. Gard. Die, W pen: Fr. 


due epineufe, 


©) 
0) 


* 


Ä | nn 423 
Das gederholz ) wird ungefaͤhr vier Fuß 
hoch, und treibt viele Zweige. Das merkwuͤr⸗ 
digſte daran iſt ft feine Rinde, die fo ſtark und bieg⸗ 
ſam iſt, daß ſie, zu welcher Jahrszeit man ſie auch 
abſchaͤlet, und flechten Mk eben ſo gute Stricke 
Kaps als Hanf. | 
Der Loͤffelbaum 72 iſt eine Art ue e 
ER fein Holz ſieht, wenn man ihn durchſaͤgt, We, 0 
baumbolze ſehr ahnlich. 
Der ſogenannte gige Sliederbaum h iſt Yin 
andern Fliederarten an Zweigen und Bfättern ſehr 
aͤhnlich, allein er waͤchſt weit grader, und kömmt 
blos in Moräften und auf feuchtem Boden fort. 
| Dieſer Strauch hat eine ganz beſondre Eigenſchaft, 
wodurch er gewiſſen euten giftig wird, ſelbſt wenn 
fie ſich ihm nur in einer Entfernung von etlichen 
Ellen nähern „da andre hingegen feine Rinde und "WR 
Blaͤtter ohne den geringſten Nachtheil kauen kn - 
nen. Sein Gift iſt jedoch nicht tödtlich, ungeach⸗ 
tet es ſehr gewaltſam wuͤrket, indem der Kopf und 
der ganze Korper davon zu einer ungeheuren Dicke 
aufſchwellen, und uͤberall mit einem Ausſchlage be⸗ 
Wc werden „der, wenn er ſeine Hohe, erreicht 
1 e e bat, 
x) Dirca palulis L. Moufewood- Leacherwood. 
* Kalmia lalifolia L. 


0 ** Rhus vernix 1. f 


= 


ſuchen. U 
Die dwergeiche > iſt der großen eiche 8 


424 ee 


bat, zuſammenfließenden Pocken ſehr abniich iſt Er 
waͤchſt in vielen Kolonien, wo die Einwohner den 


* * 


Wuͤrkungen feines Giftes durch Safranthee, und 


durch eine Salbe aus Sane und en ) zu ſieuem 


Holz und Blattern völlig ähnlich, und trägt eben⸗ 
falls eine Frucht wie Eicheln, allein ſie wird nie 
uͤber vier bis fuͤnf Fuß hoch, und hat dabey einen 
ſehr krummen und aſtigen Stamm. Man trifft 


ſie vorzuͤglich auf trockenem ſteinigten Boden an. 


Die Hexenhaſel *) iſt voller Zweige, und 


| wird ungefähr sehn Fuß hoch. Schon im May 


iſt ſie mit zahlreichen weiſſen Bluͤthen bedeckt. 
Wenn ſich ihre Bluͤthen zeigen, ſo ſehn es die 


Indier als ein Zeichen an, daß der Froſt vol⸗ 
lig voruͤber iſt, und daß ſie ihr Getreide ſicher 


ausſaͤen können. Man ſchrieb ihr eine anziehende 
Kraft gegen Gold und Silber zu, und brauchte 
Zweige davon zu Wuͤnſchelruthen; allein dieſe Ei⸗ 


e iſt e eben nicht ſehr gegruͤndet. 


e x 


| > Althea. 


) Quercus humilis, foliis oblongis obtuſe dentatis 
fruttibus fefilibus eonglomeratis Mill. Gard. Dict. 


Ri) Ulmus ſcabris foliis oblongo ovatis inaequaliter 
nie, calycibus foliaceis Miller? 


425 
Jedoch hat fi e bie Aeguben ihren Weben i 


| zu danken. 


Der Moyrtenſtrauch N wird Mi. vier 
bis fünf: Fuß hoch, feine Blätter find größer als 
bey der gemeinen Myrte, aber haben vollig den 


naͤhmlichen Geruch. Er traͤgt kleine Beeren, die 


gewohnlich Lorbeeren (bay berries) genannt werden, 
und eine leimigte Subſtanz enthalten, die, wenn 
man ſie kocht, auf dem Waſſer ſchwimmt, und zu 


einer Art von grünem Wackſe wird. Es wird 


nicht ſo ſehr geſchaͤtzt, als gewöhnliches Wachs, 
da es broͤcklichter iſt. Allein wenn man es mit 
gelbem Wachſe vermiſcht, fo laſſen ſich gute lichter \ 


| daraus machen, die beym Brennen einen febr ans 


genehmen Geruch geben. E 

Wintergruͤn gehoͤrt zu den 65 c a 
Straͤuchen, und iſt eine Art von Myrtenſtrauch. 
Man findet es auf trocknen Heiden. Seine Blu⸗ 


men ſind weiß, und haben die Geſtalt einer Roſe, 


doch ſind ſie nicht größer „ als ein Sechspfennig⸗ 
ſtuͤck. Im Winter ſitzt es voll rother Beeren, die 


ungefähr fo groß find, als Schlaͤhen. Sie find 


— 


glatt und rund, und erhalten ſich waͤhrend det ſtren⸗ 


gen Jahrszeit, in welcher ſie eben ihre größte Voll⸗ 
. e erreichen, dra die Waͤrme des 


5 * Myrve cexifera L 


| Schnees. Die Indier eſſen dieſe Beeren, und 4 
glauben, daß ſie den Magen ſehr ſtaͤrken. Die 
Einwohner in den innern Pflanzungen legen Rei⸗ 
ſer und Beeren in Bier, das ſie zur Blutreini⸗ 
gung beym Scharbock und fe ure kin 
ten trinken. 1 
Der Sieberbufch ii etwa fünf bis ſechs Fuß 5 
| boch. Er hat ein⸗ Blatt wie ſpaniſcher Flieder, 
(Syringa vulgaris L.) und trägt eine roͤthliche Beere 
von einem gewuͤrzhaften Geruche. Die Stengel 
daran ſind ſehr ſproͤde. Eine Abkochung von dem 
Holze oder den Knospen iſt ein vortrefliches Mittel ge⸗ 
gen Fieber. Auſſerdem iſt es ein altes indiſches Mit⸗ 
tel gegen alle Arten von Entzuͤndungen, und wird 
deswegen auch von den Aue der innern 
Pflanzungen ſehr geſchaͤtzt. e 
Per Aronbeerenbufch ) eee 
Die Frucht von dieſem Strauche iſt zwar der ger 
meinen Art, die auf kleinen Buͤſchen in Suͤmpfen 
und Moräften waͤchſt „an Größe und Form ſehr 
ähnlich; allein der Buſch ſelbſt wird zehn bis —4 
Fuß hoch, und wird nur ſelten angetroffen. 
man den gemeinen Sumpfbeerenbuſch, der — 8 
in Moraͤſten waͤchſt, nicht verpflanzen kann, ſo 
0 Würde e Art, wenn man a z einer gehörigen 


Zeit 


9 ku hifpidulum L. Cranberrybuſn. 


geit im der verfeßte y und gut wartete ein 
ſchaͤtzbares Geſchenk für Gartenfreunde werden, 
und vermuthlich noch beſſere Früchte geben, als jene. 55 


Der Stickbeer enbuſch, wie ibn die Einges 
bohrnen nennen, wird ungefät r fi uf bis ſechs Fuß 
boch, und traͤgt eine Beere von der Gr ße von 
Schlaͤhen, die eine agalhſchwarze Farbe hat, und 
in ihrem Fleiſche ver! ichiedne Körner enthaͤt. Der 
Saft dieſer $ Frucht iſt ihr es guren Geruchs unge⸗ 
achtet ſo herbe, und macht, wenn man ſie ißt, den 
u Mund und die Kehle 0 rauh, daß d der Musch davon 
ſeinen Rahmen erhalten bat. e en 


» 


} 


Alandwurzel, ) Narden, Angeliken, Sarſaparille, a 
Ginſeng, Erdnuͤſſe, ) wilde Kartoffeln, Suͤßholz, 
Schlangenwurzel, 1 Goldfaden „Weißwur⸗ 
zel, ) Teufelsabbiß, Blutwurzel, Zwiebeln, 
Knoblauch, wilde Paſtinaken j Allraun, 7 weif 
ſer ID und e HD Nieswurz | 


EN 


Von Wurzeln und Pfanzen. 15 


| Er 
9 ink helenium L; ** Antes Weeze L. 
FB Serpeitäria Virginiana L. N 
g 1 Convallaria poly e 1. | 
+) Atropa Mandragora E. + ) Veratrnm album. 
ns Helleborus niger l. Wannen e 


ee 


6 | x 
Marden) en wird gewohnlich in den 
Kolonien Petty-Morrel genannt. Dieſe Pflanze 
hat das völlige Anſehn von dem aſiatiſchen Narden, 
der von den Alten fo hoch geſthaͤtzt ward. Sie 
waͤchſt an Bächen auf felſi chten Stellen, und ihr 
€ tengel, der ungefähr ſo dick iſt, als ein Feder⸗ 
kiel von einer Gans, ſchießt wie Angeliken zu einer 
Hoͤhe von anderthalb Fuß auf. Sie trägt Buͤſchel 
von Beeren, die vollig wie Holunderbeeren aus⸗ 


5 ‚feben, nur daß fie etwas größer ſind. Dieſe Bee⸗ 


16 gefaͤ 12 


ren haben eine fb balſamiſche Eigenſchaft, daß ſie 
in einem Aufguſſe mit Branntwein ein ſehr ange⸗ 
| nehmes und berzſtaͤrkendes Mittel abgeben. 

Die Wurzel der Sarſaparille ) iſt der chaͤtz 5 
barſte Theil von der ganzen Pflanze. Sie iſt un⸗ 
r ſo groß wie ein Gaͤnſekiel, und lauft i in ver⸗ 


ſchiednen Richtungen mit vielen Kruͤmmungen! und 
Wendungen eine betraͤchtliche Strecke unter der 
Erde weg. Aus ihren Hauptzweigen entſtehn viele 
kleine Fibern, die alle zaͤhe und biegſam ſind. Gleich 
aus der Wurzel ſchießt ein anderthalb Fuß hoher 
Stengel hervor, der ſich an ſeinem obern Theile 
in drey Zweige theilt. An jedem davon ſitzen drey 

Blaͤtter, die ung gefaͤhr die Geſtalt und u von 
Ä | Wall⸗ 
9 Vale riana .celtioa L. 


*)) Smilax Sarlaparilla L. 


Wallnußblaͤttern haben, und aus einer Theilung 
N dfefer Zweige waͤchſt ein Buͤſchel von blaulicht⸗ 

weiſſen Blumen hervor, die den Nardenbluͤchen 
ſehr aͤhnlich ſehn. Die Rinde von den Wurzeln, 
die allein in der Medizin gebraucht werden ſollten, 
hat einen etwas bittern aber gewuͤrzhaften Ge 
ſchmack. Man ſchaͤtzt fie mit Recht wegen ihrer 
mediziniſchen Eigenſchaften. Sie erregt einen gelin⸗ 
den Schweiß, und iſt ein vortrefliches ee ein 
es Blut zu verduͤnnen. . 

SGinſeng iſt eine Wurzel, von der man ont 
gabe, daß ſie blos in Korea wuͤchſe, da ſie aus 
dieſem Lande uͤber Japan nach Europa kam. Allein 


man hat fie neulich auch in Nordamerika entdeckt 


wo ſie wild waͤchſt, und völlig von der naͤmlichen 
Guͤre iſt. Ihre Wurzel iſt einer kleinen Karrot⸗ 
tenwurzel ähnlich, aber nicht völlig ſo duͤnn am 
Ende. Sie theilt ſich oft in zwey oder mehrere 
Zweige, und waͤchſt in jedem Betracht wie die 
Sarſaparille. Die Wurzel ſchmeckt etwas bitter. 
1 den oſtlichen Landern von Aſien wird fie theuer 
verkauft „da man ſie als ein allgemeines Mittel 
anſieht, wozu jedermann i in allen moͤglichen Krank⸗ 5 
heiten ſeine letzte Zuflucht nimmt. Gelkaͤut ſtaͤrkt 
fie Neis den * 3 1 
* Gold⸗ 
* Für grüner * 0 


CC) 
430 


Goldkaden. Dies iſt eine Pflanze, die zu den 
kleinen Lanenarten gehört. Sie waͤchſt an ſumpfig⸗ 


ten Plaͤtzen, und liegt auf dem Boden. Die Wur⸗ 
zeln breiten ſich grade unter der Oberflaͤche des Mo⸗ 


raſtes aus, und laſſen ſich leicht bey Haͤndenvoll 
aufziehn. Sie ſehn einen großen verwickelten Knaͤul 


Zwirn von einer glaͤnzenden Goldfarbe ſehr aͤhn⸗ 


lich, und würden gewiß eine ſchöne und dauerhafte 
gelbe Farbe geben. Sie wird ebenfalls von den 


Indiern und Koloniſten ſehr bey allen Verletzun⸗ 
gen im Munde geihägt, allein ihr Gerda a un 


* bitter. 


Weiß wur; MN if eine Mn Inge, le an Flͤſen, i 


| it auf reichen Wiefen wächit. Sie wird im Gas 


zen ungefähr drey Fuß hoch. Die Blatter ſitzen 


in einer Hohe von zwey Füßen uͤber der Erde. Jede 1 


Fiber hat einen Eindruck, wie ein zwey gute (ro⸗ 
ſchenſtück, die ausſieht, als wenn ſie von einem 
Siegel entſtanden wäre. Man fe haͤtzt ne ſehr ! wer 
gen ihrer blutreinigenden Eigenſchaft. ö 

Teufelsabbiß J iſt ebenfalls eine Pflanze, die 
wild auf den Feldern waͤchſt, und hat ihren Rasten 
von einem Eindruck in der Wurzel, der von Zaͤhnen 
herzuruͤhren ſcheint. Die Indier behaupten, daß 
) Convallaria polygonatum L. 5 
=) Scabioſa ſuceiſa L. 9 


fie ehemals ein allgemeines Mittel gegen jede Frank 
heit geweſen ſey, der die menſthliche Natur ausge⸗ 
ſetzt werden kann. Allein ein böſer Geiſt habe die 
Menſchen wegen des Beſitzes dieſer Fräftigen Arze⸗ 
ney beneidet, und ihr einen n Theil ihrer 
Bm genommen. N * 

Blutwurzel iſt eine Art von Wegerich biet mit | 
ſeche bis ſieben rauhen Blaͤttern mit rothen Adern 
aus der Erde hervorkoͤmmt. Ihre Wurzeln find 
kleinen Karrottenwurzeln an Farbe und Geſtalt 
gleich. Wenn man fie durchbricht, fo hat die innre 
Seite eine are Farbe, als die aͤuſſere, und 
laͤßt etliche Tropfen Saft fallen, die wie Blut aus⸗ 
ſehn. Dieſer Saft iſt ein —. und ARCHE 
an | 


| en 
Von Kräutern findet man. bier, „Melſſt, Neffen, 9 


Fuͤnff. gerkraut, Augentroſt, Sanickel, Wegerich, 
Klapperſchlangenwegerich, Hungerwegerich, Kro⸗ 
tenwegeri ich, Steinbrech, 95 Grindwurz, ) Stein⸗ 
flechte, Guͤldenklee,s) Blutwurz, ) wilde Bohnen, | 
Gundelreben, ) Waſſerkreſſe . Tauſendguͤlden⸗ 
e eee Gargit, Seinktbierkoht 


| oder 
13 . ann, L. 5 Rumex acutus L. 
) Anemone hepatica, 2) Tormentilla reptans. 


*) Glechoma hederacea. ) Achilles millefolium. 
hr) Anthenis arvenſio, Maywecd, | 


438 


kraut?) wilde Erbfen, Mausbhrchen, en n In. 
digo, und Katzenkraut ö). 


Sanickel *) hat eine Wurzel, die ei dick it, 


und unten viele kleine Fibern hat. Die Blaͤtter 
ſind breit, rundlicht, hart, glatt, und fchön hell⸗ 


grün. Der Stengel bebt ſich uͤber ſie etwa einen 


Fuß in die Hoͤhe; er iſt ganz glatt und ohne Kno⸗ 
ten, und oben an ihm ſitzen verſchledne kleine Blu⸗ 
men, von einer roͤchlich weiſſen Farbe, die wie eine 
wilde Roſe ausfehn. Der Aufguß von der Wurzel 
iſt balſamiſch und giebt ein gutes Wundmittel ab. 


1 Rlapperſchlangenwegericb. Dieſe nuͤtzliche | 


Pflanze gehört zu den Wegerichen. Ihre Blärter 


breiten ſich über der Erde aus, und find ungefahr 
anderthalb Zoll breit, und fünf Zoll lang. Aus ih⸗ 


rem Mittelpunkte ſchießt ein kleiner ſechs Zoll langer 
Stengel hervor, der eine kleine weiſſe Blume traͤgt. 
Die Wurzel iſt ungefahr fd gr oß wie ein Gaͤuſekiel, 


und ſehr gekruͤmmt. Sie theilt ſich in verſchiedne 
Zweige. Die Blätter dieſer Pflanze ſind am 


1 gegen den Biß der Klapperſchlange, 
| | wovon 
. 1 Arum ee 1 robin. 
2) Verbafcum tapſus, Mullein.“ 
) Nepata cotaria. 10 
) Vermuthlich Saxifraga penfylvanica L. 


oder Poke, Zehrwurz, ) Betone, Sfabtofe, Woll⸗ 


wovon ie den Rahmen bat. Man * ſie und 
legt ſie gleich auf die Wunde, und nimmt zugleich 
etwas von dem Safte innerlich, wodurch gemeinig⸗ 


lich der Gefahr vorgebeugt wird. Die Indier ſind 
von der Kraft dieſes untruͤglichen Gegengiftes ſo 
uͤberzeugt, daß fie ſich fur etwas Branntewein von 


einer Klapperſchlange beiſſen laſſen. Es iſt merk⸗ 
würdig, daß grade zu der Zeit, da der Biß der 


” Pflanze ihre größte Vollkommenheit erreicht. 


Sungerwegerich Poor robin s plantain) ges 5 


bern mit der vorigen zu einer Art, nur iſt er in jedem 
Betracht weit kleiner. Er hat ſeinen Namen von 
ſeiner geringen Größe, und dem ſchlechten Boden, 
auf welchem er waͤchſt. Er iſt für die Arzneykunde 


von einiger Wichtigkeit, da man ihn oft mit Erfolg 


bey Fiebern und innerlichen Schwachheiten braucht. 


Kroͤtenwegerich iſt dem gemeinen Wegerich 
äbntich nur treibt er weit mehr Blaͤtter, und bat 
ſeinen Nahmen von den Kröten, bie 10 gern un⸗ 
ter ihm aufhalten. EN 


Steinflechte“) iſt eine A Art von Flechten Aicher 


die ul Felſen waͤchſt, und wird fuͤr ein cher N 


| Mittel gegen wen. gehalten. 


„ ben Mende 17 Hop 
Carvers Reiſen. Ee 


— 


am, 7 


Klapperſchlange am giſtigſten wird, auch dieſe 


Bee | 


Gargit oder Skoke iſt ein großes wild wachſen⸗ 
des Kraut, deſſen Blatter ungefähr ſechs Zoll lang, 
und drittehalb Zoll breit ſind. Sie ſind Spinat⸗ 
blaͤttern an Farbe und Gewebe, aber nicht an Ge⸗ 
ſtalt ahnlich. Die Wurzel iſt ſehr groß, und aus 
ihr kommen verſchiedne Stengel hervor, die acht 
bis zehn Fuß hoch werden, und rothe Beeren tra⸗ 
gen. Dieſe Beeren hangen im September buͤſchel⸗ 
weiſe daran, und werden Taubenbeeren genannt, 
weil ſich die Tauben um dieſe Zeit größtentheils 
davon naͤhren. Wenn die Blaͤtter noch zart und 
jung find, fo geben fie gekocht eine nahrhafte und 
geſunde Speiſe ab, aber wenn ſie ihrem volligen a 
Wachsthum nahe kommen, T werden ſie etwas 
si 5 0 man einem enen hn, 


Hegg. ſtark an e a 1 1 ei ce | 
a Stinkthierkohl oder Pole ein Kraut „ Das 
an eu ten a und a n eee MR kr | 


2 Zoll 2 und d fast al, = re etwas z 
ſpitzt. Die Wurzeln beſtehn aus einer Menge Fibern, 
von denen man eine Abkochung aͤuſſerlich zur Hei⸗ 

lung der Kraͤtze in den Kolonien braucht. 2 
ſelbſt hat einem ſtarken Geruch, der dem vom Stink⸗ 

thiere etwas MER iſt, ſeinen Namen zu danken. 1 


das Kraut 


“als nz Aal EE Sehr | | 


435 


6 wächst in Fee Gegenden. 

Seine Wurzel iſt einer kleinen Ruͤbe ähnlich, und 
| verurſacht aufder Zunge, wenn man ſie leckt, eine 
Entzuͤndung, und veraͤndert ihre natuͤrliche Geſtalt 
in eine runde harte Subſtanz. In dieſem Zuſtande 

bleibt ſie einige Zeit, ohne daß irgend ein andrer 
Theil des Mundes dabey litte. Wenn man ſie 
trocknet, ſo verliehrt ſie ihre zuſammenziehende 
Eigenſchaft, und wird zu einer guten Arzney. 
Denn wenn man fie alsdann im kalten Waſſer 
reibt, und e einnimmt, ſo iſt ſie bey allen 9 a 
ten der Eingeweide ſehr wuͤrkſam. | 
Wilder J Indigo *) iſt ein Kraut von der naͤm⸗ 
lichen Art, als das, woaus man in den ſüͤdlichen 
Kolonien Indigo macht. Es ſchießt in einem 
Stengel fuͤnf bis ſechs Zoll hoch auf, und theilt ſich 
alsdann in viele Zweige. Auf dieſen Zweigen ſitzt 
eine Menge kleiner harter bläufichter Blätter, die 
ſehr breit werden, und zwiſchen dieſen Blaͤttern 
kommt eine gelbe Blume hervor. Sein Saft Ka” N 

einen ſehr unangenehmen Geruch. | 

Batzenmuͤnze“ ) hat eine holzigte Wurzel, die 
fi in verſchiedne Zweige theilt, und aus der ein un⸗ 
gefahr drey Fuß hoher Stengel aufſchießt. Die 
Blätter find wie Neſſel oder Betonienblaͤtter, und 
G 8 . 2 . „haben 
O Indigofere ifoliae L? ser) N cataria L. 


9 = 


136 
haben einen ſtarken — ni 


nen ſcharfen beiſſenden Geſchmack. Die Blumen 
wachſen oben auf den Zweigen, und haben eine 


2 
“ 


blaſſe Purpur oder weiſſe Farbe. Man nennt dieſe 
Pflanze Katzenmuͤnze, weil die Katzen einen Wi, 


derwillen gegen ſie haben und ſie ausreiſſen ſollen. 
Sie hat faft einerfen W e mit be Kea, 
ſemünze. 


Blumen. 


Von Blumen giebt es hier Stiefmütterchen, 1) | 


rothe und gelbe Lilien, Wafferlifien, ) Schluͤſſel⸗ 


blumen, ) Mayblumen, Roͤhrenbaͤume,) Geis 


blatt, “) Felſengeisblatt, 7 rothe und weiſſe Roſen, 
wilde Nelken, ) wilde Stockrosen, 0 und Gilden 
wundkraut. n 


f 


Ich will . nicht auf bf eine x umfänhäfe 2 Des 


ſchreibung dieſer Blumen einlaſſen, ſondern blos 
anmerken, daß ſie den europaͤiſchen Blumen glei⸗ 
ches Nahmens ſehr aͤhnlich ſehn, und ihnen ſowohl . 


an A der Farbe, als an Vollkommenheit 
ie 


8 1 


*) Viola tricolor 25 2 Nymphæa. 991 Primula 1 . 


*) ConvallariamajalisL. ) Philadelphus ‚eoronariusl. 


0 Lonicera caprifolium L. 79 perielymenum america 
num Milleri? *)Dianchus, ® Wales . i 


virgauren L. f „ 


437 


des Geruchs ſo nahe W als man es von 
wildwachſenden Pflanzen erwarten kann. 


a 45 Hülſenfrüchte Rem, 
Von Huͤlſenfruͤchten hat man bier Mais oder 
indiſch Korn, wilden 1 Bohnen, Melonen: 
‚Beben... ae 
Mais oder indiſch Norn wächſt ungefähr | 
fünf bis ſechs Fuß boch, der Stengel iſt ſteif und 
ſeſt, bat viele Gelenke, und ſo lange als er noch 
gruͤn iſt, einen Ueberfluß von ſuͤßem Saſte. Die 
Blaͤtter ſind wie beym Schilf geſtaltet, und unge⸗ 
faͤhr z zwey Fuß lang „ und drey bis vier Zoll breit. 
Die Blumen 8 kommen auf der naͤmlichen Pflanze 
aber i in einer Entfernung von der Frucht hervor, und 
wachſen wie Haferaͤhren. Sie ſind bald weiß, bald 


gelb, bald purpurfarbig. Die Saamenkoͤrner ſind | 


ſo groß als Erbſen, und vollig ſo glatt wie dieſe. 
Sie haben eine rundlichte, aber dabey etwas zuſam⸗ 


mengedruͤckte Oberflaͤche. Eine Aehre beſteht 9 | 


wöhnlich aus ungefähr fechshundert Körnern, die 
in Reiben von acht bis zehn und zuweilen gar von 
wwöff dicht an einander ſißen. Dieſe Art Getraide 
Se 3 „ iſt 

1 Tea Nass L. . 
u wi Dies iſt von den maͤnnlichen Blumen zu verſtehn, 
die von den weiblichen, aus denen die Frucht ent⸗ 

aht, abge ſondert ben: | 


* 


iſt eben ſo leicht zu verdauen, und ben 0 nab haft 


als jede andre e. Die Indier ſtoßen es zu Mehl, 


machen uchen daraus, und backen ſie am Feuer. 


Ich habe ſchon oben angeführt daß etliche Volker⸗ 
ſchaften Kuchen aus Mais eſſen, ehe er reif wird, und 
daß er auch alsdann ſchon ſebt an und 
nahrhaft iſt. 15505 1 
Wilder Reise. 1 Dieſe Getreideart, die in allen 


9 innern Theilen von Nordamerika im größten Ueber⸗ 
fluſſe waͤchſt, ift in dieſem Lande das ſchaͤtzbarſte 
von allen freywilligen Produkten der Natur. Opne 


den Nutzen zu rechnen, den er den Menſchen, die 
dieſen Theil des feften landes bewohnen, 45 unmit⸗ 
telbar bringt, da ſie weiter keine Muͤhe, als beym 


Einſammlen, darauf zu wenden brauchen, fe, zieht 


ſeine Suͤßigkeit und ſeine nahrhafte Eigenſchaft 


eine ungeheure Menge wilder VBoͤgel von allen 
Arten aus den entfernteſten Himmelsſtrichen her; 
N ben a die davon ungemein fett und wohlſchmeckend 
werden. In kuͤnftigen Zeiten wird er neuen! Manz 


ſtaͤdten in ihrer Kindheit zu einer großen Sruͤße 
und ihrem Unterhalte ſo lange, dienen I bis ſie fich, 
durch den Bau ihrer kaͤndereyen andre Huͤlfsmit⸗ 
tel verſchaffen koͤnnen. In andern Gegenden hin; 
gegen, denen die Natur dies reiche Geſchenk ver⸗ 
feet hat, find we erſten Anbauer immer durch den 
ene 


{ 


1 


\ 


4390 
Mangel der nothwendigen Suben großen Br 
E ſchwerden ausgeſetzt, wenn der Himmelsſtrich auch 
noch ſo gemaͤßigt, und der Erdboden noch ſo frucht⸗ 
bar iſt. Dies nuͤtzliche Getreide waͤchſt im Waſſer, 


wo es einen reichen ſchlammigten Boden findet, . 


und ſteht ungefähr zwey Fuß tief. Seine Stengel 
und ſeine fruchttragenden Zweige oder Aehren ſind 
Hafer in dem aͤuſſerlichen Anſehn und ihrem Wachs⸗ 
tthum ähnlich. Die Halme find voller Gelenke, 
und erheben ſich über acht Fuß uͤber dem Waſſer. 
Die Indier ſammlen das Korn auf folgende Art 
ein. Gegen die; eit, daß es anfaͤngt zu reifen, 
fahren ſie mit Kanoden zwiſchen die Halme, und 

binden ganze Buͤſchel davon grade unter den Aehren 
mit Baſt zuſammen, und laſſen es ſo zuſammenge⸗ 
bunden noch drey bis vier Wochen länger ſtehn/ 


bis es völlig reif wird. Gegen das Ende des 


Septembers kommen ſie an den Fluß zuruͤck, wo 
jede Familie ihren angewieſenen Theil einſammlet / 
| den m an der Art, die Garben zu binden, kennen 
kann. Sie bringen dabey ihre Kanoe fo dicht als 
moͤglich an die Reisbuͤndel, damit das Korn hinein⸗ 


fallen kann, wenn ſie es ausſchlagen, welches ſie a 


mit beſonders dazu eingerichteten Stuͤcken Holz 

thun. Wenn ſie damit fertig ſind, ſo trocknen ſie 

aun; Raͤuchern, und treten oder reiben die Huͤlſe 
Ee 4 a ab; 


42 
abz und wenn es auf dieſe Art zum Gebrauche 
völlig fertig iſt, fo thun fie es in Hirſchkaͤlber⸗ oder 
junge Buͤffeihaͤute, die fie faſt ganz dazu abzie⸗ 
hen, und eine Art von Sack daraus naͤhen; und 
bewahren es darinn auf, bis zur naͤchſten Erndte. 
Man hat viel daruͤber nachgegruͤbelt, warum dieſe 
wildwachſende Getreideart in keiner andern Ge⸗ 
gend von Amerika, oder in ändern gefunden wird, 
die unter der naͤmlichen Breite liegen, da doch die | 
9 Gewaͤſſer daſelbſt ſich eben ſo gut dazu ſchicken, als 
in dem Himmelsſtriche, von dem ich jetzt rede. 
So bringt zum Beyſpiele keines von den Landern, 
die ſuͤdwaͤrts und oſtwaͤrts von den großen Seen 
liegen, und ſelbſt keine von den Provinzen nord⸗ 
waͤrts von Karolina bis an die aͤuſſerſte Grenze von 
Labrador, irgend etwas davon hervor. Ich fand 


iR zwar eine große Menge davon i in den feuchten Ge⸗ 


genden bey Detroit, zwiſchen den Seen Huron 
und Erie; allein ich erfuhr, daß es bloß zur B Bluͤthe 
und nie zur Reife kaͤme, ſondern daß es alsdenn 

verwelkte und abſtuͤrbe. Dies uͤberzeugt mich, 
daß der Nordweſtwind, wie ich ſchon oben bemerkt 
babe, i in dieſen Gegenden weit heftiger iſt, als in den 
inlaͤndiſchen, und daß er den Erdfruͤchten weit mehr 
ſchadet, nachdem er Über die Seen gekommen iſt, 
und ſich mit dem Winde vereinigt hat, der aus 
e den 


werden von den Indiern gekocht, und größrenpete 
9 mit Baͤrenfleiſch gegeſſen. 
ii Die Melonenpfebe. Es giebt bier ebenfalls 


deren ſich verſchiedne Voͤlkerſchaften anſtatt des 


man die runde, den Kranichhals, die kleine platte, 
und die große länglichte. Die kleinern Arten wer⸗ 
den gekocht, und des Sommers uͤber als Zugemuͤſe 


Geſchmack. Der Kranichhals, der die uͤbrigen 
weit übertrifft, wird, gewoͤhnlich zum Wintervor⸗ 
rathe aufgehaͤngt, und kann ſich n W 1 


lange nicht mit der Genauigkeit eines Naturkuͤn⸗ 
digers abgehandelt habe. Ich habe weder alle 
| 1 5 . und Pflanzen, die ſie hervor⸗ 
Le 5 bringen, 


441 
den kalten * 8 daun ft, als er 
es weiter nach Weſten thut. | 

Bohnen. Dieſe haben hier faft eben die Ge⸗ 
ſtalt, als die europaͤiſchen Bohnen, allein ſie ſind 0 
nicht viel groͤßer, als die kleinſten davon. Sie 


verfiehne Arten Melonen oder Kuͤrbiſſe, die von 
einigen Melonenpfeben genannt werden, und 


Brodtes bedienen. Von Melonenpfeben bat 


gegeſſen. Alle zuſammen haben einen angenehmen 


nathe hindurch halten. 


Ich bin es mir voͤllig ne daß ich die vor⸗ 


hergehende Beſchreibung von den Produkten der 
Natur in den innern Theilen von? tordamerika 


4 


bringen, angegeben, noch diejenigen, welche ich 
beſchrieb, unter ihre gehörigen Geſchlechter nach 
linneiſcher Methode gebracht; allein die Grenzen 
meines jetzigen Werks wollten es mir nicht erlau⸗ 
ben, dieſen Gegenſtand weitlaͤuftiger abzußendeln: 
Wenn jedoch der Beyfall des Publikums eine zweyte 
Ausgabe nörhig machen ſollte, wie ich nach der An⸗ 
5 zahl meiner S Subſeribenten hoffen darf, ſo werde 
ich meinen Plan betraͤchtlich erweitern, und ver⸗ 
ſchiedne unterhaltende Umſtaͤnde und Beſchreibun⸗ 
gen einruͤcken, die ich bey der jetzigen kleinen Aus⸗ 
| 58 ere oder er gömich er | 


Nie bauder zwichen den großen Seen fend vent i 
2 Fluſſe Miſſt ſippi, und von dieſem ſuͤdwaͤrts 
nach Weſtflorida zu, liegen zwar mitten auf einem 
feſten Lande und in einer großen Entfernung vom 
Meere, allein demungeachtet könnte leicht eine Ge⸗ 
meinſchaft zwiſchen ihnen und andern Reichen er⸗ 
offnet werden „und aus kuͤnftigen Pflanzſtaͤdten | 
dadurch ein reicher Handlungsſtaat entſtehn. Der 

' große Fluß Miſſiſippi, der durch fiel hinlaͤuft, 
wuͤrde ihre Bewohner eben ſo gut dazu in den Stand 
ſetzen, als der Euphrat, der Nil, die Donau und 
Wolga den Bewohnern ihrer Ufer dazu behuͤlflich 
find, die Fein ander Huͤlfsmittel zur Ausfuhr ihrer 
Produkte und zur Einfuhr fremd 


nder Waaren haben, 
als Boote oder leichte Fahrzeuge, und die unge⸗ 
achtet dieſer er W und reiche 1 1 
Völker enden find, Ä * 1 5 
Der Miſſiſippi fließt, wie ich ſchon Win . 
merkt hatte, von Norden gegen Suͤden, und durch⸗ 
Taufe grade den fruchtbarſten und gemaͤßigſten \ 
Theil von Nordamerika, ſeine beyden Enden aus⸗ 
| genommen, davon das eine an den kalten, und . 
das andre an den Vertem Erdguͤrtel ſtoͤßt. Dieſe 
| em 


güͤnſtige lage zeigt die beſten Ausſichten zu einem 

vortheiſhaften und ausgebreiteten Handel, ſobald 

als feine Ufer mit Einwohnern bedeckt feyn werden. 
Die ſuͤdlichern Gegenden werden faſt von ſelbſt 
Seide, Baumwolle „Indigo und Toback hervor⸗ 
bringen; ; und die noͤrdlichern Wein, Oehl, Fleiſch, 
Tel, Häufe, Baumwolle und Pelzwerk, nebſt 


Bley, Kupfer, Eiſen, Kohlen, Holz, Getreide, 


Reis und Fruͤchten, und auſſerdem noch Erde und 
Rinde zum Faͤrben liefern. 

Dieſe Stüde, an denen fie den el Ueber⸗ 
fluß haben „ koͤnnen auf dieſem Fluſſe mit eben ſo 
großer Leichtigkeit auf die Kuͤſte gebracht werden, 
als es auf andern von den eben erwaͤhnten Fluͤſſen 
geſchehn kann. Der Miſſiſippi macht zwar die 
Grenze zwiſchen den engliſchen und ſpaniſchen 
Pflanzungen, und fein Ausfluß gehört ganz den 
Spaniern, die deswegen die freye Fahrt darauf 
leicht ſtoͤren, und den erſten Unternehmern den 
Muth ſehr benehmen konnen; allein wenn die Vor⸗ 


teile, die Pflanzern nothwendig daraus erwachſen 


muͤſſe ſen, erſt einmahl recht bekannt ſind, ſo werden 

Haufen von unternehmenden Leuten, durch dieſe 

guͤnſtigen Ausſichten angereizt, dahin ziehen, und 

ſich in dieſem Lande . wenn es e, 

me von Blut koſten ſollte. nd r 
| Oder 


* 


Oder follte auch die Nation, die ſich im Beſitz 
von Neuorleans befindet, ſich feindſelig gegen die 


inlaͤndiſchen Pflanzer bezeigen, fo können dieſe ſich 


vermittelſt des Fluſſes Iberville den Weg zum 
Meerbuſen von Mexico bahnen, der aus dem Miſſi⸗ 
ſippi entſteht, und durch den See Maurepas in den 

See Ponchartrain faͤllt, welcher wieder mit dem 
Meere eine Gemeinſchaft auf der Kuͤſte von Weſt⸗ 
florida hat. Der Fluß Iberville trennt ſich vom 


Miſſeſippi ungefaͤhr achtzig engliſche Meilen übers 


halb Neuorleans, und koͤnnte, ungeachtet er jetzt 


an verſchiednen Stellen verſchlaͤmmt iſt, leicht und 


mit wenigen Unkoſten ſchiff bar gemacht werden, 


wenigſtens fuͤr ſolche Fahrzeuge, als die biefige 


Handlung erfordern würde. 

Die Englaͤnder haben zwar ſeit dem letzten Frie⸗ 
den eine ausgebreitetere Kenntniß von den inlaͤn⸗ 
diſchen Gegenden erlangt, als ſelbſt die Franzoſen 
vorher beſaßen, aber dennoch giebt es viele von 


ihren Produkten, welche ihnen unbekannt geblieben | 


find. Ich wandte alle mögliche Mühe und Auf⸗ 
merkſamkeit an, in der kurzen Zeit, die ich mich 
darinn auf hielt; allein ich muß demungeachtet ge⸗ 
ſtehn, daß meine Kenntniſſe lange noch nicht ſo 
vollkommen find, als ich wuͤnſchen mögte, und daß 

noch fernere eee noͤthig ſind, um die 
5 | Welt 


445 


von 


Welt den bub Pa dieſer lange verborgen 
gebliebenen Gegenden kennen zu lehren. 


Die Strecke des Miffifippi, von der men bis⸗ 


ber noch keine Karten aufgenommen hat, betraͤgt 


achthundert engliſche Meilen. Die Gegenden, wel⸗ 


ner Reiſekarte mit eingeſchloſſen. Von den Ge⸗ 


von dem Fluſſe Illinoa bis an den Uisfonſin uͤber | 


che nordwaͤrts von dem letztern liegen, ſind in mei⸗ f 


genden vom Fluſſe Illinoa bis an den Meerbuſen 


Miſſiſippi zwiſchen dem Fluſſe Illinoa und dem 


0 Meere, nebſt den Fluͤſſen Ohio, Tſcheroki und 


Nexiko hat man Zeichnungen von verſchiednen 
Erdmeſſern. Und jetzt habe ich das Vergnuͤgenzu 
erfahren, daß eine Karte von den Gegenden des 8 


— 


Uabatſche, die ein ſehr geſchickter Erdmeſſer auf 


der Stelle ſelbſt aufgenommen hat, geſtochen u 


bald herauskommen wird. Ich fehmeichle ı mi 
die darin enthaltenen Beobachtungen meine Erfah⸗ 
rungen beftätigen, und den Entwurf befördern wer⸗ 


den, den ich hier empfohlen habe, da ſie von einem 


Manne herruͤhren, der ſeine Kenntniß der Gegend 


Ai blos feinen eignen Unterſuchungen zu danken hat, 
und der dabey aue men Beurtheilungs⸗ 
ER 120 e e ee ee ee 


* Thonet Hüichite Esq. dt ice 


oder Koͤnigl. amerikaniſchen Regiment zu Fuß. 


sang Man ö 


Man konnte die Gegend am oſtlichen Ufer des 
Miffifippi bequem i in Diſtrickte abtheilen, um klei⸗ 
nere Pflanzſtaͤdte darin anzulegen. Ich habe dazu 
blos Gegenden ausgeſucht, die nahe an einem Fluſſe 
liegen, und daher alle Vorzüge Km: die 15 vor⸗ 
im aten 1 
Jedoch iſt es zur Antogung dieser Pfanſdt 
i nothwendig daß ſich die Unternehmer auf die ges 
braͤuchliche Art Privilegien verſchaffen, und die 
Ländereien denen abkaufen, die durch einen langen 
Beſitz Anſpruch darauf machen konnen. Allein 
dieſer Umſtand wird fuͤr ſie von keiner gröffern 
Schwierigkeit ſeyn, als er es ehemals den erſten 
Stiftern jeder Kolonie auf dem feſten ande war; 
denn da die Anzahl der Indier, welche dieſe Gegen⸗ 
den bewohnen, im Verhaͤltniß ihrer Größe, ſehr 
gering iſt, ſo werden ſie ohne Zweifel Landereyen, 935 
die ihnen gar nichts nuͤtze ſind, fuͤr einen billigen 
Preis verkaufen, oder zum Vortheile ihrer neuen 
Nachbarn vom Miſſtſi ſiſippi ab Landeinwaͤrts ziehn, 
da die Schiffarth auf dieſem Strome auf m. Bft 
ſtand keinen weſentlichen Einfluß haet. 
Der nordlichſte Diſtrickt, den ich zu einer be⸗ 
ſonde en Pflanzſtadt abtheilen würde, liegt zwiſchen 
dem acht und dreyßigſten und ein und vierzigſten 
1 State nörötichen Breite. Er bat eine * 
ei | rl 


als die übrigen aber demungeachtet bin ich Übers 
zeugt, daß die Luft darin weit gemaͤßigter iſt, als 
in den Landern, die weiter nach Oſten unter der naͤm⸗ 


lichen Breite liegen. Der Boden iſt vortreflich, 


und es giebt eine große Strecke am Miſſtſippi, in 
der man keine Wälder antrifft, da hingegen die 


nordoſtlichen Grenzen gut beholzt finde Gegen die 
Quelle des Fluſſes St. Croix zu waͤchſt Reis in 

großer Menge, und man findet daſelbſt ebenfalls | 
einen Ueberfluß von Kupfer. Der Waſſerfall vn 
St. Anton liegen zwar an dem ſuͤdoſtlichen Winkel 


von dieſer Abtheilung, allein die Schiffahrt wird 


nicht vollig dadurch geſtoͤrt, da der Fluß St. Croir, 


der durch eine große Strecke ihres füdfichen Theiles 


2 laͤuft grade unterhalb der Waſſerfaͤlle in den Miſſi⸗ 
ſippi falt, und fo ſanft fließt, daß Boote bequem | 
darauf fahren koͤnnen. Dieſe Abtheilung betragt 


ungefähr hundert Meilen von Nordweſten nach 


Suͤdoſten, und hundert und zwanzig Meilen von 


Nordoſten nach Suͤdweſten. 


Der zwenyte Diſtrickt grenzt an den vorigen, nd | 
” erſtreckt ſich füdwärts bis in die Mitte des ſieben und 
dreyßigſten Grades nordlicher Breite. Dieſer Strich 


übertrifft, wie ich ſchon in meinem Tagebuche be⸗ 
ſchrieben habe, die größten wbeserhebungen, welche 
ich uch geben Fan, und erna iſt er völlig 
unbe⸗ 


rr 


449 
unbewohnet und der Ueberfluß von Segen „den 
die Natur uͤber dieſe himmliſche Gegend ausgegoſſen 
hat, kehrt ungenutzt zu dem Schoße zuruͤck, aus 
welchem er herkam. Der See Pepin, wie ich ihn 
mit den Franzoſen nenne, liegt innerhalb ihrer 
renzen. Der See hingegen, der eigentlich dies 
fen Nahmen führe, liegt etwas oberhalb des Fluſſes 
St. Croix; allein da alle Handelsleute dem untern 
| See dieſen Nahmen geben, ſo habe ich ihn beybe⸗ 
halten, ungeachtet mich die Indier eines beſſern be⸗ 
lehrten. Dieſe Kolonie liegt in ungleichen Win⸗ 
| keln, und ich kann ihre Weiten daher nicht beſtim⸗ 
men; allein ſie ſcheint im Durchſchnitte etwa hun⸗ 
g dert und zwanzig Meilen 1. und achtzig breit 
zu ſen. | 
Der vierte Diſtrickt beſtabt aus nee ben 
vereebne Güte. Die beſten liegen an den Ufern 
der gruͤnen Bucht und des Fuchsfluſſes, wo es uns 
zaͤhlige Morgen Landes giebt, die mit ſchoͤnem Graſe 
bedeckt ſind, das bier eine auſſerordentliche Hoͤhe er⸗ 
reicht. Dieſer Fluß ſchickt fich in ſeinem ganzen Laufe, 
der ungefaͤhr achtzig engliſche Meilen betraͤgt, fuͤr 
Boote ſehr gut, ausgenommen zwiſchen dem See 
Winnebago und der gruͤnen B Bucht, wo man auf 
einer Strecke von dreyßig Meilen verſchiedne Tu 

gepläge antrifft. Der Fuchsfluß iſt Berühmt: we⸗ 
Lurvers Reiſen. Ff gen 


5 


gen des Reiſes/ se im Ueberſuſſe an feinen ufern 
waͤchſt, und unzaͤhlbare Schaaren von wilden Vd⸗ 


geln herbeyzieht. Das Land, das nahe dabey liegt, | 


ſcheint ſehr fruchtbar zu ſeyn, und wuͤrde die größte 


Anzahl von Einwohnern mit allen Lebensbeduͤrf⸗ 8 
niſſen reichlich verſehn koͤnnen. Die Pflanzer koͤnn⸗ 


ten ſich von hier aus uͤber der gruͤnen Bucht, die 
Seen Miſchigan, Huron, Erie und Ontario mit 


Kanada und mit andern Gegenden vermitteſſt des 


Uisconſin, der in den Miſſtſippi fällt, eine Ges 


meinſchaft eröfnen. Dieſe Abtheilung iſt von Nor 


den nach Süden ungefähr hundert und ſechszig Wel, 
en gt und hundert und vierzig Meilen breit. 


Der fuͤnfte Diſtrickt, iſt ein vortreflicher Erich 5 


1 „und hat, wenn man ſeine Lage mitten auf 
dem feſten Lande betrachtet, / größere Vorzuͤge, als 
man erwarten ſollte. Denn da der Miſſt ſippi an 


ſeinen weſtlichen Grenzen und der Fluß Illinoa an 


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= aba Adee A fließe, 29 8 er eine een | 1 


gen. Die weichen Gegenden darin bude etwas 
bergicht, allein man trifft auch viele unbeholzte 


Ebenen darin an, die einen reichen Boden, und 
viele fruchtbare Wieſen haben, und auſſerdem noch | 


ziemlich viele Erzgruben. Er hat über zweyhundert 


Meilen von Norden nach Suͤden in die Lange, und 


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1 ee Re Difirit liegt an 1 den Duelen d der ö 
Fluͤſſe Illinois und Uabatſche, wovon jener unmit⸗ 
telbar, dieſer aber durch den Ohio in den Miſſiſippi 
fall. Durch dieſe beyden Fluͤſſe kann ſie daher 
leicht eine Gemeinſchaft mit dem Meere erhalten, 
und da der Fluß Miamis, der in den See Erie falt, 


durch fie binfließt, ſo würde: dadurch der Handel 
mit Kanada uͤber die Seen ſehr erleichtert werden. 
Sie enthält. viel fruchtbares Land, und wi ird, ob 


ſie gleich tiefer im dande liegt, eben 0 blͤhend wer⸗ 


den, als irgend eine der uͤbrigen. Von Norden 
nach Suͤden erſtreckt fie, ſich aa pe a; hundert 


und ſechszig und von Oſten nach W Me auf huns 
W t und achtzig Meilen. r 

Die fiebente Abtheilung weicht dune der vorher, 
ee Ihre nordlichen Grenzen liegen am 


Fluſſe Illinoa, und ihre weſtlichen am Miſſt ſippi, | 


und ihre Lage iſt aher zum auswaͤrtigen Handel 
ſehr bequem. Sie bat einen Ueberfiuß an allen tes 
bensbeduͤrfniſſen, und erſtreckt ſich ungefähr hun⸗ 
dert und funfzig Meilen von Norden nach Suͤden, 
und ſechszig Meilen von Oſten nach 5 
da fie eine ſehr unregelme ßige Figur hat, ſo laſſen 
m ihre Weiten nicht genau beſtimmen. 
55 hl Mit 


em und funf ig von Ofen nach 3 . die | 


Weſten, allein 


Mitten durch den achten Diſtrickt fließt de Fluß | 
Uabacſche, und auf ſeiner ſüdlichen Grenze der 
Ohio, wodurch feine Handlung ſehr beft ördert w wer⸗ 
den kann. Er iſt ungefähr hundert und vie 15 
Meilen von Norden nach Suͤden lang, und bun, N 
dert und dreyßig von Oſten nach Weſten breit. 1 
Die Gegend, die darauf folgt und auch in dren 
Diſtrickte abgetheilt werden koͤnnte, hat eine den 
vorhergehenden ähnliche dage und gleiche Vortheile, 
und daher will ich blos ihre Größe anzeigen. Nr. 9 N 
iſt ungefähr achtzig Meilen breit und lang, br 
| dennoch Fein vollkommnes Viereck. Nr. 10 hat 
faſt die naͤmliche Figur und G Größe. Nr. 11. iſt 
weit größer, da ihre kaͤnge von Norden nach Suͤden 
bundert und funfzig, und ihre Breite von Oſten 
nach Weſten hundert und vierzig Meilen beträgt, 
ſo weit namlich, als ihre unregelmaͤßige ‚Figur 
eine genaue Berechnung verſtatter. 
Nach der Beſchreibung/ die ich ſchon bon diefe 
reeitzenden Lande gemacht habe, brauche ich Kali 2...) 
noch hinzuzuſetzen, daß alle die © Gegenden, die ich 6 
zur Anlage von Kolonien empfohlen habe, mit allen i 
debensbeduͤrfniſſen, als Reis, Buͤffeln, Baͤren u. ſ. w. 
reichlich verſehn ſind, und daß ſie in gleichem Ueber⸗ ’ 
fluſſe Stücke, die blos zum Luxus gehören, ‚hervor; 
bringen * um ihren Einwohnern durch Tauſch 
alle 


a u en er Den 


alle ihnen notwendigen. Diodufe ere rde 
ae zu verſchaffen. 

Die Entdeckung einer RE Durchfahrt 
| meh Indien hat zu unzähligen Unterfüchungen An⸗ 
laß gegeben. Es wurden ſelbſt viele Verſuche ge⸗ 
macht, um aus Hudſonemeerbuſen in das ſtille 
Meer zu kommen, aber alle ohne Erfolg. Ich werde 
mich daher nicht bey den Vortheilen aufhalten, 
die aus dieſer ſo ſebr gewuͤnſchten Entdeckung ent⸗ 
ſtehen würden, ſondern mich blos auf die Methoden 

einſchraͤnken, durch die fie Fünftigen Unternehmern 

am wahrſcheinlichſten gelingen kann. 

Die vielen vergeblichen Verſuche, die man bis⸗ 
her hierin gemacht hat, ſcheinen den Entdeckungs⸗ 
geiſt völlig auf eine andre Bahn geleitet zu haben, 
und dieſe wichtige Unternehmung wird faſt ganz als 
unausfuͤhrlich aufgegeben; allein ich glaube, daß 
der bisherige ſchlechte Erfolg weniger von der Un⸗ 
moͤglichkeit der Sache ſelbſt, als davon herruͤhre/ daſt 
man ſie an einer unrechten Stelle angefangen hat. 

Alle Seefahrer, die auf die Entdeckung dieſe 1 
Dinh er ausgiengen, ſegelten zuerſt in Hudſons⸗ 
meerbuſen. Die Folge davon war, daß ſie die 

Jahrszeit, in welcher dieſe Meere allein ſchiff 


ff bar 
ſind, damit zubrachten, viele von den Seearmen, 
die daraus ins Land hineingehn, zu unterſuchen, 


Sf 3 ohne 


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— 


en e een fie — jun, 908 Furchen eins 


zufrieren, und folglich gezwungen zu feyn, bis zum 


naͤchſten Sommer in dieſen den und traurigen 
Gegenden zu bleiben. Selbſt die, welche fanden, 
daß die Kuͤſten anfiengen, ſich von einander zu 


trennen, und daher auf einen guten Erfolg hoffen 


konnten, wurden von der Fortſetzung ihrer Reiſe 


e durch die Furcht abgeſchreckt, daß der Winter ein⸗ 


fallen wuͤrde, ehe ſie ein gemäßigteres Klima errei⸗ 
chen koͤnnten. 


Dieſe Furcht ſchreckte ſelbſt die kübnſten 4 
ab, ihre Unternehmung vollig auszuführen, und 


machte jeden Verſuch ruͤckgaͤngig. Allein da man 


entdeckt hat, daß es in den nordlichen Gegenden des 
ſtillen Meeres verſchiedne Einfahrten giebt, die ſich 


gegen Hudſonsmeerbuſen zu erſtreckten, ſo darf man 
nicht zweifeln, daß nicht von jener Seite her eine 
N Durchfahrt entdeckt werden ſollte, wenn man nur 
zu einer bequemen Jahrszeit darauf ausgienge. 


Sollte auch dieſe Erwartung fehlſchlagen, ſo wuͤr⸗ 
den fich die Unterſucher doch nicht in der naͤhmlichen 


gefährlichen tage befinden, als wenn ſie von Hud⸗ 
ſonsmeerbuſen ausgiengen. Denn von der Seite 
der Suͤdſee konnen ſie immer durch ein offnes Meer 
nach warmern Gegenden zuruͤckkommen, ſelbſt wenn 


ver⸗ 


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| berſchiedne wiederhoblte Verſuche fruchtlos ausfal⸗ 
len ſollten. Und dieſe Sicherheit wird ſie in den 


Stand ſetzen, mit größerer Zuverſicht zu Werke zu 
gehn, und vielleicht ein Mittel ſeyn, das zu Stande 


zu bringen, was zu em: eh und * 55 
m verhindert hat. | 
Dieſe G 
Plans hatten ſo viel Gewicht, daß ſich Herr Richard 
Whitworth, Parlamentsglied fuͤr Stafford/ ein 


Mann der eine ausgebreitete Kenntniß in der Erd⸗ 


be chreibung beſitzt, und immer bereitwillig iſt, alles 


zum Beſten einzelner Mitbuͤrger oder des ganzen 
Staates beyzutragen, auf einen und andrer Vor⸗ 


ſtellungen von der eichtigkeit der Sache im Jahre 
1774 entſchloß, durch das feſte Land von Amerika 


zu reiſen, um einen rg zu e ige Unters | 


bee auszuführen. 
Er hatte die Abſicht, faſt den nähren weg 


zu gehen / den ich auf meiner Reiſe nahm. Es ſollte 
ein Fort am See Pepin gebaut werden, alsdenn 


wollte er den Fluße St. Peter (Pierre), und darauf 


einen Arm vom $ luße Meſſorie hinaufgehn, bis er 


an die Quelle des Oregan oder weſtlichen Fluſſes 


| kaͤme, der jenſeits der hoͤchſten Gegend liegt, wel⸗ 


che die Gewaͤſſer, die in den Meerbuſen von Mexico 
fallen, von denen trennt, welche fich ins ſtille Meer 
a er⸗ 


455 


unde zur Beinbering: des bicherigen 


ergieſſen. Dieſen Fluß wollte er hinabſegeln, bis 
an die Stelle, wo er in die „ 1 Ki 
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Hier ſollte ein gwehtes — aufe einer Stelle W 
gelegt werden, die ſich zur Erhaltung ſeiner Leute 4 
am beſten ſchickte; und nicht weit von irgend einer 
Einfahrt entfernt waͤre, und von dieſem Forte aus 
wollte er ſeine Unterſuchungen anfangen. Er hatte / 
ſich Oberſt Rogers, mich und verſchiedne andere N 
) en Zu Begleitern gewaͤhlt, und wollte eine hinreichende 1 
Anzahl von Handwerkern und Seeleuten mit fih 
nehmen, die er zum Bau ſeiner Forte und Schiffe,, 
und zu ihrer Bemannung noͤthig haben koͤnnte. 
Alle zuſammen ſollten ſich bis auf funfzig oder 
ſechszig erſtrecken. Die gehoͤrigen Vollmachte 
und andre dazu erforderlichen Stuͤcke waren ſchon | 
faſt ganz fertig, als die jetzigen Unruhen in Amerika 
ausbrachen, wodurch ein Unternehmen ins Stecken 
gerieth, welches den brittiſchen Staaten een 
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